Prangerstutzenschützen Ebenau

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Historische Fahne der Prangerstutzenschützen im Museum im Fürstenstöckl.

Die Prangerstutzenschützen Ebenau sind eine von zwei Schützenvereinen der Flachgauer Gemeinde Ebenau.

Geschichte

Schießen ohne Institutionalisierung als Brauch

Zur historischen Gliederung des Prangerstutzenschützenwesens im Allgemeinen lassen sich fünf Zeitphasen feststellen. Die erste Phase ist jene des Schießens ohne Institutionalisierung als Brauch innerhalb des religiösen und weltlichen Brauchkomplexes. Diese Zeit erstreckte sich bis zum Fürsterzbischof Colloredo, welcher die barocke, prunkvolle und gleichsam „ruinöse“ Feierkultur beendete und damit die Aufklärung in Salzburg Einzug nahm (Generaldekrete von 1785). Die Anfänge der Ebenauer Prangerschützen sind und werden im Dunkeln bleiben, dennoch lässt sich durch die verdichteten Beweise vom Ende des 17. und Beginn des 18. Jahrhunderts eine zentrale Rolle Ebenaus in der Geschichte des Prangerstutzens und der Prangerstutzenschützen nicht in Abrede stellen. Die beiden ältesten real existierenden Stutzen befinden sich im Besitz der Ebenauer, welche – so wie die ältesten Stutzen anderer Schützengesellschaften – in Ebenau hergestellt wurden.

Durch den Zaglau-Stutzen von 1693 und die archivarischen Quellen aus dem Jahre 1714 – wo am „Prangtagumgang ein Zöhrungsdeputat von 2 Gulden und 2 Schilling bezahlt“ wurden – die das erste Ausrücken der Ebenauer Prangerstutzenschützen belegen, sind die Anfänge des Schießbrauches in Ebenau durchaus stichhaltig. Ebenfalls sehr frühe Hinweise auf Prangerstutzenschützenaktivitäten gibt es in Elsbethen (1723), Koppl (1725), Eugendorf (1763) und Thalgau (1770). In Ebenau ist die Aktivität von Prangerschützen mit Stutzen von 1733 bis zu den Generaldekreten im Jahre 1785 durchgehend mittels Kirchenrechnungen belegt. Die nächste Stutzengeneration, über die die Ebenauer verfügen, ist ein Stutzen aus dem Jahre 1771, mit der Aufschrift „Matthias Schauer in Ebenau bei Salzburg“. Dieser Stutzen ist aus Messing und Eisen gefertigt.

1785 wurde durch die Generaldekrete des Fürsterzbischofs Hieronymus Colloredo die barocke Feierkultur beendet. Ein wichtiger Punkt war das Verbot des „Prangens“, des Prunkes, der Umgänge, vor allem zu Fronleichnam und somit auch des Schießens bei allen Gelegenheiten. Damit wurden auch in Ebenau die bis dahin üblichen „Zöhrungsdeputate“ und das Pulvergeld für die Schützen, die durch die vielen Feierlichkeiten ganz beträchtlich waren und von der Kirche beglichen wurden, eingestellt. Aus diesem Grund erscheint die Gründung einer Prangerschützengesellschaft in Ebenau im Jahre 1786 als unwahrscheinlich. Dieses, bis dato falsch angenommene Gründungsjahr, bezieht sich auf ein Vereinsschild, das zum 100-jährigen Schützenjubiläum gestiftet wurde und die Jahreszahl 1886 trägt. Die Vermutung der Korrektur der Jahreszahl von 1896 auf 1886 besteht. Als Garant dafür ist die Fahne von 1926, auf welcher die Jahreszahl 1796 eingestickt ist. Dieses Vereinsschild ist ein Glaskasten mit neun Schützenfiguren, ca. 15 cm groß, welcher vom damaligen Dorfwirt Weiß gespendet wurde und dort noch über dem Schützenstammtisch hängt

Institutionalisierung von Schützengesellschaften/-gilden

Am Ende des 18. Jahrhunderts, die zweite Phase, folgte ein Prozess der Institutionalisierung von Schützengesellschaften/-gilden, nicht zuletzt wegen der finanziellen Loslösung von der Kirche, die bis dahin Pulver, Speis und Trank der Schützen bezahlte. Nach der Aufhebung der strengsten Bestimmungen (Böller blieben weiter verboten) wurden z. B. in Koppl (1792), Ebenau (1796), Anthering (1801), Plainfeld (1800), Faistenau (1804) und Henndorf (1810) lose Schützengesellschaften gegründet. Die 1476 gegründeten Jakobischützen in St. Jakob am Thurn stellen in dieser Zeit (1800) auch auf Prangerstutzen um. Die politischen Machtwechsel, die Verbote des Waffentragens im Zuge der Napoleonischen Kriege zu Beginn des 19. Jahrhunderts und die Angliederung des Erzstiftes Salzburg an das Kaiserreich Österreich beenden diesen Abschnitt im Prangerstutzenschützenwesen.

