Ainring

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Ainring, im Hintergrund der Haunsberg
Rathaus Ainring in Mitterfelden
Alter Gutshof in der Nähe der Pfarrkirche Ainring
Pfarrkirche Ainring mit Pfarrhof und Friedhof

Ainring ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Berchtesgadener Land in Bayern.

Allgemeines

1939 zählte Gemeinde  3 850 Einwohner, 2015 waren es 9 672.

Ortsteile

Adelstetten, Ainring, An der Straß, Au, Berg, Bicheln, Bruch, Ed, Eschlberg, Feldkirchen, Fürberg, Gepping, Hagenau, Hammerau, Hausmoning, Heidenpoint, Hofer, Hort, Kohlstatt, Langacker, Mitterfelden, Moos, Mühlreit, Mühlstatt, Mürack, Perach, Pirach, Rabling, Rauchenbücheln, Reit, Schiffmoning, Schmiding, Simonhäusl, Ulrichshögl und Wiesbach (Gemeinde Ainring in ihren ursprünglichen Grenzen);

Thundorf, Abfalter, Altmutter, Bach, Buchreit, Doppeln, Gehring, Gessenhart, Hasholzen, Hinterau, Höglau, Niederstraß, Oberholzen, Öd, Ottmaning, Rain, Straß, Sur, Thundorfermühle, Weng und Winkeln (frühere Gemeinde Straß);

Hammerau

Hammerauer Brücke

Nachdem in den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkrieges die zur Nachbargemeinde Wals-Grünau bestehende Brücke gesprengt wurde, konnte im Jahr 2002 an fast selber Stelle mit der Errichtung der Hammerauer Brücke (ein Übergang für den Fußgänger- und Fahrradverkehr) diese traditionsreiche Verbindung zwischen Salzburg und Bayern wieder aktiviert werden.

Ausblick von der Ortschaft Hofer auf Salzburg

Hofer

Die Ortschaft Hofer befindet sich am Ostabhang des Högls. Von der Ortschaft aus bietet sich ein grandioser Ausblick auf Salzburg und dessen Umgebung. Sie ist auch Ausgangspunkt mehrerer Wanderwege im Höglbereich. Etwas unterhalb befindet sich die Reiteralm.

Sehenswert

Zum Gemeindegebiet gehören Teile des Högls mit Ulrichshögl und der Filialkirche St. Ulrich.

Geschichte

Eine bedeutende Ansiedlung der späten Steinzeit (Altheimer Gruppe 3800 - 3400 v. Chr.) lag auf dem Auhögl südlich des Ainringer Ortsteils Hammerau. In der römischen Epoche führte die Straße von Augusta Vindelicorum (Augsburg) nach Iuvavum (Salzburg) über das Gebiet der heutigen Gemeinde Ainring, etwa dort, wo heute die B 304 verläuft. Nach Süden, in Richtung Salinas (Bad Reichenhall) zweigte in Bruch ein Weg von dieser Straße ab und verlief auf der Hochterrasse der Saalach über Hausmoning, Feldkirchen und Hammerau, wo Funde auf römische Besiedlung hindeuten.

Während der bajuwarischen Landnahme ab dem frühen 6. Jahrhundert entstanden die frühbairischen Ortsnamen. Dabei drückt die Nachsilbe –ing die Zugehörigkeit zu etwas oder jemanden aus. Der Name Ainring (Ainheringa) steht für eine bairische Siedlergruppe, die sich unter der Leitung eines Anführers namens „Einher“ dort niedergelassen hat. Der Ortsname bedeutet soviel, wie „bei den Leuten des Einher“.

