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August Rettenbacher

Prof. August Rettenbacher

Oberschulrat Professor August Rettenbacher (* 30. September 1911 in St. Koloman; † 11. August 1999 in Niedernsill) war Lehrer, Schulleiter und Heimatdichter aus St. Koloman.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Grab von August Rettenbacher in St. Koloman
Grabstätte von August Rettenbacher, Detail

August Rettenbacher entstammte einer kinderreichen Familie. Im Alter von 25 Jahren, nach schwerer Arbeit auf Baustellen, begann er die schulische Weiterbildung, besuchte das Mozarteum mit dem Hauptfach Orgel und bereitete sich auf die Reifeprüfung vor. Nach der Heimkehr aus dem Krieg absolvierte er die Lehrerausbildung und wirkte dann als Lehrer, Schulleiter, Jugend- und Erwachsenenbildner, Chorleiter und Organist in seiner Heimatgemeinde St. Koloman.

Beim Bau des neuen Schulhauses konnte er als Gemeindevertreter seine Initiativen einbringen und so gelang es, Professor Wilhelm Kaufmann für die Erstellung des Freskos auf der Außenwand des neuen Schulhauses zu gewinnen und eine Schulheimatstube einzurichten, deren Exponate (seltene Handwerkszeuge, bäuerliches Gerät und sonstige seltene Gegenstände) nun im Museum ausgestellt sind. 1967 übersiedelte die Volksschule in den Neubau und August Rettenbacher legte großen Wert auf die Einrichtung einer Schulheimatstube.

Seine erste Frau, die Volksschullehrerin Lisl Haidenthaller, unterstützte August auf seinem geistigen und künstlerischen Lebensweg. Dieser Ehe entstammt die Tochter Erika Rettenbacher, die ebenfalls als Salzburger Mundartdichterin tätig ist.

Als Schulleiter war es August Rettenbacher wichtig, den Schülern die Natur und Heimat nahe zu bringen und Althergebrachtes und Bewährtes mit neuen Ideen und modernen Errungenschaften zu verbinden. Er legte ein landwirtschaftliches Versuchsfeld an, das von 1953 bis 1961 in Betrieb war, organisierte Obstbaumschnittkurse und richtete eine Schaubienenhütte ein. Er gründete das örtliche Bildungswerk, eine Zweigstelle der Salzburger Volkshochschule und die Volksmusikschule, leitete die landwirtschaftliche Berufsschule und begleitete von 1977 bis 1990 den Kirchenchor als Organist.

Der Kolomaniritt geht mit auf seine Initiative zurück.[1]

Von 1964 bis 1969 war er Gemeindevertreter der ÖVP in St. Koloman.

1968 war er Mitbegründer des Union Sportklub St. Koloman und wurde dessen zweiter Obmann-Stellvertreter.

Dichterisches Wirken

Die ersten Impulse zum Dichten hatte August Rettenbacher in russischer Gefangenschaft erhalten. 1954 begann er mit Brauchtumsschilderungen, einem Kolomansspiel, Erzählungen und zwei Romanen, die im „Salzburger Bauer“ in Fortsetzungen erschienen; am Heiligen Abend 1957 wurde sein Krippenspiel „Die Stunde auf dem Hirtenfeld“ in Radio Salzburg gelesen.

1960 fand er zur Tennengauer Mundart und in dieser folgte ein reiches Schaffen. Von seinem Förderer Wilhelm Steiner wurden seine ersten Gedichte und sein erstes Versepos gelesen, in den Heimatsendungen von Walter Kraus und danach von Bertl Göttl folgten immer wieder Gedichte und auch seine späteren Versepen.

In den sechziger Jahren begann das Sammeln alter und seltener Begriffe der „Taugler Mundart“, ihrer Redensarten und Sprachmerkmale. Daneben entstand ein umfassendes Fotowerk, eine Unterlagensammlung für die Taugler Geschichte und eine Sammlung von Mundartliteratur.

Nach dem Tod seiner ersten Frau Lisl begegnete August Rettenbacher in Niedernsill bei einer gemeinsamen Lesung Barbara Höllwerth. Nach der Eheschließung 1973 begann im Pinzgau mit Barbara eine neue, intensive Schaffensperiode und Niedernsill wurde ihm zur zweiten Heimat. Auch hier arbeitete er regionalgeschichtlich, kulturell und als Organist. Es entstand neben Literarischem und weiterer Arbeit für die Mundart und für St. Koloman auch der Großteil seines musikalischen Werkes.

