Glockner-Öko-Fonds

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2013: anlässlich der Feier 20 Jahre Glockner-Öko-Fonds
Dr. Johannes Hörl, Großglockner Hochalpenstraßen AG
LH-Stv. Dr. Astrid Rössler
von links: Dr. Johannes Hörl (Vorstand der Großglockner Hochalpenstraßen AG), LH-Stv. Dr. Astrid Rössler, die beiden Preisträger Dr. Johannes Neumayer und Tobias Schernhammer
Dr. Norbert Winding, Haus der Natur
DDr. Eberhard Stüber

Im Jahr 1993 wurde der Glockner-Öko-Fonds auf Initiative des damaligen GROHAG-Vorstandes DDr. Karl Gollegger und Prof. DDr. Eberhard Stübers, der in der Folge auch über viele Jahre den Vorsitz in der Jury führte, ins Leben gerufen.

Allgemeines

Die Eröffnung des Hauses "Alpine Naturschau" auf knapp 2 300 m ü. A. an der Großglockner Hochalpenstraße, das seit 1989 auch eine alpine Forschungsstation beherbergt, war damals Anlass, die Forschung im Nationalpark Hohe Tauern, insbesondere im Umfeld der Großglockner Hochalpenstraße, durch diesen Fonds zu unterstützen. Gerade kleinere Forschungsprojekte von Studierenden oder jungen Wissenschaftern sollten so ermöglicht werden.

Eine Jury, bestehend aus Vertretern der Wissenschaft, von Naturschutz-Organisationen und des Nationalparks Hohe Tauern, beurteilt jährlich die eingereichten Projekte. Prof. Roman Türk, Mitglied und Präsident des Österreichischen Naturschutzbundes, würdigte die besondere Bedeutung des Glockner-Öko-Fonds, insbesondere für junge Wissenschafter.

In den 20 Jahren konnten so 32 Projekte entweder dadurch, dass sie damit zur Gänze finanziert wurden, oder dadurch, dass zumindest eine erste Startförderung gegeben wurde, umgesetzt werden. Insgesamt wurde somit ein Gesamtförderbeitrag von über 150.000 Euro an die prämierten Förderungswerber ausgeschüttet. Insgesamt hat die Jury über 100 Forschungsprojekte beurteilt.

Die Themenschwerpunkte sind äußerst vielfältig und reichen von Biotopschutzaktionen, zoologisch-ökologischen Bestandsaufnahmen, geologisch-gletscherkundlichen Forschungen bis hin zu biologischen Arbeiten über "Hochgebirgsbewohner" aller Größen (Fliegen, Spinnen, Hummeln, Murmeltiere, Schneehasen u.a.m.) sowie einige Boden- und Vegetationsprojekte.

Förderbetrag auf 20.000 Euro verdoppelt

Für das 20. Bestandsjubiläum 2013 wird der Förderbeitrag verdoppelt, so dass heuer 20.000 Euro an Projekte vergeben werden können. Die Festschrift, die einen Rückblick über 20 Jahre Glockner-Öko-Fonds gibt, wurde mit heutigem Tag den interessierten Gästen und Experten - darunter auch die 2. Landtagspräsidentin Gudrun Mosler-Törnström, LDir Roland Brunhofer, die Bezirkshauptleute Hofrätin Dr. Rosmarie Drexler aus Zell am See und Harald Wimmer aus St. Johann im Pongau, Dekanin Prof. Ulrike Berninger von der Universität Salzburg, Vorsitzende Brigitte Slupetzky des Oesterreichischen Alpenvereins, Sektion Salzburg, Präs. Johannes Bauer vom Österreichischen Alpenclub, Präs. Hannes Minich vom Naturschutzbund Wien, LPDir Franz Ruf, Rot-Kreuz-Geschäftsführerin Sabine Kornberger-Scheuch, Nationalpark-Hohe-Tauern-Dir. Wolfgang Urban aus Mittersill, Biosphärenpark-Dir. Dietmar Rossmann aus Ebene Reichenau/Kärnten, Naturschutzbund-Geschäftsführer Hannes Augustin, SLT-Geschäftsführer Leo Bauernberger, Flughafen-Geschäftsführer Roland Hermann, Zoo Salzburg-Geschäftsführerin Sabine Grebner und etliche Bürgermeister und Wissenschafter - übergeben.

Die Vergaberichtlinien können jedes Jahr unter info@grossglockner.at angefordert werden. Die Einreichfrist läuft jährlich bis 31. März.

Die Projekte

Insgesamt wurden 32 Förderansuchen an den Glockner-Öko-Fonds bewilligt. Sechs davon befassen sich mit der Dokumentation alpiner Vielfalt, also mit der speziellen Tier- und Pflanzenwelt des Hochgebirges.

