Unterirdische Gänge in der Stadt Salzburg

Aus Salzburgwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Dieser Artikel berichtet über unterirdische Gänge in der Stadt Salzburg.

Beschreibung

Alte Bergbautechniken

Unterirdische Gänge waren Schöpfungen des Mittelalters. Man brauchte zu ihrer Herstellung lange Zeit, sodass ein Bauherr, der einen solchen Gang anlegen ließ, dessen Vollendung meistens nicht erlebte. Die Werkzeuge waren mangelhaft und unbequem - Stahl kannte man noch nicht – und so fehlte den Eisen-Meißeln meistens die richtige Härte und nahm deren Schärfung viel Zeit in Anspruch. Es gab damals auch noch kein Schießpulver. Deshalb mussten in Abständen Schlitze mit Hammer und Meißel gehauen werden, in die Eisenkeile getrieben wurden, sodass diese dann kleinere oder größere Steinstücke wegsprengten. Auch das sogenannte Feuersetzen war üblich. Man erhitzte eine kleinere Fläche der Felsenwand mit einem Feuer und kühlte dann die heiße Wand mit Wasser plötzlich ab, sodass plattenförmige Stücke losgesprengt wurden. Ein weiteres Verfahren war das Schrotten. Man machte auf einer nicht gar zu schiefen Ebene an drei Seiten - der Block musste an einer Seite frei sein - große Schlitze, „Schrotten“ genannt. Diese mussten so breit sein, dass ein Mann darin arbeiten konnte. In diese Schrotten wurden, nachdem die gehörige Tiefe erreicht war, Holzkeile zwischen Holzplatten so fest als möglich eingetrieben und dann mit Wasser begossen, wodurch die Keile anschwollen, so dass der Steinblock in der Sohlentiefe des Schrottschlitzes weggetrieben wurde. So konnten größere Steinblöcke auf einmal gewonnen werden. Auch im Erdreich, Lehm- und Schotterboden war das Anlegen von Gängen nicht so einfach, da die Stollen gepölzt und gewölbt werden mussten, was in alter Zeit ziemlich viel Schwierigkeiten mit sich brachte.

Aus dem Gesagten ersieht man, dass unterirdische Gänge früher nicht zum Vergnügen, sondern nur für ganz bestimmte Zwecke hergestellt wurden. Die waagrechten Gänge wurden „Stollen“, die senkrechten „Schächte“ genannt. In uralten Zeiten schlug man Stollen in Bergwerken als Zugänge zu den Erz- oder auch Salzlagern, später dienten solche Gänge als Wasserzuleitungskanäle oder als unterirdische Kerker, in Kastellen und Burgen auch als Ausfallsöffnungen zur Überrumpelung des Feindes, als Notausgänge bei Gefahren, bei Verschleppungen und allerlei Handlungen, die das Tageslicht scheuten. Am Ausgang des Mittelalters verloren die geheimen Gänge ihre Bedeutung. Später wurden solche Maulwurfwege nur noch bei Belagerungen gegen den Feind getrieben; sie hießen Minen und wurden mit Pulver geladen und in die Luft gesprengt.

Von Salzburg berichten historische Quellen von verschiedenen unterirdischen Gängen, wobei man einst mehr Legenden vertraute als Tatsachen. Beispiel dafür die haltlose Legende zu den sieben Kreuzen auf der Stumpfeggersche Grabstätte im Petersfriedhof). So es gab auch nie einen unterirdischen Gang von der Benediktinerinnenabtei Nonnberg zum Kai, auch keinen von der Burg zum romanischen Münster, keine unterirdische Verbindung zwischen Alter und Neuer Residenz und noch weniger eine unterirdische Verbindung von der Festung Hohensalzburg zum Trompeterschlössl am Kapuzinerberg.

