Salzburger Festspielhaus

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Die Salzburger Altstadt mit der Alten Universität (Bildmitte) und dem Hofmarstall (rechts) vor Umbau in die Festspielhäuser.

Die Geschichte der Salzburger Festspielhäuser in der Stadt Salzburg reicht in das Ende des 19. Jahrhundert zurück.

Geschichte

Die Anfänge im 19. Jahrhundert

Der Elan der Gründerzeit und die Gründung der 'Richard-Wagner-Festspiele' in Bayreuth strahlten auch auf Salzburger Musikfreunde aus. Hans Richter, der 1879 die Wiener Philharmoniker beim Salzburger Mozartfest dirigierte, war es, der 1887 - im Jahr, in dem die Stadt Salzburg mit zwei Aufführungen des Don Giovanni im Salzburger Stadttheater der Uraufführung dieser Oper 1787 in Prag gedachte - die Gründung eines Komiteés anregte, das ein Salzburger Festspielhaus und regelmäßige Mozart-Festspiele vorbereiten sollte. Richter hielt im Anschluss an das Konzert in einer Tafelrunde unter den mitwirkenden Künstlern eine Rede, in der er sagte "Salzburg möge sich aufraffen und zur Ehre seines größten Sohnes ständige Mozartfeste einführen".[1]

Daraufhin wurde ein Aktions-Komitée gegründet, die die bekannten Theaterbauer Ferdinand Fellner und Hermann Helmer mit der Planung eines Opernhauses am Mönchsberg nach dem Muster des Bayreuther Festspielhauses. Das Theater sollte 1 500 Zuschauerplätze, einen Orchesterraum für 80 Musiker und eine geräumige Bühne haben. Die Kosten wurden mit 350.000 Gulden veranschlagt. Allerdings wurden zu jener Zeit die Mozartfeste defizitär geführt und so fehlten Geldmittel zur Errichtung dieses Opernhauses. 1893 wurde das von diesen beiden geplante Salzburger Stadttheater eröffnet, und 1910 der Grundstein für das Mozarteum gelegt.

Das 20. Jahrhundert

1917 wurde der Verein Salzburger Festspielhaus-Gemeinde gegründet, der in seinen Statuten als Vereinszweck "die Erbauung eines Salzburger Festspielhauses und die nicht auf Gewinn berechnete Veranstaltung von Festspielen" anführte.[2]. Joseph August Lux wurde 1918 Pressesprecher für den Salzburger Festspielhausbau, eine Position, die er bis 1920 innehatte.

Nicht realisierte Pläne

Heinrich Damisch und Friedrich Gehmacher wollten 1916 ihr Festspielhaus auf halber Höhe am Hang des Plainbergs in Bergheim errichtet. Doch die Gegner eines Festspielhauses in Salzburg innerhalb der Festspielhaus-Gemeinde, allen voran die Sängerin Lilli Lehmann und der Wiener Vertreter im Kuratorium der Stiftung Mozarteum konnten das Denkmalamt dazu überzeugen, dass ein Festspielhaus am Plainberg das geschützte Bild von Maria Plain stören könnte und aus diesem Grund nie genehmigt werden würde. Errichtet werden hätte dort ein Gebäude für 2 000 Zuschauer und ein Kammerspieltheater mit etwa 800 Sitzplätzen.

Baumeister Martin Knoll der Ältere stellte im Dezember 1918 im Salzburger Künstlerhaus einen Entwurf vor, der unabhängig von den Plänen der Festspiel-Gemeinde war. Später sprach niemand mehr von diesem Projekt.

Hans Poelzig: Salzburger Festspielhaus in Hellbrunn.

Nachdem 1920 die ersten Salzburger Festspiele stattgefunden hatte, tauchte erneut die Dringlichkeit eines Festspielhauses auf. Bauplätze auf den Arenberggründen, auf der damaligen Trabrennbahn in Parsch, im Salzburger Volksgarten und im Aigner Park wurden diskutiert. Schließlich einigte man sich auf die Errichtung in Hellbrunn. Für das Vorhaben waren die Architekten Josef Hoffmann, Wien, Wunibald Deininger, Salzburg, und Hans Poelzig eingeladen worden. Allerdings reichte 1920 nur Poelzig ein Modell eines gigantischen Theaterkomplexes ein, dessen Modell in der Alten Residenz zu sehen war. Die Festspiel-Gemeinde sprach von einem "Tempelbezirk im Hellbrunner Schlosspark".

