Paracelsusbad

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Begriffsklärung
Dieser Artikel behandelt die Geschichte des neuen Paracelsusbades. Über das alte, gleichnamige Bad siehe Paracelsusbad (historisch).
Paracelsusbad, Sprungturm, Becken und Kletterwand im 3.OG
Paracelsusbad Neubau, August 2019
Blick aus dem Kurgarten auf das Gebäude.
Paracelsusbad, Schwimmbahnen im 3.OG
Paracelsusbad, Kleinkinderbecken und Liegebereich im 3.OG
Paracelsusbad, Familienbecken im 3.OG
Gastronomie Bad im 4.OG
SN: So sieht das Paracelsusbad von innen aus 01:18 min Video
Architektenmodell

Das Paracelsusbad ist ein Hallenbad an der Auerspergstraße in der Neustadt der Stadt Salzburg, das 2019 eröffnet wurde.

Das neue Paracelusbad 2019

Am 1. Dezember 2016 wurde das alte Paracelsusbad geschlossen. 1 046 Tage nach dem Badeschluss wurde am 11. Oktober 2019 das neue Paracelsusbad mit einem Festakt eröffnet und am Samstag, den 12. Oktober, um 09:00 Uhr, für die Besucher geöffnet.

650 Kästchen stehen den Besuchern im neuen Paracelsusbad zur Verfügung. Das ist die maximal mögliche Anzahl an Badegästen. Um die Schwimmbecken stehen 100 Liegen. Bademeister Andreas Mayerhofer sagte gegenüber den Salzburger Nachrichten, dass es das Reservieren von Liegen, etwa mit Handtüchern, nicht geben wird. Sollte es jemand trotzdem versuchen, werden die Handtücher eingesammelt und derjenige, der es sich dann abholt, dem werde man das schon erklären, sagte Mayerhofer. Seine Stimme klang dabei freundlich, aber unmissverständlich. Auch sonst gibt es Regeln: Essen und Trinken im Bade- und Saunabereich ist – abgesehen von den gastronomischen Bereichen – nicht erlaubt. Auch das Mobiltelefon muss in der Tasche bleiben, wegen der Lärmbelästigung, aber auch damit eine Bilder mit Badegästen gemacht werden können, die dann ohne deren Wissen in sozialen Netzwerken landen könnten.

Wellenförmig und in wechselnder Raumhöhe umgeben weiße Keramiklamellen die 1 800 Quadratmeter große Badelandschaft, deren geschwungene Decke es an ihrem höchsten Punkt auf 13 Meter Abstand zur Wasseroberfläche bringt. Es gibt auch ein 95 Quadratmeter großes Sprungbecken. Weitere Einrichtungen sind die 45 Meter lange Rutsche mit Lichteffekten, der Strömungskanal und die Liegen mit Sprudeleffekt.

200 000 bis 250 000 Besucher pro Jahr erwartet der Geschäftsführer der Tourismus Salzburg GmbH Bert Brugger. Der stärkste Tag 2019 war der 13. Oktober 2019, ein Sonntag mit 844 Gästen. An Wochentagen schwanke die Zahl der Bade- und Saunagäste zwischen 320 und 480.[1] Geht es nach seinen Berechnungen, dann soll das Bad im dritten Betriebsjahr eine schwarze Null schreiben. 33 bis 34 Grad Lufttemperatur herrschen im Badebereich. [2]

Betriebsleiter ist Gerhard Smöch (2019).

Gastronomie

Zehn Tage nach der Eröffnung des Hallenbades kündigte der Pächter der Gastronomie. Statt am 1. August fand die Schlüsselübergabe erst am 29. September statt, schilderte Pächter Hannes Schürz den Salzburger Nachrichten. Zudem seien - entgegen den Vertragsvereinbarungen - viele Bereiche nach wie vor nicht fertig. Dazu zählte beispielsweise die Terrasse, die man nicht nutzen könne oder der nur durch einen Brettertunnel zugängliche Eingang. Am ersten Wochenende hatte man mit 28 Mitarbeitern aufgesperrt, jedoch blieben die Besucherzahlen blieben deutlich hinter den prognostizierten Zahlen zurück sagte Lydia Wallner, die Partnerin von Schürz. Angesichts der Umstände habe man viele Lebensmittel wegwerfen müssen. Hinzu kämen hohe Personalkosten und starr vorgegebene Öffnungszeiten. In der Sauna mache man vor 15 Uhr kein Geschäft - der Gastronomiebetrieb müsse aber von zehn bis 21:30 Uhr geöffnet sein.

