Georg Heinrich Baron v. Löwenstern

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Georg Baron v. Löwenstern
Adelaide Baronin v. Löwenstern

Georg Heinrich Baron v. Löwenstern v. Rigemann a. d. Hs. Rösthof (* 23. November 1786 in Reval[1]; † 20. September 1856 in Kiel) stammte aus der Familie der Barone v. Löwenstern v. Rigemann a. d. Hs. Rösthof und war ein deutsch-baltischer Gutsbesitzer, sowie als Offizier in russischen und später als Offizier und Diplomat in dänischen Diensten, die sich im 19. Jahrhundert in Dänemark und im heutigen Schleswig-Holstein als auch in der Tennengauer Marktgemeinde Oberalm niederließ.

Familie

Georg Baron v. Löwenstern kam als Sohn von Hermann Ludwig Baron v. Löwenstern v. Rigemann a. d. Hs. Rösthof (* 28. Dezember 1748 in Wiltenhof; † 25. September 1815 in Regal), Gutsbesitzer, Rittmeister, Kreismarschall, Gouvernment-Adelsmarschall, Präsident des Ober-Konvent, Kommandeur des St. Wladimir-Ordens, Ratsherr, und Hedwig Margarethe, geborene Baronesse von Steal-Holstein (* 26. August 1756 auf Gut Kotzum; † 21. Februar 1799 in Reval) zur Welt. Zu den Besitztümern der Familie in Estland zählten unter anderem die Güter Walküll, Jendel, Forell, Rasik, Campen, Pikwa, Wechmut und Allafer in einer Größenordnung von ca. 29 000 ha. Aus dem umfangreichen elterlichen Gutsbesitz erbte er unter anderem das Gut Jendel. Georg hatte neun Geschwister.

Georg war verheiratet mit Adelaide Laura Tugendreich (* 30. November 1796 in Kopenhagen, Dänemark; † 31. Dezember 1876 in Bordesholm, Schleswig-Holstein), geborene Gräfin von Schimmelmann aus dem Hause Lindenbourg, Tochter des Kaufmannes, Großgrundbesitzers und Dänischen Schatzmeisters Graf Christian von Schimmelmann, Gutsherr unter anderem von Schloss Lindenbourg auf Jütland, Gut Hellebaeck bei Kopenhagen, Schloss Wandsbek, Schloss Ahrensburg. Sie war Anteils-Erbin des Gräflich Schimmelmann'schen Fideikommisses und damit unter anderem Erbin diverser Plantagen in Dänisch-Westindien und diverser Güter wie Hellebæk und Ålsgårde auf Seeland und die Schlösser Wandsbek und Ahrensburg.

Die Familienangehörigen und Verwandtschaften leben und haben ihre Anwesen heute in Deutschland, Dänemark, Österreich, Kanada, Namibia (früher Südwestafrika), Argentinien und Australien. Das Familienarchiv der Barone v. Löwenstern wird von Ludolf Baron v. Löwenstern verwaltet.

Leben

Er vereinigte zahlreiche Besitzungen, unter anderem das Familiengut Jendel in Estland, das Schloss und Gut Hellebek bei Helsingör auf Seeland in Dänemark, die Villa Seelust bei Clampenburg, Kopenhagen, die Villa Christiansholm bei Kopenhagen und die Villa Seelust in Kiel (ehemals Dänemark) in Schleswig-Holstein.

Als Mitglied einer in der estländischen Ritterschaft immatrikulierten Familie, genoss Georg seine weitere Erziehung in der Ritter-Akademie zu Reval.

