400 Jahre Fürsterzbischof Paris Graf von Lodron

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Festakt am 13. November 2019 im Salzburger Dom.

400 Jahre Fürsterzbischof Paris Graf von Lodron wurde im November 2019 in Salzburg und im Trentino, der Heimat des Erzbischofs, gefeiert.

Salzburger Ehrensalut für Paris Lodron in Trentino

2019 Salzburger Ehrensalut, 01:46 min. Video

Schützen und Musiker aus Österreich und Italien ehrten am 10. November 2019 den großen, gemeinsamen „Sohn“ in einem Festakt zum 400-jährigen Jubiläum der Wahl Lodrons zum Fürsterzbischof von Salzburg. Der Festakt fand in der Heimat Lodrons im Trentino in und vor der Kirche Santa Maria Assunta im Heimatort Lodron, Villa Lagarina, statt. Landeshauptmann Wilfried Haslauer junior, sein Pendant in Trient, Maurizio Fugatti, Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf, ihr Pendant in Trient, Walter Kaswalder, Villa Lagarinas Bürgermeisterin Romina Baroni, Alt-Erzbischof Alois Kothgasser und Abordnungen der Schützen aus Salzburg unter dem Kommando von Obrist Franz Meißl sowie die Trachtenmusikkapelle Kleinarl verliehen der historischen Freundschaft zwischen Salzburg und Trient neuen Schwung.

Die Salzburger Delegation brachte eine Gedenktafel für Paris Lodron mit, gefertigt von Steinmetzmeister Erich Reichl aus Untersberger Marmor, die am Sonntag, 10. November 2019, enthüllt wurde. Vor jener Kirche, Santa Maria Assunta, die dem Salzburger Dom innen sehr ähnlich sieht, weil hier ebenfalls Paris Lodron und Salzburger Baumeister am Werk waren, marschierten am Sonntag die Bauernschützen St. Johann im Pongau, die Festungsprangerstutzenschützen Hohensalzburg und die Trachtenmusikkapelle Kleinarl sowie die Fahnenabordnungen aus den Bezirken gemeinsam mit ihren italienischen Kollegen auf.

Die Feierlichkeiten zu „400 Jahre Paris Lodron als Fürsterzbischof“ gingen am Mittwoch, den 13. November 2019, in Salzburg weiter. Im Dom wurde dem „Beschützer“ von Salzburg im Dreißigjährigen Krieg, so wird Paris Lodron auch genannt, dem Gründer der Universität und dem Vollender des Doms in ebendiesem mit einem großen Festakt des Landes Salzburg gedacht.

Bildergalerie Feier Trentino 2019

Großer Festakt für Paris Lodron im Dom

Prälat Johannes Neuhardt würdigte in einer Festansprache am 13. November 2019 (dem Tag der Wahl des Fürsterzbischofs vor 400 Jahren) im Salzburger Dom jenen Erzbischof, der während des Dreißigjährigen Krieges den Frieden in Stadt und Land sicherte.

Ein Herrscher mit gesundem Augenmaß mit der wahrscheinlich intensivsten Amtszeit aller Salzburger Erzbischöfe“, beschreibt Landeshauptmann Wilfried Haslauer Paris Lodron als herausragende barocke Persönlichkeit, die Salzburg mit Weitblick prägte. „Als Vollender des Salzburger Domes ist er alltäglich im Erscheinungsbild unserer Stadt präsent. Geschickt und nachhaltig hat er sich Zeit seines Lebens für Freiheit, Frieden und für den Glauben eingesetzt“, so Erzbischof Franz Lackner über Paris Lodron. Er sprach im Dom die Eröffnungsworte – und so wie in Italien waren Fahnenabordnungen aus dem ganzen Land Salzburg dabei.