Gemeinsam mit Max Faistauer und Erwin Rutzinger gründete August Rettenbacher 1972 den Arbeitskreis Regionale Sprache und Literatur im Salzburger Bildungswerk. Er war auch Mitinitiator der Henndorfer Einkehr und erstellte dafür die Ausstellung „Salzburger Mundartdichtung“ mit Sprachskizzen, einer Übersicht über Mundartdichter, Forscher, Sammler, Liedschöpfer und Volksspiele in Salzburg.

Als sich in St. Koloman ein Raum für ein Mundartarchiv bot, brachte er hier seine Sammlungen ein, die er mit Hilfe des Leiters des Salzburger Bildungswerkes Dr. Walter Sulzberger und anderen Helfern durch Wortsammlungen, Dissertationen über die Mundart sowie Mundartliteratur weit über Salzburg hinaus erweiterte. Zu seinem 75. Geburtstag erhielt das Archiv von der Gemeinde St. Koloman den Namen „Prof. August Rettenbacher Mundartarchiv".

Seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof von St. Koloman.

Literarische und heimatkundliche Werke

„Inser Heilig- Nacht-Liad“ 1968, Heft für Fest- und Feiergestaltung, Folge 1, Herausgeber Salzburger Bildungswerk
„Ba ins herobm“ 1967, Band 34; „Mei Berghoamat“ 1971, Band 59; „Ausn tiafn Brunn“ 1974, Band 87 aus der Reihe „Lebendiges Wort“, alle im Verlag Welsermühl, Wels
„Meine Tennengauer Heimat“ 1971, Heft 2 der Reihe „Die Gaue des Bundeslandes Salzburg“, Herausgeber Raiffeisenverband Salzburg
„Einer für alle - alle für einen“ 1971, Feuerwehrfibel; Herausgeber örtliches Bildungswerk
„Hiatz is Advent“ 1972; „Hirten erst kundgemacht“ (Bilder aus dem Leben von Franz Xaver Gruber) 1973; „Hiatz kimmt des schön Fruahjahr“ 1975; „Va Sunnawendn bis Kathrein“ 1977;.„Lippei, steh auf“ mit Gattin Barbara 1980, alle im Verlag der Salzburger Druckerei
„Bauernpassion“ und Szenentexte, Beitrag für den Abschnitt „Großgmainer Passion“ in „Passionslied in Salzburg“ 1975 von Cesar Bresgen, Verlag Alfred Winter
„Der Esel Justus“ 1976, eine Weihnachtslegende, Burgfried-Verlag Hallein
Chroniken von Niedernsill 1978 und von St. Koloman 1982, beide gemeinsam mit Ehefrau Barbara, im Eigenverlag der Gemeinden.
„Die Mundartdichtung in Salzburg“ mit Gattin Barbara 1982, Mundartfreunde Österreichs
„Ba ins in der Taugl“, 6-bändige Buchreihe in Zusammenarbeit mit Taugler Bäuerinnen und Bauern in der Zeit von 1980 bis 1995; darin sind Brauchtum und althergebrachte Arbeitsweisen von St. Koloman in Taugler Mundart beschrieben. Außerdem enthalten sie Artikel über Besonderheiten der Taugler Mundart, einen Teil der Mundartwortsammlung und Biographisches von August Rettenbacher. Für die Vorbereitungsarbeiten wurden Tondokumente mit den Mitarbeitern angelegt. Band I, II und III erschienen im Burgfried-Verlag Hallein, Band IV Halleiner Druckerei Mayr, Band V und VI im Verlag des örtlichen Bildungswerkes St. Koloman.
Unsere „Werfner Nandl“; Beitrag in Chronik von Werfen, Marktgemeinde Werfen (1987)
„Unter der Hohen Arche“ 1988; „Die Petruslegenden“ 1991; Tauriska Verlag Neukirchen am Großvenediger
„Die heilige Luzia“ 1989, Legende und Verehrung, mit Bildtafeln von Maria Kraus; Verlag Willi’s Offset Druck, Adnet
„Der Krippenbarthl“ 1992, vorweihnachtliches Mundartepos von August und Barbara Rettenbacher, Buch und CD 2005, herausgegeben und gelesen von Bertl Göttl, von Servus TV szenisch gestaltet und im Advent 2009 erstmalig gesendet
„Zehn kleine Spiele im Advent“ von August und Barbara Rettenbacher 1993; „Von Flimmerschein und Blühgeflamme“ 1996 zum 85. Geburstag: Gedichte und Aphorismen in Schriftsprache und Mundart, zusammengestellt von Tochter Erika; beide im Musik-Buch-Kunst-Verlag Franz Wöginger

Sendungen vom ORF- Landesstudio Salzburg

Die Versepen „Die Gottesmühl“ - um 1965 gelesen von Wilhelm Steiner, „De gläser Bruggn“ - um 1985 gelesen von August und Barbara Rettenbacher und „D`Sintflut“ - 1990 gelesen von Walter Kraus. Außerdem die Weihnachtslegende „Der Esel Justus“, gelesen von Peter Pichl und Passionstexte - gelesen von Bertl Göttl.

