Salzburger Adventsingen

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Das Salzburger Adventsingen im Großen Festspielhaus 2016

Salzburger Adventsingen 2016, ab der sechsten Minute der Andachtsjodler ,10:26 min. Video

Das Salzburger Adventsingen ist eine alljährliche musikalische Veranstaltung im Advent in der Stadt Salzburg, das seit 1960 im Großen Festspielhaus stattfindet.

Allgemein

Maria und Josef des Salzburger Adventsingens
Das Salzburger Adventsingen ist die Keimzelle und das große Vorbild zahlreicher „Adventsingen“ im gesamten deutschsprachigen Raum. Rund 1,7 Millionen Besucher haben diese einzigartige Veranstaltung im Salzburger Advent bereits besucht. Derzeit strömen jährlich rund 36 000 Menschen zum Salzburger Adventsingen. Mit über 150 Sängern, Musikanten, Schauspielern und Hirtenkindern aus Salzburg und den angrenzenden Kulturregionen wird das adventliche Geschehen alljährlich aus einer neuen Perspektive betrachtet.

Gelebte Traditionen und Erinnerungen an die eigene Kindheit sind für die Besucher ein wesentliches Element beim Salzburger Adventsingen. Überlieferte Volkslieder und –weisen fügen sich mit klassischen Elementen, neuem kompositorischen Schaffen und der szenischen Handlung zu einem harmonischen Ganzen.

Die künstlerische Gesamtleitung und Programmatik liegt derzeit (2013) in den Händen von Hans Köhl. Als Obmann des Veranstalters Salzburger Heimatwerk ist er gemeinsam mit seinem Vorstandkollegen Stefan Sperr seit 1999 für die Gesamtleitung dieser Salzburger Großkulturveranstaltung verantwortlich.

Geschichte

1946 wird von Tobi Reiser d. Ä. (* 1907, † 1974) im Dezember erstmals ein Salzburger Adventsingen in einem Gesellschafterheim am Salzburger Rudolfskai für Freunde und Weggefährten veranstaltet. Im selben Jahr wird auch das Salzburger Heimatwerk als Genossenschaft eingerichtet und Tobias Reiser d. J. (* 1946, † 1999) geboren.
Das Salzburger Adventsingen im Großen Festspielhaus

Nachdem die adventliche Zusammenkunft immer mehr Zulauf erhält, übersiedelt man im Jahre 1950 in den Kaisersaal der Salzburger Residenz. Erstmals laden das Salzburger Heimatwerk und die Salzburger Heimatpflege gemeinsam zu dieser Veranstaltung. Die Rundfunksprecherin Christl Reisinger liest Texte von Annette Thoma (* 1886, † 1974). Weitere Mitwirkende: Kleine Hackbrett-Musik, Zither- und Gitarrentrio, Fiedel- und Flötengruppe Kammerer, Rudi Rehle, Saalfeldner Dreigesang, Viergesang Windhofer-Leitner, eine Klöpflergruppe, die Sternsingerkinder, die Tanzperchtengruppe der Alpinia und der Salzburger Volksliedchor von Prof. Sepp Dengg. Der Chorgesang ist mit dem Salzburger Volksliedchor bis heute ein prägendes Element des Salzburger Adventsingens. Zeitgleich findet das erste Adventblasen vom Glockenspielturm als Einstimmung zum Adventsingen statt.

Doch auch dieser Veranstaltungsort wird rasch zu klein. 1952 übersiedelt man daher in die Große Aula der Universität Salzburg. Karl Heinrich Waggerl (* 1897, † 1973) hat sein Debüt und liest zum ersten Mal die „Kleinen Christkindlgeschichten“. Seine heiter-besinnlichen Lesungen begeistern das Publikum und verleihen dem Salzburger Adventsingen eine weitere unverwechselbare Note. Er bleibt dem Salzburger Adventsingen bis zu seinem Tod im Jahre 1973 treu. Immer mehr Menschen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum werden auf das Salzburger Adventsingen aufmerksam. Das bis zu seiner Gründung im Jahre 1946 nicht existente Genre „Adventsingen“ wird zum Synonym für zahlreiche weitere Veranstaltungen ähnlichen Formats.

Im Jahre 1960 findet auf Einladung von Landeshauptmann Dr. Josef Klaus (* 1910, † 2001) das 'Salzburger Adventsingen mit sieben Aufführungen erstmals im neu erbauten Großen Salzburger Festspielhaus statt. Von nicht wenigen wird dadurch das Ende des Adventsingens prophezeit. Das Gegenteil ist der Fall und der mutige Schritt von Tobi Reiser hat sich als Glücksfall erwiesen. Von Jahr zu Jahr kommen mehr Besucher zu dieser einzigartigen Veranstaltung. 1974 stirbt der Gründer des Salzburger Adventsingens und Leiter des Salzburger Heimatwerks Tobi Reiser d. Ä.