Als herzogliches Hauskloster war das Benediktinenstift Nonnberg in Salzburg von Anfang an besonders reich mit Besitz ausgestattet, wie das älteste Salzburger Güterverzeichnis, die Notitia Arnonis (788 - 790 n. Chr.) belegt: „Es übergab zuerst Herzog Theudebert im Gau Salzburggau ein Dorf namens Ainheringa (Ainring) mit 30 Hufen… und Wehrmänner, und was zu dem selben Dorf gehörte mit Mühlen im Fluss, der Saalach heißt.“ Dies ist die erste Erwähnung des Ortes Ainring in der Geschichte, welche sich auf die Zeit zwischen 713 und 715 bezieht, da die Schenkung in diesem Zeitraum erfolgte. Nach einer Besitzbestätigung aus dem Jahre 1117 gehörte die „Bichlbruck“ über die Saalach und die dazugehörige Mautstelle ebenfalls dem Stift. Auch nach den Urbaren (Besitzrechtsverzeichnissen) des 14. Jahrhunderts war das Stift Nonnberg in der Gegend von Ainring reich begütert. Dort besaß es 13 Güter, die vom „Amt Bicheln“ aus verwaltet wurden. Den umfangreichsten Besitz im heutigen Gemeindegebiet mit dem Verwaltungssitz in Thundorf aber hatte das Salzburger Domkapitel. Das Erzstift St. Peter verfügte über Güter in Straß, Perach, Gehring und Bruch. Daneben hatten noch einige Adelige Grundbesitz in diesem Bereich.

Vom 14. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war der Ortsteil Feldkirchen bei Ainring ein bekannter Wallfahrtsort. Die Kirche zu „Unserer Lieben Frau“ zählte bis ins 18. Jahrhundert hinein zu den bedeutendsten Gnadenorten im gesamten Erzstift Salzburg.

Die 1537 von Fürsterzbischof Matthäus Lang von Wellenburg gegründete Annahütte, (siehe Stahlwerk Annahütte) in Hammerau, in der in erster Linie Drahtseile, Waffen, Werkzeuge, Nägel und Bleche hergestellt wurden bezog ihr Eisen aus Achthal bei Neukirchen (siehe Bergbaumuseum Achthal), wo ein Erzbergwerk betrieben wurde. Die Produkte verkaufte man außerhalb Salzburgs bis nach Ober- und Niederbayern, Tirol und Schwaben. Ein weiterer überregional bedeutender Wirtschaftszweig waren der Abbau und die Verarbeitung von "Högler Sandstein" im Ortsteil Ulrichshögl.

Im Jahre 1810 fiel das Land Salzburg an das Königreich Bayern. Als Salzburg 1816 zum zweiten Mal an Österreich fiel, blieb Ainring, zusammen mit dem so genannten Rupertiwinkel, in dem es liegt, bei Bayern.

Flugplatz Ainring

1933 entstand neben dem in Salzburg benachbarten Flughafen auch ein weiterer in Ainring. Der Flugplatz Ainring, eigentlich Reichsflughafen Bad Reichenhall-Berchtesgaden genannt, war in erster Linie der Forschung und Weiterentwicklung des Luftverkehrs in Deutschland gewidmet (Deutsche Forschungsanstalt für Segelflug - Ernst Udet e.V. für Aerodynamik, Flugmechanik und Sondertriebwerke). Er war der Lieblingsflughafen Adolf Hitlers gewesen, von dem aus er dann meist auf den Obersalzberg weiterreiste. Um von diesem Flugplatz möglichst rasch den Obersalzberg zu erreichen, ließ er die Reichsautobahn über den Walserberg bis zur heutigen Autobahnanschlussstelle Salzburg-Süd verlängern.

Nach dem Zweiten Weltkrieg dienten die ehemaligen Flughafengebäude als erste Unterkunft für tausende von Heimatvertriebenen. Aus dem ehemaligen Flughafengelände entwickelte sich Mitterfelden, heute mit über 4 200 Einwohnern der größte Ortsteil der Gemeinde Ainring.

Filialkirche St. Ulrich
Altar der Filialkirche St. Ulrich in Ainring

Filialkirche St. Ulrich

Die Filialkirche St. Ulrich ist die katholische Kirche des Ortsteils Ulrichshögl.

Schon im späten 13. Jahrhundert ist urkundlich eine Kirche mit Tauf- und Begräbnisrecht nachgewiesen. Man nimmt an, dass diese erste Kirche aus der Kapelle der Burg des einflussreichen Geschlechtes der Högler entstanden war (erste urkundliche Erwähnung 1170). Mehrere Quellen geben 1030 als Weihejahr an, das aber nicht unmittelbar urkundlich belegt ist. Das Erdgeschoß ist in der Bausubstanz weitgehend ein romanischer Bau.

