Norman Dyhrenfurth

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Norman G. Dyhrenfurth.
Am 9. Mai 2017 verlieh ihm anlässlich seines 99. Geburtstags der Salzburger Bürgermeister Harald Preuner den Ehrenbecher der Stadt Salzburg.

Norman G. Dyhrenfurth (* 7. Mai 1918 in Breslau, Schlesien; † 24. September 2017 in der Stadt Salzburg) war ein Bergfilmpionier.

Leben

Geboren auf Schloss Carlowitz bei Breslau als Sohn des Geologen und Himalaya-Expeditionsleiters Günter Oskar Dyhrenfurth (* 1886; † 1975) und der Bergsteigerin Harriet Hettie Dyhrenfurth, geborene Heymann (* 1892; † 1972), war ihm die Höhenluft sozusagen schon die Wiege gelegt. Sein Vater hatte 1933 nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten seine Professur in Breslau niedergelegt und sich mit seiner Familie in der Schweiz niedergelassen.

Zusammen mit seinem Vater und seinen beiden Geschwistern Harald (* 1913) und Hiltraud (* 1915) unternahm er kleinere Ski- und Bergtouren. Bereits im Alter von elf Jahren erstieg er Dreitausender-Gipfel.

Seine Mutter war zunächst in Österreich, dann auch in der Schweiz die beste Tennisspielerin. Dieses Talent hatte auch Norman, der zwischen 1934 und 1937 mehrmals die Ostschweizer Meisterschaft im Herren-Einzel sowie im Tischtennis die internationale Herren-Doppelmeisterschaft der Schweiz.

1934 war Hettie Dyhrenfurth war sie mit ihrem Mann Oscar bei der Expedition zum Oberern Baltoro-Gletscher im östlichen Karakorum dabei. Mit ihrem Mann und dem Kameramann Hans Ertl erreichte sie den Gipfel des Sia Kangri (7 422 m ü. A.) und stellte damit einen bis 1954 gültigen Höhenweltrekord für Frauen dar. 1936 wurde sie zu Vortragsreisen in die USA eingeladen, sogar von Präsident Roosevelt ins Weiße Haus. Sie versuchte ihre Familie vom Übersiedeln nach Amerika zu überzeugen, was aber bei ihrem Mann auf Unverständnis stieß. Aber der damals 19-jährige Norman folgte ihr zusammen mit seiner Schwester Hiltraud im Spätherbst 1937. Er sollte seinen Vater erst 15 Jahre später wiedersehen. Norman, der mit seinem Vater vor seiner Abreise in die USA noch den Mont Blanc in den Westalpen und andere Alpengipfel bestiegen hatte, arbeitete in Amerika als Skilehrer, Bergführer und Kameramann. Schon sein Vater hatte seine Himalaya-Expeditionen durch Filme finanziert und das Interesse seines Sohnes an diesem Metier geweckt.

1938 war er bei einer Expedition der National Geographic Society und der Harvard University in Alaska. Die New Yorker Filmgesellschaft Willard Pictures bot ihm dann im Herbst 1939 eine Stellung als Kameramann, wurde dort bereits nach kurzer Zeit Director of Photography und drehte Filme.

Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verhinderte eine Besuch bei seinem Vater in der Schweiz. In Folge nahm Dyhrenfurth die amerikanische Staatsbürgerschaft an und meldete sich freiwillig zu den amerikanischen Truppen, wo er am Kampf um die Aleuten teilnahm.

Nach dem Krieg wurde er Leiter einer Filmproduktionsgesellschaft und erhielt die Berufung als Lektor an die University of California in Los Angeles, wo er schließlich Leiter der UCLA Film School wurde. In dieser Position kam er mit vielen berühmten Regisseuren wie Alfred Hitchcock und Fred Zinnemann oder dem Schauspieler Clint Eastwood in Kontakt und produzierte über 100 Dokumentarfilme.

Über die Vermittlung seines Vaters, den er 1952 endlich wiedersehen konnte, wurde Dyhrenfurth Mitglied der zweiten Schweizer Mount-Everest-Expedition 1952. Dabei erreicht der Schweizer Raymond Lambert mit Sherpa Tensing Norgay eine Höhe von 8 550 m ü. A. und setzte damit den Grundstein für die ein Jahr erfolgreiche Gipfelbezwingung durch Sherpa Tensing Norgay und dem Australier Edmund Hillary. Nach der Rückkehr in die USA legte Norman Dyhrenfurth die Leitung der UCLA Film School und seine Tätigkeit an der Universität nieder, um sich nur noch dem Himalaya zu widmen.