Der ganze alte Stadtteil am linken Ufer der Salzach ist durch verschiedene Grabungen für Leitungen und Kanäle bis zu einer beträchtlichen Tiefe aufgewühlt worden, aber nirgends war man auf derartige Gänge gestoßen. Wenn man in der Gegend des Waag-, Mozart- oder Residenzplatzes, sowie am Anfang der Kaigasse in alten Häusern bei Grabungen auf höhlenartige Räume stieß oder noch stößt, so ist das leicht erklärlich: hat doch Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau Anfang des 17. Jahrhunderts in dieser Gegend über 50 alte Bürgerhäuser demolieren lassen. Das Terrain wurde bedeutend erhöht, aufgefüllt und die Keller der alten Häuser, soweit sie nicht zugefüllt wurden, waren nun mit einer hohen Schuttlage überdeckt. Wenn man nun heute auf solche Hohlräume stößt, die nichts anderes als alte Keller sind, so entstehen gleich allerlei fantastische Vermutungen.

Unterirdische Gänge

Almkanal

Stiftsarmstollen und Seitenstollen

Hauptartikel Stiftsarmstollen des Almkanals

Der älteste unterirdische Felsenstollen des Almkanals ist der Stiftsarmstollen.

Er beginnt in der sogenannten Kapitelhofmulde unterhalb des Bürgermeisterloches in Nonntal und mündet bei der Talstation der heutigen [[Festungsbahn]. Er wurde im Jahre 1137 von Balderich Abt desErsstifts St. Peter und Dompropst Hermann begonnen und 1167 vollendet. Er bohrt sich nicht gerade durch den Mönchsberg, sondern in mehreren Krümmungen durch den Felsen und ist bei 400 Meter lang, durchschnittlich 1,60 Meter breit und zwei Meter hoch.

Der Stiftsarmstollen hat mehrere Seitenstollen, deren längster sich fast 60 Meter weit erstreckt. Es ist unbekannt, welchen Zweck diese Seitenstollen hatten. Wahrscheinlich waren sie sogenannte Fehlstollen. Ungefähr 150 Meter vor der Mündung zweigt rechts ein Seitenstollen ab, der in der Mitte des Peterfriedhofes hinter den Arkaden mündet und dort durch eine eiserne Türe abgeschlossen ist. Nicht weit von der Abzweigung ist eine Brunnstube, in der sich das Tropfwasser des Berges sammelt und von dort als Trinkwasser in das Erzstift St. Peter geleitet wird. Ungefähr 120 Meter vor der Mündung links zweigt ein steil ansteigender Seitenstollen mit Stufen ab, in dem ein großer Mann aufrecht gehen kann. Nach ungefähr 40 Meter ist ein Vordringen nicht mehr möglich, weil der Gang mit Schlamm und Geröll angefüllt ist. Es ist mit Bestimmtheit anzunehmen, dass dieser geheime Gang zur Festung war, dessen Ende in der Burg nicht mehr auffindbar ist und der zu allerlei nicht stichhaltigen Vermutungen Anlass gab. Dieser Gang wurde jedenfalls Mitte des 13. Jahrhunderts unter Erzbischof Philipp von Spanheim 1247 und Ulrich I. 1265 angelegt und diente als Ausfallgang und bei einer Belagerung der Stadt als geheime Verbindung mit dieser. Sein Verfall war sicher schon zu Anfang des 16. Jahrhunderts sehr weit vorgeschritten, da in den Berichten über die Bauernkriege (1525) dieses Ganges keine Erwähnung mehr geschieht.

Neuere Forschungen konnten jedoch diese von Josef Eder in den 1920er-Jahren publizierte Beschreibung nicht bestätigen (siehe Beitrag Stiftsarmstollen des Almkanals).

Sigmundstorarmstollen

Als 1327 Erzbischof Friedrich III. von Leibnitz das Bürgerspital gestiftet, das Gebäude für die Pfründner neben der Bürgerspitalskirche St. Blasius gebaut und der gemeinen Stadt übergeben hatte, baten die Bürger um Zuweisung eines Wasserbezuges, worauf ihnen der Erzbischof zur Antwort gab, sie sollen ein Wassersuchen, wo sie eines fänden. Die Stadt ließ nun von der Riedenburg unter der Bürgerwehr in der Richtung zum Gstättentor einen Stollen durch den Mönchsberg meißeln. Dann wurde vom Almkanal bei der alten Hammerschmiede hinter dem Rainberg eine Zweigleitung angelegt und das Almwasser zur St. Blasiuskirche geleitet, wo eine Mühle erbaut wurde.