Am 8. Juni 1803 trat er als Garde-Offizier in kaiserlich-russische Dienste. Beim Ausbruch des Krieges mit Frankreich wurde er aus einem Gesuch hin am 18. September 1806 zum Isiumischen Husaren-Regiment versetzt, bei welchem er den Feldzug in Preußen mitmachte. Als Ordonnanz-Offizier dem Generalmajor Barclay de Tolly zugeteilt, gelang es ihm am Vorabend der Schlacht bei Preußisch-Eley, den schwer verwundeten General aus der Gewalt der Franzosen zu retten und in das Hauptquartier des General Bennigsen zu geleiten - wofür er mit dem Goldenen Kreuz beehrt wurde. Dem Kaiserlichen Hauptquartier wieder als Ordonnanz-Offizier zugeteilt, befreite er in der Schlacht bei Heilsberg-Grettstadt mit den Husaren den Chef des Generalstabes, Generalleutnant Fock, aus den Händen der Gegner - hierfür wurde er mit dem Orden des Heiligen Wladimir mit Schleife beehrt. Am 25. Oktober wurde Georg zum Großfürsten Constantin gesandt, um das bei der Kavallerie neu einzuführende Reglement zu erlernen. Am 30. März 1811 wurde er zum 1. Adjutanten von Generalleutnant von Essen, dem General-Governeur von Estland, Livland und Kurland, benannt. Er wurde bis zum Garde-Oberst befördert. 1816 nahm er seinen Abschied aus russischen Diensten.

Als Offizier im Krieg gegen Frankreich

Es war in den Jahren um 1813, als die Franzosen in Norddeutschland und dabei auch in Hamburg bzw. Altona waren, befehligt vom französischen Marschall Davout. Nach der Schlacht bei Leipzig erhielt der russische General Graf Woronzow den Befehl, den Norden Deutschlands von den Franzosen und die Bewohner vom verhassten Joch zu befreien. General Tettenborn nahm Bremen ein und schnitt dadurch dem französischen Marschall Davout in Hamburg seine letzte Verbindung mit Hamburg ab. Der russische General Graf Woronzow nahm Kassel ein und erhielt den Befehl auf Hamburg zu marschieren und die Stadt einzuschließen. Zu den verantwortlichen Offizieren Woronzows gehörte der damalige Oberst und spätere General Major Woldemar Baron v. Löwenstern (* 1776; † 1858)[2], der eine Brigade Kosaken befehligte, die zur Avant-Garde[3] ausersehen war und nach Hamburg und Altona vordringen sollte. Georg, sein jüngerer Bruder, befehligte als Brigade-Kommandeur ein weiteres Kosakenheer hatte den Befehl so weit wie möglich auf der Landstraße nach Wandsbek vorzurücken. Dabei musste er sich zunächst gegen eine starke feindliche Übermacht unter General Vichery behaupten und zog sich daraufhin nach Rahlstedt zurück. Ihm gegenüber als Kommandant von Altona war der dänische Generalmajor Hugo von Buchwald aus dem Hause Fresenburg. Diese beiden unterhielten später einen regen Briefwechsel, der in den „Erinnerungen des Generalmajor von Buchwald an seine Kommandantschaft in Altona im Dezember 1813“ von Wetzel wiedergegeben ist.

Er lernt seine spätere Frau kennen

Es war in der Nacht vom 5. zum 6. Jänner 1813, als vom dänischen Grafen Carl-Heinrich von Schimmelmann aus Schloss Ahrensburg ein Korb ausgezeichneten Weines mit der Einladung eintraf, auf seinen Liegenschaften Quartier zu beziehen. Gerne nahm er diese Einladung an und logierte auf Schloss Ahrensburg. In dieser Zeit lernte Georg seine spätere Frau kennen, die Tochter des Grafen, Komtesse Adelaide Tugendreich von Schimmelmann aus dem Hause Lindenbourg. Schon nach dem Einzug der verbündeten Truppen 1815 in Paris fand noch im gleichen Jahr die Hochzeit statt.

Georg und Adelaide wohnten die ersten Jahre auf Gut Jendel (Estland, südlich von Riga), einem der Löwenstern`schen Güter im Baltikum. Später entschlossen sich Georg und Adelaide nach Dänemark (heutiges Schleswig-Holstein) umzusiedeln. Somit wurden die Güter in Estland verkauft und sie zogen in die Villa Seelust in Clampenburg bei Kopenhagen.

