Friedrich Rigele

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Dr. iur. Friedrich, auch Fritz Rigele (* 12. August 1878 in Wolkersdorf (); † 10.[1] oder 11.[2] Oktober 1937 in Bad Reichenhall) war Notar in Saalfelden sowie hervorragender Alpinist.

Leben

Jurist und Bergsteiger

Der Sohn eines Notars studierte in Wien Rechtswissenschaften und wurde auf die Saalfeldener Notarsstelle ernannt.[1]

Saalfelden war Ausgangspunkt zahlreicher seiner Bergtouren, die ihn vor allem in das Steinerne Meer und in die Glocknergruppe führten.[1]

Während des Ersten Weltkriegs war er als Alpiner Referent in der Ortler- und der Adamellogruppe und später als Schulungsoffizier bei den Gebirgsgruppen der Deutschen Reichswehr eingesetzt.[1]

Eispionier

Im Jahr 1924 gelang ihm gemeinsam mit dem Münchner Alpinisten Wilhelm Weizenbach die Erstbegehung der Nordwestwand des Großen Wiesbachhorns (Glocknergruppe), wobei er erstmals Eishaken einsetzte.[1]

Am Beginn des Eishakeneinsatzes stand ein Missverständnis: Sein Tourenfreund Hermann Angerer hatte Rigele erzählt, dass er mit seiner Partie in einer Felswand in die Dunkelheit geraten sei und, um weiterhin ungehindert Stufen ins Eis schlagen zu können, die Laterne an eingetriebene Haken gehängt habe. Rigele war der Meinung, Angerer hätte diese Haken ins Eis geschlagen, in Wirklichkeit hatte er sie aber in Risse der flankierenden Felsen getrieben. Die Idee bewog Rigele, mit Eishaken zu experimentieren. Als er zusammen mit dem Skipionier Georg Bilgeri in den Eisbrüchen des Krimmler Kees Haken einschlug, froren diese fest, und die beiden Bergsteiger konnten sich sogar an ihnen abseilen.[2]

An der Nordwestwand des Großen Wiesbachhorns war zu jener Zeit ein Eiswulst ausgebildet, der angesichts der damaligen Ausrüstung – Zwölfzacker-Steigeisen gab es noch nicht – als unbezwingbar erschien. In solch steiles Eis hatte sich noch keine Seilschaft gewagt. Als nun Welzenbach im Jahr 1924 zur Wiesbachhorn-Nordwestwand drängte, ließ Rigele beim Saalfeldner Schlossermeister Hilzensauer drei neue „Eishaken“ schmieden: 18 bis 20 Zentimeter lang, schmal, rechteckiger Querschnitt mit Widerhaken und eingelassenem, beweglichem Ring. Als Reserve nahm er normale Fels- und sogar Bilderhaken mit.[2]

Am 15. Juli 1924 brachen die beiden um vier Uhr früh vom Heinrich-Schwaiger-Haus auf, stiegen vom Kaindlgrat zum Wandfuß ab und kletterten im einfallenden Nebel hinan. Tatsächlich konnten sie die 500 Meter hohe Eiswand mit den Haken überwinden, die sie noch während des Aufstiegs bargen, mit einer Reepschnur hinaufzogen und wiederverwendeten.

So revolutionierte Fritz Rigele die Eistechnik. Um elf Uhr standen sie auf dem Gipfel. Beim Abstieg, eine knappe Stunde später, hörten sie, wie eine Eislawine die Wand hinwegfegte, die sie wenige Stunden zuvor durchklettert hatten.[2]

Familie und Ideologie

Im Jahr 1912 heiratete Fritz Rigele Olga Göring, Schwester des angehenden Offiziers und späteren NS-Granden Hermann Göring. Aus der Ehe ging zumindest der Sohn Klaus hervor[3]. Bei Rigele war Dr. Franz Hueber als Konzipient beschäftigt, lernte so auch Olgas Schwester Paula Göring kennen und heiratete sie schließlich.[4]

Rigele hing dem Antisemitismus an und unterstützte zB den Agitator Eduard Pichl bei seinem Kampf um den Ausschluss der jüdischen Sektion Donauland aus dem Deutschen und Österreichischen Alpenverein.[2]

Am 17. Juli 1936 wurde im nationalsozialistischen Deutschen Reich der „Reichsdeutsche Sektionentag“ mit Fritz Rigele an der Spitze geschaffen. Dessen Aufgabe war es, die reichsdeutschen Interessen des nationalsozialistisch ausgerichteten Deutschen Bergsteigerverbandes gegenüber dem Deutschen und Österreichischen Alpenverein zu vertreten.[5]

Tod in den Bergen

Im Herbst 1937 stürzte Fritz Rigele in den Berchtesgadener Alpen zu Tode, als er auf dem Blaueishüttenweg einem Muli ausweichen wollte.[2]

Werke

  • 50 Jahre Bergsteiger. Erlebnisse und Gedanken. „Sport und Spiel“ Verlags- & Vertriebs- G.m.b.H., Berlin 1935.

Quellen

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Eintrag „Rigele, Friedrich“ in Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL), Band 9, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1988, (Lfg. 42, 1985), ISBN 3-7001-1483-4, S. 161; etwas knapper der Eintrag „Rigele, Friedrich“ in Vierhaus, Rudolf (Hrsg.), Deutsche biographische Enzyklopädie 8 (S. 74), 2. Aufl. Walter de Gruyter 2007. ISBN 359825038X, ISBN 9783598250385 S. 419
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 Höfler, Horst: Fragwürdigkeiten im Alpinismus, Teil 7, S.1 bis 3
  3. Knopp, Guido: Göring: Eine Karriere. München: Bertelsmann 2006. ISBN 3-5700-0891-6 "klaus+rigele" S. 156
  4. Slapnicka, Harry: Linz und „Oberdonau“ – wie es nationalsozialistische Spitzenpolitiker sahen, in: Historisches Jahrbuch der Stadt Linz 1990, S. 17 (S. 31)
  5. Welsch,Walter: Geschichte der Sektion Bayerland des Deutschen Alpenvereins e.V., Die Zeit des Dritten Reiches 1933-1945. EOS-Verlag und Druck, St. Ottilien / München 2013. ISBN 978-3-00-042387-1. S.24, 41