Der Film, den Norman Dyhrenfurth während der Mount-Everest-Expedition 1952 gedreht hatte, wurde international mehrfach ausgezeichnet.

1955 leitete er eine internationale Himalaya-Expedition zum Lhotse (8 516 m ü. A.). 1958 war er stellvertretender Leiter einer wissenschaftlichen Gruppe auf Suche nach dem „Yeti“. 1960 ging er als Kameramann mit einem Schweizer Bergsteigerteam zum Dhaulagiri. Bei dieser Expedition war erstmals ein Flugzeug zur Transportunterstützung im Einsatz. Acht Teilnehmern der Expedition erreichten den Gipfel. Unter ihnen war der Salzburger Kurt Diemberger, der 1957 den Broad Peak erstbestiegen bestiegen hatte, dem mit dem Dhaulagiri seine zweite Erstbesteigung gelang.

Die erfolgreiche amerikanische Everest-Expedition 1963

Im Februar 1963 startete die sehr erfolgreiche amerikanische Everest-Expedition unter seiner Leitung. Am 1. Mai 1963 konnte Dyhrenfurth mit Sherpa Ang Dawa am Mount Everest bis auf 8 650 m ü. A. vordringen. Später schrieb er, dass sie die letzten 150 Höhenmeter wohl nicht mehr lebend geschafft hätten und so die Entscheidung zur Umkehr getroffen hatten. Am selben Tag hat zwei Amerikaner der Gruppe den Gipfel des Mount Everest erreicht. Den Höhepunkt dieser Expedition war aber die unglaubliche Überschreitung des Mount Everest. Während am 22. Mai zwei Amerikaner auf der Normalroute über den Südsattel und den Südostgrat auf dem Gipfel des Everest standen, waren zwei andere Amerikaner über die bisher noch nie begangene Route über den Westgrat und die Nordflanke nur wenige Stunden nach ihren Kameraden auf dem Gipfel (es war ein Gipfeltreffen geplant gewesen, das jedoch aufgrund eines kleinen Unfalls der beiden Überschreiter nicht zustande gekommen war). Sie entschlossen sich, den Abstieg über den Südostgrat zu machen und überschritten damit als Erste den Everest. Nach rund 16 Stunden Schwerarbeit im höchsten Gebirge der Welt erreichten die beiden die anderen beiden Amerikaner und zusammen mussten sie bei Minus 25 Grad ohne Zelt notbiwakieren. Gemeinsam stiegen sie am 23. Mai ab. Norman Dyhrenfurth war bei dieser Aktion ebenfalls als Kameramann im Einsatz gewesen, musste aber aufgrund von Problemen mit dem Sauerstoffzufuhrventil umdrehen, die schlechte Sicht aufgrund von durch Sturmböen aufgewirbelten Schnee hatten überdies Filmaufnahmen unmöglich gemacht. Dyhrenfurth hatte dabei rund 25 Kilogramm Ausrüstungsgegenstände getragen: zwei Sauerstoffzylinder mit rund 13 Kilogramm Gewicht, zwei Fotoapparate, eine 16-Millimeter-Filmkamera, Spezialkleidung, Verpflegung u. a.

Der Mannschaft wurde nach ihrer Rückkehr in die USA ein triumphaler Empfang bereitet und Präsident John F. Kennedy empfing sie am 8. Juli 1963 im Weißen Haus, wo sie mit der Hubbard-Medaille der National Geographic Society ausgezeichnet wurden. Die Medaille von Dyhrenfurth wurde nach seinem Tod bei einem Umzug in der Stadt Salzburg gestohlen. Damals jedoch setzte Dyhrenfurth durch, dass auch alle Sherpas diese Medaille verliehen bekamen, ohne die diese Leistungen unmöglich gewesen wären.