Der Baron tritt in dänische Dienste

Georg Baron v. Löwenstern wurde 1827 in Dänemark „naturalisiert“ und mit Zustimmung des Zaren trat er in Dänische Dienste. Er wurde vom Dänischen König Friedrich VI. durch offenen Brief am 8. Juni 1827 zum Oberst à la Suite[4] ernannt und in den Dänischen Adels- und Freiherrnstand aufgenommen. Am 18. Juni 1827 wurde Georg zum Kammerherren und am 17. August 1827 zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister des Königs von Dänemark Friedrich VI. ernannt. Als Gutsbesitzer und außerordentlicher Gesandten und bevollmächtigter Minister des Königs nahm er zudem eine neue Aufgabe wahr: Zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern sollte er nach Rio de Janeiro (Brasilien) reisen und einen Handelsvertrag zwischen Brasilien und Dänemark abschließen. Brasilien hatte 1822 seine Unabhängigkeit von Portugal proklamiert und der portugiesische Prinz Pedro wurde als Kaiser Dom Pedro I. installiert. Er war mit der Erzherzogin Leopoldine von Österreich verheiratet. In einer 70-tägigen Reise fuhren sie auf der Bark Galathea nach Brasilien (Ankunft 26. November 1827). Das Handelstraktat wurde am 5. November 1828 geschlossen und am 14. Februar 1829 reisten Georg und seine Familie auf dem französischen Linienschiff Jean Bart zurück und waren am 19. August 1829 wieder zurück in Kopenhagen. Hier erhielt er am 1. November 1828 das Commandeur-Kreuz des Dannebrog. In Kopenhagen erwarb er die Villa Christiansholm.

Am 18. März 1835 wurde Georg zum General-Major befördert und erhielt vom König Friedrich VI. den Auftrag, nach Wien zu reisen um Kaiser Ferdinand die Glückwünsche des dänischen Königs für seine Thronbesteigung zu überbringen und als außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister des Königreiches Dänemark an diesem Hofe zu wirken und mit Österreich ebenfalls einen Handelsvertrag zu schließen. In dieser Zeit traf er Fürst Metternich und die beiden Familien freundeten sich an. Nach dem Hinscheiden des Königs Friedrich VI. wurde ihm am 28. Juni 1840 von König Christian VIII. der Kammerherrn-Schlüssel verliehen. Am Vortag der Krönung von König Christian VIII. wurde Georg am 27. Juni 1840 das Großkreuz des Dannebrog-Ordens verliehen und im Jahre 1845 das Dannebrogs-Mann-Kreuz. Am 3. März 1846 erbat er von seinem König seine Entlassung. 1847 verließ er zusammen mit seiner Familie Wien. Der österreichische Kaiser verlieh ihm den kaiserlich-österreichischen Orden der Eisernen Krone I. Klasse.

Umzug nach Kiel

Die Familie übersiedelte nun nach Kiel (Schleswig-Holstein) und wohnte in ihrer Villa an der Kieler Förde (20. Juni 1849). In Erinnerung an sein Haus, der Villa Seelust in Clampenborg bei Kopenhagen, wurde diese Villa auf Seelust umgetauft. Hier verlebte er die letzten Jahre seines erfüllten Lebens und am 20. September 1856, im Alter von 70 Jahren, entschlief er sanft in den Armen seiner Ehefrau Adelaide, umgeben von seinen Kindern und Enkeln. Ihre Liebe und allgemeine Achtung folgten ihm an seinem Grabe. Adelaide lebte fortan in der Villa Seelust in Kiel, die ihr aber zu groß wurde. Sie verkaufte sie an die Preußische Krone und diente danach als Amtssitz des Prinzen Adalbert von Preussen (Prinzen-Palais). Sie selbst zog in das Seehaus in Bordesholm und starb dort am 31. Dezember 1876.

