Chronologie des Gasteinertals

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Die Chronologie des Gasteinertals erfasst Daten aus der Geschichte dieses Tals.

Vor Christi Geburt

  • 3570 v. Chr.: Ein Fintbeil, das etwa aus der ersten Hälfte des 4. Jahrtausend vor Christi stammt, wird 1961 in der Nähe der Fledermausquelle in Bad Gastein von V. Gemeiner gefunden.
  • 1600 v. Chr.: Durch eine Pollenanalyse kann eine erste Waldweidenutzung um diese Zeit nachgewiesen werden.
  • 1100 v. Chr.: 2006 findet man im Anlauftal das Fragment eines spätbronzezeitlichen Kammhelms (volkstümlich als Keltenhelm bezeichnet).

1. Jahrtausend nach Christi Geburt

400: Um diese Zeit ziehen römische Almbauern vom Süden kommend ins Nassfeldtal. Es wurden auch Kastanien-Pollen aus dieser Zeit im Nassfeldtal gefunden.

  • 678: Zwei Jäger, die einen weidwunden Hirsch verfolgen, entdecken warme Quellen im Tal. Dabei handelt es sich jedoch um eine Sage, deren Wahrheitsgehalt nicht verbürgt ist.
  • 680: Diesmal werden in einer Sage Jäger angeführt, die vier warme Quellen finden, von denen eine der St. Preims Brunnen sein soll.
  • 696: Der Legende nach wird eine Preimskirche als Kirche bei dem Bad erbaut.
  • 719: In diesem Jahr soll der von den Römern verlassene Bergbau nördlich des Nassfelds wieder aufgenommen worden sein. Doch bei dieser Information handelt es sich nachweislich um eine Fälschung aus dem späten 18. Jahrhundert.
  • 890: Der deutsche König Arnuf (887896) soll dem Erzstift Salzburg neben anderen Besitzungen auch das Gasteinertal geschenkt haben. Auch dies stellt sich als Fälschung um oder kurz nach dem Jahr 977 heraus.
  • 894: Markt und Kirche zu Hof (Hofgastein) werden erbaut, wobei diese Information unverbürgt aber möglich ist.
  • 963: Die Gasteiner Ache bei ihrer Mündung in die Salzach als Grenzfluss in einer Tauschurkunde der "Edlen" (Adeligen) Rosmuot genannt. Rosmuot ist die Frau des Reginbert, der vermutlich aus einer Nebenlinie der frühen Herren von Goldegg stammte.

11. Jahrhundert

  • 1005: Eine Legende berichtet vom Besuch von Kaiser Heinrich II. der Heilige, der aus Italien kommend, in Gastein Station gemacht und dabei ein Amulett mit Reliquientasche der hl. Erentrudis verlegt haben soll.
  • 1020:  Aus diesem Jahr stammt die älteste Urkunde, die nicht nur den Namen, sondern auch Details zu "Gastein" anführt.  Diakon Friedrich II. und sein Bruder Sighard VI. Graf im Salzburggau aus dem Geschlecht der Sighardinger (später Peilsteiner) erhalten bei einem Besitztausch die Kirche von Hofgastein und deren Grundbesitz.

12. Jahrhundert

  • 1122: Und wieder berichtet eine Legende von dem angeblichen Umbau einer älteren Kapelle in die Preimskirche.
  • 1138: Ita Gräfin von Burghausen aus dem Haus der Sighardinger besitzt in Luggau eine Schwaige. Später geht der Besitz an die Benediktinerabtei Michaelbeuern.
  • 1164: Sophie von Burghausen (Sighardinger) übergibt das Gut Predium Remsaren (Remsach) an das Augustinerkloster in Ranshofen im Innviertel.
  • 1167: Markward von Gastein, ein Ministeriale, wird als Zeuge in einer Urkunde genannt. Weitere Nennungen von ihn in Urkunden gibt es in den Jahren 1168, 1170, 1180 und 1188. In dieser Person ist  der erste Mensch zu sehen, der höchstwahrscheinlich in Gastein wohnt oder zumindest hier seinen Stammsitz hat und mit Namen genannt wird. 
  • 1170: Um diese Zeit dürfte wahrscheinlich die Burg Klammstein errichtet worden sein. Eindeutige urkundliche Belege fehlen allerdings.
  • 1198: Im Weiler Stein-Wieden, westlich des Marktzentrums von Hofgastein, lebt Adelheid, eine Freie, also keinem Grundherrn dienstpflichtig (ihm unteran). In diesem Jahr allerdings übergibt sie sich und ihre Kinder dem Erzstift St. Peter, wird also unfrei. Adelheid ist die  erste (!) in Gastein angesessene Person, über deren Familie Details bekannt sind.  So kennt man die Namen ihrer Kinder: Luitold, Arnold, Dietmar, Liebmann, Ellenburg, Diemuot, Uville und Siburg. Die Vornamen der mitunterschreibenden Urkundenzeugen sind Kuonrad, Richolf, Friedrich, Heinrich, Luitold, Waldmann, Ruedolf, Aribo, Raffold und Gottschalk.

