Salzburger Festspiele 1936

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Prinz Umberto von Piemont (2. von rechts) besuchte die Salzburger Festspiele 1936 in Begleitung von Bundeskanzler Kurt Schuschnigg (links neben ihm), im Bild auch Vizekanzler von Österreich Eduard Baar-Baarenfels und Staatssekretär Dr. Schmidt.
Salzburger Festspielprominenz, u. a. links oben Arturo Toscanini mit seiner Frau.

Die Salzburger Festspiele 1936 fanden vom 25. Juli bis 31. August 1936 statt.

Die Festspiele

Ein Artikel aus der Zeitung "Der Tag":[1]

Das Salzburger Programm 1936

Der geradezu überwältigende Erfolg der heurigen Salzburger Festspiele, (Anm: gemeint sind die Salzburger Festspiele 1935 die auch im fernsten Ausland ein begeistertes Echo gefunden haben, stellt die für die Festspiele Verantwortlichen Faktoren vor die überaus verantwortungsvolle Aufgabe, das fast unüberbietbare Niveau dieser für ganz Österreich so attraktiven Veranstaltung zu erhalten. Wir bringen im folgenden als erstes Blatt das Festspielprogramm für 1936, in dem sich kaum mehr wesentliche Änderungen ergeben dürften. Die Salzburger Festspiele 1936 werden eine Reihe Sensationen bringen, die sich wieder um Toscanini, Bruno Walter und Felix Weingartner gruppieren werden.

Der ungeahnte Erfolg des heurigen Jahres hat die Festspielhausgemeinde veranlaßt, vor allem dem Plan einer Verlängerung der Festspielsaison näherzutreten. Da eine solche über den 1. September hinaus wegen der Verpflichtung der Philharmoniker in Wien nicht in Betracht kommt, wird man sich entschließen, die Salzburger Festspiele 1936 um etwa acht bis zehn Tage früher, also etwa um den 18. bis 20. Juli beginnen zu lassen.

»Meistersinger» unter Toscanini

Unmittelbar nach Beendigung der heurigen Festspielsaison — am 1. September fanden die letzten zwei Vorstellungen statt — ging man daran, das Programm für Salzburg 1936 festzusetzen. Man war bemüht, vor allem Toscanini und Bruno Walter auch für die nächstjährige Salzburger Saison möglichst intensiv zu verpflichten. Maestro Toscanini wurde vorgeschlagen, im kommenden Jahr die gleichen Opern wie heuer zu dirigieren, wobei man sich auch von der Erwägung leiten ließ, Toscanini, der bekanntlich vor gar nicht langer Zeit an einer schweren Erkrankung des rechten Armes litt, zu schonen und nicht mit neuer aufreibender Probenarbeit allzusehr zu belasten. Toscanini lehnte dieses Ansinnen förmlich entrüstet ab und äußerte im Verlauf der Besprechungen den Wunsch, als neues Werk für Salzburg unbedingt auch die „Meistersinger“ zu dirigieren.

Toscanini kommt bekanntlich in der zweiten Oktoberhälfte nach Wien, wo er am 27. Oktober und 3. November (an den beiden vorhergehenden Tagen finden Generalproben statt) zwei Konzerte der Philharmoniker leiten wird. Bei diesem Anlaß wird dem Künstler bereits die definitive Mitteilung gemacht werden, daß sein Wunsch erfüllt wurde und die „Meistersinger“ unter seiner Stabführung in das nächstjährige Salzburger Festspielprogramm ausgenommen wurden. Gleichzeitig wird Toscanini davon verständigt werden, daß die Inszenierung dieser Wagner-Oper Dr. Herbert Graf übertragen wird, da man weiß, daß sich Toscanini über die von Dr. Graf durch ­geführte Inszenierung der „Entführung aus dem Serail" überaus lobend geäußert hat. Toscanini wird die „Meistersinger“ fünfmal dirigieren, daneben wird er, so wie heuer, Aufführungen von „Falstaff“ (in italienischer Sprache), „Fidelio“ und drei Orchesterkonzerte leiten.

Toscanini, der bekanntlich Salzburg besonders liebt, hat für den ganzen Sommer 1936 die Villa Baillou gemietet. Die Absicht, Arturo Toscanini zur Leitung einer Aufführung von „Fidelio“, die in Salzburg ein so großer Erfolg war, an der Wiener Staatsoper einzuladen, mußte fallengelassen werden, da Toscanini ausdrücklich erklärte, außer in Konzerten in Hinkunft einzig und allein nur im Salzburger Festspielhaus dirigieren zu wollen.

„Figaros Hochzeit“ unter Walter in Sensationsbesetzung

Bruno Walterr, der sich vor allem mit der Leitung von „Don Giovanni“ einen großen Erfolg errang, wird auch im kommenden Jahr sein Salzburger Repertoire erweitern. Walter wird MozartsFigaros Hochzeit“ in italienischer Sprache neu einstudieren und in folgender Sensationsbesetzung etwa fünfmal dirigieren:

:Figaro — Mariana Stabile; :Graf Almaviva — Ezio Pinza; :Susanne — Dusolina Giannini; :Gräfin — Lotte Lehmann; :Cherubin — Margit Bokor.

Daneben wird Bruno Walter auch nächstes Jahr wieder die Glanzausführungen von „Don Giovanni“, „Entführung aus dem Serail“ und mehrere Orchesterkonzerte dirigieren.

Neu einstudienter „Freischütz“ unter Weingartner

Eine weitere interessante Bereicherung erfährt das Festspielprogramm durch die Auf nahme des Weberschen „Freischütz“. Direktor Weingartner hat den Wunsch geäußert, diese Oper im kommenden Jahr in Salzburg vollständig neueinstudiert, zu leiten; selbstverständlich wird diesem Wunsch entsprochen werden.

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Die Geschichte der Salzburger Festspiele
  1. ANNO, Der Tag, Ausgabe vom 18. September 1935, Seite 7