Ein wahrer Paris-Lodron-Kenner ist Prälat Johannes Neuhardt. „Sein größtes Verdienst war es, dass er im Land den Frieden erhalten hat. Salzburg ist im Dreißigjährigen Krieg das gewesen, was die Schweiz in den beiden Weltkriegen gewesen ist – eine Insel des Friedens. Und er hat auf Bildung gesetzt, Informationen wurden damals fast ausschließlich über das Bild und nicht über den Text vermittelt“, so Neuhardt.

Gespräch mit Prälat Johannes Neuhardt, 04:41 min. Video

Wahre Herkulesaufgaben habe Paris Lodron mit außerordentlichem politischem Geschick, unter permanenter Anspannung aller Kräfte des Landes und unter maximalen Opfern seiner Untertanen bewältigt, so Haslauer. Die Bedrohung durch fremde oder auch durch verbündete Truppen im verheerenden Dreißigjährigen Krieg war mehrfach abzuwenden. Der Preis dafür: Geld, Kriegsgerät und Truppen waren zu entrichten. Hunger, Flüchtlingsmassen, Bauernaufstände und mehrfache Seuchenzüge waren zu bewältigen.

Die Familie der Grafen von Lodron stammt aus dem heutigen Trentino. Das Land Salzburg hat gerade eine jahrzehntelange Partnerschaft mit der italienischen Provinz erneuert. Schon zwei Jahre nach Abschluss seiner theologischen Studien zog der junge Paris 1606 ins Salzburger Domkapitel ein und wurde zehn karrieremäßig sehr produktiv verbrachte Jahre später Domprobst, die letzte Sprosse auf der Karriereleiter zum Fürsterzbischof.

Die Ansprache von Johannes Neuhardt im Salzburger Dom im Wortlaut

"13. November 1619 – vor 400 Jahren – Memoria ist angesagt. Daher sind wir denn eingedenk dieses Tages, da die 14 Wahlmänner des Domkapitels schon im ersten Gang ihren Dompropst auf den Stuhl des hl. Rupert gehoben haben. 306 Jahre später brachte es Georg Trakl in seinem berühmten Gedicht "Die schöne Stadt" auf den Punkt:

"Aus den braun erhellten Kirchen
schaun des Todes reine Bilder,
großer Fürsten schöne Schilder.
Kronen schimmern in den Kirchen."

In Dankbarkeit blicken wir Spätgeborenen heute auf eines dieser schönen Schilder, das hell erleuchtet und reich mit Blumen geschmückt ist. An der Südseite des Hochaltares ist es zu finden. Dort hat Paris Graf Lodron am 15. Dezember 1653 seine letzte Ruhestätte gefunden.

Ja, die Zeiten waren ernst. Das große Trauerspiel, das einen Zeitraum von 30 Jahren umfasste, hatte 1618 in Prag begonnen und endete erst 1648. Während sich der Brand dieses unseligsten Reformationskrieges über ganz Deutschland ausbreitete und die schwedische Soldateska bis vor die Tore Wiens gelangte, blieb Salzburg stets eine Insel des Friedens. Paris Lodron konnte die Furie des Völkermordens von Stadt und Land fernhalten – aber um welchen Preis!

In aller gebotenen Kürze soll nun ein kurzes Lebensbild dieses überragenden Mannes gezeichnet werden, der es als Einziger der Salzburger Erzbischöfe in die Walhalla von Regensburg geschafft hat:

Paris Graf Lodron

- der Bischof
- der Reichsfürst
- der Mensch

Obwohl einige von Neid geplagte Zeitgenossen diesem 32jährigen welschtiroler Grafen attestiert haben, er wäre wohl ein besserer General geworden, dürfen wir heute von großer Bewunderung erfüllt sagen: Er wurde auch ein guter Bischof.

Doch die Glückwünsche der römischen Kurie hielten sich in Grenzen. 18 Monate ließ sich Papst Paul V. Borghese mit der Übersendung des Palliums, des erzbischöflichen Würdeabzeichens, und der Erlaubnis der Bischofsweihe Zeit. Erst sein Nachfolger Gregor XV. gestattete dies, sodass die Bischofweihe am 23. Mai 1621 in der heutigen Franziskanerkirche erfolgen konnte.