Wenige Tage später erfolgte eine Rücknahme der Kündigung. Schürz machte dann doch zumindest vorläufig weiter. Man hatte sich auf Mindestöffnungszeiten von zwölf bis 20 Uhr – anstatt von zehn bis 21:30 Uhr – geeinigt. Das reduzierte die Personalkosten und damit die größte Herausforderung erheblich.[1]

Baugeschichte

Neubau oder Umbau

Das alte Paracelsusbad entsprach Anfang des 21. Jahrhunderts nicht mehr den modernen Anforderungen. Umbau oder Neubau war schon vor der Jahrhundertwende ein Diskussionsthema. Als kleine Zwischenlösung wurde 2013 das Aya Hallenbad eröffnet.

2013 wurden innerhalb des Magistrats die Kosten für das neue Salzburger Hallenbad heiß diskutiert. Experten rechneten mit bis zu 90 Mill. Euro – das ist das Dreifache der ersten Annahmen. Experten im Magistrat Salzburg gingen davon aus, dass der Entwurf für den Neubau im Kurgarten enorm teuer werden könnte.

Die Gäste sollten bei dem Neubau auf mehreren Ebenen in einem weitgehend verglasten, futuristischen Bau schwimmen. Die Kosten hatten sich in den vergangenen Jahren durchaus rapide entwickelt. Ursprünglich hätte ja ein Spaßbad in Salzburg-Liefering errichtet werden sollen. Nach dessen Versenkung sprach die Stadt davon, rund 25 Millionen Euro in ein Bad am Standort des heutigen Paracelsusbads zu stecken – die Rede war von „Sanierung und Erweiterung“. Im September 2010 beschloss die Stadt dann einen Neubau neben dem Kurgarten. 30 Millionen Euro sollte dieser kosten. Allerdings gab es auch Pläne für eine „größere Lösung“ um 42 Mill. Euro. SPÖ, ÖVP und FPÖ fanden das damals aber zu teuer.

Zwei Jahre später schrieb die Stadt einen Architektenwettbewerb aus. Da lag der Kostenrahmen dann schon bei knapp 40 Millionen Euro. Ende 2012 war schon klar, dass auf drei Ebenen gebadet werden sollte. Bürgermeister Heinz Schaden sagte Anfang Juni 2013, er habe eine aktuelle, realistische Kostenschätzung bekommen, die sich auf 63 Millionen Euro belaufe. Wobei er hinzufügte, dass große Bauprojekte freilich immer auch teurer werden könnten. Die städtische Immobiliengesellschaft bewarb das Paracelsusbad neu auf ihrer Homepage. Das „Panoramabad am Kurgarten“ wird dort mit 56 Mill. Euro Baukosten netto beworben – also ohne 20 Prozent Umsatzsteuer für gewisse Gebäudeteile. Dies ergäbe gut 67 Millionen Euro, mit Möglichkeit kleinerer Ersparnisse, je nach Steueranfall. Insider sagten jedoch dazu: Kostenschätzungen in dieser Phase wiesen einen Unsicherheitsfaktor von 25 Prozent auf. Wobei Bauvorhaben tendenziell teurer, aber nicht billiger würden. Magistrats intern wurden die Baukosten des Paracelsusbads auf 70 bis 90 Millionen Euro geschätzt. Bürgermeister Schaden teilte diese Einschätzungen jedoch nicht.

Baustadträtin Claudia Schmidt (ÖVP) wollte zunächst einmal noch fehlende Machbarkeitsstudien abwarten und sehen, ob das ambitionierte Projekt überhaupt umsetzbar ist. Wenig Hoffnung für das Panoramabad hatte Gemeinderätin Doris Tazl: Viel zu hoch würden Bau-, aber auch Betriebskosten geraten. Schon allein, weil man für drei Ebenen drei Mal so viele Bademeister brauche. Tazl sprach von einem „Harakiri-Bau“ und ging davon aus, „dass das nie gebaut wird. Das ist nur ein Wahlkampfgag des Bürgermeisters“.