Hirtenkind des Salzburger Adventsingens
Tobias Reiser d. J. übernimmt die Leitung des Salzburger Heimatwerks und des Salzburger Adventsingens. Er ist bestrebt, dieses wertvolle Erbe verantwortungsvoll und behutsam weiter zu entwickeln. Ab 1980 finden unter Einbindung vom Bühnenbildner Siegwulf Turek größere Veränderungen in Bühnengestaltung, Lichtregie und Programmatik statt. Das Salzburger Adventsingen entwickelt sich zu einem szenischen Oratorium mit eindrucksvollen Parallelen und Bindungen vom biblischen Geschehen zur Gegenwart. Tobias Reiser d. J. verleiht dem Salzburger Adventsingen ein neues, künstlerisch anspruchsvolles Profil. Unter seiner Leitung entwickelt sich das Salzburger Adventsingen von zwölf Aufführungen im Jahre 1974 auf bis zu 18 ausverkauften Aufführungen jährlich. 1996 feierte das Salzburger Heimatwerk mit dem Salzburger Adventsingen sein 50-jähriges Jubiläum. Das szenische Oratorium „Es ward der Engel Gabriel“ wird mit Kompositionen von Wilhelm Keller zum Höhepunkt des künstlerischen Schaffens von Tobias Reiser d.J., welcher 1999 unerwartet im 53. Lebensjahr verstirbt.

Hans Köhl und Stefan Sperr, die beiden langjährigen Weggefährten und Heimatwerk-Vorstandskollegen von Tobias Reiser übernehmen die Gesamtleitung des Salzburger Adventsingens, wobei Hans Köhl die Hauptverantwortung übertragen wird. Er setzt mit seinem künstlerischen Kollegium den Weg der behutsamen Weiterentwicklung auf hohem Qualitätsniveau fort. Denkansätze, wie das adventliche Geschehen in einen Handlungsrahmen vom Gründungsjahr 1946 zu setzen oder die Geschichte in einen soziokulturellen Kontext mit den Schöpfern des Salzburger Weihnachtsliedes „Stille Nacht, Heil’ge Nacht“ zu bringen, werden in neuen szenisch-musikalischen Gesamtwerken realisiert. Sie werden vom Publikum begeistert aufgenommen. Trotz immer mehr werdender „Mitbewerber-Adventsingen“ bleibt der Zustrom zum Salzburger Adventsingen mit jährlich rund 36.000 Gästen ungebrochen. Es ist das größte und bedeutendste Festival dieses Genres weltweit. Wurde in der Vergangenheit ein Werk über mehrere Jahre zur Aufführung gebracht, wird seit 2005 alljährlich ein neues oder grundlegend überarbeitetes Salzburger Adventsingen inszeniert. Dies ist eine enorme Herausforderung für Hans Köhl, sein künstlerisches Team und die rund 150 Mitwirkenden. Die Bemühungen werden vom internationalen Publikum jedoch mit jährlich zur Gänze ausverkauften Aufführungen entsprechend bestätigt und belohnt.