Die Gründe für diese Demütigung waren rein politische. Paul V. wollte Paris Lodron mit allen Mitteln dazu bringen, dem Militärbündnis von Habsburg und Wittelsbach, der katholischen Liga, beizutreten. Aber Paris Lodron war dazu niemals bereit. Er wusste, dass er auf sich allein gestellt war und die Erhaltung des Friedens war ihm wichtiger. In religiöser Hinsicht erkannte er, dass das Hauptproblem der weit verbreitete Aberglaube im Volk, die schlecht organisierte Predigt und der kaum vorhandene Religionsunterricht war.

Noch sein vierter Amtsvorgänger, Erzbischof Johann Jakob von Kuen Belasy, hatte heimkehrend vom Konzil von Trient auf der Salzburger Synode 1569 beklagen müssen, dass er einen Klerus habe, mit dem es an Bildung jeder Bauernknecht aufnehmen könne. So setzte Paris Lodron seine große Reform bei diesem Problem an. Sein Bestreben war es von Anfang an, diesem Übelstand der Unbildung in Klerus und Volk gegenzusteuern. Dabei kam ihm sehr zu Hilfe, dass durch die Kriegswirren eine gelehrte Kolonie von Benediktinermönchen aus dem Kloster Ottobeuern nach Salzburg übersiedelte. Diese waren sofort im Stande, den Unterricht am Gymnasium, das schon Markus Sittikus gegründet hatte, auszubauen. Und als die bedeutendste Gestalt dieser Gruppe, Pater Albert Keuslin, nun in St. Peter zum Abt gewählt wurde, wurde die Schiene gelegt. Man konnte nun daran denken, hier einen Universitätsbetrieb aufzunehmen, und schon 1623 wurde der Vertrag mit 33 Äbten und Klöstern in Schwaben, Bayern und Österreich geschlossen, und Paris Lodron gründete mit einem Stiftungskapital von 70.000 Gulden die Salzburger Benediktineruniversität.

Man merke wohl: Man konnte mit den Zinsen dieses Kapitals den laufenden Lehrbetrieb bestreiten. Dieselbe Summe, 70.000 Gulden, hatte sein Amtsvorgänger Markus Sittikus in einer nur siebenjährigen Regierungszeit für Damenschmuck ausgegeben.

Da nun der ganze Nachwuchs der Klöster, aber auch der junge katholische Adel zum Studium nach Salzburg entsandt wurde, entwickelte sich diese Benediktineruniversität bald zu einem wesentlichen Wirtschaftsfaktor der Stadt. Aber auch am Land intensivierte er nach Kräften die Seelsorge. Neue Stationen wurden gegründet in Lend, Faistenau, Neumarkt, Kaprun, Anthering, Niederau, Schwendt und Voldöpp. An Sonn- und Feiertagen wurden die Pfarrgeistlichen zur Abhaltung von Christenlehren nach dem Katechismus verpflichtet. Besonders streng ließ Paris Lodron die Disziplin des Klerus überwachen. Hatte schon Markus Sittikus ab 1613 Kommissionen ins Land geschickt, um dies zu überprüfen, so ändert sich mit Paris Lodron die Sache grundlegend, denn er leitet alle Visitationen persönlich!

"Coram archiepiscopo" – so heißt es ab 1620 in allen Protokollen.

Sehr behilflich waren ihm die von ihm neu gegründeten Kapuzinerklöster von Radstadt, Tamsweg und Mühldorf, das ja auch Salzburger Gebiet war. Um dem Priestermangel abzuhelfen, hat ein aus Mainz kommender visionär begabter Seelsorger neue Wege beschritten. Es ist dies Bartholomäus Holzhauser, der an mehreren Orten des Bistums (Tittmoning, St. Johann in Tirol, auch in der Stadt Salzburg) tätig wurde. Idee und Zielsetzung dieser Klerikergemeinschaft erlangten größte Verbreitung und Bedeutung für die spirituelle Ausbildung der Priesteramtskandidaten.

