Friedrich Baron v. Löwenstern

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Friedrich Baron v. Löwenstern
Friedrich Baron v. Löwenstern
Ehrenbürgschaftsurkunde von Hallein für Friedrich Baron v. Löwenstern vom 14. April 1870
Tafel an der Famliengrabstätte

Friedrich Sebastian Baron v. Löwenstern v. Rigemann a. d. Hs. Rösthof (* 15. Juni 1829 auf Schloss Wandsbek, früher Schleswig-Holstein[1]; † 20. November 1910 in der Villa Löwenstern in Oberalm) war der erste aus der Familie der Barone von Löwenstern, der sich in der Tennengauer Gemeinde Oberalm niederließ.

Leben

Kindheit

Friedrich Sebastian v. Löwenstern kam als jüngster Sohn von Baron Georg Heinrich v. Löwenstern (* 23. November 1786 in Reval, estnisch Tallin; † 20. September 1856 in Kiel) und Adelaide Laura Tugendreich (* 30. November 1796 in Kopenhagen als Gräfin von Schimmelmann aus dem Hause Lindenbourg) zur Welt. Die prominenten Paten von Friedrich waren der dänische König Frederik VI., auch Herzog von Schleswig-Holstein, sowie die dänische Königin, seine Patentante. Seine Geschwister waren Adelbert (* 1817; † 1879, ∞ Rosamunde Francke), Georgine (* 1819; † 1893, ∞ Graf Christian von Reventlow), Adelaide (* 1823; † 1849, ∞ Graf Kuno von Rantzau) und Laurette (* 1821; † 1851, nicht verheiratet).

Friedrich − der Fritz genannt wurde − wuchs mit seinen Geschwistern auf dem Familiengut Jendel in Estland, in der Löwenstern-Villa Christiansholm bei Kopenhagen und in der Villa Seelust an der Föhrde in Kiel auf. Einen längeren Aufenthalt in Rio de Janeiro verbrachte er mit seinen Eltern, von dem sie im April 1829 nach Dänemark zurückkehrten. Um auch mit Österreich einen Handelsvertrag, wie zuvor mit Brasilien, zu verhandeln und zu beschließen, wurde sein Vater 1835 vom dänischen König ersucht, als außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister nach Wien zu reisen, wohin ihm seine Mutter, seine Geschwister und er folgten. Doch für die Beendigung der Schule reiste Friedrich wenige Monate später nach Dresden. 1843 im Herbst ging er nach Abschluss der Schule in das Kadettencorps in Dresden, das zur Sächsischen Armee gehörte. Da es ihm dort nicht gefiel, sorgte sein Vater dafür, dass er in Wien zur österreichischen Armee kam.

Offizierslaufbahn

Friedrich kam als 17-Jähriger in das Dragoner-Regiment Erzherzog Franz-Josef Nr. 3 mit Stationierung in Wien. Er wurde den 1. Ulanen[2] zugeteilt, dort 1847 Offizier und am 11. April 1849 zum Oberleutnant befördert. In jenem Jahr nahm Friedrich an dem Revolutionskrieg in Ungarn teil. Schon zwei Jahre zuvor hatte sein Vater den Handelsvertrag zwischen Dänemark und Österreich abgeschlossen und war mit seiner Familie wieder zurück nach Dänemark gereist. Friedrich blieb zunächst in Wien und besuchte seine Eltern regelmäßig.

Seine militärische Laufbahn ging im Ulanen-Regiment Erzherzog Karl Nr. 3 weiter, wo er zum Seconda-Rittmeister befördert wurde. Das Regiment stand in Bukarest zur Zeit des Krim-Krieges 1854/1856, in dem England und Frankreich gegen Russland kämpften und Österreich, ohne in die Kampfhandlungen einzugreifen, auf die Seite der Westmächte trat. Friedrich war auch bei diesen Kampfhandlungen dabei.

1856 starb sein Vater Georg Heinrich in Kiel und zwei Jahre später quittierte Friedrich seinen militärischen Dienst mit dem Beibehalt des Ranges eines Majors der Reserve. Er zog nach Kiel, studierte Landwirtschaft und suchte sich eine Frau. Daneben war er viel auf Reisen, bei denen er u. a. Hamburg, Belgrad, Pest, Dresden, Teplitz, Norderney und München besuchte. 1863 kehrte er zu einem Weihnachtsurlaub in das Familienhaus Seelust bei Kiel zurück. Kurz darauf begann der Krieg der preußischen und österreichischen Truppen gegen die Dänen, die den selbständigen Status von Schleswig-Holstein beenden wollten. Friedrich rückte als gebürtiger Däne (dänisch war seine Muttersprache) sofort zum Militär als Ordonnanzoffizier bei Feldmarschall-Leutnant von Gablenz ein. Friedrich erhielt im Verlauf dieses Krieges das Militär-Verdienstkreuz. Nach Ende der Kampfhandlungen zog es Friedrich nach München, von wo er aber schon bald nach Salzburg zog, da hier mehr gesellschaftliches Leben und kulturelle Veranstaltungen stattfanden. Friedrich handelte mit den edlen Tiger-Schimmel-Pferden, den sogenannten Norikern.