Das Salzburger Adventsingen im Großen Festspielhaus 2011

Zeittafel

  • 1946: Erstes adventliches Singen und Musizieren von Tobi Reiser mit Freunden für Bekannte im Gesellschafterheim am Salzburger Rudolfskai
  • 1950: Erstes offizielles Salzburger Adventsingen im Kaisersaal der Salzburger Residenz
  • 1952: Aus Platzmangel Übersiedlung in die Aula der Salzburger Universität. Karl Heinrich Waggerl wird zur unverwechselbaren „Stimme“ des Salzburger Adventsingens
  • 1960: Das Salzburger Adventsingen findet im neu erbauten großen Salzburger Festspielhaus eine feste Bleibe.
  • 1963: Erste Einbindung einer Kantate vom Komponisten Anton Dawidowicz in das bis dahin volksmusikalisch geprägte Geschehen.
  • 1964: Erste Kantate von zahlreichen weiteren in Folge vom Komponisten Wilhelm Keller, seine Musik wird bis 1996 prägend und richtungsweisend.
  • 1973: Karl Heinrich Waggerl stirbt am 5. November.
Die Hirtenkinder des Salzburger Adventsingens beim Paschen
  • 1974: Tobi Reiser d. Ä. stirbt am 31. Oktober, die bayerische Wegbereiterin für das geistliche Volkslied und enge Mitstreiterin Reisers, Annette Thoma stirbt am 26. November, Tobias Reiser d.J. übernimmt die künstlerische Leitung.
  • 1980: Das Salzburger Adventsingen erhält durch seine inhaltliche und optische Gestaltung eine neue künstlerische Qualität. Siegwulf Turek wird prägend für Bühnengestaltung und Lichtregie.
  • 1983: Der Gewandmeister der Salzburger Festspiele, Hellmuth Hölzl kreiert in der Nachfolge von Herma Friedl neue Kostümbilder für das Adventsingen.
  • 1986: Das szenische Oratorium „A Liacht is aufkemma“ wird zu einem umfassend szenisch-musikalisch durchkomponierten Gesamtwerk neuen Prädikates.
  • 1989: Tobias Reiser erarbeitet ein weiteres großes künstlerisches Gesamtwerk mit dem Titel „Sonst bliebe es ein Traum“. Erstmals wird die Musik von Klemens Vereno komponiert.
  • 1996: Zum 50-jährigen Jubiläum erarbeitet Tobias Reiser mit Wilhelm Keller ein neues Oratorium mit dem Titel „Es ward der Engel Gabriel“
  • 1999: Das Oratorium „Da hat vor dem Stall der Äpfibam bliaht“ bildet den Abschluss des umfangreichen künstlerischen Vermächtnisses von Prof. Tobias Reiser. Die Kompositionen stammen von Shane Woodborne. Am 18. Dezember, nach den Abschlussarbeiten der erfolgreichen Aufführungen stirbt Tobias Reiser plötzlich und unerwartet.
  • 2000: Unter der neuen Verantwortlichkeit von Hans Köhl wird das letzte Oratorium von Tobias Reiser mit den künstlerischen Weggefährten nochmals zur Aufführung gebracht.
  • 2001: Ein neues Werk mit dem Titel „Siehe, ich bin des Herrn Magd“ wird in Zusammenarbeit von Hans Köhl mit Josef Radauer, Shane Woodborne, Charly Rabanser, Alfred Kröll und Hans Stadler erarbeitet. Der Bühnenbildner Dietmar Solt und der Dirigent Herbert Böck sind neu im künstlerischen Team.
  • 2003: In Zusammenarbeit mit den Textautoren Uli Brée und Charly Rabanser sowie dem Komponisten Peter WesenAuer entsteht ein neues Salzburger Adventsingen mit dem Titel „… denn Gott ist die Liebe“.]
Maria und Elisabeth
  • 2005: „Sonst bliebe es ein Traum“, ein Werk von Tobias Reiser und Klemens Vereno wird in einer Neuinszenierung zu einem großen Publikumserfolg
  • 2006: Zum 60-jährigen Jubiläum vom Salzburger Adventsingen entsteht ein neues Werk mit dem Titel „Jetzt fangen wir zum Singen an“. Es führt thematisch in das Gründungsjahr 1946 zurück. Idee und Konzeption: Hans Köhl, Textbuch und Regie: Charly Rabanser, Musik: Klemens Vereno. Zugunsten der von Karlheinz Böhm gegründeten Organisation „Menschen für Menschen“ wird ein Jubiläums-Galaabend von zahlreichen namhaften Künstlern unentgeltlich bestritten.
  • 2007: Das letzte Werk von Tobias Reiser „Da hat vor dem Stall der Äpfibam bliaht“ wird von Hans Köhl, Charly Rabanser und Shane Woodborne überarbeitet und in einer neuen Fassung zur Aufführung gebracht.
  • 2008: Zum Jubiläum „190 Jahre Stille Nacht“ entsteht ein neues Salzburger Adventsingen. Die biblische Geschichte von Maria und Josef wird in Bezug zur Entstehungsgeschichte des weltberühmten Weihnachtsliedes gestellt. Idee und Konzeption: Hans Köhl, Textbuch und Regie: Charly Rabanser, Musik: Klemens Vereno.
  • 2009: In Anlehnung an die Programme von 2001 und 2002 wird unter der Gesamtgestaltung von Hans Köhl, Charly Rabanser und Shane Woodborne ein neues Werk mit dem Titel „Maria“ geschaffen.
  • 2010: „Wer klopfet an“, ist der Titel eines neuen Werkes, bei dem die Problematik von Obdachlosen und Herbergssuchenden der Gegenwart mit dem adventlichen Geschehen in Beziehung gebracht wird. Programmatik, Textbuch: Hans Köhl, Musik: Klemens Vereno, Dirigent: Herbert Böck, Schauspiel- und Lichtregie: Veronika Pernthaner, Kostüme und Masken: Hellmut Hölzl, Bühnenbild und Projektionen: Dietmar Solt.
    Die Hirtenkinder des Salzburger Adventsingens
  • 2011: „Der Stern“ von Bethlehem begleitet durch ein neues Salzburger Adventsingen gleich einem unsichtbaren Faden. Programmatik, Textbuch: Hans Köhl, Musik: Klemens Vereno, Dirigent: Herbert Böck, Schauspiel- und Lichtregie: Veronika Pernthaner, Kostüme und Masken: Hellmut Hölzl, Bühnenbild und Projektionen: Dietmar Solt,
  • 2012: Nach sieben Jahren erfährt das Werk „Sonst bliebe es ein Traum“ eine musikalische und szenische Überarbeitung. Statt eines Großvaters übernimmt eine Großmutter die Begleitung des kleinen Träumers durch seinen wunderlichen, adventlichen Traum. Programmatik, Textbuch: Hans Köhl, Musik: Klemens Vereno, Dirigent: Herbert Böck, Regie: Caroline Richards, Kostüme und Masken: Hellmut Hölzl, Bühnenbild und Projektionen: Dietmar Solt
  • 2013: „Sehnsucht“ Die drei abrahamischen Religionen werden in sieben Sehnsuchtsbildern in den Kontext zur biblischen Geschichte gestellt. Ein neues Werk von Hans Köhl in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Shane Woodborne und dem bewährten künstlerischen Team. Erstmals werden Arbeiten des Künstlers Johann Weyringer als Bühnenbildprojektionen erlebbar.
  • 2014: „Der Sterngucker“ Beim Salzburger Adventsingen 2014 wird ein Sterngucker in die Stille dieses unendlichen Sternenhimmels hineinlauschen, um mit Gott, dem Schöpfer allen Seins vertraut zu werden. Bei seinen Betrachtungen wird ihn das adventliche Geschehen um Maria und Josef immer wieder in den Bann ziehen. Der Sterngucker wird erleben, wie die Hirten von einem geheimnisvollen Stern geblendet und umstrahlt werden, wenn ihnen der Engel die freudige Botschaft vom Glanz des Herrn verkündet!
  • 2015: „Schnee in Bethlehem” Dieses Salzburger Adventsingen erinnert mit einer märchenhaften Geschichte an vergangene, glückselige Abende der Kindheit. An Abende, da uns die Großmutter ihre uralte, von Generation zu Generation mündlich überlieferte Adventsgeschichte erzählt. Denn „es war einmal”, dass Maria einen zarten, herb würzigen Quendel und honigduftendes Labkraut für die Krippe sammelte und „es begab sich”, dass es in Bethlehem in jener Nacht nach langer, langer Zeit wieder einmal schneite. Alles erstarrte in der winterlichen Kälte. Einzig eine zartrosa Heckenblüte verkündete neue Hoffnung, neues Leben ...
  • 2016: „Gib uns Frieden“ Das Salzburger Adventsingen kehrt im Jubiläumsjahr 2016 unter dem Titel „Gib uns Frieden“ thematisch zu seinen Anfängen zurück. Vor 70 Jahren entstand eine Idee, getragen von sehnsuchtsvoller Hoffnung auf eine bessere, friedlichere Welt. Diesem Gedanken von Tobi Reiser folgte die Geburtsstunde des Salzburger Adventsingens.