Auch in der weltlichen Verwaltung setzte der Bischof vor allem auf Bildung. 1645 stiftete er in der Bergstraße das Collegium Marianum mit acht Freiplätzen für begabte Knaben. Es ist leider beim Stadtbrand 1818 zerstört worden. Es folgte 1653 das Rupertinum mit zwölf Stiftsplätzen. Er sprach ausdrücklich in den Gründungsurkunden davon, dass er als Privatperson, also aus seinem persönlichen Vermögen, diese Stiftungen vollzogen habe. Zur geordneten Abwicklung des Kanzleibetriebes gründete er am Dom ein zweites Kapitel: die Schneeherren. Diese 13 Kanoniker hatten dafür zu sorgen, dass der Schriftverkehr aller Protokolle und Urkunden ordnungsgemäß ausgestellt wurde.

Die Gottesdienste in Stadt und Land waren ihm ein großes Anliegen. Die feierlichen Prozessionen und die Bruderschaftsfeste wurden mit großem Pomp begangen.

Die 24 Domherren, von denen ja meist nur wenige anwesend waren, erfreuten sich ihres Lebens als noble Freizeitgesellschaft, sie kamen niemals in Versuchung, das Wort „Beschäftigung“ mit dem Wort „Arbeit“ zu verwechseln. Die Kärrnerarbeit im Dom, der Beicht- und Predigtdienst wurde von den Franziskanern besorgt. Deshalb durften diese auch ihre Heiligen an prominenter Stelle hier platzieren. Es ist durchaus nicht selbstverständlich, dass am Sakramentsaltar des Domes nur franziskanische Heilige anzutreffen sind.

Das alte Tiroler Adelsgeschlecht der Lodron hatte Kaiser Friedrich III. 1452 in den Reichsgrafenstand erhoben. Es führt als Wappen den nach rechts steigenden Löwen mit dem geflochtenen Schweif, von den Salzburgern meist Brezelschweif genannt. Sie ahnen nicht, dass sie damit ihrem Fürsten höchstes Lob zu Füßen legen.

30 Jahre Frieden im Land, denn nur im Kriegsfall musste man am Schweife des Löwen ziehen, sodass sich ein Knoten gebildet hätte. Paris Lodron musste dies nie tun. 120 Mal begegnen wir in unserer Stadt diesem Ehrfurcht gebietenden Tier.

Sogleich nach seinem Amtsantritt ließ Paris Lodron die Landstände einberufen. Dies war schon mehr als 30 Jahre nicht mehr geschehen. Somit erneuerte er dieses wichtige politische Gremium der Selbstverwaltung des Landes. Im Gegensatz zu seinen absolutistisch regierenden Vorgängern überließ Paris Lodron es den Gremien der Landstände, in Zukunft wieder eine Steuer einzuheben und für die vorhandenen Schuldenlasten des kleinen Staates aufzukommen.

Parallel dazu aber mussten in Windeseile die Stadt und die neuralgischen Punkte des Landes mit Festungswerken abgesichert werden. Der Dombaumeister Santino Solari, gebürtig aus dem Intelvital, musste nun sozusagen "als Mädchen für Alles" die ganzen Kriegsbefestigungswerke überwachen. Nach neuestem französischem Muster erhielt die Stadt nun eine Befestigungsanlage, die sie an allen kritischen Punkten gegen die Feinde absichern sollte. Der Chronist schreibt: "Die Stadt ist gepanzert wie eine Schildkröte".

So wundert es nicht, dass aus nah und fern Flüchtlinge ihr Heil in diesem befestigten Ort gesucht haben. 1631 ging Magdeburg in Flammen auf. 1632 waren schon Mühldorf und Landshut in schwedischer Hand.