13. Jahrhundert

  • 1200: Aus dieser Zeit ist ein als "Landbuch von Österreich" bezeichnetes Abgabenverzeichnis erhalten. Darin heißt es, dass der Herzog von Bayern das Recht auf, "alle Jahr zwanzigtausend Käse und dreihundert Klafter langes wollenes Tuch,..." hat. Nach Koch-Sternfeld sind das kleine, höchstwahrscheinlich Schafskäselaibchen von 0,5 bis einen Kilo gewesen. Die Tuchlänge kann nicht genau bestimmt werden, wohl um 500 Meter Länge.
  • 1203: Ein Luitpold wird als Pfarrer von Hofgastein genannt.
  • 1208: Euphemia von Peilstein schenkt Güter an das Augustiner Chorherrenstift St. Zeno in Reichenhall.
  • 1212: Am 20. Jänner kommen Propst Pabo des Augustinerchorherrenstifts St. Zeno und ein Mitbruder am Tage des heiligen Sebastian in der Gasteiner Klamm bei einem Lawinenunglück ums Leben An dieses Ereignis erinnert die St. Sebastians-Kapelle beim Parkplatz Klammstein.
  • 1218: In diesem Jahr sterben die Peilsteiner aus, so die gängige Literatur. Allerdings war der letzte tatsächliche Peilsteiner, Konrad III. von Peilstein, bereits 1198 gestorben. Es gibt aber vermutlich eine nicht blutsverwandte Nebenlinie mit Nachfahren. Nach dem Tod von Konrad III. könnten somit aus dieser Linie Erben gewesen sein. Jedenfalls fällt ein Teil der Besitzungen des Geschlechts der Peilsteiner kurz nach 1218, jedenfalls deutlich vor 1224 an die Bayernherzöge. Neuere Geschichtsforschung ist der Meinung, dass nach dem Ende der Peilsteiner es zu einer teilweise sogar kriegerisch geführten Auseinandersetzung zwischen den Bayernherzögen und dem Salzburger Erzbischof um Gastein gekommen war. Diese Auseinandersetzungen gingen zugunsten der Bayern aus, die bis 1297 den Gerichtsbezirk Gastein besitzen.
  • 1241: Erzbischof Eberhard II. von Regensberg leiht Herzog Otto II. von Bayern Geld und dieser verpfändet dafür predium nostrum in Gasteun. Dieses Geld wird jedoch schon bald zurückbezahlt. Obwohl die Herzöge von Bayern die Landesherren in Gastein sind, sind es die Herren von Goldegg, die im Alltagleben in Gastein die alleinige Entscheidungsbefugnis haben.
  • 1251: Heinrich Graf von Ortenberg (bei Vilshofe) übt die Vogtei über Gastein und Mondsee (Herrschaft Wildeneck) aus. Er verlehnt sie aber an kleine Salzburger Ministerialen.
  • 1272: In diesem Jahr findet sich ein definitiver Nachweis, dass die Goldegger das Sagen im Tal haben.
  • 1281: In Klammstein gibt es mit großer Sicherheit eine Befestigungsanlage.
  • 1286: Die Goldegger Herren üben ihre Rechte des Landgerichts aus, was sie in Konflikt mit den Bayernherzögen bringt.
  • 1289: Die bayrischen Herzöge wären bereit, das Gasteinertal an die Herren von Goldegg zu verkauft. Diese können aber den Kaufpreis nicht aufbringen.
  • 1297: Erzbischof Konrad IV. von Fohnsdorf erwirbt von den bayerischen Herzögen das Gasteinertal, was ein wichtiger Schritt zur "Land-Werdung" Salzburgs ist.

