Hauptmenü öffnen

Salzburgwiki β

Mit dem Motorrad auf den Großglockner

Mit dem Motorrad auf den Großglockner, umgangssprachlich, fuhr man schon bevor 1935 die Großglockner Hochalpenstraße eröffnet wurde.

Inhaltsverzeichnis

Fahrten vor 1935

Auf Salzburger Seite führte von Ferleiten bis 1935 lediglich ein Fußweg über das Hochtor nach Heiligenblut. Von der Embachkapelle im Dorf Fusch gab es seit 1905 eine Straße bis Ferleiten. Von Ferleiten über den Tauern wurde die Straße erst im Zuge der Errichtung der Großglockner Hochalpenstraße ausgebaut. Eine erste Befahrung der Großglockner Hochalpenstraße in seiner gesamten Länge fand erst am 22. September 1934 auf der damals noch nicht fertiggestellten Straße statt, allerdings mit einem Pkw (siehe Erstbefahrung der Großglockner Hochalpenstraße).

Daher ist dem Autor dieses Artikels bisher (2017) noch keine gelungene Auf- oder Überfahrt Hochtor vor 1934 bekannt.

Die weiter unten genannten Motorradfahrer Rübelt und von Eberhorst hatten im Sommer 1927 eine Auffahrt von Salzburger Seite aus versucht. Sie kamen bis Ferleiten, drehten aber nach ersten Erkundungen des weiteren Weges und der Tatsache, dass sie sowieso nur bis zum Hochtor kämen - dahinter war bis damals noch (wahrscheinlich) kein wirklich "befahrbarer" Weg vorhanden - wieder um und nahmen die Auffahrt über Heiligenblut vor. Die Fahrt dorthin führte sie durch das Salzachtal über den Radstädter Tauern, wo gerade das Internationale Tauernrennen stattfand, sowie den Katschberg nach Kärnten.

Von Heiligenblut aus gab es bereits die Alte Glocknerhausstraße bis zum Glocknerhaus, die auch für Automobile befahrbar war. Vom Glocknerhaus zum Kaiser Franz Josef Haus führte dann nur mehr ein besserer Weg über Stock und Stein. Diesen befuhr man bereits vor 1935 mit Motorrädern.

Fahrten im Sommer 1927

Man kann deshalb sehr genau sagen, wann wer "am Großglockner" war, weil es Eintragungen im Hüttenbuch gibt:

  • 23. August 1927: Lothar Rübelt, cand. ing. Wien; auf Brough Superior (englische Marke) 680 cm³ und Robert Eberan von Eberhorst, cand. ing. Wien, auf Matchless M 3 S 1 000 cm³ vom Glocknerhaus in 11 min [zum Kaiser Franz Josefs Haus] schreibt Rübelt in seinem Reisebericht.
  • Resi und Cilly, die beiden Angestellten des Kaiser Franz Josef Hauses, sagten auch aus, dass 1927 nur die beiden oben erwähnten Motorräder die Höhe erklommen hätten[1] ;
  • Auch im Sommer 1927 ?: Ernst Dotzler aus Wien auf einer damals bereits zehn Jahre alten Della Frera soll ebenfalls von Heiligenblut kommend bis zum Kaiser Franz Josef Haus gefahren sein. In einem Artikel der Quelle[2] behauptet Dotzler, er sei der Erste dort oben gewesen und hätte Rübelt und von Eberhorst am Rückweg getroffen, die erst im Anmarsch gewesen seien.

Diese Behauptung widerlegt aber Rübelt in einem späteren Artikel, da im "Das Motorrad", Jahrgang 1927, Ausgabe 77, Seite 41, Lothar Rübelt schreibt, dass sein Freund und er nach gelungener Auffahrt (belegt übrigens mit einem Bild) zum Kaiser Franz Josef Haus, den Heimweg nach Wien mit der Tauernschleuse ins Gasteiner Tal antraten. Da Dotzler seinerseits schreibt, auf seinem Heimweg wären drei Motorräder auf dem Schleusenzug gestanden, die beiden von Rübelt und von Eberan sowie seine, hätten sie sich wohl oben beim Großglockner treffen müssen oder zumindest hätte man dort von drei Motorrädern gewusst und nicht, siehe Hüttenbucheintragung, nur von zwei.

  • 1928: Im August fuhr R. Scheibenreiter mit einer BMW 500 cm³ über Heiligenblut bis zum Kaiser Franz Josef Haus. Auf seiner Hinfahrt wohnte er in Radstadt im Hotel Post, auf der Rückfahrt übernachtete er in Werfen im Hotel "Zur Rieseneiswelt" (nicht Eisriesenwelt!). Die Kosten für die Tauernschleuse betrugen damals für das Motorrad vier Schilling und achtzig Groschen, was für damalige Verhältnisse nicht billig war[3].

Fahrten nach 1935

Im Eröffnungsjahr der Großglockner Hochalpenstraßen, 1935, besuchten 5 482 Motorräder die Ausflugsstraße. 1938 waren es bereits 15 951 Motorräder. Auch im 21. Jahrhundert hat diese Straße nichts von ihrer Faszination für Zweiräder verloren. So hat auch die Großglockner Hochalpenstraßen AG (GROHAG) sich darauf eingestellt und beispielsweise auf der Edelweißspitze einen Bikers Point eingerichtet. Die bisher höchste Frequenz an Motorrädern zählte die GROHAG 2013 mit 90 548 Motorrädern. Der Tiefstand nach 1945 war im Jahr 1968 erreicht, als lediglich 2 071 Zweiräder die Straße passierten.

Entwicklung der Zahlen

Jahr Personen PKW Busse Motorräder Fahrräder
1931[4] 21 664 3 290 1 133 403
1935 130 571 19 309 4 174 5 482
1938 374 465 76 138 5 355 15 951
1939 297 242 58 114 4 325 16 962
1941 10 317 923 493 84
1945 1 106 283 15 41
1946 30 278 2 949 586 621
1950 291 135 33 842 5 167 14 528
1955 722 937 127 574 8 162 47 562
1959 987 445 228 372 8 491 26 382
1931 - 1950 8 033 623 1 450 773 112 332 404 245 57 545
1960 1 027 986 246 593 8 897 19 943 1.166
1965 1 087 024 291 287 6 931 5 114 462
1968 960 455 260 069 7 795 2 071 [5]

Daten bis 1959: 25 Jahre Großglockner Hochalpenstraße, die Geschichte ihres Baues, 1960, Springer Verlag Wien,
Die Daten danach wurden einem kopierten Ergänzungsblatt entnommen, das sich in einem weiteren Exemplars dieses Buches fand.

Mit dem Motorrad auf den Großglockner einst und jetzt

Peter Krackowizer hat auf seinen Internetseiten 80 Jahre Großglockner Hochalpenstraße (Blog) eine zweiteilige Reportage über Mit dem Motorrad auf den Großglockner einst und jetzt zusammengestellt:

Quellen

Fußnoten

  1. Quelle "Das Motorrad", Jahrgang 1928, Ausgabe 82
  2. Quelle "Das Motorrad", Jahrgang 1927, Ausgabe 66
  3. Quelle "Das Motorrad", Jahrgang 1929, Ausgabe 92
  4. 1931 war nur die Teilstrecke Fusch - Ferleiten befahrbar, eröffnet am 15. Juli 1931
  5. ab 1967 wurde für Fahrräder keine Maut mehr erhoben