Sein Film Americans on Everest wurde vielfach ausgezeichnet, Sprecher im Film war Orson Welles. Als Norman Dyhrenfurth 1964 während einer Vortragsreise durch Europa lernt er bei einem Zwischenstopp in der Schweiz beim Skifahren auf der Kleinen Scheidegg seine aus Wagrain stammende Lebensgefährtin Maria Sernetz kennen. Ab 1970 lebte er dann in der Stadt Salzburg, von wo aus er 1971 seine letzte große internationale Expediton auf den Mount Everest organisiert. Wie sein Vater, der im Namen des Völkerbundes Bergsteiger in den Himalaya geführt hatte, wollte er eine internationale Gruppe auf dem Everest versammeln. 30 Bergsteiger aus dreizehn verschiedenen Nationen nahmen daran teil. Ihr Ziel war die erste Durchsteigung der schwierigen Südwestwand des höchsten Berges der Welt. Doch die Expedition stand unter keinem guten Stern, ein Inder starb an Erschöpfung, unter den Teilnehmern entstanden Spannungen, einige erkranken, auch Dyhrenfurth, der vorzeitig ausgeflogen werden musste. Letztlich erreichten der Brite Don Whillans und der Schotte Dougal Haston mit 8 350 m ü. A. den bis dato höchsten Punkt in dieser Wand.

Diese letzte große Expedition hatte bei Dyhrenfurth auch geistig neue Anstöße gegeben. Er erkannte, dass jeder Besteigungsversuch eines Achttausenders ohne die Hilfe der Sherpas chancenlos sein würde. Ihre buddhistische Lebenseinstellung berührte ihn tief. In seinem Leben begegnete er dem Dalai Lama zweimal.

Dyhrenfurth leitete fortan Wander-, Trekking- und Bergsteigergruppen im Himalaya, in Bolivien und Peru. 1968 erinnerte man sich in Hollywood an seine Erfahrungen als Bergfilmer. Er wurde für ein Projekt mit Steve McQueen als Kameramann und Fotograf für den Actionfilm Man on a Nylon String, das in der Eiger-Nordwand spielen sollte, engagiert, das aber nicht realisiert wurde. 1974 wurde er technischer Berater von Schauspieler und Regisseur Clint Eastwood für den Spielfilm The Eiger Sanction (deutscher Titel "Im Auftrag des Drachen"). Dabei drehte er zahlreiche dramatische Szenen in der Eiger-Nordwand.

Den großen Erfolg dieses Filmes erlebten seine Eltern nicht mehr. Hetti Dyhrenfurth starb 1972 im Alter von 82 Jahren in den USA, Günter Oscar Dyhrenfurth im April 1975 im Berner Oberland in der Schweiz.

1981 drehte er mit seinem aus Wien stammenden Freund und Hollywood-Regisseur und Oscar-Preisträger Fred Zimmermann dessen letzten Film mit Sean Connery in der Hauptrolle.

Sein Film "Tibetische Totenfeier" wurde beim Bergfilmfestivl in Trient, Trentino und in Les Diablertes beim Filmfestvial mit dem ersten Preis ausgezeichnet. 1986 drehte er einen Dokumentationsfilm für das Westdeutsche Fernsehen bei der von Karl Maria Herrligkoffer geleiteten deutschen Karakorum-Expedition zum Broad Peak und K2.

Im Alter von 74 Jahren drehte Dyhrenfurth 1992 seine letzten Filme, darunter Children in Exile. Es ist eine berührende Dokumentation über ein tibetisches Kinderdorf am Ort der tibetischen Exilregierung im indischen Dharamsala. Die Schwester des Dalai Lama sprach die Schlussworte im Film, den Dalai Lama traf Dyhrenfurth 2012 bei dessen Besuch in Salzburg.

Privat

Norman Dyhrenfurth war mit der 15-fachen Österreichischen Golfmeisterin Maria Sernetz Dyhrenfurth verheiratet.

Ehrungen

Norman G. Dyhrenfurth war seit 1963 Träger der goldenen Hubbard-Medaille der National Geographic Society.

Zusammen mit anderen Sammlerstücken wurde diese im April 2016 aus seiner Hinterlassenschaft in Salzburg entwendet.[1]

Am 9. Mai 2017 verlieh ihm anlässlich seines 99. Geburtstags der Salzburger Bürgermeister Harald Preuner den Ehrenbecher der Stadt Salzburg.