1994

So hatte 1994 das allererste Projekt um Norbert Winding, Sabine Werner, Leopold Slotta-Bachmayr, Ulrich Hüttmeir und Guido Reiter eine zoologisch-ökologische Grundlagenerhebung im Bereich der Sonderschutzgebiete Gamsgrube und Großglockner-Pasterze zum Ziel. Für den Nationalpark Hohe Tauern ist die wissenschaftliche Erfassung solcher Grunddaten von großer Bedeutung, bilden sie doch die Basis für biologische Langzeitbeobachtungen, die ihrerseits zu den wichtigsten Forschungsaufgaben von Nationalparken gehören. Das Projekt war darüber hinaus eine Pilotstudie zum Thema hochalpine Kulturfolge. Es zeigte sich, dass im Bereich der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe einzelne Vogelarten durch menschengemachte Strukturen wie Gebäude und Mauern begünstigt werden. Insbesondere für Felsenbrüter wie Alpendohle, Schneefink, Mehlschwalbe und Hausrotschwanz bieten menschliche Bauten als nischenreiche „Kunstfelsen“ ein erweitertes Angebot an Brutmöglichkeiten.

Findet man im Hochgebirge wirklich noch unberührte Wildnis? Wo wird die Natur völlig sich selbst überlassen und wo erkennt man Einflüsse menschlichen Handelns? Forschungsarbeiten rund um die Auswirkungen menschlichen Tuns bringen wichtige Erkenntnisse, die eine Grundlage für zukünftige Schutzmaßnahmen bilden können: Über unerwünschte Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur informiert der Forschungsbericht.

1994 versuchte die engagierte Biotopschutzgruppe Pinzgau rund um Hans Kapeller den Stubachtaler Schlosserteich zu pachten, was mithilfe des Glockner-Öko-Fonds auch realisiert wurde. Der Teich wurde so zum wichtigsten Laichgewässer für Amphibien] im gesamten Pinzgau. Seit 1990 betreibt die Biotopschutzgruppe Naturschutz auf privater Basis. Durch das langfristige Pachten von Grundstücken konnten bereits viele Täler im Vorfeld des Nationalparks Hohe Tauern vor Flurbereinigung oder Trockenlegung bewahrt werden.

1996

Hochgebirgsökosysteme sind extreme Lebensräume. Arten, die hier erfolgreich überleben wollen, müssen gut angepasst sein und mit einer sehr kurzen Vegetationsperiode, extremer Kälte im Winter, hohen Temperaturschwankungen im Sommer, starkem Wind und intensiver Sonneneinstrahlung zurechtkommen. Gebirgslebensräume sind auch besonders sensibel gegenüber Veränderungen. Störungen – etwa durch dauerhaft steigende Temperaturen oder durch menschliches Eingreifen – haben daher große Auswirkungen. Die Kenntnis über ökologische Zusammenhänge dieser Lebensräume sind unbedingte Voraussetzung für ihren Schutz. So liefert jede einzelne Forschungsarbeit zu diesem Thema einen wertvollen Baustein für das Verständnis der komplexen Beziehungen dieser Ökosysteme und bildet so die Grundlage für zukünftige Schutzmaßnahmen.

Die Pockhorner Wiesen an der Großglockner Hochalpenstraße sind traditionell bewirtschaftete Bergmähder. Besucher der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe nehmen quasi im Vorüberfahren die üppige Blumenvielfalt wahr, malerisch eingerahmt von Großglockner und Pasterze. Aus der großen Vielfalt der Bergmähder resultieren ebenso vielfältige Wechselbeziehungen zwischen den Blütenpflanzen und den Insekten, die sie besuchen.

Das Projekt von Werner Kreisch aus dem Jahr 1996 befasste sich mit der Bestäubungsökologie der Pockhorner Wiesen und lieferte zugleich Daten für eine öffentlichkeitswirksame Darstellung der ökologischen Zusammenhänge. Als besonders interessant erwies sich die Bestäubungsstrategie des Holunder-Knabenkrautes. Die nektarlose Täuschblume profitiert von ihrer Ähnlichkeit mit dem zeitgleich blühenden Blätter-Läusekraut, das reichlich Nektar anbietet. Die Bestäuber, meist Wildbienen und Hummeln, verwechseln die Blüten einer Art so lange, bis sie gelernt haben, die beiden zu unterscheiden. Doch bis dahin bestäuben sie – ganz ohne Belohnung durch süßen Nektar – auch das Holunder-Knabenkraut.