Weitere Veröffentlichungen

Veröffentlichungen in der Salzburger Volkskultur:

1994, Heft 1: Alois Grasmayr, der Faust vom Mönchsberg, Seite 111
1993, Heft 3: Wilhelm Steiner und die Salzburger Mundartdichtung, Seite 78
1993, Heft 2: Walter Kraus - viel zu früh von uns gegangen, Seite 156
1993, Heft 1: Nandl Pichler - die "Werfner" Nandl, Seite 102
1992, Heft 2: Das "Platten-Lisei" - Gedenkstätten ihres Lebens, Seite 107
1991, Heft 2: Wanderung zu den Gedenkstätten berühmter Dichter in Salzburg mit Prof. August Rettenbacher (Sylvester Wagner, Seite 121; August Radnitzky, Seite 123)
1989, Heft 3: Wanderung zu den Gedenkstätten von Johannes Freumbichler, Seite 61
1989, Heft 2: Spaziergang zu den Franz Stelzhamer-Gedenkstätten in Henndorf, Seite 61
1984, Heft 3: Die Salzburger Mundartmessen, Seite 133
1984, Heft 1: Salzburger Mundartdichter. Mundartdichter aus dem Lungau, Seite 75
1983, Heft 2: Salzburger Mundartdichter. Mundartdichter aus dem Pinzgau, Seite 109
1983, Heft 1: Salzburger Mundartdichter. Mundartdichter aus dem Pongau, Seite 112
1982, Heft 3: Advent bis Neujahr. Salzburger Mundartgedichte, Seite 125

.1982, Heft 2: Salzburger Mundartdichter. Mundartdichter aus dem Tennengau, Seite 113

1981, Heft 3: Salzburger Mundartdichter. Mundartdichter aus dem Flachgau, Seite 149
1981, Heft 2: Salzburger Mundartdichter. Mundartdichter aus dem Flachgau, Seite 112
1981, Heft 1: Salzburger Mundartdichter. Mundartdichter aus dem Flachgau, Seite 108
1978, Heft 2: Salzburger Mundart im Druck, zusammengestellt von August Rettenbacher, Seite 165
1977, Heft 2/3: Die Salzburger Mundarten, Seite 129 (zusammen mit seiner Frau Barbara)

Beiträge im Salzburger Bauernkalender von 1963 bis 1995, im Tauriska-Kalender von 1987 bis 1995; weitere Beiträge in Anthologien, Zeitschriften und Zeitungen, darunter 30 Folgen mit Lebensbildern von Pinzgauer Persönlichkeiten in der „Pinzgauer Post“ und 17 Folgen mit Vorstellung von Pinzgauer Mundartdichtern in den „Pinzgauer Nachrichten. Unveröffentlicht: Taugler Tagebücher und Aphorismen; Texte für das Tennengauer Passionssingen und für das Dürrnberger und das Niedernsiller Mariensingen, Halleiner Heilignachtspiel und Halleiner Zeiserlspiel (diese Spiele 1980 und 1981 in Hallein aufgeführt) und das Versepos „De Thayabruggn“ 1986;

Die Kreuzwegstationen des 2011 eröffneten Taugler Mundartkreuzweges wurden mit Texten von August Rettenbacher versehen.

Musikalische Werke

  • Mundartmessen: Bauern-, Barbara-, Hirten- Hohzat- und Jager-Meß
  • Messen in Schriftsprache: Marien-, Trauer- und Kindermesse
  • Lateinische Messen: Kolomani- und Luziamesse
  • Lieder für Dreigesang, Viergesang und gemischten Chor: Marienlieder, Passionslieder, Hirten- und Weihnachtslieder, Auferstehungs-und Begräbnislieder, Lieder für Heilige (Luzia, Leonhard, Koloman);
  • Solostücke, Choräle, Ehre sei Gott
  • Instrumentalstücke: Sätze für Terzette und Quartette für Klarinetten und Hörner,
  • Choralpräludien, Fugen und Choräle für Orgel

Die Noten für die Kompositionen befinden sich - zum Teil auch mit Tondokumenten von Aufführungen - im Mundartarchiv St. Koloman. Mundart-Messen und Lieder wurden im Verlag Wöginger in Heftform herausgebracht.

Ehrungen

Quellen

Zeitfolge