Zunft-, Hauszeichen und Schilder in der Salzburger Altstadt

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Herrengasse 26 (Bild von Adele Sungler)
Schild und Zunftzeichen des ehemaligen Stockhamer Brauhauses.
Zunftzeichen

des ehemaligen Weinwirts- und Bräuhauses Kaserer an der Kaigasse im Kaiviertel.]]

Zunft-, Hauszeichen und Schilder hatten in früherer Zeit unterschiedliche Funktionen.

Einleitung

Geht man heute durch Salzburg und blickt an den Hausfassaden mit offenen Sinnen nach oben, so erkennt man, dass diese Stadt ein zutiefst religiöser Ort war, der von alters her Geborgenheit und harmonisierte Ausgewogenheit darstellte und ausübte.

Ein besonderer Höhepunkt, ein Spiegelbild, sind die vielen religiösen Schmuckformen der Haus-, Handwerks-, Zunft- und Steinmetz-Zeichen als Symbole der Werkstatt, der bürgerlichen Architektur, am, im und um das Haus, ja als religiöse Identität im Stadtzentrum. Ein natürlicher Hausverstand, schöpferische Ideen und die Schmuckfreudigkeit der Laien waren für das Zusammenleben von großer Bedeutung. Mit möglichst einfachen Mitteln wurden „Merkbilder“ geschaffen, die Anschauung vermittelten. Für das Auge, das noch sehen und finden konnte, wurde ein Blickpunkt geschaffen. Man zeigte, was man war und wer man ist, um mit den Zierformen der Kreativität, das Design seiner persönlichen Note anzupassen und die verinnerlichte Frömmigkeit und den sozialen Status hervorzuheben. Man konnte trotz großer Bescheidenheit nach außen zeigen, wer hier lebt.

Beeindruckend sind die liebevoll gestalteten Details dieser frommen Hauszeichen, sie heiligen zugleich den Ort, ja stellen ihn unter den Schutz Gottes oder des jeweiligen Patrons. Sie bitten um den Segen des Schöpfers.

Redlich, Gottesfürchtig, fromm und fleißig waren die Salzburger Bürger. Es gab regionale Heilige, denen man am Ort eine besondere Verehrung entgegen brachte. Hausmadonnen, im Schatz-Durchhaus, am Platzl und in der Linzer Gasse, Mariendarstellungen und der heilige Nepomuk im Kaiviertel. Auch die außen angebrachten Glockenzüge für die einzelnen Wohnungen sind am Kajetanerplatz Nr. 4, neben einer Mariendarstellung mit flankierten Engeln noch aktiv erhalten. Die Heilige Familie, der hl. Rupert, wie des öfteren die Plainer Madonna finden in der Steinmetzkunst von Salzburg ihren Niederschlag. Emotionale Bindungen zu lokalen Heiligen und künstlerische Ausdrucksformen sind dem Zeitgeist unterworfen.

Steinmetz-Zeichen aus dem Mittelalter sind an vielen Objekten zu finden, sie erlauben auf Grund der so genannten „Meisterpunzen“ eine genaue Datierung der Steinmetzarbeiten. Auch die Schmiedeeisenarbeiten können durch Zunftzeichen eines Schlüssels für den Kunstschmied, eines Hufeisens – Hufschmied -, oder eines Nagels - als Punze für den Nagelschmied - dem jeweiligen Gewerbe zugeordnet werden.

Im Mittelalter, um das 12. Jahrhundert, wurde es notwendig, die einzelnen Häuser zu kennzeichnen, da Straßennamen zu dieser Zeit noch unbekannt waren. Man verwendete Zunft- und Handwerkszeichen, Haus- und Steckschilder als Orientierungshilfe, da die meisten Menschen Analphabeten waren. Adelsgeschlechter und wohlhabende Bürger brachten „sprechende Wappen“ an. Ein eigener Beruf war der „Schildermaler“. Der Brauch, eigene Hauszeichen zu führen, ging auch auf die Geschäfte und Kaufläden über. Die Stadthäuser hatten damals noch keine Auslagenfronten, daher war ein Hinweis auf das Gewerbe notwendig.