Friedrich kommt nach Salzburg

Bei einem Ball lernte Friedrich die Industriellenfamilie Robert kennen und verliebte sich in die jüngere Tochter Josephine Marie Robert (* 22. Dezember 1843 in Hallein; † 1. Jänner 1929 ebenda). Es folgten 1866 die Verlobung und am 28. Mai 1867 die Hochzeit mit seiner Josephine, Fini genannt. Sie war 24 Jahre alt, katholisch, und Friedrich 38 Jahre, evangelischen Glaubens (Helvetisches Bekenntnis). 1888 nahm auch Fini den evangelischen Glauben (Helvetisches Bekenntnis), die Religion ihrer Mutter, an.[3]

Am 23. Oktober 1868 kam ihre Tochter Adelaide Josephine Georgine (der Vorname seiner geliebten Mutter), genannt Lilly, zur Welt.

Oberalmer Unternehmer "Freiherr v. Löwenstern`schen Marmor-Waaren-Fabriken"

Nachdem sein Schwiegervater 1868 einen Schlaganfall erlitten hatte, in dessen Folge er physisch immer schwächer wurde, übernahm Friedrich die Leitung des Betriebes, der k. k. privilegierten chemischen Produktenfabrik Robert & Companie in Oberalm, noch im selben Jahr. Sein Schwiegervater Justin Robert starb im Jahr 1870. Mit großer Energie kümmerte sich nun Friedrich um dem weiteren Ausbau des Unternehmens in Oberalm. Kaufangebote des Robertschen Unternehmens scheiterten zunächst an den horrenden Preisvorstellungen, die Florent Robert, der Bruder seines Schwiegervaters Justin Robert, hegte. Doch schließlich erhielt Friedrich ein äußerst günstiges Kaufangebot. Dass es dazu noch gekommen war, dürfte auf den Umstand zurückzuführen sein, dass der älteste Bruder Louis bereits schon seit 1860 tot und Florent Justin, selbst über 80 Jahre, inzwischen sehr krank war. Friedrich hatte das Unternehmen in Oberalm 1870 mit sämtlichem Eigentum in Salzburg vom Großhandelshauses Robert & Companie in Wien für 46.528 Gulden erworben, für einen Pappenstiel, wie er begeistert meinte.

Zum Besitz gehörten die Fabrik, die Villa samt Garten und Nebengebäuden sowie verschiedene Marmorbrüche in Adnet und Waldparzellen. Fritz wollte das Marmor-Mosaik herstellen. Deshalb kaufte er die Adneter Steinbrüche und von Prinz Leopold von Bayern den Untersberg mit 2680 ha Grund und den drei Marmorbrüchen. Auch das Quellgrundstück für die Wasserversorgung Salzburgs war dabei. Seine Fabrik nannte er Freiherr v. Löwenstern`schen Marmor-Waaren-Fabriken zu Oberalm. Er restrukturierte und modernisierte die technische Marmorgewinnungs-Methode. Drei Jahre später, 1873, verkaufte Friedrich Baron v. Löwenstern die Oberalmer Marmorfabrik für 550.000 Gulden an die Österreichische Bergbahn-Gesellschaft − jedoch ohne die Marmorbrüche und Waldungen. Es war die Zeit der Bankenkrache und Konkurse. Der Käufer konnte die Ratenzahlungen nicht mehr leisten und Fritz kaufte alles wieder für 175.000 Gulden zurück, einschließlich eines Warenlagers im Wert von 158.000 Gulden sowie neu angekaufter Steinbrüche, Waldparzellen und Arbeiter-Wohnungen. Durch die 1871 erfolgte Eröffnung der Salzburg-Halleiner-Bahn verbesserte sich die verkehrsmäßige Anbindung Oberalms entscheidend. Schon während der Planung dieser Eisenbahnstrecke hatte Friedrich das Projekt tatkräftig unterstützt und schließlich den Baugrund für den Bahnhof zu einem günstigen Preis an die Stadt Hallein verkauft. An dieses Mäzenatentum erinnernd wurde eine Straße beim Bahnhof in Hallein und in Oberalm „Baron-Löwenstern-Straße“ genannt. Der Gemeinderat von Hallein ernannte ihn zum Ehrenbürger von Hallein.