Noch Anfang 2009 wurde diskutiert, ob das alte Paracelsusbad nach der Errichtung des Spaßbades in Liefering geschlossen und das Gebäude abgerissen werden sollte. Doch nach dem ersten Bürgermeisterwahlgang am 1. März 2009 wandelte sich die Einstellung von Bürgermeister Schaden und er begrub das neue Spaßbad. Er ließ wissen, dass das alte Paracelsusbad abgerissen und neu errichtet werden sollte. Für die Errichtung des Spaßbades in Liefering waren 50 Mill. Euro vorgesehen, wovon nun um 25 Mill. Euro in das neue Paracelsusbad investiert werden sollen.[3]

Dann folgte im Herbst 2009 ein Dämpfer: Das Bundesdenkmalamt wollte prüfen, inwieweit nicht die Fassade des alten Paracelsusbads unter Denkmalschutz fiele. Doch bis Sommer 2010 waren diese Zweifel ausgeräumt und die Stadtregierung nahm im September einen neuen Anlauf: Ein über 30 Mill. Euro teurer Vorschlag sah den Abriss des 1956 erbauten Hallenbad- und Saunatrakts vor, die an gleicher Stelle neu errichtet werden sollten. Eine Erweiterung sollte dem Kurhaus Salzburg über dem Bad Platz bieten.

Vorgesehen bei dieser Variante waren 6 000 m² für Bad, Sauna und Wellness, davon 800 m² Wasserfläche einschließlich zweier kleiner Freibecken. Gleichzeitig sollte das Aya-Bad für den Schul- und Vereinssport eine Überdachung in Leichtbauweise um drei Millionen Euro erhalten.

Projektbeschreibung Neubau

2017 wurde erstmals ein Modell des Paracelsusbad-Neubaues präsentiert – und zwar von Architekt Alfred Berger und dem Chef der städtischen Immobiliengesellschaft (SIG), Alexander Schrank. Das Projekt wurde auf Schautafeln sowie mit dem neuen Architekturmodell ab Mitte Februar 2017 in der Wolf-Dietrich-Halle des Schlosses Mirabell ausgestellt.[4][5]

Der Baukörper des Badehauses definiert sich als Übergang zwischen gründerzeitlicher Hauskante der Auerspergstraße-Schwarzstraße und dem historischen Kurgartens. In seiner Form nimmt er Bezug auf den Bastionsgarten und ist somit auch ein Kontrast zu den alten Wehrmauern und dem Rosenhügel im Kurgarten. Am Durchgang Auersperg-Schwarzstraße bilden die beiden über das Eck zueinander gestellten Baukörper des Bades und eines Bürohauses (optional) einen markanten offenen Übergang zum Kurgarten. Dies in direkter Sichtachse zum Schloss Mirabell.

Durch die große Tiefe des Grundrisses entsteht eine außerordentlich kompakte Hülle des Badehauses. Daraus folgert ein sehr günstiges „Volumen zu Fläche Verhältnis“ – das Gebäude erreicht Passivhausstandard. Die Anordnung der Räume und Funktionen folgt strengen funktionalen und konstruktiv-ökonomischen Überlegungen. Die Badeebene mit den schweren Wasserbecken ruht auf den konventionell in Massivbauweise hergestellten Bereichen des Gebäudes. Springbecken, Lernbecken und Freibecken sind konzentriert im Bereich des westlichen Gebäudekerns angeordnet. Das freispannende Dach über der Badeebene ist von Lasten freigehalten, und beinhaltet lediglich Saunalandschaft, Gastronomie und Terrassen.

Die großzügig geschwungenen Panoramafenster im 3. Obergeschoß gewähren einen weiträumigen Ausblick auf Kurgarten, Schloss Mirabell und Festung Hohensalzburg. Großen Wert wurde auch auf die akustische Trennung der einzelnen Badebereiche durch entsprechende Glaswände gelegt. Des weiteren wurde ein Sprungturm mit einem 4m tiefen Becken in das Badekonzept integriert. Nach oben ist das Bad durch die sanften Formen der keramischen Wellendecke begrenzt. Im Dachbereich des 5. Obergeschoßes befindet sich ein Außenbecken mit großzügigen Sonnenterrassen sowie der Gastronomie.[6]