Judengasse

Schafschurzeichen Judengasse 9 (Bild von Adele Sungler)

So ist zum Beispiel auf dem Haus Judengasse 9 eine Tuchschurschere mit Handwerkswappen um 1509 zu sehen. Die Tätigkeit des Tuchscherens ist ein wichtiger Arbeitsvorgang bei der Feintuchherstellung. Die Tuchkaufleute wohnten meist mit ihren Arbeitern bei der Werkstätte. Im Nebenhaus Judengasse 11 (Marsoner & Rainer, Vereinigte Kellereien Meran-Salzburg) vor dem Stiegenaufgang ist eine kleine, uralte Steinsäule mit einem Totenkopf einst als Weihwasserbecken und Symbol für die Vergänglichkeit in Verwendung. Darüber befand sich ein Votivbild in rotmarmornem Steinrahmen. In der schwierigen Kriegs- und Nachkriegszeit bekreuzigte sich noch jeder Hausbewohner mit dem Weihwasser. Das Muttergottesbild ist verschwunden und im Weihbrunnkessel der Schädeldecke sind zahlreiche Zigarettenstummel ausgedrückt.

Höllbräu Judengasse 15 (Bild von Adele Sungler)

Hebt man vor dem Haus Judengasse 15 den Blick nach oben, ist ein prachtvolles schmiedeeisernes Brauereiwahrzeichen, ein Steckschild des „Höllbräus“in luftiger Höhe, zu sehen. Zusätzlich kämpft der „Seelenwäger“, der heilige Michael, in Ritterrüstung mit Schwert am „haws am Egk“ der Judengasse zum Waagplatz hin. Er ist der Begleiter der guten Seelen in das Paradies und verstößt die Bösen in die Hölle des Satans. Im Höllbräu waren bis 1404 die Synagoge und die Judenschule von Salzburg untergebracht.

Pfeifergasse

Die ältesten Hauszeichen, auch Hausmarken genannt, in der Pfeifergasse zeigen meist religiöse Darstellungen. Genauso, wie es auf dem Lande heute noch üblich ist, bat man um den Schutz Gottes für Haus und Bewohner. Viele Kreuzdarstellungen, Madonnen, Lokalheilige und Wappen findet man in der Altstadt von Salzburg.

Eine der älteren und besonders schönen Darstellungen einer Steinmetzarbeit, eine Kreuzigungsgruppe, findet man am Haus Pfeifergasse 4.

Zirkelwirt Pfeifergasse 14 (Bild von Adele Sungler)

Das prachtvolle schmiedeeiserne Steckschild Pfeifergasse 14 „beym Wirthshauß zum goldenen Cirkel“ von 1647 hat den vergoldeten Zirkel, als Symbol der Baumeister, im Steckschild. Nach der Überlieferung wird berichtet, dass die Freimaurer und Geheimgesellschaft der Illuminaten ihren Logensitz im Zirkelwirt hatten. Zu Mozarts Zeiten ist die Freimaurerloge „Zur Fürsicht“ im Zirkelwirt nachweisbar.[1]

Restliches Kaiviertel

Marienbild Kaigasse (Bild von Adele Sungler)

Die Plainer Madonna über dem Eingangsportal des Hauses Chiemseegasse 2 ist aus einem profilierten Gewände heraus gearbeitet und mit einem kleinen, einrollierten Kupferdach abgedeckt.

Kunst am Bau steht oft auch in einem engem Zusammenhang mit christlichen, mittelalterlichen und magischen Schutzzeichen, die sich bis in heidnische Zeit zurückverfolgen lassen. So ein Symbol zeigt der kleine, in der Herrengasse 26 eingemauerte Engelkopf unter einer Christusdarstellung und einem Schild mit der Jahreszahl 1509. Der Kopf ist volktümlich oft "Römerkopf" gnannt. Die Herrengasse wurde einst auch "Pfarrherrengasse" „Pfaffengasse" oder noch früher "Hundsgasse“ genannt. Die Straßen und Plätze hatten zu dieser Zeit zwar Namen, doch die Häuser besaßen im Mittelalter udn der frühen Neuzeit noch keine Hausnummern.

Im Kaiviertel und der Herrengasse waren vorwiegend Adelige, die hohe Geistlichkeit und Domherren beheimatet, daher haben die Lokalheiligen eine besondere Beliebtheit.

Schildermalerei

Die Schildermalerei entwickelte sich zu einem wichtigen Erwerbszweig, zu einer Spezialität, die auch heute von zahlreichen Touristen staunend bewundert wird.