Am 19. August 1922 kam es in Anwesenheit vom Bundespräsident Michael Hainisch und Erzbischof Dr. Ignaz Rieder zur Grundsteinlegung des Salzburger Festspielhauses im Schlosspark Hellbrunn. Max Reinhardt, Hugo von Hofmannsthal, Hermann Bahr mit seiner Frau Anna Bahr-Mildenburg, Richard Mayr, Helene Thimig und andere Künstler waren zugegen. Die Festrede wurde von Schriftsteller Rudolf Holzer gehalten. Am Heimweg von Thimig, Hofmannsthal und Reinhardt soll Letzterer still, aber entschieden vor sich hingesagt haben "So. Das kommt niemals zustande.".

Das Vorhaben wurde dann dort nie realisiert.

Ein weiters Projekt Wunibald Deininger–Flesch–Knoll gab es 1932, ebenfalls im Schlosspark Hellbrunn.

Nach der Grundsteinlegung kaufte die Stadtgemeinde Salzburg das Grundstück in Hellbrunn, aber mit dem Bau wurde nie begonnen. Gleiches Schicksal erlitt der Grundstein am Rosenhügel, der dort nach dem Zweiten Weltkrieg für eine Tonhalle gelegt wurde. Die Pläne stammten ebenfalls von Wunibald Deininger.

Interessant waren auch die Meldungen, die 1920 noch auftauchten, von Plänen einer Überdachung der Felsenreitschule und einem Umbau des Hofmarstallkomplexes. Die Pläne dazu hatte auch Wunibald Deininger geliefert. Max Reinhardt stellte Geldmittel einer schwedischen Finanzgruppe in Aussicht, was die Presse zur Behauptung brachte, in Salzburg sei ein "Max-Reinhardt-Festspielhaus" geplant.[3]

Das (kleine) Festspielhaus entsteht

Das Kleine Festspielhaus, Aufnahme nach 1925.
Bildmitte rechts: Das Kleine Festspielhaus, Aufnahme 1929.

Zwar verfügte die Festspielhaus-Gemeinde über ein beträchtliches Vermögen, das aber in den ersten Jahren der 1920er-Jahren von der galoppierenden Inflation aufgefressen wurde. Um einen raschen Baubeginn zu fördern wurde im Herbst ein Arbeitsausschuss in Salzburg gegründet und mit 1. Jänner 1925 die Leitung der Festspielhaus-Gemeinde von Wien nach Salzburg verlegt.

Max Reinhardt regte nun an, die 1840 errichtete Winterreitschule nach Vorbildern, die er in Oberitalien gesehen hatte, zu einem provisorischen Festspielhaus umzubauen. Erst in den Wintermonaten 1924/25 begann man nach Entwürfen vom Architekten Eduard Hütter die große gedeckte Winterreitschule des Hofmarstalls für Festspielzwecke umzubauen. Holzmeister integrierte in das Gesamtkonzept den damaligen Stadtsaal (die ältere Winterreitschule) und die Felsenreitschule. Der alte Hof der Reitschule wurde zum heutigen Faistauer-Foyer umgebaut, in dem die Fresken von Anton Faistauer Platz fanden.

Niemand hatte 1924 daran gedacht als man den Landeskonservator Architekt Eduard Hütter mit dem provisorischen Umbau beauftragte, dass diese Provisorium Jahrzehnte bestehen bleiben sollte.

Am 13. August 1925 war es dann endlich soweit: das später so genannte Kleine Festspielhaus wurde mit Hugo von Hofmannsthals Drama Das Salzburger Große Welttheater eröffnet. Schon im nächsten Jahr wurde es von Clemens Holzmeister für 1 200 Zuschauer erweitert.

Auch der zweite Umbau, 1936, wurde von Holzmeister geleitet. Dabei wurde der Festspielraum um 180° Grad gedreht und das Bühnenhaus kam auf der Seite vom Toscanini-Hof, wozu das Geburtshaus des Salzburger Landeshauptmanns Dr. Franz Rehrl abgerissen werden musste. Der Zuschauerraum erhielt hölzerne Galerien. Nunmehr hatten 1 682 Zuschauer Platz.

Der erste wichtige Umbauabschnitt war bis zu Beginn der Salzburger Festspiele 1937 fertiggestellt. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg fand 1938 ein neuerlicher Umbau nach Plänen von Reichs-Bühnenbildner Benno von Arent statt. Dabei wurden die Fresken Faistauers entfernt und der Saal wurde mit viel Gips in den Farben Weiß, Gold und Rot ausgestattet. Er verlor seine Eigenart.