Vorgestellt

Vorgestellt ist eine Beitragsreihe in den Salzburger Nachrichten. Das Salzburgwiki hat hier den Originaltext übernommen. Dieser kann wiederholende Teile zu obigem Lebenslauf enthalten, sollte aber im Sinne eines Zeitdokuments nicht korrigiert werden.


Im Sigl-Haus in St. Georgen bei Salzburg konnte man 2010 bis zum 17. Oktober 2010 jedes Wochenendedie Ausstellung Norman G. Dyhrenfurth, Wozu ein Himmel, sonst? sehen. Die Filme des Bergsteigers und Regisseurs sowie Bilder und Erinnerungsstücke liessen einige Jahrzehnte Geschichte lebendig werden.

Im letzten Jahr des ersten Weltkriegs auf Schloss Carlowitz bei Breslau geboren, zog er mit seinen Eltern als Bub 1923 für zwei Jahre in die Stadt Salzburg, wo die Familie am Fuße des Plainbergs lebte. 1925 zog Dyhrenfurth weiter in die Schweiz. Nach Kriegsende wurde Norman Dyhrenfurth Professor und Leiter der "Film-Abteilung" an der University of California, Los Angeles, USA, später als Bergfilmpionier berühmt: Das Schicksal hat mit Norman G. Dyhrenfurth viel vorgehabt. "Wir waren die Ersten, die auf den Gipfeln gefilmt haben", erzählte der groß gewachsene 92-Jährige, der um mindestens zwanzig Jahre jünger wirkt.

Mit Gipfeln meinte Dyhrenfurth die eisigen Regionen des Mount Everest (1952 als Kameramann der 2. Schweizer Mount Everest Expedition), des Lhotse (1955 erstmals als Expeditionsleiter) oder des Dhaulagiri (8 167 m ü. A.), wo 1960 auch der Salzburger Kurt Diemberger zur Seilschaft gehört hatte.

Seit 1970 lebte der Sohn des Bergsteigerpaares Günter und Hettie Dyhrenfurth (Olympiagold 1936 in der Sparte Alpinismus) wieder in der Stadt Salzburg. Das aktive Bergsteigen gab er auf. Vorträge hielt er nach wie vor und Michael Bilic vom Filmkulturzentrum "Das Kino" schätzte Dyhrenfurths Beratung bei den Vorbereitungen zum alljährlichen Bergfilmfestival. 1986 drehte Norman G. Dyhrenfurth bei der Herrligkoffer-Karakorum-Expedition zum K2 und Broad Peak einen Dokumentarfilm für das Westdeutsche Fernsehen. Insgesamt schuf er mehr als 100 Dokumentarfilme.

Beim jüngsten Festival knüpfte Dyhrenfurth den Kontakt zu Hiltrud Oman vom Heimatmuseum Sigl-Haus. Breiten Raum nimmt die American Mount Everest Expedition 1963 ein, bei der Dyhrenfurth die erste Überschreitung von Westgrat und Südostgrat leitete. "Danach wurden wir in den Medien groß gefeiert, ja, wir waren so etwas wie Stars. Präsident John F. Kennedy überreichte uns die selten verliehene Hubbard-Medaille der National Geographic Society." Auch der Yeti, das Wesen im Himalaya, spielte in Dyhrenfurths Leben eine Rolle: "Er ist mehr als eine Sage. Wir haben eine drei Tage alte Spur des Yeti fotografiert." Als Beobachter der Bergsteigerszene übte Dyhrenfurth Kritik am modernen Alpinismus. "Es ist gut, dass viele Leute in die Berge gehen", sagte er, "nur fehlt oft die Liebe zu den Bergen. Die Kameradschaft ist aus der Mode gekommen, das Orientieren am Langsamsten in der Seilschaft. Die Leute klettern allein. Dann dieser Drang zu den Achttausendern. Da zahlen sie 65.000 Dollar für einen Aufstieg auf den Mount Everest und haben im Leben nie zuvor einen Pickel gesehen. Zu Hause lassen sie sich als Held feiern – wenn sie überhaupt nach Hause kommen."

Literatur

Quellen

Einzelnachweis

  1. SN vom 31. Juli 2016: Berühmte Medaille gestohlen. Der Krimi spielt in Salzburg (Anna Boschner)