Müllner Steg

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Der Müllner Steg, vom Mönchsberg aus gesehen
Stadtansicht von Kulstrunk, Detail, Müllner Steg
Der Müllner Steg bei Nacht

Der Müllner Steg ist eine Rad- und Fußbrücke, die den Stadtteil Mülln mit der Neustadt verbindet.

Geschichte

Bis Mitte der 1860er-Jahre gab es nur eine einzige Salzachbrücke in der Stadt Salzburg, die Stadtbrücke. Daher wurde über Alternativen nachgedacht. Am 11. Mai 1869 wurde er zuerst als provisorischer hölzerner Steg errichtet. Als nächstes folgte die Steinstiege zum Kai hinunter. Der folgende dauerhafte Steg mit zwei steinernen Pfeilern wurde am 15. September 1878 unter dem damaligen Namen Franz-Carl-Gehbrücke, benannt nach dem Vater von Kaiser Franz Joseph I., eröffnet. Erbaut wurde sie vom Erzherzog-Franz-Carl-Gehbrücken-Verein.

Ähnlich wie beim Makartsteg und beim Mozartsteg befand sich neben dem Steg ein Mauteinnehmerhäuschen, wo die Brückenbenützer einen Kreuzer zu entrichten hatten. Die Brückenmaut wurde bis 1898 eingehoben. Noch bis in die 1980er-Jahre wurde der Müllner Steg von älteren Müllnern und Salzburgern als "Kreuzern-Steg" bezeichnet.

Salzachsteg

Ein Projekt sah die Errichtung eines Salzachsteges in der Verlängerung der ersten Querstraße unterhalb des protestantischen Bethauses vor. Er sollte aus solidesten, zweckmäßigstem Holze erbaut werden, zwei Land- und drei Flussöffnungen (= vier Stützen) erhalten, jeweils mit einer Bahnbreite von 10 Fuß und einer der Flussschiffahrt entsprechenden Höhe des mittleren Flachbogens. Die beiden seitlichen Aufgänge sollten wenige Fuß über den Uferwegen an dieselben anschließen, sodass der Zugang über eine Auftrittsrampe erfolgen kann. Die Brückenbahn sollte durch zwei zusammengesetzte kontinuierlich verzahnte Balken, in welchen die Querträger als Dübel eingreifen, hergestellt werden. Die gewöhnlichen Geländer sollten mit Traggittern verstärkt werden, sodass trotz der großen Spannweite die Festigkeit und Tragfähigkeit eine solche sein sollte, dass im Notfall der Steg auch durch ein leichtes Fuhrwerk benützt werden kann. Als Baumaterial wurde Holz gewählt, da die Herstellung eines eisernen oder Drahtsteges mindestens das Fünffache gekostet hätte als ein solide ausgeführter Holzsteg, der eine Dauer von 20 Jahren haben sollte.[1]

Im Februar 1869 wurde umgehend mit der Anlieferung des Materials begonnen und als die erforderlichen Genehmigungen erfolgt waren, wurden die Bauarbeiten sofort in Angriff genommen. Bereits Anfang April überspannte der Steg die Salzach.

Die Gesamtkosten waren auf höchstens 5000 Gulden veranschlagt, die zu einem namhaften Teil von Unternehmern aus dem technischen Club gezeichnet wurden, zum Teil aber auch durch die Herausgabe von Aktien gedeckt werden sollten. Die Bewilligung zur Erhebung einer Stegmaut in der Höhe von einem Kreuzer von jedem Passanten wurde beschlossen.[2][3]

Die Salzburger Zeitung berichtete am 24. April 1869 wie folgt: Der neue Salzachsteg geht rasch seiner Vollendung entgegen, und soll am 1. Mai dem Verkehre übergeben werden. Er wird mit seinem schönen Bogen und seinem zierlichen Geländer einen recht hübschen Anblick gewähren, und nicht nur eine neue äußerst zweckmäßige und gut situierte Verbindung beider Salzachufer herstellen, sondern auch für Fremde einen empfehlenswerten Standpunkt bieten, um einen um gemein günstigen und wahrhaft malerischen Anblick der Stadt Salzburg zu genießen. Das Bild Salzburgs mit seinen zahlreichen Kirchen, seiner pittoresken Festung und dem Kranz der Berge im Hintergrunde präsentiert sich dem Beschauer vom neuen Salzachsteg aus gesehen in überraschender Schönheit, noch reizender als auf der Eisenbahnbrücke, so dass vorauszusehen ist, dass dies eine der Lieblingspromenaden der Einheimischen und Fremden werden wird, um so mehr da nun mehr auch der nahe Mirabellgarten von der Schwarzstraße aus zugänglich sein wird.[4]