Kinder

Georg und Adelaide v. Löwenstern hatten fünf Kinder:

  • Adelbert (* 23. März 1817 auf Gut Jendel; † 8. März 1879 in Carlsburg bei Sundacker) war mit Rosamunde, geborene Francke, verheiratet (25. April 1848 in der Nicolai-Kirche zu Flensburg). Sie hatten acht Kinder. Er absolvierte das Studium der Rechtsgelehrsamkeit, war Gutsbesitzer, Besitzer des Baron Löwenstern'schen Fideikommis, Mitbesitzer des Gräflich Schimmelmann'schen Fideikommis, königlich-dänischer Kammerherr und war als königlich-preußischer Auditeur (Militär-Richter) tätig. Sie lebten auf Gut Buckhagen.[5]
  • Georgine (* 1819; † 1893) war mit Graf Christian von Reventlow verheiratet.
  • Laurette (* 1821; † 1851) war nicht verheiratet und starb in jungen Jahren.
  • Adelaide (* 1823; † 1849) heiratete Kuno Graf von Rantzau.
  • Friedrich Sebastian (* 15. Juni 1829 auf Schloss Wandsbek, Schleswig-Holstein; † 20. November 1910 in Oberalm bei Salzburg) war mit Josefine, geborene Robert, der Tochter des französischen Großindustriellen Justin Robert, verheiratet und lebte auf dem Familiengut Villa Löwenstern in Oberalm. Sie hatten eine Tochter Adelaide, genannt Lilly. Er war Großgrund- und Gutsbesitzer und als Unternehmer Gründer und persönlich haftender Gesellschafter der Freiherr v. Löwenstern'sche Glasmosaik-Marmor-Waren Fabrik zu Oberalm und Kaiserlich Österreichischer Major der Reserve bei den Ulanen[6].

Auszeichnungen

Für besondere Verdienste im Laufe seines Lebens und beruflichen Laufbahn erhielt er zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen. Dazu zählten der St.-Anna-Orden, das Goldene Kreuz für Eylau, der St.-Wladimir-Orden mit Schleife, das Ritterkreuz des Schwert-Ordens, die Medaille für die Einnahme von Paris, Commandeur des Dannebrog, das Großkreuz des Dannebrog, das Dannebrog-Mann-Kreuz, das Großkreuz des Ordens der Eisernen Krone 1. Klasse.

Literatur

Quellen

  • Vom einstigen Messinghüttenwerk zur Marmorindustrie Kiefer in Oberalm von Dr. Günther Wilhelm, Historiker, Referat für Naturschutzgrundlagen der Landesregierung Salzburg (Internetlink siehe Salzburgwiki-Artikel Löwenstern)
  • Baron Friedrich v. Löwenstern
  • Ergänzungen von Benutzer:Vonloewenstern

Einzelnachweise

  1. der deutsche Namen der heutigen estnischen Hauptstadt Tallinn
  2. verheiratet mit Sophie Obreskow, Tochter des Kaiserlich Russischen Generalleutnants Michael Obreskow, Grossgrund- und Gutsbesitzer, Generalmajor des Kaiserlich Russischen Kosakenheeres, Teilnehmer an diversen Schlachten, unter anderem von Wagram; Adjutant des Kriegsministers und Oberbefehlshaber General Barclay de Tolly, Kommandant von Vitray, verantwortlicher Offizier von General Woronzow
  3. bezeichnet die Vorhut, also denjenigen Truppenteil, der als Erster vorrückt und somit zuerst Feindberührung hat
  4. siehe de.m.wikipedia.org
  5. Siehe auch „Ein Baron sieht Bordesholm“ vom 15. April 1977 in der Bordesholmer Rundschau.
  6. siehe auch Friedrich v. Löwenstern