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Franz Lackner (Erzbischof)

Juni 2016: 25 Jahre Priester und 60. Geburtstag: von links nach rechts: Univ. Prof. Dr. Heinrich Schmidinger (Rektor der Universität Salzburg), Univ. Prof. DDDr. Clemens Sedmak, Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer, Erzbischof Dr. Franz Lackner OFM, Landeshauptmann Günther Platter, LT-Präs. Dr. Brigitta Pallauf, Bürgermeister Dr. Heinz Schaden, Generalvikar Dr. Hansjörg Hofer
Erzbischof Franz Lackner
Erzbischof Franz Lackner
Erzbischof Dr. Franz Lackner bei einer Predigt in Thalgau

Franz Lackner (* 14. Juli 1956 in Feldbach, Stmk. als Anton Lackner) ist der 79. Salzburger Erzbischof und der 90. Bischof von Salzburg.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Lackner wuchs im südsteierischen St. Anna am Aigen auf. Nach seiner Elektriker-Lehre diente Franz Lackner 1978 und 1979 als UN-Soldat auf Zypern, wo er sich intensiv mit seinem Glauben beschäftigte. Nach diesem Bekehrungerlebnis, das er gerne erzählt, beschloss er schließlich, Priester zu werden. Noch im selben Jahr hat er mit dem Aufbaugymnasium in Horn begonnen, um danach Theologie zu studieren.

1984 ist er in den Franziskanerorden eingetreten, fünf Jahre später hat er dort die Ewige Profess abgelegt und sich so fix an den Bettelorden und an dessen Grundsätze - Armut, ehelose Keuschheit und Gehorsam - gebunden. 1991 folgte die Priesterweihe.

Lackner, der vor seiner Entscheidung für den Priesterberuf Elektriker gelernt hat, lehrte später als Universitätsprofessor Metaphysik am "Antonianum", der päpstlichen Universität der Franziskaner in Rom (von 1997 bis 1999). Seine akademische Karriere setzte sich an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Heiligenkreuz fort, wo er bis heute Philosophie lehrt. Im Oktober 2002 wurde Franz Lackner zum Weihbischof der Diözese Graz-Seckau ernannt und am 8. Dezember von drei Bischöfen, darunter der scheidende Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser, geweiht. "Meine Freude ist es, Freund zu sein; Freund Gottes und Freund der Menschen", hatte Lackner damals am Schluss des Festgottesdienstes gesagt.

Seinen vormaligen Chef (Anmerk. bis zu seiner Wahl zum Salzburger Erzbischof), den damaligen Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari, unterstützte er unter anderem bei der Jugendarbeit und den Diakonen. Auch innerhalb der Österreichischen Bischofskonferenz ist Lackner für Kinder- und Jugendseelsorge zuständig.

Franz Lackner ist auch Österreichs Sport-Bischof. Dabei schüttelt er nicht nur aktiven Sportlern die Hände. Lackner schnürt auch selbst die Turnschuhe und dreht seine Runden, etwa beim Graz-Marathon, bei dem er erst vor wenigen Jahren selbst als Langstreckenläufer antrat.

Auch im Internet kennt sich Lackner aus: Er hat seine eigene Facebook-Seite, die er selbst mit Fotos und Texten befüllt. Zuletzt berichtete er von der Bischofskonferenz in Michaelbeuern. Kurz danach dürfte der Ruf nach Salzburg an den 57-Jährigen ergangen sein. Am 10. November 2013 wählte das Dom- und Metropolitankapitel zu Salzburg den Weihbischof Franz Lackner in Nachfolge von Erzbischof Alois Kothgasser zum neuen Erzbischof von Salzburg. Am 18. November 2013 wurde Franz Lackner vom Vatikan offiziell als zukünftiger neuer Erzbischof von Salzburg bestätigt. Die offizielle Amtseinführung wird am 12. Jänner 2014 stattfinden. Bis zu seiner Verabschiedung am 29. Dezember 2013 bleibt Alt-Erzbischof Alois Kothgasser als Administrator im Amt[1]. Dann beginnt auch die Amtszeit des neuen Erzbischofs.