Künstlerische Leitung

Gesamtleitung

Hans Köhl und Stefan Sperr;

CD-Produktionen des Salzburger Adventsingens (Label: Salzburger Heimatwerk)

  • Da hat vor dem Stall der Äpfibam bliaht (2000)
  • Salzburger Adventblasen (2000)
  • Siehe, ich bin des Herrn Magd (2002)
  • Jetzt fangen wir zum Singen an (2002)
CD-Cover „Gib uns Frieden“, Salzburger Adventsingen 2016
  • Denn Gott ist die Liebe (2004)
  • Sonst bliebe es ein Traum (2005)
  • Jetzt fangen wir zum Singen an (2006)
  • Da hat vor dem Stall der Äpfibam bliaht (2007)
  • Sie haben uns a Botschaft bracht von einer Stillen, Heil’gen Nacht (2008)
  • Maria (2009)
  • Wer klopfet an (2010)
  • Der Stern (2011)
  • Sonst bliebe es ein Traum (2012)
  • Die schönsten Lieder und Weisen, Folge 1 (2009)
  • Die schönsten Lieder und Weisen, Folge 2 (2011)
  • Sehnsucht (2013)
  • Der Sterngucker (2014)
  • Schnee in Bethlehem (2015)
  • Gib uns Frieden (2016)

DVD-Produktionen des Salzburger Adventsingens (Label: Salzburger Heimatwerk und ServusTV)

  • Sonst bliebe es ein Traum (2012)

Weblinks

Quellen