Die außerordentlichen Leistungen der Oberalmer Werke waren nicht nur im In-, sondern auch im Ausland bekannt geworden. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm, da Baron Friedrich v. Löwenstern Marmor aus österreichischen Steinbrüchen verarbeitete, den hohen Orden der Eisernen Krone. Fritz besaß, neben den Steinbrüchen in Adnet und Untersberg, weitere Steinbrüche. An Großbauten, an denen Baron Friedrich v. Löwenstern mit seiner Fabrik beteiligt war, sind folgende auszugsweise zu nennen:

Wien: Parlament, Justiz-Palast, Universität, Burgtheater, Neues Museum. Bukarest: Moschee. Pest: Stadthaus. Bayern: Schloss Linderhof (König Ludwig II). Ferner: Kirchen, Schlösser, Krankenhäuser, Bäder, Banken, Innen-Einrichtungen unter anderem in Österreich, Deutschland, England ...

1887 verkaufte Friedrich Baron v. Löwenstern das gesamte Unternehmen samt den zugehörigen Steinbrüchen an die Marmorindustrie Kiefer AG im deutschen Kiefersfelden um 540.000 Mark.

Zum Tod des Barons Friedrich v. Löwenstern

Friedrich Baron v. Löwenstern, am 15. Juni 1829 auf Schloss Wandsbek in Hamburg geboren, starb im Alter von 81 Jahren am 20. November 1910 in den Armen seiner Tochter Lilly in der Villa Löwenstern in Oberalm bei Salzburg. Seine Tochter Lilly schrieb: „Rückblickend danke ich dem Schicksal, dass mein Vater die furchtbaren Jahre des Weltkrieges, die ihn auf das tiefste erschüttert hätten, nicht mehr erlebte. Es blieb ihm erspart, dass sein ältester Enkel Hans-Malte von der Lancken-Wakenitz 1917 an der Westfront einem Flieger-Angriff zum Opfer fiel und dass sein zweiter Enkel Dietrich von der Lancken-Wakenitz 1915 verwundet wurde und in russische Gefangenschaft geriet − und drei Jahre in Sibirien schmachtete. Vater durfte die Augen schließen, ehe sein Kaiserlicher Herr, Franz Joseph I., starb, ehe die Monarchie gestürzt wurde und die einst so stolze österreichische Monarchie zusammenbrach. Mein Vater durfte in dem Glauben sterben, durch Fleiß, Tüchtigkeit, seine nie ruhende Fürsorge, Tochter und Enkel in sicheren Verhältnissen zu hinterlassen“.

Der Baron wurde im Rittersaal der Villa Löwenstern aufgebahrt, eingehüllt in seinen weißen Reitermantel. Als Soldat wollte er begraben werden. Die Veteranen des „Militärveteranen- und Kriegervereines Baron v. Löwenstern in Hallein“ stellte die Ehrenwache. Die Beisetzung in der Baron v. Löwenstern-Familiengruft auf dem Oberalmer Friedhof fand unter den Klängen des Radetzky-Marsches statt − so wie er es sich gewünscht hatte. Die Veteranen trugen den Sarg auf ihren Schultern durch den tiefverschneiten Park, vorbei an seiner geliebten Linde, durch die Madlgasse zum Oberalmer Friedhof. Schnee rieselte auf den Sarg hernieder. Das Wort „Säet euch Gerechtigkeit und erntet Liebe“ war der Text der Leichenrede. Dann donnerten die Ehrensalven über das offene Grab. Die Fahnen senkten sich, die irdische Hülle wurde der Erde übergeben. Drei Tage durften die Einwohner von Oberalm bei freier Speis und Trank gedenken.

Seine Ehefrau Josephine Marie starb am 1. Jänner 1929 in Hallein. Seine Tochter Adelaide "Lilly" verstarb am 15. Dezember 1955 in Oberalm.

Sonstiges

In der Stadt Salzburg gab es die Löwensternschen Gründe in der Riedenburg.

Auszeichnungen

  • Kaiser Franz Joseph I. verlieh ihm, da Baron Friedrich v. Löwenstern Marmor aus österreichischen Steinbrüchen (Adnet und Unterberg) verarbeitete, den hohen Österreichischen Orden der Eisernen Krone.
  • das Militärverdienstkreuz
  • die Medaille 1864 von Kaiser Franz Joseph I. und dem König von Preußen
  • das Österreichische Marianerkreuz „Ordo Teutonia humanitas“
  • die Erinnerungs-Medaille Kaiser Franz Joseph I.

Ehrenmitglied

Sonstige Tätigkeiten

  • Mitbegründer des Künstlerhauses in Salzburg 1885
  • Protektor des Militär-Veteranen- und Kriegervereins „Baron v. Löwenstern Hallein“ u.a.

Literatur

Weblinks

Quellen

Einzelnachweise

  1. Wandsbek ist heute ein Stadtteil der Freien und Hansestadt Hamburg und gehörte damals zum Herzogtum Holstein, das in Personalunion mit Dänemark verbunden war (heute Freie und Hansestadt Hamburg).
  2. siehe Wikipedia K.u.k. Galizisches Ulanen-Regiment „Erzherzog Carl“ Nr. 3
  3. Taufbuch der Pfarre Hallein, Band XII, S. 188.