Dann war Pause bis 1953.

NS Projekte am Kapuzinerberg

Die NS-Herrschaft plante eine riesige Gauhalle und ein Sportstadion an Stelle des Kapuzinerklosters, sowie ein neues großes Festspielhaus neben dem Franziski-Schlössl. Aufgeschlossen werden sollten diese Bauten durch eine großen Auffahrtsrampe vom Äußeren Stein aus. Das Ende der NS-Zeit verhinderte jedoch die Ausführung dieser Planung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Das große Festspielhaus entsteht

Man begann mit der Planung eines Festspielhaus-Neubaues auf dem Boden des alten Marstalles. Am 24. August 1953 informierte Landeshauptmann Josef Klaus (ÖVP) das Festspielkuratorium über die von Clemens Holzmeister ausgearbeiteten Pläne für eine großzügige Neugestaltung des Festspielhauses. Die bisherige Heimstatt des Hauses der Natur an der Hofstallgasse sollte zu einer modernen Großbühne für 2 300 Zuschauer ausgebaut werden. Man hoffte, mit 30 Millionen Schilling für das Festspielhaus und zusätzlichen sechs Millionen Schilling für die Umsiedlung des Hauses der Natur das Auslangen zu finden.

Bedenken wurden laut, ob man noch ein Festspielhaus in der Altstadt erbauen sollte. Zu schmal sei der Raum zwischen der Mönchsbergwand und Hofstallgasse, die Bühne werde im Verhältnis zu der geplanten Breite zu wenig Tiefe besitzen, selbst wenn man einige Meter aus dem Felsen sprengen würde. Neuerlich kamen Standorte wie Hellbrunn oder Kleßheim zur Sprache. Doch man sah auch die Vorteile, die ein Festspielkomplex an der Hofstallgasse böte: Werkstätten, Depots und Probenräume wären nebeneinander und Provisorien könnten endlich beendet werden.

Am 24. August 1955 erklärte Festspielpräsident Heinrich Puthon, dass für ein neues Festspielhaus nur Holzmeisters Planung mit dem Standort an der Hofstallgasse in Frage komme. Holzmeister erläuterte sein Projekt und sprach sich für die Unterbringung von Haus der Natur und Salzburger Museum Carolino Augusteum im Komplex des baufälligen Ursulinenklosters aus, wo ein echtes Museumsviertel entstehen könnte. Das Ingenieurbüro Mühlberg legte in Ergänzung des Holzmeister-Projektes für das Festspielhaus eine Studie über den Bau eines 250 Meter langen Tunnels vom neuen Festspielhaus zu einem Parkplatz zwischen Bürgermeisterloch und Brunnhausgasse vor.

Die Arbeiten begannen im Jahre 1956 mit dem Abtragen von rund 55 000 qm² Konglomerat der Mönchsbergwand, um für das gewaltige Bühnenhaus Platz zu schaffen. Die Baukosten wurden mit 110 Millionen Schilling veranschlagt. Das Große Festspielhaus wurde dann am 26. Juli 1960 mit Richard Strauss' "Rosenkavalier" unter der Leitung von Herbert von Karajan eröffnet.

Am 26. Juli 1960 fand dann die Eröffnung des neuen Großen Festspielhauses durch den österreichischen Bundespräsidenten Dr. Adolf Schärf statt. Nun konnte man auch wieder an eine Modernisierung des Kleinen Festspielhauses denken. Es wurde am 29. Juli 1963 mit Mozarts Oper Figaros Hochzeit wieder eröffnet.

Umbau des kleinen Festspielhauses in Haus für Mozart

Die letzte Erneuerung fand dann zum großen Mozart-Jubiläumsjahr statt und aus dem Kleinen Festspielhaus wurde das Haus für Mozart, das am 25. Juni 2006 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Die Festspielhäuser des 21. Jahrhunderts

Unter 'Festspielhäuser' sind heute die Salzburger Festspielhäuser am Max-Reinhardt-Platz in der Altstadt der Stadt Salzburg zu verstehen

Quelle

Einzelnachweise

  1. Zitat Quelle Kaut Seite 285
  2. Zitat Quelle Kaut Seite 285
  3. Quelle "Mitteilungen der Salzburger Festspielhaus-Gemeinde"
Die Geschichte der Salzburger Festspiele