1997

Im Jahr 1997 waren die Entomologin Maria Schwarz-Waubke und der Entomologe Johann Neumayer entlang der Großglockner Hochalpenstraße unterwegs, um die ökologischen Ansprüche von alpinen Tagfaltern zu untersuchen. Da die Populationen vieler Schmetterlingsarten zurückgehen und vielerorts gefährdet sind, bilden genaue Kenntnisse über ihre Lebensraumansprüche, die Nahrungspflanzen der Raupen und den Blütenbesuch der erwachsenen Falter die Grundlage für ihren Schutz.

1999

Im Mittelpunkt der Projektarbeit von John R. Haslett aus dem Jahr 1999 stand eine kleine Fliege namens Coenosia obscuricula, eine Verwandte der Stubenfliege. Trotz ihrer Häufigkeit in den Hohen Tauern weiß man recht wenig über diese Art und ihre Ökologie. Die Ergebnisse zeigten, dass die Fliegen an ungestörten Plätzen mit gut entwickelter Bodenschicht deutlich häufiger vorkommen als an labilen Flächen, die einer Störung unterworfen waren. Das erklärt sich eventuell aus den Bedürfnissen der Larven, von denen man annimmt, dass sie im Boden leben. Erstaunlich war auch die Entdeckung der Ernährungsgewohnheiten der kleinen Fliege. Hauptsächlich ernähren sich die Zweiflügler von Nektar, den sie den Blüten entnehmen, ohne diese zu bestäuben. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, erbeuten die kleinen Räuber aber auch andere Insekten.

2000

Im Jahr 2000 untersuchte Ulrich Hüttmeir die Annahme, dass Murmeltiere ihr Verhalten dem Tourismus angepasst haben. Rund um die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe sind die scheinbar „zahmen“ Nagetiere eine bekannte Attraktion. Besonders beliebt bei Touristen ist es, die Murmeltiere zu füttern. Profitieren die Murmeltiere etwa von den touristischen Aktivitäten? Um das herauszufinden, beobachtete der Zoologe fünf Murmeltierfamilien auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe sowie fünf weitere Familien in einem nahegelegenen Gebiet abseits der Straße. Um die zusätzliche Nahrungsquelle aus Menschenhand effizient nutzen zu können, sind die Murmeltiere auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe zur gleichen Zeit präsent, in der auch Touristen anwesend sind.

Sie verlegen daher ihren Rückzug in den vor Hitze schützenden Bau vom späten Vormittag auf den frühen Nachmittag. Es stellte sich aber auch heraus, dass sie nicht nur einen anderen Tagesablauf haben als die Tiere der Vergleichsgruppe, sie zeigen auch weniger Scheu vor dem Menschen. Daher können Touristen sehr nahe an die Murmeltiere heran kommen, bevor sie Alarmrufe ausstoßen oder in ihren Bau flüchten. Diese Fluchtdistanz ist bei der Vergleichsgruppe vier Mal größer!

1998 und 2000

In den Jahren 1998 und 2000 beschäftigten sich gleich zwei Studien um Gernot J. Bergthaler mit den Auswirkungen menschlicher Einflüsse auf die Mannigfaltigkeit alpiner Spinnentier- und Laufkäfergemeinschaften im Bereich der Großglockner Hochalpenstraße. Bergthaler untersuchte die Artenverteilung von veränderten Kleinlebensräumen und zog einen Vergleich mit ähnlichen, aber ursprünglichen Landschaftselementen.

Das Ergebnis: In die anthropogen veränderten Lebensräume waren nicht bedeutend mehr Arten aus dem Tiefland vorgedrungen – nach wie vor sind also die klimatischen Bedingungen ausschlaggebend für die Ausbreitung einer Art ins Hochgebirge.

2000

Schneefinken sind typische Hochgebirgsvögel und gehören zu den charakteristischsten Singvogelarten der Hohen Tauern. Im Jahr 2000 wurde von Robert Lindner ein Projekt ins Leben gerufen, das in langfristigen Untersuchungen wertvolle Basisdaten zur Populationsbiologie dieser Hochgebirgsbewohner lieferte. Seit Beginn der Arbeiten wurden in einer Untersuchungsfläche entlang der Großglockner Hochalpenstraße insgesamt 431 Schneefinken gefangen und beringt. Das individuelle Markieren mit farbigen Ringen ermöglicht es, die Tiere gewissermaßen persönlich kennen zu lernen. Die Schneefinken werden so zu Individuen mit einer unverwechselbaren Lebensgeschichte. Erst dieses Wissen bildet den Schlüssel zum Verständnis ihrer komplexen sozialen Beziehungen.