Der Salzachsteg wurde am 1. Mai 1869 eröffnet.[5][6]

Salzachstegverein

Am 12. Mai 1869 wurde der Salzachstegverein von Mitgliedern des technischen Vereines gegründet. Der Vereinszweck bestand in der Finanzierung und der Errichtung eines Steges über die Salzach. [7] Die Einhebung der Brückenmaut wurde vom Salzachstegverein jeweils auf zwei Jahre verpachtet.[8]

Die Generalversammlungen der Aktionäre fanden jährlich von 1870 bis 1877 statt.[9][10][11][12][13][14][15][16]

1877 war das Aktienkapital zurückbezahlt, der Salzachstegverein wurde aufgelöst und wurde der Steg, dessen Erhaltung und das Recht der weiteren Erhebung einer Brückenmaut der Stadtgemeinde Salzburg übertragen. Das Ministerium des Innern erteilte der Stadtgemeinde Salzburg die Bewilligung zur Forteinhebung einer Maut für das Passieren des nunmehr in den Besitz derselben übergegangenen hölzernen Salzachsteges in dem bisherigen Ausmaße von einem Kreuzer per Person auf die Dauer von drei Jahren.[17][18][19][20]

Mehrere Benennungen (1869–1955)

Kreuzersteg

Ab 1871 bürgerte sich für den Salzachsteg die volkstümliche Bezeichnung "Kreuzersteg" ein, weil jeder Passant "1 Kreuzer" als Brückenmaut zu bezahlen hatte. Diese Bezeichnung war, auch nach dem 1898 die Brückenmaut eingestellt worden war, noch bis etwa 1945 gebräuchlich.[21][22][23]

Franz Karl-Steg

Ab 1882 nannte man den Kreuzersteg auch "Franz Karl-Steg" oder "Franz Karl Gehbrücke".[24] [25] Franz Karl von Habsburg, Erzherzog von Österreich war der Vater von Franz Josef I., der zu Gunsten seines Sohnes auf den Thron verzichtet hatte. Die Bezeichnung Franz Karl-Steg war bis 1938 gebräuchlich.[26]

Müllnersteg

Ab 1925 nannte man den Kreuzersteg auch "Müllnersteg".[27]

Ereignisse

1877 Nach einem Bericht des Bauamtes befindet sich der Salzachsteg in einem solchen Zustande, der keinen Anlass zu Besorgnissen gibt. Falls der Bau eines neuen Steges in Angriff genommen würde, wären umfassendere Reparaturen überflüssig. Der Salzburger Gemeinderat beschloss, von einer Rekonstruktion abzusehen und nur die notwendigsten Arbeiten zur Konservierung auszuführen.[28]

Am 6. Mai 1878 wurde der Kreuzersteg nach Starkregen durch die hochgehenden Wogen der Salzach unterspült und teilweise zerstört.[29]

1878 wurde der Kreuzersteg als Holz-Eisen-Konstruktion wieder Instand gesetzt.

1890/1891 bringen die Bewohner der Gstättengasse und von Mülln, Riedenburg und Lehen eine Petition zur Aufhebung der Brückenmaut auf der Franz Karl-Gehbrücke ein.[30][31][32][33]

1893 verweisen mehrere Bewohner aus Mülln, Riedenburg und Lehen in einem Leserbrief an die Redaktion darauf hin, dass die Brückenmaut auf der Franz Karl-Gehbrücke von einem Kreuzer — über einen Zeitraum von 15 Jahren eingehoben — rechnerisch für die Aktionäre mit Zins und Zinseszins ein schönes Kapital von etwa 150 Gulden je Person ergeben habe, während Nichtarbeiter mit 90 Gulden und Arbeiter mit 30 Gulden vergleichsweise ungleich belastet sind. Daher wurde der Gemeinderat neuerlich um eine Reduktion oder Aufhebung der Brückenmaut ersucht.[34]

1898 wurde die Brückenmaut eingestellt.