14. Jahrhundert

  • 1300: Eine hochfürstliche Taverne wird in Dorfgastein genannt.
  • 1301: Ein Ulrich Strochner wird urkundlich erwähnt - die späteren Strochner werden ab Mitte des 15. Jahrhunderts für Gastein von großer Bedeutung.
  • 1303: Konrad von Aussee gelangt in den teilweisen Besitz von Gastein, ein Jakob der Jorisch aus Aussee ist dann um 1389 Gewerke im Tal - die Ausseer Herren haben im 14. Jahrhundert eine bedeutende Rolle im Gasteinertal.
  • 1312: Der Sohn eines Salzburger Domherrn, Seibot von Mitterkirchen, gibt dem Salzburger Domkapitel für sein und seiner Frau Seelenheil das "Gut Au in Gastein". In dieser Urkunde werden auch "Weindienste" erwähnt, die wohl im Zusammenhang mit Wein-Säumerei stehen.
  • 1314: Diepold von Gastein, später "Diepold von Gadaunern", verkauft an Erzbischof Weichart von Polheim das Gut Präau.
  • 1320: Diepold von Gastein verkauft mit Zustimmung seiner Familie (darunter seine Tochter Kunigunde als Frau des Jans von [Ober]Vellach) an den Erzbischof eine Gült in Gastein. Es ist dies ein Beweis, dass es zu jene Zeit durchaus Tauernpässe überschreitende Hochzeiten gab.
  • 1323 und 1327: Friedrich von Goldegg gibt den großen Gerichtsbezirk Gastein sowie einige Güter in Klammstein samt der Burg Klammstein an den Erzbischof zurück.  1327 erhält Salzburg erstmals im Bereich um Klammstein bis Rainerbau eigenen - unverliehenen! - Grundbesitz. Doch noch wichtiger ist für den Erzbischof, dass er nun erstmals das Landgericht Gastein in eigenen Händen mit einem eigenen Landrichter hat.  Erster Landrichter ist Niklas von Aussee.
  • 1327: Diepold von Gastein hängt an sein Siegel an eine Urkunde. Es zeigt eine (Wasser)Kanne, wie sie auch im Wappen von Bad Gastein zu sehen ist
  • 1333:  Erster urkundlicher Nachweis der Existenz der St. Preims-Kirche und damit indirekt der Nachweis eines Badebetriebes.  Es wäre nämlich unvorstellbar, dass man eine Kirche in die Einöde gebaut hätte ohne dass die betreffende Stelle nicht von besonderer Bedeutung gewesen wäre. Diese besondere Bedeutung lag in der Nutzung der Thermalquellen für Heilzwecke in unmittelbarer Nähe der Kirche.
  • 1339: Großbrand in Hofgastein.
  • 1342:  Erlass der ersten Gasteiner Bergordnung (Constituciones durch Erzbischof Heinrich von Pirnbrunn.
  • 1350:
...  "Fritzel in Baden": Erster direkter Hinweis auf Badebetrieb in Bad Gastein.  Es handelt sich um eine Nennung in der Gasteiner Leibsteuerlist vom 24. Juni von Fritzel, der künftig 15 Pfennig zahlen muss.
... Erste Nennung der Ruprecht-Kirche in Dorfgastein. 
... Otto Schmiedinger ist als "Freisasse" (Grundbesitzer mit besonderer Rechtsstellung) erwähnt. Dieser Name verbreitet sich später stark im Pinzgau. Der Familienname Schmiedinger lebt beispielsweise im Schmiedingergletscher unterhalb des Gipfels des Kitzsteinhorns noch heute.
  • 1365:  Erster Gasteiner Vertrag  wird in Hofgastein zwischen dem Herzogtum Bayern und der Grafschaft Görz geschlossen.
  • 1368: Konrad Stromayer, ein Bürger aus Nürnberg, verkauft sein Haus in Gastein. Bis dahin könnte man sagen, dass er der  erste Zweitwohnbesitzer im Gasteinertal  war.
  • 1371:  Erste Erwähnung Hofgasteins als Markt.  Die Erhebung muss aber früher erfolgt sein. Eine Wochenmarkt wird dann aber erst 1415 durch Fürsterzbischof Eberhard III. von Neuhaus verliehen.

(wird fortgesetzt)

Quelle


Chronologien