2001

In den letzten zwei Millionen Jahren wurde Europa immer wieder von großflächigen Eisschilden bedeckt. Während dieser Eiszeiten begrub ein mächtiger Eispanzer große Teile der Alpen, die letzte großflächige Eisbedeckung endete vor etwa 12 000 Jahren. Die Gletscher des Alpenraumes waren seit dem Ende dieser letzten Eiszeit zeitweise größer als heute, zeitweise aber auch viel kleiner. Vor rund 8&nbps;000 Jahren beispielsweise war die Pasterze völlig abgeschmolzen. Der letzte massive Vorstoß der Gletscher fand vor etwa 160 Jahren statt. Seit damals sorgen die mehr oder weniger kontinuierlich ansteigenden Temperaturen erneut für das Abschmelzen der Gletscher in zahlreichen Regionen der Erde.

Wie alle Alpengletscher befindet sich auch die Pasterze derzeit in einem markanten Rückzugsstadium. Zwischen 1850, dem Ende der sogenannten „Kleinen Eiszeit“, und dem Jahr 2001 verlor die Pasterze etwa 1 700 Meter an Länge und etwa 150 Meter an Mächtigkeit. Betrachtet man die Klimaänderungen der letzten 160 Jahre genauer, kann man neben der generellen Tendenz zu steigenden Temperaturen auch immer wieder kürzere Zeitabschnitte kälterer Perioden feststellen.

In einem Projekt von Paul Herbst aus dem Jahr 2001 wurde versucht, diese feinen Variationen im Klimageschehen mit den Strukturen des Gletschereises in Beziehung zu setzen. Wie Gesteine bilden auch Gletscher in Bewegung bestimmte Strukturen aus, die sich als Schieferung, Faltungen oder Überschiebungen zeigen. Je nach Gletscherrückzug oder -vorstoß findet man also unterschiedliche Strukturen. Herbst wertete dazu vorhandenes Datenmaterial der letzten 130 Jahre aus und führte zudem eigene Kartierungen durch. In einem zweiten Projektteil entwickelte er ein dreidimensionales Geländemodell, das den Rückzug der Pasterze anschaulich und plastisch darstellt.

2002 und 2004

In den Jahren 2002 und 2004 untersuchte Robert Lindner das Brutverhalten der Schneefinken. Die Vögel leben in festen Paarbindungen. Um sicherzugehen, dass die Weibchen nicht fremdgehen, bewachen die Männchen ihre Weibchen während der Brutzeit akribisch. Es hat sich nun aber gezeigt, dass in jedem vierten Nest zumindest ein Küken gefunden wurde, das nicht vom sozialen Vater gezeugt wurde.

2005

Die Nematodenfauna eines Gletscherbaches stand im Jahr 2005 im Mittelpunkt der Forschungsarbeiten von Ursula Eisendle. Nematoden sind Fadenwürmer. Sie haben die Fähigkeit, extreme Umweltbedingungen zu überdauern, und sind deshalb auch sehr artenreich im Sandersee und im Oberlauf der Möll zu finden. Eisendle konnte eine neue Art beschreiben, zwei Arten konnten erstmals für Europa nachgewiesen werden. Die Ergebnisse des Projektes wurden in zwei internationalen Fachzeitschriften publiziert.

In weiterer Folge war diese Arbeit die Starthilfe für ein vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung bewilligtes Projekt, in dem Eisendle zwei vergletscherte Einzugsgebiete hinsichtlich eventueller Unterschiede ihrer Wasserorganismen untersucht hat. Die ersten Ergebnisse wurden letztes Jahr bei der „Planet under Pressure“-Konferenz in London vorgestellt.

Zwischen 2005 und 2009

Um Aussagen über klimabedingte Schwankungen eines Gletschers zu erhalten, muss sein Verhalten über einen längeren Zeitraum beobachtet werden. In einem Projekt rund um Wolfgang Schöner wurde die Massenbilanz der Pasterze über fünf Jahre hinweg gemessen. Zwischen 2005 und 2009 bestimmten die Glaziologen dazu an zahlreichen Messpunkten Massengewinn oder Massenverlust des Gletschers. Über bestimmte Rechenmethoden konnten sie auf diese Art die Massenänderung des Gletschervolumens im Vergleich zum jeweiligen Vorjahr bestimmen. So betrug zum Beispiel die mittlere Massenbilanz von 2008 auf 2009 genau –1 120 kg/m². Das entspricht einem durchschnittlichen Eisdickenverlust von 1,2 Metern. Mithilfe der gesammelten Daten können die Glaziologen realistische Prognosen der zukünftigen Gletscherentwicklung entwerfen.