1924 wurden Piloten am Franz Karl-Steg von Salzburger Pionieren gesprengt.[35]

Am 24. April (25. April?) 1945 wurde der Kreuzersteg bei einem Bombenangriff beschädigt.[36] Zunächst war der Holz-Eisen-Steg am 8. Juli 1945 wegen Baufälligkeit gesperrt, war er ab 4. August nach der provisorischen Instandsetzung wieder begehbar.

1956 wurde der Kreuzersteg durch einen Neubau, den Müllner Steg ersetzt.[37]

Die heutige Brücke wurde anstelle der baufällig gewordenen Vorläuferbrücke 2000 errichtet.

Bildergalerie

weitere Bilder

 Müllner Steg – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki
 Müllner Steg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Weblink

Quellen

  • Salzburgwiki-Artikel über Mülln
  • Salzburg Archiv Band 22, Schriftenreihe des Vereins Freunde der Salzburger Geschichte, Der Müllner Brückenstreit von Thomas Weidenholzer
  • Brettenthaler, Josef: Salzburgs Synchronik, Verlag Alfred Winter, 2002, ISBN 3-85380-055-6


Einzelnachweise

  1. ANNO Salzburger Chronik, 4. Februar 1869, Seite 1
  2. ANNO Salzburger Chronik, 8. Februar 1869, Seite 2
  3. ANNO Salzburger Chronik, 7. April 1869, Seite 2
  4. ANNO, Salzburger Zeitung, 1. Mai 1869, Seite 2
  5. ANNO, Salzburger Zeitung, 1. Mai 1869, Seite 2
  6. ANNO, Salzburger Chronik, 3. Mai 1869, Seite 2
  7. ANNO Salzburger Chronik, 8. Mai 1869, Seite 4
  8. ANNO, Salzburger Zeitung, 8. März 1872, Seite 4
  9. ANNO, Salzburger Zeitung, 28. April 1870, Seite 4
  10. ANNO, Salzburger Zeitung, 11. Mai 1870, Seite 4
  11. ANNO, Salzburger Zeitung, 24. April 1871, Seite 4
  12. ANNO, Salzburger Zeitung, 1. Februar 1872, Seite 4
  13. ANNO, Salzburger Zeitung, 30. Januar 1873, Seite 4
  14. ANNO, Salzburger Zeitung, 31. Januar 1874, Seite 5
  15. ANNO, Salzburger Zeitung, 27. Januar 1876, Seite 4
  16. ANNO, Salzburger Zeitung, 17. April 1877, Seite 4
  17. ANNO, Salzburger Volksblatt, 21. April 1877, Seite 3
  18. ANNO, Salzburger Volksblatt, 12. Mai 1877, Seite 4
  19. ANNO, Salzburger Volksblatt, 17. Mai 1877, Seite 2
  20. ANNO, Salzburger Volksblatt, 16. August 1877, Seite 3
  21. ANNO, Salzburger Chronik, 6. Juni 1871, Seite 3
  22. ANNO, Salzburger Chronik, 13. August 1896, Seite 2
  23. ANNO, Salzburger Chronik, 6. Juni 1871, Seite 3
  24. ANNO, Salzburger Volksblatt, 13. Februar 1882, Seite 3
  25. ANNO, Salzburger Volksblatt, 11. Oktober 1890, Seite 3
  26. ANNO, Salzburger Volksblatt, 20. Juni 1938, Seite 9
  27. ANNO, Salzburger Volksblatt, 14. August 1925, Seite 12
  28. ANNO, Salzburger Volksblatt, 4. September 1877, Seite 3
  29. ANNO, Salzburger Chronik, 7. Mai 1878, Seite 2
  30. ANNO, Salzburger Volksblatt, 11. Oktober 1890, Seite 11
  31. ANNO, (Linzer) Tagespost, 28. Dezember 1890, Seite 14
  32. ANNO, Salzburger Chronik, 4. März 1891, Seite 2
  33. ANNO, Salzburger Volksblatt, 24. Juli 1891, Seite 2
  34. ANNO, Salzburger Volksblatt, 17. Juni 1893, Seite 18
  35. ANNO, Salzburger Volksblatt, 6. März 1924, Seite 5
  36. ANNO, Salzburger Volkszeitung, 24. April 1948, Seite 6
  37. Stadtarchiv Salzburg, Foto vom Neubau des Müllner Steg, 1956