„Mit Sympathie allein ist man nicht Erzbischof“

Zum Jahreswechsel 2015/2016 sprach Josef Bruckmoser von den SN mit dem Erzbischof von Salzburg. Die Flüchtlingsfrage hat auch Franz Lackner zur Konfrontation herausgefordert. Im neuen Jahr will der Salzburger Oberhirte über die Qualität in der Seelsorge nachdenken. Warum spielt der Glaube im Alltag so wenig Rolle?

SN: Herr Erzbischof, viele Menschen haben 2015 als extreme Herausforderung erlebt. Wie ist Ihre persönliche Bilanz?

Lackner: Die Flüchtlingsfrage war auch für mich eine große Herausforderung. Ich habe zum ersten Mal gesehen: Mit Sympathie allein kann man nicht Erzbischof sein. Man muss Position beziehen.

SN: Sie haben das sehr deutlich in Richtung Pfarrgemeinden getan. Wie war das Echo?

Lackner: Ich glaube, dass wir mit dem Einsatz der Pfarrgemeinden sehr zufrieden sein können, ohne dass alles erreicht worden wäre. Wir haben mehr als 700 Flüchtlinge untergebracht. Aber es wird auch 2016 eine große Anstrengung brauchen. Sehr zu denken gaben mir die vielen negativen Briefe, die ich und die Caritas bekommen haben. Wir wurden beschimpft, als würden wir das Tafelsilber des christlichen Abendlandes verspielen. Einmal bin ich zufällig einem Ehepaar begegnet, das mich spontan eingeladen hat. Aber als es im Gespräch zum Thema Flüchtlinge kam, drehte sich die Stimmung sofort um 180 Grad. Beinahe hätte ich das alkoholfreie Bier, das ich bestellt hatte, selbst bezahlen müssen.

Ich kann dazu nur sagen, ich verstehe viele Nöte und Ängste. Es ist auch einsichtig, dass es nicht auf Dauer so weitergehen kann, wie wir das in den ersten Monaten des Flüchtlingsansturms erlebt haben. Man darf nicht blauäugig sein.

SN: Warum tun viele sich derart schwer mit den Zuwanderern?

Lackner: Wenn so viele von außen kommen, dann werden die Unterschiede, auch in der Religion, stark in die Waagschale geworfen. Es ist aber keine Lösung, dass wir um Europa einen Zaun machen. Ich glaube sogar, dass die Flüchtlinge eine Chance für uns Christen sind. Wir sind ja nicht mehr in der komfortablen Lage, dass 80 Prozent und mehr katholisch wären. Wir werden daher auch als Christen in Zukunft eine Kontrastgesellschaft sein: gleich wie die anderen, nicht besser, aber doch ein Kontrast zum gesellschaftlichen Mainstream.

SN: Viele sagen jetzt dezidiert, wir sind Christen – und eben keine Moslems. Steckt da etwas dahinter im Sinne eines neu erwachenden Christentums?

Lackner: Aus einer Oppositionshaltung heraus ist kein Christentum zu machen. Gläubige Menschen einer anderen Religion können vielleicht der Anlass sein, dass man sich wieder auf das Eigene besinnt und darüber nachdenkt, warum bei uns die Kirchenbänke oft so leer sind. Aber das Christsein speist sich nicht aus solchen Gegensätzen.

SN: Welche Gefühle weckt bei Ihnen der Gedanke, dass es in Salzburg eine Moschee mit Minarett geben könnte?

Lackner: Irgendwann wird sich diese Frage stellen. Aber jetzt wäre nicht der richtige Zeitpunkt, das zu diskutieren. Das würde die Ängste verstärken und die Stimmung anheizen. Ich denke da an den führenden deutschen Philosophen Jürgen Habermas, der von einem Verfassungspatriotismus spricht. Das heißt für mich, dass das Angestammte und das Dazugekommene nicht zu jeder Zeit genau den gleichen Anspruch erheben können. Es geht mir dabei nicht um Verbote, keineswegs. Aber ich würde sehr appellieren, immer die gesamte Situation zu betrachten und die Forderung nach gleichen Rechten in jedem Detail nicht zu übertreiben.