In den Jahren 2004 und 2005 führten Schüler der HTL Kapfenberg im Rahmen ihrer Diplomarbeit chemische Eisanalysen am Großglockner durch. Das Ziel ihres Projektes war es, das Gletschereis auf natürliche oder durch den Menschen verursachte Verunreinigungen zu untersuchen. 15 Probenahmestellen lagen im Bereich der Pasterze, eine am Gipfel des Großglockners. Von jeder Stelle entnahmen die Schüler drei Schneeproben, die sie in sterilen Flüssigkeitsbeuteln transportiert und im Labor der Schule chemisch, mikrobiologisch und auf das Vorhandensein von Schwermetallen analysiert haben. Das Ergebnis lieferte eine erfreuliche Erkenntnis: Alle Schneeproben waren sauber und besaßen Trinkwasserqualität. Auch wenn teilweise erhöhte Werte von Arsen oder Ammonium festgestellt wurden, hat keiner der bestimmten Parameter die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung überschritten.

2006

Das Ziel der Studien von Susanne Gewolf im Jahr 2006 war es, die Ausbreitungsstrategien von Gletschervorfeldpflanzen zu untersuchen. Welche Arten sind die ersten, denen es gelingt, auf der eisfreien Fläche Fuß zu fassen? Die Annahme von Gewolf war, dass die Menge an Diasporen ausschlaggebend für die erfolgreiche Ausbreitung einer Pflanzenart ist. Als Diaspore bezeichnet man den Teil einer Pflanze, der ihrer Verbreitung dient – in den meisten Fällen handelt es sich dabei um Samen, Früchte oder Sporen. Damit die von Eis frei werdende Fläche von Pflanzen besiedelt werden kann, müssen Diasporen aus der Umgebung auf die Fläche gelangen.

Und hier gilt: Wer zuerst kommt, wächst zuerst! Das Ergebnis der Studie zeigte, dass nicht nur die Menge an Diasporen den gewissen Startvorteil bringt. Auch Arten mit weniger Diasporen können erfolgreiche Pionierpflanzen sein, wenn sie dafür eine besonders gute vegetative Vermehrung oder viele Nährstoffvorräte in den Diasporen aufweisen. Günstig ist es für die Pioniere auch, über sehr glatte Samenoberflächen mit niedrigem Samengewicht zu verfügen. So ist ihre Ausbreitung über verschiedene Wege gut möglich.

Genetische Untersuchungen an drei Mohrenfalterarten prägten im Jahr 2006 die Forschungsarbeit von Patrick Gros und Thomas Schmitt. Sie sollten dazu beitragen, die evolutionäre Geschichte von alpinen Arten zu verstehen. Die letzten zwei Millionen Jahre der Erdgeschichte waren geprägt vom ständigen Wechsel wärmerer Perioden und kalter Phasen. Diese klimatische Dynamik hatte weltweit große Auswirkungen auf die Verbreitung von Tieren und Pflanzen. Arktisch-alpine Arten beispielsweise waren während der kalten Perioden in ganz Europa weit verbreitet, während sie sich in den warmen Zwischeneiszeiten in die arktischen Regionen oder ins Hochgebirge zurückzogen, waren sie doch an kalte Lebensräume angepasst. Durch die Untersuchung der verwandtschaftlichen Beziehungen der Mohrenfalter konnten die Entomologen zeigen, wie sich die großen Klimaschwankungen auf die heutige Verbreitung alpiner Arten auswirkten. Zudem fanden sie heraus, dass die Populationen einer Art auf der Nord- und der Südseite des Tauernkammes genetisch unterschiedlich sind. Ihre Ansiedlung erfolgte aus unterschiedlichen Richtungen und über den Tauernkamm hinweg gibt es wider Erwarten kaum Durchmischung.

2007 und 2008

Um die weißen Flecken auf der Landkarte der Moosflora im Nationalpark Hohe Tauern zu verringern, ist ein Team um Robert Krisai mit einer umfangreichen Mooskartierung angetreten. Moose verstehen es ebenso wie Flechten, bis an die extremsten Lebensräume des Hochgebirges vorzudringen. Sie bereiten nicht nur den Boden für nachfolgende Blütenpflanzen, sondern erlauben auch wichtige Rückschlüsse auf vorherrschende Umweltbedingungen. Insgesamt erfasste das Forscherteam in den Jahren 2007 und 2008 unglaubliche 1 034 Verbreitungsdaten von Moosen. Alle Daten wurden an die Biodiversitätsdatenbank am Haus der Natur übermittelt.

In einem 2007 begonnenen Projekt untersuchten Thomas Peer und Roman Türk die Bedeutung von Bodenkrusten für die Boden- und Vegetationsentwicklung in alpinen Ökosystemen. Das Untersuchungsgebiet in der Nähe des Hochtor-Tunnels an der Großglockner Hochalpenstraße bot dafür ideale Bedingungen. Die beiden Wissenschaftler konnten zeigen, dass biologische Bodenkrusten im Vergleich zu nackten Böden mehr Humus, Feinmaterial und Nähstoffe anreichern. Sie haben ein höheres Wasserbindungsvermögen, stabilisieren die Böden und fördern so das Wachstum von höheren Pflanzen. Jedoch reagieren Bodenkrusten extrem sensibel auf mechanische Belastungen und brauchen deshalb strengen Schutz.