Die Kapuzinerinnen flohen aus ihrem zerstörten Kloster in Landshut nach Salzburg und Paris Lodron wies ihnen ein Stück Land zu innerhalb der neuen Befestigungen, wo sie auch bis zum heutigen Tag verblieben. 1632 brachte der bayerische Kurfürst Maximilian seine Familie, das Staatsarchiv, den Staatsschatz und das Gnadenbild von Altötting hier nach Salzburg in Sicherheit. Hatte die schwedische Soldateska noch 1634 Mühldorf angezündet – nach Salzburg vorzudringen haben sie niemals gewagt.

Mitten in diesen Kriegswirren fand der Fürst nun Zeit und Muße, die Vollendung seiner Kathedrale würdig zu begehen. Acht Tage lang dauerte das Fest zu Ruperti 1628!

46 Bischöfe und Äbte von Osnabrück bis Trient waren angereist, um dieses Weltwunder zu bestaunen. Denn eine 50 Meter breite und 80 Meter hohe Fassade in Marmor hatten sie noch nie gesehen. Bis zu den mit Marmor verkleideten Londoner Banken des 19. Jahrhunderts blieb dieser Bau der größte Marmorbau Europas. Da er nach Kriegsende der modernste Sakralbau war, galt er bis in die Jesuitenreduktionen von Südamerika hinein als Kirchentyp der Gegenreformation: zwei Türme und der Mittelgiebel waren vorher so nirgendwo bekannt.

Aber nun gilt es noch einen Satz zu enträtseln, den Paris Lodron wahrscheinlich 1626 auf die Fassade des Salzburger Domes schreiben hat lassen. Sie haben ihn hundert mal gesehen, aber was bedeutet er?

HAEC EST DOMUS DEI IN QUA INVOCABITUR NOMEN EIUS

So steht es dort in goldenen Lettern. Es ist ein Zitat aus dem 1. Makkabäerbuch des Alten Testamentes, Kapitel 7, Vers. 37.

Der in Syrien herrschende Seleukidenkönig Antiochus IV. Epiphanes hat sich mit großer Streitmacht um 160 v. Chr. aufgemacht, um Jerusalem zu erobern. Im Tempel der Stadt hat sich eine Gruppe von Partisanen unter ihrem Anführer, dem Freischärler Judas Makkaba, versammelt. Dieser schwört seine Kompanen gegen die Übermacht des Feindes ein, indem er ihnen diesen Satz einhämmert:

Das ist das Haus Gottes, in dem wir sicher sind, weil wir seinen Namen anrufen.

Verstehen Sie jetzt, was Paris Lodron mit diesem Satz wollte?

Es geht nicht mehr um Judas Makkabäus, sondern es geht um Gustav Adolf, der nun als Übermacht vor den Toren der Stadt steht und den man fernhalten will. Ein hochpolitisches Wort in furchtbarer Zeit. Es sollte uns zu denken geben.

Aber was sagt uns dieser Satz heute?

Das ist Gottes Haus, in dem sein Name angerufen wird.

Was sagt er den Tausenden von Touristen, die da Tag für Tag durch dieses Haus Gottes geschleust werden?

Rufen sie seinen Namen an? Sprechen sie ein Gebet? Welch furchtbare Anklage an uns!

Salzburg blieb neutral und eine Insel des Friedens, aber die katholische Liga brauchte Waffen und Geld. So ist es verständlich, dass alle Staatsbetriebe hier in Schichten Tag und Nacht arbeiten mussten, um diese Bedürfnisse zu befriedigen. Dienten, Pfarrwerfen, Gastein, Ebenau – sie alle liefen auf Hochtouren, denn der Waffenbedarf der Liga war enorm. Paris Lodron war als Privatperson auch Aktionär bei diesem Geschäft und das muss wohl gesagt werden, dass er am Kriegsgeschehen auch verdient hat. In seinem Testament konnte er noch 100.000 Gulden zur Fertigstellung der Domfassade aussetzen.