Festung Hohensalzburg

Auf der Festung Hohensalzburg gab es drei unterirdische Gänge, die als Fluchtweg oder für Ausfälle dienten.

Der eine dieser Gänge führte von der Bernhard-von-Rohr-Bastei (1472) südlich der Festung zum alten Hofgarten im Nonntal. Er war 1930 noch gut erhalten.

Der andere, der 1634 von Fürsterzbischof Paris Graf von Lodron als Ausfall angelegt wurde und von der oberen Hasengrabenbastei zum Fuße dieser Basteimauer führte, wo man unweit der Brücke der Drahtseilbahn noch eine eiserne Türe sieht, wurde beim Bau der Drahtseilbahn auf der oberen Hasengrabenbastei zugeschüttet. Links vom Weg der vom Bürgermeisterloch zur Brunnhausgasse führt, befindet sich im Gebüsch versteckt eine alte eiserne Tür, hinter der sich ein im Felsen gehauener Gang befindet, in dem ein Mann aufrecht gehen kann. Dieser Gang ist ebenfalls ein Ausfall, der in der Festung seinen Anfang hatte. Man konnte 1930 noch bis auf 40 Meter hinein, dann aber machen Schlamm und Geröll ein weiteres Vordringen unmöglich.

Im Garten der Benediktinerinnenabtei Nonnberg wollten 1525 während des Bauernkrieges die aufständischen Bergknappen in den Felsen unter der Festung einen Stollen treiben, um dann die Festung zu sprengen. Diesen Versuch stellten sie — nachdem sie zwölf Klafter weit hinein gearbeitet hatten — ein, weil sie die Unmöglichkeit ihres Vorhabens einsahen. 1530 wurde dieses Loch durch den Bau der Wellenburg-Bastei verdeckt.

Benediktiner-Erzabtei St. Peter

Ein weiterer unterirdischer Gang führte schon im 14. Jahrhundert von der Alten Residenz zur Erzabtei St. Peter. Der Gang bestand 1930 noch, war aber schon lange außer Gebrauch.

Felsenkeller

Nachdem Fürsterzbischof Guidobald Graf von Thun und Hohenstein 1662 die gedeckte Felsenreitschule gebaut hatte, wurde an der Südseite ein auf einer Plattform in Felsen gebrochener Kamin mit schöner Umrahmung hergestellt, unter dem sich ein von der Reitschule zugänglicher Felsenstollen befindet, in dem zu erzbischöflichen Zeiten das zur Heizung des Reitsaales nötige Holz auf geschlichtet wurde.

Viele Keller waren in den Felsen des Mönchsberges gebrochen, so der 1517 hergestellte Weinkeller von St. Peter, der 1690 gebaute Keller im Hofraum des alten erzbischöflichen Marstalles, der große Weinkeller neben dem alten Bürgerspital, der 1592 vom Bischof von Chiemsee gebaut und 1641 durch Otto Friedrich Bischof von Laibach der Universität geschenkt wurde. Viele Keller sind auch hinter den Häusern der Gstättengasse in den Mönchsberg gebrochen; dazu ist auch vor dem Klausentor das alte Pulvermagazin, der ehemalige Kaltenhauser Keller, zu rechnen.

Sigmundstor

Das Sigmundstor ist ein Durchbruch im Mönchsberg, der von Fürsterzbischof Sigismund III. Christoph Graf Schrattenbach 17651767 hergestellt wurde. Es ist 135 Meter lang, 7,60 Meter breit und 13 Meter hoch. 1915 wurde es beim Bau der Stadtbahn erweitert.

Quelle