Aus diesem Glockner-Öko-Fonds Projekt von Thomas Peer und Roman Türk der Jahre 2007 und 2008 konnte das internationale Forschungsprojekt „Bodenkrusten International“ (SCIN) generiert werden. Die beiden Salzburger Wissenschaftler untersuchen gemeinsam mit deutschen, spanischen und schwedischen Kollegen ausgewählte Bodenkrusten an vier unterschiedlichen Standorten in Europa, von der Wüste bis ins Hochgebirge. Ziel der Arbeiten ist ein besseres Verständnis für die biologische Funktion von Bodenkrusten.

2008 und 2009

Für ein besseres Verständnis der Zusammenhänge in alpinen Ökosystemen ist die Analyse dynamischer Prozesse von großer Bedeutung. Der Verlauf jährlicher Populationsschwankungen ist ein wesentlicher Teil dieser Dynamik und in alpinen Lebensräumen noch weitgehend unerforscht. Langzeitbeobachtungen sind deshalb das Mittel der Wahl, fundierte Aussagen zu dieser Dynamik zu treffen. Auch die Auswirkungen des vieldiskutierten Klimawandels können erst mithilfe von Basisdaten aus langjährigen Beobachtungen verstanden werden.

Seit ihrer quantitativen und qualitativen Bestandsaufnahmen der Heuschrecken im Sonderschutzgebiet Piffkar im Jahr 1990 beobachtet Inge Illich alljährlich die Entwicklung ihrer Populationen. Die Daten aus den inzwischen 23-jährigen Beobachtungen bilden die Grundlage für Interpretationen und Prognosen – auch in Hinblick auf den Klimawandel. In den Jahren 2008 und 2009 wurde diese Arbeit vom Glockner-Öko-Fonds unterstützt. Auf insgesamt fünf Probeflächen untersuchte Illich die vier vertretenen Heuschreckenarten. Sie kam zu dem Schluss, dass bei den beobachteten Populationsschwankungen eine Vielzahl von Faktoren eine Rolle spielt: das Bodenklima während des Eistadiums, die Feuchtigkeit während des Schlüpfens, eventuelle Schneebedeckung nach Schlechtwettereinbrüchen während der Larvalzeit sowie frühzeitiges Austrocknen der Vegetation bei extremer Hitze.

Das Liefern langfristiger Daten stand auch im Mittelpunkt der Arbeit von Senta Krause. Nach einer genauen Erfassung der Pflanzenarten in vier ausgewählten Feuchtbiotopen entlang der Krimmler Ache errichtete die Ökologin Dauerbeobachtungsflächen im Bereich des Gebirgsbaches. Die Flächen liefern seither jährlich Ergebnisse, die laufend in das Management des Nationalparks Hohe Tauern einfließen.

In der Arbeit von Katharina Aichhorn wurde ein bereits bestehendes vegetationsökologisches Monitoringkonzept für den Nationalpark Hohe Tauern getestet und evaluiert. Aufgrund der Ergebnisse konnte die Biologin konkrete Verbesserungsvorschläge einbringen, die seither bei der Dauerbeobachtung berücksichtigt werden. Unter Anwendung dieser Optimierung errichtete Aichhorn drei neue Beobachtungsflächen im Sonderschutzgebiet Piffkar, in dem 1989 jede menschliche Nutzung eingestellt wurde. Das bildete die Grundlage für eine langfristige Untersuchung der Auswirkungen dieser Außernutzungsstellung und für eine Beobachtung der natürlichen Schwankungen dieses sensiblen Ökosystems.

2009

Im Zentrum der Untersuchungen von Patrick Gros und Thomas Schmitt im Jahr 2009 stand ein europaweit geschützter Schmetterling. Der Goldene Scheckenfalter kommt in weiten Teilen Europas vor und zeichnet sich je nach bewohntem Lebensraum durch das Ausbilden von verschiedensten Unterarten aus. Über die gesamte Flugzeit des Tagfalters führten die beiden Entomologen Fang-Wiederfang-Studien durch, um seine wichtigsten ökologischen Konstanten zu erforschen. Besonders bemerkenswert: Die Falter überleben mehrere Tage unter einer geschlossenen Schneedecke, ohne Schaden zu nehmen. Darüber hinaus untersuchten Gros und Schmitt den Schmetterling genetisch, um Informationen über seine Verwandtschaft zu anderen Unterarten sowie über seine nacheiszeitliche Besiedlungsgeschichte zu erhalten.

