Rudolf Freisauff von Neudegg

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Rudolf Freisauff von Neudegg d. J., auch Rudolf von Freisauff und Rudolf Freisauff geschrieben[1] (* 21. Mai 1848 in Wien; † 10. Februar 1916 in Salzburg), war Journalist, Chefredakteur des Salzburger Volksblattes und ein bedeutender Salzburger Schriftsteller.

Leben

Rudolf Freisauff von Neudegg zählte zweifellos zu den bedeutendsten Salzburger Persönlichkeiten des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Nicht nur als Schriftsteller und Zeitungsredakteur war er sehr bekannt und produktiv, sondern er wirkte auch aktiv im politischen und kulturellen Leben der Stadt Salzburg mit.

Rudolf Freisauff von Neudegg wurde in Wien als Sohn des Lithographen und späteren Opernsängers Rudolf Freisauff von Neudegg und dessen Ehefrau Antonie, geb. Böheim, geboren. Er entstammte einer von Kaiser Ferdinand II. im Jahre 1631 in den niedrigen Adelsstand erhobenen reichen Salzburger Handelsfamilie, die im 18. Jahrhundert die Schlösser Neudegg im Nonntal und Blumenstein an der Blumensteinstraße sowie die Häuser Judengasse 13 und Waagplatz 2 besaß. 1848, als Rudolf Freisauff d. J. das Licht der Welt erblickte, war allerdings vom alten Reichtum der Adelsfamilie nichts mehr vorhanden, so dass er bereits als Student bittere Not kennenlernte. Daran änderte sich auch nach seiner Eheschließung mit der Ungarin Charlotte Leer 1872, mit der er später fünf Kinder bekam, nichts, da Freisauff als Schriftsteller seiner Familie kein standesgemäßes Leben bieten konnte.

Daher wandte er sich zusätzlich zur Schriftstellerei noch redaktionellen Tätigkeiten zu und fungierte ab 1874 als Herausgeber und verantwortlicher Redakteur der belletristisch-satirischen Zeitschrift Alpenrose, die unter dem Motto "Freies Wort für Alle" erstmals am 20. Juli 1874 erschien. Doch dieses Blatt wurde bald wieder eingestellt, worauf Freisauff vom 2. Oktober 1875 bis zum 15. Februar 1880 die Redaktion der amtlichen Salzburger Zeitung innehatte. Zwei Tage nach seinem Ausscheiden aus der Salzburger Zeitung wurde er Redakteur des Salzburger Volksblattes, für das er 36 Jahre, zuletzt als Chefredakteur, wirkte. Ende der 1890er-Jahre übernahm er zudem für einige Jahre die redaktionelle Leitung der 1888 als Organ zur Hebung des Fremdenverkehrs für Salzburg und Umgebung gegründeten (Salzburger) Fremden-Zeitung.

Da Freisauff mit dem Redakteursgehalt nicht das Auslangen fand, schrieb er sozusagen Tag und Nacht, um sich finanziell über Wasser zu halten. Er publizierte in anderen Zeitungen und in Unterhaltungsblättern Novellen und Gedichte, arbeitete an Reisebüchern mit und verfasste selbst zahlreiche Bücher; Monographien erschienen zum hundertjährigen Jubiläum des Salzburger Theaters (1875), über den Birnbaum auf dem Walserfeld (1877), das erste Salzburger Musikfest (1877), Salzburgs Volkssagen (1880 und 1914), Mozarts Don Juan (1887) sowie die Fürstenbrunner Wasserleitung.

Als geachteter Reiseschriftsteller verfasste Freisauff zahlreiche Fremdenführer, die zum Teil hohe Auflagen erlebten und auch in das Englische und das Französische übersetzt wurden. Unter anderem sind hier folgende Werke zu nennen: "Die Gaisbergbahn bei Salzburg" (1888), "Die Schafbergbahn" (1893), "Von Zell am See nach Krimml. Pinzgauer Lokalbahn" (1896), der "Führer durch Stadt und Umgebung von Salzburg" (1899) sowie "Hohensalzburg und die Festungsbahn" (1901), ein Standardführer, der 1939 bereits seine 16. Auflage erlebte. Zudem verfasste Freisauff einen "Führer durch den Kurort Badgastein" (1906) und schrieb über den "Markt St. Wolfgang am Wolfgangsee" (1911).

Freisauff selbst soll äußerst anspruchslos gelebt haben und trotz seiner eigenen ungesicherten Existenz äußerst gutherzig und hilfsbereit gewesen sein. Der als sehr sympathisch geschilderte Schriftsteller und Redakteur war ein überzeugter Liberaler, der sich, nachdem sich der Deutsch-Nationalismus durchgesetzt hatte, um die Jahrhundertwende völlig von der Politik abkehrte und sich nur mehr kulturellen Aktivitäten zuwandte. Er wirkte in zahlreichen Salzburger Vereinen, zum Beispiel in der Internationalen Stiftung Mozarteum, dem Fremdenverkehrsverein, der Salzburger Liedertafel sowie der Schlaraffia.

Viele Jahre war Freisauff, der auch Ritter des Franz-Joseph-Ordens war, Gemeindevertreter, Presbyter und zuletzt Kurator der evangelischen Pfarrgemeinde Salzburg.

Doch die finanziellen Sorgen begleiteten ihn bis zu seinem Tod am 10. Februar 1916. Laut Hans Glaser d. Ä., dem Besitzer des Salzburger Volksblattes, erlag Freisauff einer "gewollten Medizinalvergiftung".

Quellen

Einzelnachweis

  1. Quelle ANNO, Salzburger Volksblatt, Ausgabe vom 12. Dezember 1895, Seite 2