Selbstverständlich muss jeder Mensch seine Religion frei und öffentlich ausüben können. Aber wenn so große Veränderungen vor sich gehen, wie wir sie derzeit erleben, gibt es Reibungsenergien, die leicht in Aggression ausarten können. Ich will nicht von einem kulturellen Bruch sprechen. Aber es ist jetzt ganz wichtig, dass wir die vielen Ängste ernst nehmen, die da sind, und gleichzeitig nicht davon ablassen, den Asylsuchenden wie nur irgend möglich zu helfen.

SN: Das christliche Abendland wird jetzt vielfach beschworen, aber die Kirchenbänke bleiben dennoch oft leer. Wie erklärt sich dieser Widerspruch?

Lackner: Mir ist es ein großes Anliegen, dass wir uns sehr konkrete Gedanken über die Qualität unserer Seelsorge machen. Wir werden Kriterien dafür finden müssen, wie qualitätsvolle Seelsorge heute ausschaut. Das wird uns in dem diözesanen Prozess, den wir bis 2018 durchführen werden, stark beschäftigen. Die Kirche hinkt in Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung etwas nach. Da sind uns andere Institutionen oder Unternehmen voraus.

Freilich ist in der Seelsorge vieles nicht messbar. Ich weiß selbst als Seelsorger, wie man sich oft jahrelang um einen Menschen bemüht und äußerlich betrachtet nichts dabei herausschaut. Trotzdem würde ich sagen, dass ein solches Bemühen sehr wichtig sein kann.

Wir müssen uns also fragen, in welchen Situationen Kirche heute besonders angefragt wird. Jetzt in der Weihnachtszeit war nicht nur der Dom immer wieder voller Menschen, sondern auch viele andere Kirchen. Mit diesen traditionellen Zeiten – man könnte auch sagen Events – haben wir kein Problem. Die Frage ist, wie die Alltagstauglichkeit des Glaubens ausschaut.

SN: Im Alltag ist der Glaube in den Hintergrund getreten.

Lackner: Ich denke, dass sich die Lebenssituation stark verändert hat. Ich bin noch so aufgewachsen, dass der Glaube die Grundkategorie war, von der aus man auf das Leben geschaut und das Leben beurteilt hat. Heute ist es umgekehrt: Das Leben ist Grundperspektive, und von diesem Leben schaue ich auf den Glauben und frage: Hilft er mir? Ist er meinem Leben dienlich?

SN: Was sagen Sie einem 18-Jährigen, der austreten will und Sie genau das fragt?

Lackner: Grundsätzlich respektiere ich jeden Menschen, der keinen kirchlich geprägten Glauben hat. Auch wenn es mir leidtut. Ich würde ihm aber sagen, es wär’s wert, sich mit diesem Glauben kirchlicher Gestalt näher auseinanderzusetzen.

SN: Und wenn er sagt, was schaut dabei für mich heraus?

Lackner: Ja, was schaut heraus. Was schaut bei der Liebe heraus? Was schaut beim Glauben heraus? Ich denke, es gibt Bereiche des Lebens, in denen das nicht die erste Frage sein kann. Die Kirche ist ein Weg, den schon viele vor mir gegangen sind. Wenn ich auf den Untersberg gehe, kann ich selbstverständlich auch meinen ganz eigenen Weg gehen. Oder ich gehe auf dem Dopplersteig und nutze die Erfahrung der vielen, die diesen Weg vor mir gegangen sind, weil er sich vielfach bewährt hat.

Die Tradition, der Ritus, die Institution des kirchlichen Glaubens können sehr entlastend sein. Ich kenne die Fehler dieser Institution. Aber ich bin doch froh, dass es Kirche gibt. Viele Irritationen zwischen Kirche und Menschen, die ihr distanziert gegenüberstehen, kommen daher, dass wir immer mit der Idealgestalt des Glaubens daherkommen. Das überfordert viele. Sogar sehr gute Freunde sagen mir: Das kannst du nicht wirklich ernst meinen, dass wir jeden Sonntag in die Kirche gehen sollen.

In solchen Situationen möchte ich zuerst einmal versuchen, in diesen Menschen eine Sehnsucht zu wecken. Die Sehnsucht, dass es mehr gibt als das Augenscheinliche, dass jedem von uns Menschen mehr möglich ist als das,was uns im Moment möglich erscheint. Darin sehe ich die große Herausforderung der Kirche: Menschen begleiten, und zwar nicht so, dass wir ihnen ein schlechtes Gewissen machen, sondern indem wir ihnen vermitteln, wie sie ihr Christsein und ihr Menschsein auf ihrem eigenen Niveau moralisch gut leben können.