Hinter den Rollen, die ein Mensch in seinem Leben spielen muss, darf man nie vergessen: er bleibt ein Mensch, der hier gefeiert wird. Wir haben uns am Grab des Erzbischofs Paris versammelt, es ist festlich mit Blumen geschmückt, es erstrahlt im Licht, aber es brennen keine Kerzen davor, denn er war kein Heiliger.

Das alte Sprichwort gilt auch hier: Wo der Schuh drückt, spürt niemand besser als der, der ihn trägt. Die Ecken und Kanten seines Charakters, sein jähzorniges Temperament haben ihm nicht nur Freunde gemacht. Gewiss, er lebte sittenstreng; es gab unter ihm keine Mätressenwirtschaft wie unter seinen beiden Vorgängern. Auch sein krasser Nepotismus wurde ihm sehr zur Last gelegt. Kein anderer Erzbischof hat je in diesem Ausmaß seine Verwandten begünstigt. Der Lodronsche Primogeniturpalast (das heutige Mozarteum) und das gegenüberliegende Hotel Krebs in der Paris-Lodron-Straße geben heute noch davon Zeugnis. Aber sind nicht damit auch unglaubliche Wirtschaftsimpulse dieser Stadt erwachsen? Durch mehr als ein Jahrhundert spielten die Lodron im gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Stadt eine bedeutende Rolle.

Noch heute gibt es außerhalb des Domes in unserer Stadt eine kostbare Lodron-Reliquie. Es ist die Rede von der silbernen Kapsel, die in der Gruft der Klosterkirche zu den Heiligen Franziskus und Bonaventura das Herz des Fürsten verwahrt. Testamentarisch hatte der Erzbischof verfügt, dass sein Herz beim Herzen des Freundes ruhen solle.

Wer war dieser Freund?

Es war der aus Ala in Welschtirol stammende Kapuziner Johannes, ein geborener Graf Ferrari. Wahrscheinlich war er einer der wenigen Menschen, mit denen sich Paris in Salzburg hier in seiner Muttersprache unterhalten konnte.

Wie oft ist er den Sacro Monte zum Kapuzinerkloster hinaufgestiegen, um sich das Herz auszuschütten bei seinem Freund. Er hat dort die Beichte abgelegt und Mut gefasst für die Zukunft in schrecklichen Zeiten.

Es wird glaubhaft überliefert, dass er täglich die Hl. Messe gefeiert hat und auch selbst für den letzten Hausknecht zu dessen Todesfall dies getan hat.

400 Jahre Paris Lodron – was nehmen wir mit für unser Leben?

Salzburg ist steingewordene Geschichte – aber keineswegs versteinerte!

Der Stein klingt. Paris Lodron ist präsent aber auch im Heute unserer Zeit. Zu Recht kann er das Dichterwort von sich in Anspruch nehmen:

"Es kann die Spur von meinen Erdentagen nicht in Äonen untergehen."

Wir Nachgeborenen leben in den Räumen, die er geschaffen hat. Wir nutzen sie weitgehend und vielfach auch anders. Es gibt eben im Theater dieser Welt keine Zuschauer. Es gibt nur Mitspielende und Akteure und dazu gehören wir auch heute noch.

Lassen Sie mich mit dem schönen Vers von Joseph von Eichendorff schließen. Sein Gedicht "Mich brennts in meinen Wanderschuhen" stand in allen Liederbüchern unserer Studentenzeit.

Die letzte Strophe heißt:

"Das alte Spiel, sie spielen's fort und bringen's nicht zu Ende.
Und keiner kennt den letzten Akt von allen, die da spielen.
Nur der da oben schlägt den Takt und weiß, wo das hin will zielen."

Quellen