ATSV Bischofshofen

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Der Arbeiter- Turn- und Sportverein Bischofshofen war ein (historischer) polysportiver Arbeitersportverein aus der damaligen Marktgemeinde Bischofshofen im Pongau, von 1919 - mit Unterbrechung -bis ca. 1948.

Geschichte

Die Gründung des ATSV-Bischofshofen erfolgte kurz nach dem ersten Weltkrieg am 4. Oktober 1919 an sich als Freie Turnerschaft, diese fungierten dann aber ab 1919/20 unter dem ATSV.

Der ATSV-Bischofshofen, wie die freien Turner, standen der Sozialdemokratie nahe (wie den Naturfreunden und Kinderfreunden), die Gegenpole zu den "bündischen Turnern" (deutschnationale und später auch christliche) errichten wollten.

Seit 1879 bestand in Bischofshofen für "Bürgerliche" schon der deutsche Turnverein, der 1913 60 Mitglieder zählte. Im Jänner 1926 konstituierte sich zudem ein deutsch-christlicher.

Der erweiterte Turnerbegriff umfasst damals aber auch meist Leichtathletikbewerbe. Auch Faustball wurde bei den Festen ab 1921 praktiziert.

Gründer des ATSV 1919 in Bischofshofen waren: Obmann Rudolf Pflugbeil (bis 1923), Mühlberger, Karl Steinocher sen. (der Vater des späteren Landeshauptmann-Stellvertreters), Reinhard Schultheis, und vor allem ab 1924 Obmann Andreas Mischitz sen. (der Vater des späteren Bürgermeisters), weiters Josef Scheidreiter, Johann Jakobek (Kassier), Rupert Ellmer, Mahherndl, Reinhard Golger u. a.

Anmerkung: Zeitgleich erfolgte 1919 auch der ATSV in Schwarzach, mit Obmann Albert Auer.

Nach fast zweimaliger Einstellung mangels beklagter Disziplin, Verständnis, Ausdauer und Teilnehmer des anfänglich nur Arbeiter-Turnervereines, gingen die großen Initiativen dann erst ab März 1922 mit Einführung des Kinderturnens und den Maifeiern aus (nach Bericht von Andreas Mischitz 1924).

1921: Allerdings nahmen Bischofshofner mit Salzburger, Halleiner und Saalfeldner Arbeiterturner-Innen, schon am 1. Abeiterturnerfest am 24. September 1921 in Innsbruck teil. Die Halleiner auch mit der Frauen- und Mädchenabteilung. Beim Fest wurde auch Leichtathletik und Faustball praktiziert.

1922: Beim Turnerfest am ersten Sonntag im Juni 1922 in Bischofshofen sind auch Bischofshofener Arbeiterturner dabei, insbesondere die Halleiner Turner räumen aber Preise ab. Dies war eine solidarische Veranstaltung zum ersten großen Fest 1922 in Leipzig des linken deutschen Arbeiterturnerbundes (ATB).

1923 Juni. Großes Fahnen-Enthüllungsfest. Mit Musik, Reigen, Turnübungen, auch am Zimmerberg, und abends Schauturnen und Tanz im Karolinenhof. Der Mitgliederstand hatte schon stolze Höhen erreicht.

1924 hatte der dann langsam multisportiv werdende Verein (ergänzt um Skilauf und Skisprung, ab 1933 um Fußball) bereits 525 Mitglieder, mit den unterstützenden, (davon 60 Turner), davon 136 Kinder, wie Obmann Turnwart Andreas Mischitz bei der Jahresversammlung im Jänner 1924 festhielt. 1922 hatte er erst neun Turner.

Die Ausrichtung des Vereines war da klar sozialdemokratisch-und republikanisch.

"Eine freie Turnerschaft, die Kämpfer für Recht und Freiheit sein soll, um eine feste Stütze für die (junge) Republik entstehen zu lassen".

1922–1924: Zu Ostern 1922, 1923, 1924 bis? wurden vom österreichischen Arbeiterturn- und Sportbund (dem damaligen Dachverband der Arbeitersportvereine) am Mühlbacher Mitterberg große Bewerbe und Kurse, 1922 mit 100, dann mit ca. 200 Teilnehmern im Skilauf, Langlauf und Sprunglauf,... abgehalten, wobei die Bischofshofener organisatorisch wie sportlich beitrugen.