Vor dem Jahr 1470 wurde die Kirche vom Leutpriester (= Pfarrer) Leonhard Mair im Stil der Spätgotik umgestaltet und mit einem Netzrippengewölbe versehen. Dabei wurde der Priesterchor auf die Langhausbreite erweitert und die Kirche um ein Joch verlängert. Die Grabplatte dieses Pfarrers aus rotem Marmor ist im Boden vor dem Altar eingelassen. Die Marmorplatte trägt in gotischen Minuskeln[1] die Inschrift Anno d(omi)ni 1470 obiit honorabilis vir d(omi)n(u)s leonardus Mair plebandus huius ecc(le)sie hic sepultus.

An der Südseite kam 1671 eine Sakristei dazu. Der heutige hohe Turm wurde im Jahr 1758 an der Westseite der Kirche neu erbaut und mit seiner charakteristischen Zwiebelhaube versehen. Den Hochaltar der Kirche mit seinen gewundenen Säulen mit Rebenranken schuf im Jahr 1712 Bildhauer Thaddäus Baldauf. Das Altarblatt zeigt den Kirchenpatron, an den Seiten des Altarblattes stehen die Heiligen Petrus und Paulus, aus der Hand eines Salzburger Meisters stammend. Im Chorraum steht links eine bemalte spätgotische Holzfigur, die den heiligen Ulrich im bischöflichen Ornat darstellt, in seiner Linken das Pedum, in der Rechten das Buch mit Fisch haltend. Bemerkenswert ist auch der Taufstein aus dem 11. Jahrhundert. Er belegt, dass diese Kirche fast 1 000 Jahre lang Pfarrkirche von Ainring war. Unter den Landkirchen der Gegend ist St. Ulrich die größte romanische Bau in gotischem Gewand.

Geweiht ist die Kirche dem Augsburger Bischof Ulrich. In der Karwoche ist in der Kirche eine Nachbildung des Heiligen Grabes aus dem Jahr 1679 aufgestellt. Ein mechanisches Rad umgibt die Monstranz und zeigt den Leidensweg.

Wirtschaft

Reiter Alm in Ainring, hinter dem Hotelgebäude ist der Kirchturm von Ulrichshögl sichtbar
Panoramablick von der Reiter Alm
Ainring-Panorama von der Reiter Alm

Der größte Betrieb der Gemeinde Ainring ist das Stahlwerk Annahütte im Ortsteil Hammerau, dessen Geschichte auf das Jahr 1537 zurückgeht. Es dürfte das älteste noch existierende „Eisenwerk“ Europas sein. 1940 waren einmal 2 000 Personen im Werk beschäftigt (Rüstungsindustrie). Das zur Max-Aicher-Unternehmensgruppe gehörende Werk beschäftigte 2008 mehr als 400 Mitarbeiter und produziert hochwertige Spezialstähle, die es weltweit vermarktet.

Reiter Alm am Ulrichshögl

Von der Reiter Alm bietet sich eine herrliche Aussicht auf die Stadt Salzburg und das Salzburger Becken. Es gibt hier mehrere sehr schön gelegene Wanderwege. Auch ein Weg zur Johanniskirche am Johannishögl führt bei der Reiter Alm vorbei.

Heute stellt die Reiter Alm ein modernes Kurhotel mit ländlichem Ambiente dar. Das Hotel bietet als Schwerpunkt Wellness-Urlaube an. Der frühere Besitzer hatte schon vor Jahren begonnen, mit Heilanwendungen mit Moorpackungen aus dem Leopoldskroner Moor einen Kurbetrieb aufzubauen.

Kultur

  • Ainringer Laienspielgruppe

Die Spiegruppe zeigte 2012 in ihrem mittlerweile fünften Spieljahr im Rahmen des Ainringer Theatersommers ein Historienspiel um das Thema Protestantenvertreibung. Es ist ein grenzüberschreitendes Projekt ("drent und herent"), an dem Darsteller aus Wals-Siezenheim und Ainring teilnahmen. Als Spielstätte diente eine Freilichtbühne unterhalb der Pfarrkirche St. Laurentius in Ainring.

Premierenbericht in den Salzburger Nachrichten am 2. August 2012 über "So ist doch Gott mit uns" auf der Freilichtbühne in Ainring

Auf der Suche nach Wahrheit. Von Birgit Kaltenböck.