Fast nur mehr in Museen zu finden sind die uralten Emailschilder mit großer Werbewirksamkeit, wie die Innungszeichen der Brauer, Bäcker, Bader, Metzger, Barbiere, Besen-, Bürstenbinder, Lampen-, Haftel-, Mieder-, Putz- und Korsettenmacher. Bemalte Brezelbuben waren einst als Werbefiguren mit frisch duftenden Brezeln vor den Backstuben aufgestellt. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg waren auch noch in der Getreidegasse – Anzeigenklassiker der Reklame – Geschäftsschilder der Spezerey- & Kolonialwarenhandlung Stranz & Scio mit den Kaffee- und Tee-Mohren als Werbebotschaften der Kaffeerösterei. Im Hausflur und auf den Eisentoren zu Mozarts Geburtshaus waren handgemalte Steckschilder mit speziellen, jahreszeitlichen Ankündigungen. Auch die künstlerisch wertvollen „Turbantürken“ mit den noblen Rauchutensilien der Tabakindustrie existierten als große Raritäten. Hervor zu heben ist das uralte, in Stein gemeißelte Symbol der Schwarzbrotbäckerei bei der einstigen Mühle in St. Peter. Es zeigt die seit Jahrhunderten gleich gebliebenen Formen den Brotlaib- und die Strutzenform des im Kloster gebackenen, üblichen Roggenbrotes für die Mönche.

Kulturpflege betrifft auch die aussagekräftige, religiöse Kleinkunst am Bau, als Zeugnisse traditioneller Lebensformen von einst. Ohne Vergangenheit gibt es keine Zukunft.

Am alten Hafnerhaus Steingasse Nr. 28 ist neben alten Steintorgewänden und prachtvoll verzierten Schmiedeeisengittern aus dem Mittelalter ein qualitätvolles Keramikrelief der Künstlerin Luise Spannring (* 1894; † 1982) angebracht, welches an die langjährige Tradition des Hafnergewerbes in diesem Haus erinnert.

Bilder des Alltagslebens zeigen Zunftzeichen, Handwerksdarstellungen der Bader, Apotheker, Wagner, Gast- und Bräuhauszeichen in der Salzburger Altstadt. Die Bildersprache der Haus- und Zunftzeichen war für die einst nicht lesen könnenden Menschen eine vertraute Orientierungshilfe, mit der sie ihren Weg fanden.

Die Gaststätten-, Wirtshaus-, Apotheken- und Handwerksbezeichnungen waren früher vor jedem Haus, jedem Durchgang angebracht. Heute sind dies große Raritäten und begehrte Sammelobjekte.


Hauszeichen, Wandbilder, Hausmadonnen und Hausheilige

weitere Bilder

 Zunftzeichen – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki
 Firmenzeichen – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki
 Schilder und Zeichen – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki
 Hauszeichen – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Siehe auch

Literatur

  • Lorenz Hübner: Salzburg Geschichte, 1792
  • Das Buch der Zeichen und Symbole, Knaur, 1975, ISBN: 978-3-4260-0403-6
  • Lexikon der Kunstmotive, 1978
  • Lexikon Christlicher Kunst, Herder, 1980
  • Richard Mell, Salzburg, 1903
  • Dr. Walter Vogl: Freimaurer Herberge, Das Wirthshauß beym goldenen Zierggl
  • Bernhard Paumgartner, Salzburg 1966, Paumgartner wohnte in Mozarts Geburtshaus - viele persönliche Gespräche von Adele Sungler
  • Rudolph Klehr: Die Steingasse, Die Getreidegasse
  • Anton Tantner: Die Hausnummer. Eine Geschichte von Ordnung und Unordnung. Marburg, Jonas Verlag, 2007
  • Oliver Hochadel: Die Erfassung der Seelen. Griff des Staates nach Soldaten: Der Wiener Historiker Anton Tantner untersucht die Geschichte der Hausnummern. In: Die Presse, 18. April 2005
  • Persönliche Aufzeichnungen Adele Sungler zur Fremdenführerprüfung 1978 und mündliche Hinweise Prälat Dr. Johannes Neuhardt

Quellen

Einzelnachweis

  1. Bedeutende Männer wie Leopold, Wolfgang Amadé Mozart und Emanuel Schikaneder gehörten damals Logen an (Mozarts Freimaurer-Oper „Die Zauberflöte“ legt davon Zeugnis ab).