Kreiswintersportwart dieses Bundes war der erste Sekretär (= Direktor) der Arbeiterkammer Salzburg (AK), Dr. jur. Hans Baltinester (1924 zugleich Turnrat beim Salzburger ATSV in der Andräschule in der Salzburger Neustadt). Baltinester (* 1896; † 1982) war zudem öfter im Berechnungsbeirat bei den Sportfesten. Die AK (gegründet 1921) hatte also schon kurz nach ihrer Gründung in frühen Jahren organisatorische Stütze und Hilfe für den Salzburger Arbeitersport geleistet.[1]

1926, 8. Mai: Bischofshofener ATSV-Faustballmannschaft beim Schauturnenfest in Maxglan im Kampf gegen Schwarzach, 1929 ebenso Bischofshofner Faustballer in Hallein gegen Hallein (Presseberichte). Damals wurde öfters Stock-, Hand- und Faustball gespielt.

1926, Juli: Der 2. Bischofshofener Arbeitersportler-Turnwart, Hans Schultes, verstirbt. Turner mit Banner und Arbeitersportler nehmen am großen Begräbnis teil (Quelle Arbeiterzeitung). Beim Großen Kinder-und Jugendfest mit 1 000 Teilnehmern in Bischofshofen, wo sich Turnen, Reigen und Spiel abwechseln, wirken die Arbeiterturnervereine aus der Stadt Salzburg, Bischofhofen, Gnigl und Hallein mit den Kinderfreunden zusammen. Organisation: u. a. Pongauer Bezirksturnwart Schmalholz.

1. Jugendsportfest des Wintersportortes Bischofshofen

Vom 29. bis 30. Jänner 1927 veranstaltete der ATSV das „1. Jugendsportfest des Wintersportortes Bischofshofen“. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde erstmals ein Sprunglaufwettbewerb auf der kleinen seit Mitte der 1920er-Jahre bestehenden „Astenschanze“ abgehalten.

1927: Der Bischofshofener Ernst Chalaun wurde beim Bundesturnfest 2. im Gerätewettkampf ((Quelle Arbeiterzeitung).

1927: errichten Arbeitersportler (Initiator Josef Bichler) mit Finanzierung der Gemeinde "für Arbeitertouristen und Schifahrer" eine günstige Talherberge (Volks-und Kinderheim). Die Verwaltung nahm Bürgermeister Franz Moßhammer (SP) selber vor (Quelle Arbeiterzeitung).

Errichtung der Wasserfallschanze

Ebenfalls 1927 legte der Verein mit der Errichtung der „Wasserfallschanze“ unterhalb der Ruine Bachfall den Grundstein zur Entwicklung des Skisprungsports in Bischofshofen. Den Namen verdankte die mittlerweile längst nicht mehr bestehende Skisprungschanze ihrer Nähe zum Wasserfall.

1928 feierte der Verein die Turnplatzherstellung.

1930 wird von Bischofshofener Naturfreunden und Arbeitersportlern die Schüblalm in Werfenweng für Skifahrer hergerichtet und als Unterkunft organisiert.

In den 1930er-Jahren wurde Slalombewerbe organisiert, auch Mannschaftsslalom.

1931: Der Bischofshofner Arbeitersport-Skilaufmeister Wagner siegt beim Springen am Kobenzl (des Wiener ATSV), auf dem mythischen Wiener Berg.[2]

1933 erfolgt die Gründung der Sektion Fußball (Quelle: u. a Hörmann: BSK Chronik).

Im Jänner 1934 fanden noch Skilaufbewerbe statt.

Ab Frühjahr 1934 wurden nach dem kurzen Juliputsch im österreichischen Ständestaat (oder auch Austrofaschismus genannt) fast alle der Sozialdemokratie nahestehenden Vereine behördlich aufgelöst, später um 1935/36 teilweise als eigene, selbständige Vereine wiederum neu gegründet.

Bis 1947, also über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten, wurden trotz der politisch angespannten Lage in Österreich (z. B. Verbot der Arbeitervereine) und des Zweiten Weltkriegs, fast jedes Jahr mehrere Sprungläufe ausgetragen, darunter das traditionelle „Josefispringen“.

Bei den Zuschauern damals sehr gefragt, waren die nach den „regulären“ Sprungläufen angesetzten Doppelspringen, bei denen zwei Springer gleichzeitig über den Bakken gingen. Diese Form des Sprunglaufs diente jedoch weniger dem sportlichen Wettkampf als mehr der Unterhaltung der Zuschauer.

Zu den wagemutigen Springern, die in den 1930er-Jahren über die Wasserfallschanze gingen, gehörten unter anderen der spätere Weltmeister und Weltrekordhalter Sepp Bradl und der WM- und Olympiateilnehmer Gregor Höll.