Besser ging’s nicht: traumhaftes Sommerwetter, volle Zuschauerränge und eine Kulisse mit besonderem Flair unterhalb der Kirche St. Laurentius in Ainring. Die 60 Sänger und Schauspieler von „drent und herent“ sorgten für unvergessliche und nachdenkliche Stunden.

„Am Tag des Salzburger Festspielbeginns eröffnen wir heute unsere,Ainringer Festspiele’ am Fuße des grünen Högl“, freute sich der Ainringer Bürgermeister Hans Eschlberger anlässlich der Premierenveranstaltung des Stückes „So ist doch Gott mit uns“ vergangenen Freitag. Neben zahlreichen Ehrengästen aus Politik, Kultur und Wirtschaft von „drent und herent“ der Saalach war Gerhard Hoyer extra aus Bad Aibling angereist, um die Geschichte seiner Vorfahren, die 1732 aus Leogang von der Salzburger Protestantenvertreibung betroffen waren, mitanzusehen. Sichtlich gerührt bedankte er sich bei Autor und Regisseur Josef Kriechhammer aus Wals, der den blinden Wandersmann spielt, für die detailgetreue Aufarbeitung dieses Themas.

Man spürt, dass die Darsteller aus Wals, Ainring, Salzburg und Ruhpolding im wahrsten Sinne des Wortes mit Leib und Seele mit ihrer Rolle eins sind. Man glaubt sich regelrecht in die Jahre 1731 und 1732 zurückversetzt, so mitreißend und packend wird die damalige Kluft zwischen den Lutheranern und der römisch-katholischen Bevölkerung gespielt. Die als Nachkommen des Zauberer Jackls bezeichneten Lutheraner werden von den strenggläubigen Katholiken regelrecht außer Landes geprügelt. Andreas Gapp ist einer davon, der krank und verletzt im Garten der Familie Pernthaner landet. Die Familie „bewirtet den Teufel“, in dem sie dem Leidenden nach Kräften hilft. Am Ende wird jener von den Jesuiten entdeckt, brutal misshandelt und vertrieben. Zweifel macht sich unter den Menschen breit, besonders die junge Generation ist auf der Suche nach der Wahrheit und stellt die religiösen Auswüchse an den Pranger. Musikalisch umrahmt wurde das historische Schauspiel von Kompositionen der Walserin Agnes Gerl. „Sie unterstreicht mit ihren einfühlsamen Klangbildern die Dramatik des Schauspiels auf berührende Artund Weise“, streut ihr Hans Eschlberger Rosen. Standing Ovations nach erfolgter Premiere waren hoch verdienter Lohn für die letzten paar Monate voller Proben. Benedikt Huber, der jüngste der Darsteller, bringt es auf den Punkt: „Am schönsten ist am Ende der Applaus!“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Bildergalerie

Panoramaaufnahmen


Sonstige Aufnahmen

weitere Bilder

 Ulrichshögl – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki
 Filialkirche St. Ulrich (Ulrichshögl) – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Weblinks

Quellen

Quellen (Abschnitt Geschichte):

  • Gemeinde Ainring (Hg.): Ainring Heimatbuch, 1990
  • Heinz Dopsch, Hans Spatzenegger: Geschichte Salzburgs Band I/1, 1999
  • Kurt Enzinger: Högl - Bauernland und Sandsteinbrüche. Ainring 2006
  • Andreas Hirsch: Von Salzburg „retour nach Baiern“, Der Rupertiwinkel fiel vor 200 Jahren an das bayerische Königreich zurück, Heimatblätter Nr. 9, 2010
  • Fritz Lošek: Notitia Arnonis und Breves Notitiae, in: MGSL 130, 1990
  • Helga Reindel-Schedl: Laufen an der Salzach, Die alt-salzburgischen Pfleggerichte Laufen, Staufeneck, Teisendorf, Tittmoning und Waging, Historischer Atlas von Bayern, 1989
  • Franz Fuchs
  • ainring.info
  • Ulrichshögl
  • Buchstaben, siehe Wikipedia Minuskel
  • Abgerufen von „http://www.sn.at/wiki/index.php?title=Ainring&oldid=604353