SN: Ist Papst Franziskus ein Argument, das Sie ins Treffen führen würden?

Lackner: Ich glaube, dass Papst Franziskus die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen wieder stark in den Mittelpunkt des christlichen Glaubens rückt. Damit bekommt aber auch die persönliche Verantwortung des Einzelnen, seine ganz persönliche Gewissensentscheidung, wieder einen neuen Stellenwert.

Bildergalerie

Weblinks

Zum Nachlesen

Bilder

 Franz Lackner (Erzbischof) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Quellen

Fußnoten

Zeitfolge
Vorgänger

Alois Kothgasser

Salzburger Erzbischof
2013 - ...
Nachfolger

...

Salzburger Bischöfe, Erz- und Fürsterzbischöfe

Bischöfe, 7. bis 8. Jahrhundert
Rupert | Vitalis | Flobrigis | Johannes I. | Virgil
Erzbischöfe
8. bis 10. Jahrhundert
Arn | Adalram | Liupram | Adalwin | Adalbert I. | Theotmar I. | Pilgrim I. | Adalbert II. | Egilolf | Herold | Friedrich I. | Hartwig
11. Jahrhundert
Gunther von Meißen | Thietmar II. | Baldwin | Gebhard | Berthold von Moosburg | Thiemo
12. Jahrhundert
Konrad I. von Abenberg | Eberhard I. von Biburg | Konrad II. von Babenberg | Adalbert III. von Böhmen | Heinrich von Berchtesgaden | Konrad III. von Wittelsbach | Adalbert III. von Böhmen
13. Jahrhundert
Eberhard II. von Regensberg | Burkhart I. von Ziegenhain | Philipp von Spanheim | Ulrich I. | Wlodizlaus von Schlesien | Friedrich II. von Walchen | Rudolf I. von Hohenegg | Konrad IV. von Fohnsdorf
14. Jahrhundert
Weichart von Polheim | Friedrich III. von Leibnitz | Heinrich von Pirnbrunn
Fürsterzbischöfe
Ortolf von Weißeneck | Pilgrim II. von Puchheim | Gregor Schenk von Osterwitz
15. Jahrhundert
Eberhard III. von Neuhaus | Berthold von Wehingen | Eberhard IV. von Starhemberg | Johann II. von Reisberg | Friedrich IV. Truchseß von Emmerberg | Sigmund I. von Volkersdorf | Burkhard II. von Weißpriach | Bernhard von Rohr | Johann III. Beckenschlager | Christoph Ebran von Wildenberg | Friedrich V. von Schaunberg | Sigmund II. von Hollenegg
16. Jahrhundert
Leonhard von Keutschach | Matthäus Lang von Wellenburg | Ernst Herzog von Bayern | Michael von Kuenburg | Johann Jakob Kuen von Belasy | Georg von Kuenburg | Wolf Dietrich von Raitenau
17. Jahrhundert
Markus Sittikus von Hohenems | Paris Graf Lodron | Guidobald Graf von Thun und Hohenstein
18. Jahrhundert
Franz Anton Fürst Harrach | Leopold Anton Freiherr von Firmian | Jakob Ernst Graf Liechtenstein | Sigismund III. Christoph Graf Schrattenbach | Hieronymus Graf Colloredo
Erzbischöfe, die noch den Titel "Fürsterzbischof" trugen, aber keine weltliche Macht mehr hatten
19. Jahrhundert
Sigmund Christoph von Zeil und Trauchburg | Leopold Maximilian von Firmian | Augustin Johann Joseph Gruber | Maximilian Josef von Tarnóczy | Franz de Paula Albert Eder | Johann IV. Evangelist Haller
20. Jahrhundert
Johann V. Baptist Katschthaler | Balthasar Kaltner | Ignaz Rieder | Sigismund IV. von Waitz | Andreas II. Rohracher
Erzbischöfe
Eduard Macheiner | Karl Berg | Georg Eder
21. Jahrhundert
Alois Kothgasser | Franz Lackner