2010

An den Gletscherzungen der ständig zurückweichenden Alpengletscher wurden in den letzten Jahrzehnten immer wieder Holzfragmente und Torfstücke vom Gletschereis freigegeben. Die Funde belegen einerseits, dass die Gletscher über längere Warmperioden hinweg kleiner waren als heute und andererseits, dass es in diesen großen Höhen einst Wälder und Moore gab. In einem Projekt rund um Andreas Kellerer-Pirklbauer konnten 2010 im Gletschervorfeld der Pasterze einige größere Torf- und Holzfunde geborgen werden. Die Ergebnisse einer pollenanalytischen Untersuchung sowie Datierung zeigen, dass die Gletscherausdehnung zwischen 3 530 bis 1 400 v. Chr. wesentlich kleiner war als heute. Das weitere Abschmelzen der Pasterze in den kommenden Jahren wird vermutlich noch mehr organische Reste freilegen, die wertvolle Hinweise zu einer genaueren Entschlüsselung der klimatischen Bedingungen während der letzten 6 000 Jahre liefern.

2011

Wie sich die Veränderungen der Umwelt auf die alpine Bodenfauna auswirken, war Gegenstand der Untersuchungen von Martin Zimmer, der dieses Projekt im Jahr 2011 als Diplomarbeit betreute. Im Hochgebirge ist damit zu rechnen, dass sich die derzeitigen Höhenstufen der Vegetation infolge der Erderwärmung um etwa 500 Höhenmeter nach oben verschieben werden. Welche Konsequenz diese Verschiebung auf die Lebewesen des Bodens haben wird, ist jedoch noch weitgehend unklar. Das Projekt um Zimmer trug dazu bei, Einblick in die Artenzusammensetzung der alpinen Bodenfauna zu erhalten und lieferte Detailkenntnisse zu den Interaktionen zwischen räuberischen Bodentieren und solchen, die sich von abgestorbenem Pflanzenmaterial ernähren.

Die Untersuchungen um Maria Laimer aus dem Jahr 2011 beschäftigen sich mit der Frage, inwiefern sich Ausbreitung und Mächtigkeit des Gletschers auf seine internen Abflussverhältnisse auswirken. Durch die Markierung mit Fluoreszenzfarbstoffen konnte Laimer sowohl den Verlauf der Abflussrinnen als auch die Verweilzeit der Wässer im Kluftsystem des Gletschers bestimmen. Sie verglich ihre Ergebnisse mit Untersuchungen der Pasterze aus den Jahren 1979/80 und stellte fest, dass sowohl Fließgeschwindigkeiten und Verweilzeiten damals bedeutend mächtiger war.

Ein wesentlicher Unterschied der Situation zeigte sich jedoch in der Stabilität der angetroffenen Strukturen. Gletschermühlen, die im Frühsommer als Einspeispunkte ausgesucht wurden, konnten nur wenige Wochen später nicht mehr aufgefunden werden – dafür zeigten sich zahlreiche neue Gletschermühlen an anderen Standorten.

2012

Ein 2012 eingereichtes Projekt von John R. Haslett beschäftigt sich mit der Vielfalt und Strukturierung der Artengemeinschaften von Schwebfliegen in den Hohen Tauern. Genauer gesagt untersucht der Zoologe die Straßensäume der Großglockner Hochalpenstraße, weil er vermutet, dass diese eine ökologische Nische für die Insekten bilden. Die Ergebnisse der Studie liegen noch nicht vor, man darf also gespannt sein.