Abbruch und Neubau

Wohin werden während des Abbruchs und der Bauzeit für den Neubau die 64 000 Badegäste ausweichen? Naheliegend wäre die 2013 eröffnete Schwimmhalle beim AYA-Bad an der Alpenstraße. 2015 wurden knapp 75 000 Besucher gezählt. Ehe das AYA-Hallenbad 2013 eröffnete, wurden im Paracelsusbad pro Jahr 120 000 Gäste gezählt, also doppelt so viele wie 2015. Kopfzerbrechen bereitete Gerhard Smöch, Betriebsleiter des Paracelsusbades, eher die Ausweichmöglichkeit für die 50 000 Saunabesucher und die Kurgäste, die nach der Behandlung im Kurhaus zum Schwimmen gekommen seien.[7].

Am 30. November 2016 schloss das alte Paracelsusbad. Am 6. Jänner 2017 begannen die Abrissarbeiten. Der Spatenstich für den Neubau war im Februar oder März 2017 geplant. Nach der Fertigstellung im Spätsommer 2019 wurde das angrenzende Kurhaus abgerissen und neu gebaut. Die Stadtgemeinde Salzburg investiert in das neue Bad und Kurhaus 59,5 Millionen Euro.

Ab Juni 2018 wurde in fast zwölf Metern Höhe eine große Stahlkonstruktion mit einer Spannweite von 35 Metern errichtet. Sie dient der stützenfreien Überspannung der Badelandschaft und trägt den darüber liegenden Saunabereich und das Dach. Bis Ende September wurde der Stahlbau fertig gestellt. Verbaut wurden rund 550 Tonnen Stahl. Nach Stand Herbst 2019 sollte das gesamte Projekt – Kurhaus, Hallenbad und Sauna – Mitte Juli 2019 übergeben werden.[8]

Tiefgarage ohne Zufahrt beim Salzburger Paracelsusbad

Die Stadt Salzburg freute sich im Herbst 2019 über das fertige Paracelsusbad. Darunter gibt es eine Tiefgarage mit 70 Stellplätzen. Jedoch kann man in diese Garage erst in einigen Monaten fahren, wie der Chef der Städtischen Immobiliengesellschaft (SIG), Alexander Schrank, bestätigt. Ursache ist einerseits, dass die Stadt monatelang gehofft hatte, gegen eine Benutzungsgebühr die Tiefgaragen-Abfahrt des angebauten Hotels Sheraton in der Auerspergstraße mitbenutzen zu dürfen. Schrank: "Man hat sich aber wirtschaftlich nicht einigen können." Dazu kommt andererseits, dass auch diese Zufahrt allein nicht gereicht hätte, wie Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP) sagt: "Baubehördlich mussten wir eine eigene Einfahrt von der Schwarzstraße machen." Hintergrund seien die verschiedenen Brandabschnitte.

Und dass nun statt einer reinen Tiefgaragen-Abfahrtsrampe auf dem ehemaligen Kurhaus-Areal gleich eine Garage mit 30 Stellplätzen errichtet werde, sei sinnvoll, betont Schrank: "Die soll im Frühjahr 2020 fertig sein." Als Kostenobergrenze wurden zwei Millionen Euro fixiert.[9]

Technische Daten

  • Grundstück: 5 072 m²
  • Bruttogeschossfläche: 10 941 m² (oberirdisch)
  • Nutzfläche: 8 833 m² (oberirdisch)
  • Nutzfläche: 2 984 m² (unterirdisch)
  • Wasserfläche: 660 m² (gesamt)
  • Außenanlagen: 594 m²
  • umbauter Raum: 44 107 Kubikmeter
  • Baueisen: 1 350 Tonnen
  • Baustahl:  485 Tonnen Baustahl (Armierung)
  • Beton: 9 750 Kubikmeter
  • Tiefgarage: 69 Pkw-Stellplätze

Siehe auch

Bilder

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 Bilder von der Bauzeit – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Weblink

Quellen

  • die Artikel wurde aus dem ursprüngliche Beitrag Salzburger Hallenbad hierher kopiert
  • Salzburger Nachrichten, 8. Juni 2013, 29. November 2016, 19. September 2019, 10. Oktober 2019, 11. Oktober 2019, 23. Oktober 2019

Einzelnachweise