Etablierung der Schützengruppierungen

Die Etablierung der Schützengruppierungen im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts bildet die dritte Phase. Auch in dieser Zeit haben sich noch mehrere Schützengemeinschaften zusammengefunden (Hof bei Salzburg 1835 und Oberalm 1841). Die 1847 gegründeten Prangerschützen Aigen rüsteten sich 1852 ebenfalls mit Stutzen aus.

In Ebenau finden sich aus jener Zeit Stutzen des Siederbauern (1830) und Kendlbachbauern (1850), welche beide wieder aus Eisen gefertigt sind. Im Ebenauer Museum befindet sich ein weiterer Stutzen aus dem Jahre 1874 des Großpertilbauern aus Messing und Eisen mit der Aufschrift „Anton Schmitzberger in Koppl bei Salzburg“.

Ein Ehrenband belegt die Aktivität im 19. Jahrhundert „Zum Andenken an Peter Schwarz. Durch 50 Jahre Prangerschütz in Ebenau 18571907“. Die Quellenarbeit hat ergeben dass Peter Schwarz auch bereits vor 1857 einen Waffenpass besaß (siehe Verzeichnis aus 1855) und somit Mitglied der Schützen war.

Die Etablierung der Ebenauer Prangerschützen

Die gesetzliche Lage im Neoabsolutismus zwang die Gemeindevorsteher in den 1850er-Jahren zur Beantragung der Ausrückungsbewilligung der Prangerschützen. Diese sind im Landesarchiv erhalten. Nachfolgend befindet sich das Verzeichnis der zwölf Ebenauer Prangerschützen aus dem Jahre 1855.

Zeit während und zwischen den Weltkriegen

Die Zeit während und zwischen den Weltkriegen war im Allgemeinen schwierig. Dennoch fanden sich in Hintersee (1909) und in Vigaun (1923) Männer mit Prangerstutzen zusammen. In dieser vierte Phase fanden im Jahr 1926 die Feierlichkeiten der Ebenauer Prangerschützen anlässlich des 130-jährigen Bestehens statt. Aufgrund dieses Bestandsjubiläums wurde eine neue Vereinsfahne geweiht, wobei das älteste, noch vorhandene Vereinsfoto entstanden ist. Trotz des hohen Vereinsalters sind den Ebenauer Prangerschützen keine älteren Fahnen erhalten geblieben, da hierorts der Brauch vorherrschte, die Vereinsfahne mit der Fahnenmutter zu beerdigen.

Neugründung vieler neuer Prangerstutzenvereine

Die letzte und fünfte Phase, in der wir uns heute befinden, beinhaltet die Neugründung vieler neuer Prangerstutzenvereine sowie die expolsionsartige Ausbreitung des Prangerstutzenschützenwesens, vor allem im Voralpenraum in Salzburg, Bayern und Oberösterreich seit 1950. Gab es vor dem Zweiten Weltkrieg lediglich 16 Prangerstutzenschützengesellschaften, sind nach 1950 37 Kompanien mit Prangerstutzen dazugekommen, davon eine in Bayern und 14 in Oberösterreich. Durch das Verbot des Böllerschießens 1974 im Zuge des Pyrotechnikgesetzes rüsteten Schützengemeinschaften auf Prangerstutzen um. In Ebenau wurde 1956 das 170-jährige Jubiläum gefeiert. Seither gilt das Jahr 1786 als Gründungsjahr. 1967 wurde die noch heute in Verwendung befindliche Fahne geweiht und 1986 feierten die Ebenauer Prangerschützen das 200-jährige Bestehen. Heute rücken die Prangerschützen aus Ebenau zu vielen weltlichen und kirchlichen Anlässen aus. Hier lässt sich feststellen, dass sich vor allem die profanen Anlässe des Schießens stark vermehrt haben. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde lediglich zu sieben Feierlichkeiten geschossen, von denen sechs kirchliche Feste waren. Das einzige weltliche Fest stellte der Geburtstag des Kaisers dar.

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