Die Projekte im Überblick

  • 1994: Zoologisch-ökologische Bestandsaufnahme im Bereich „Sonderschutzgebiet Großglockner-Pasterze-Gamsgrube“ und „Kaiser-Franz-Josef-Höhe“, Norbert Winding
  • 1994: Pinzgauer Biotopschutzaktion. H. Kapeller
  • 1996: Blütenbesucher und Bestäubungsbiologie charakteristischer Pflanzenarten der Pockhorner Wiesen. W. Kreisch
  • 1997: Alpine Tagfaltergemeinschaften (Lepidoptera; Rhopalocera und Hesperiidae) und Zygaenidae auf alpinen Flächen entlang der Großglockner Hochalpenstraße. M. Schwarz-Waubke, J. Neumayer
  • 1997: Erfassung von Feuchtbiotopen und Einrichtung von Dauerbeobachtungsflächen entlang der Krimmler Ache. S. Krause
  • 1998: Die Auswirkung Anthropogener Einflüsse auf die Mannigfaltigkeit Alpiner Spinnentier- und Laufkäferzönosen im Bereich der Großglockner Hochalpenstraße und die Bedeutung für die Fragmentierung von Gebirgsökosystemen. G. J. Bergthaler
  • 1999: Kleine Fliegen auf großen Bergen: Suche nach Schlüsselelementen der alpinen Ökosystemfunktion in naturnahen und veränderten Hochgebirgslebensräumen. J. R. Haslett
  • 2000: Leben zwischen zwei Welten: Habitatnutzung durch Spinnen, Weberknechte, Libellen, Lauf- und Schwimmkäfer im Uferbereich stehender Gewässer. G. J. Bergthaler, E. Traugott
  • 2000: Butterkeks und Schokolade! Wie verändern die Murmeltiere der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe ihr Verhalten unter dem Einfluss von Touristen? U. F. Hüttmeir
  • 2001: Die Pasterze - Eine bewegte Geschichte; Dreidimensionale Entwicklungsgeschichte der letzten 130 Jahre. P. Herbst
  • 2002: Schneefink/Großglockner (Alpinökologische Modellstudie an einem Hochgebirgs-Charaktertier). R. Lindner
  • 2003: Vegetationsbeobachtung im Piffkar (Fuscher Tal): Statistisch begründeter Nachweis von Veränderungen mithilfe von Monitoring. K. Huttegger
  • 2004: Eisanalysen im Großglocknermassiv. M. Gruber
  • 2004: Schneefink/Großglockner (Alpinökologische Modellstudie an einem Hochgebirgs-Charaktertier); Fortführung Projekt 2002. R. Lindner
  • 2004: Gletschermonitoring Pasterze, Zukunftsprognose Pasterze. W. Schöner
  • 2005: Eisanalysen im Großglocknermassiv (Fortführung Projekt v. 2004). S. Tatzl, H. Hammerlindl
  • 2005: Verteilung freilebender Nematoden im Oberlauf der Möll (Glockner-Gruppe – Hohe Tauern). U. Eisendle
  • 2006: Der Schneefink (Montifringilla nivalis) – ein unbekanntes Charaktertier der Alpinzone des Nationalparks Hohe Tauern; (Fortführung Projekt v. 2002). R. Lindner
  • 2006: Fernausbreitung und Diasporenproduktion von alpinen Pflanzen – Ausbreitungsbiologische Untersuchungen im Gletschervorfeld der Pasterze. S. Gewolf
  • 2006: Biogeographische Herkunft von Gebirgsschmetterlingen an der Großglockner Hochalpenstraße am Beispiel unterschiedlicher Mohrenfalterarten. P. Gros
  • 2007: Mooskartierung im Nationalpark Hohe Tauern und seinem Vorfeld. R. Krisai
  • 2007: Die Bedeutung von Bodenkrusten für die Bodenentwicklung in alpinen Ökosystemen. T. Peer, R. Türk
  • 2008: Die Bedeutung der Bodenkrusten für die Boden- und Vegetationsentwicklung in alpinen Ökosystemen. T. Peer, R. Türk (Fortführung Projekt von 2007)
  • 2008: „Der Schneefink“ Hochalpines Langzeit-Populations-Monitoring. R. Lindner
  • 2008: Dynamik von Heuschrecken-Populationen (Orthoptera: Saltatoria) in subalpinen und alpinen Rasen des Nationalparks Hohe Tauern (Österreichische Zentralalpen) von 1990 bis 2007. I. Illich
  • 2009: Ökologische und genetische Besonderheiten des Goldenen Scheckenfalters im Bereich der Großglockner Hochalpenstraße. T. Schmitt, P. Gros
  • 2010: Gletscher- und Vegetationsgeschichte an der Pasterze und in Zentralösterreich im Holozän. A. Kellerer-Pirklbauer
  • 2011: Vergleichende hydrogeologische Untersuchung des Pasterzengletschers – Entwicklung des Abflussregimes zwischen 1979/80 und 2011. M. Laimer
  • 2011: Trophische Interaktionen der subalpinen und alpinen Bodenfauna und ihre Auswirkungen auf Ökosystemprozesse in einer sich ändernden Umwelt. M. Zimmer
  • 2012: Roadside verges of the Glocknerstrasse: Man-made linear landscape structures or a functional ecological corridor for hoverflies (Diptera: Syrphidae) along an altitudinal gradient? J. R. Haslett
  • 2013: Struktur des Blüten-Besuchernetzwerks alpiner Rasengesellschaften. J. Neumayer
  • 2013: Perspektive Hochalpenstraße – nicht nur ein Weg für Menschen? T. Schernhammer

Quellen

  • Presseaussendung am 25. Juli 2013 der Großglockner Hochalpenstraßen AG
  • Festschrift "20 Jahre Glockner-Öko-Fonds" mit freundlicher Genehmigung der wörtlichen Übernahme der Texte von der Marketingabteilung der Großglockner Hochalpenstraße AG