Fußball im ATSV

Die Fußballsektion des ATSV Bischofshofen wurde 1933 gegründet. Erster Sektionsleiter wurde Josef Olbricht, der bereits an der Gründung des kurzlebigen FK Bischofshofen 1921 beteiligt war. 1934 wurden nach den Bürgerkriegsereignissen die Arbeitersportvereine behördlich aufgelöst. 1935 gründete sich der BSK als eigener Fuballverein und nahm 1936 an Bewerben im Land Salzburg teil. Ab Herbst 1939 (unter der Herrschaft der Nationalsozialisten) wurde versucht, den Fußball als Reichsbahnsportgemeinschaft Bischofshofen zu organisieren. Infolge des Kriegsausbruches erfolgten dann aber offenbar keine/kaum Spiele (nach Medien).

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der alte ATSV wieder erweckt und und schlossen sich dem Arbeiter,- Turn- und Sportverein auch die Fußballspieler des ehemaligen, 1938 aufgelösten Bischofshofener Sportklubs an.

Der ATSV spielte daraufhin in der wieder ausgetragenen Meisterschaft des Salzburger Fußball-Verbandes und belegte in der obersten Landesklasse mit vier Punkten den letzten Rang hinter seinen Mitstreitern SAK 1914, 1. SSK 1919, Austria Salzburg, SV Bürmoos und 1. Halleiner SK. Im Landescup erreichte man das Halbfinale, wo man der Austria mit 0:1 unterlag.

Damit avancierte der ATSV Bischofshofen zum ersten Pongauer Fußballverein und zum ersten Vertreter „Innergebirgs“ (Pongau, Pinzgau, Lungau) in der höchsten Salzburger Spielklasse. Im folgenden Spieljahr, 1946/47, reichte es für den ATSV Bischofshofen zum siebten und vorletzten Tabellenplatz vor dem ATSV Maxglan.

Am 22. April 1948 lösten sich in der Generalversammlung des ATV unter Obmann Karl Emhard, Sportwart Sebastian Biechl, und Trainer Pechan, die Fußballspieler aus dem Arbeitersportverein heraus und gründeten SK Bischofshofen den einstigen BSK neu.

Dieser erspielte sich dann neun Landesmeistertitel und wirkte 1971/72 als Glanzpunkt des Vereines eine Saison in Österreichs höchster Spielklasse.

1947 wurde im SK Bischofshofen neben der Sektion Fußball auch eine Sektion „Skilauf" gegründet aus der sich später der eigenständige Skiclub Bischofshofen entwickelte. Bereits kurz nach dem Krieg, am 17. Februar 1946, führte der ATSV wieder einen Abfahrts- und Sprunglauf durch (Organisator Wastl Pichl; richtig: Biechl). Am 1. Jänner 1947 ein Neujahrsspringen.

Der (neue) Skiklub umfasst aber auch zusätzliche Bewerbe, wie z. B. Turnen.

Das weitere Schicksal des ATSV Bischofshofen lässt sich ab diesem Zeitpunkt der neuen Vereinsgründungen nicht mehr genau verfolgen. Der Verein dürfte sich bald danach aufgelöst haben.

Für die Fußball-Jubiläen des BSK ist das Jahr 1933 maßgebend.

Quellen

  • Bischofshofen. 5000 Jahre Geschichte und Kultur. Kapitel Sportvereine. Sparkasse in Bischofshofen (Hg.). 1984
  • Biechl, Sebastian: BSK Chronik, handgeschriebenes Konzept mit Fotos und Zeitungsberichten. 1971.
  • Hörmann, Fritz, BSK Chronik, 80 Jahre Sportklub Bischofshofen. Ein Verein- eine Gemeinschaft. Hrsg. BSK. Bischofshofen. Eigenverlag. 2013.
  • Kassel Hugo, Hörmann Fritz: Chronik Ski-Club Bischofshofen 1904-2014. Hrsg. Schiklub Bischofshofen. Eigenverlag. 2014.
  • Zwischen Provinz und Metropole-Fußball in Österreich-Beiträge zur 1. Salzburger Fußballtagung (Verlag Die Werkstatt), Göttingen, 2016.
  • Maschik, Mathias u.a.: Der Sport in Österreich. Innensichten und Aussenwahrnehmungen. 2018.
  • Zeitungsberichte

Einzelnachweise

  1. Quelle u. a. Arbeiterzeitung, 28.4.1924
  2. Quelle Arbeiterzeitung vom 2. Jänner 1931, Seite 8