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Schneegattern

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Lourdeskirche in Schneegattern
Lourdeskirche in Schneegattern
Blick vom Krenwald auf Schneegattern
Schneegattern Blichrichtung von Ost nach West
Denkmal mit Notglocke vor der Kirche in Schneegattern
Notglocke Schneegattern - Erinnerungstafel

Schneegattern ist neben Friedburg und Lengau einer der drei Hauptortschaften der Gemeinde Lengau im Bezirk Braunau am Inn im Bundesland Oberösterreich. Sie grenzt im Süden an das Bundesland Salzburg an die Flachgauer Marktgemeinde Straßwalchen.

Inhaltsverzeichnis

Bauwerke

Kirche Schneegattern

Bis 1923 hatte Schneegattern keine Kirche. In diesem Jahr erwarb der Kirchenbauverein die im Flüchtlingslager in Braunau stehende Holzkirche. Sie wurde in Braunau abgetragen und in der Nähe des Gasthauses Pühringer wieder aufgestellt. Die Notkirche war recht geräumig und bei Sonntagsgottesdiensten sehr stark besucht.

Lourdeskirche

Sie wurde auf Initiative und mit tatkräftiger Mithilfe von Pfarrer Johann Weißengruber nach den Plänen von Architekt Richard Puchner aus Bad Hall erbaut. Bemerkenswert ist, dass die Kirche in einer Zeit größter Not entstanden ist. Von diesen bitteren Jahren der Arbeitslosigkeit kündet eine Glocke am Kriegerdenkmal in der Nähe der Kirche, neben der ein Schürhaken der stillgelegten Glashütte angebracht ist.

Auf einer Marmortafel kann man folgenden Spruch lesen:

  • Notglocke von Schneegattern

„Ich bin ein lauter Zeuge der Arbeitsnot und Pein –
und künd’ der Welt die Sorgen, die hier bei uns verborgen.
Fünfhundert Menschen hungern. Zehn Jahre schon ohn’ Brot. –
Das Leben uns’res Ortes, ist elend jetzt – voll Not.
1936

Die Kirche ist ein dreischiffiges Langhaus mit offenem Dachstuhl. Der Hochaltar zeigt ein mächtiges Kruzifix. Dieses Holzbildwerk stammt von Pfarrer Weißenbrunner. Der linke Seitenaltar bildet eine Lourdesgrotte. Der Pfarrhof wurde gleichzeitig mit Kirche erbaut (um 1936). 1970–71 Restaurierung der Innenkirche und äußeren Kirchenmauern. Turmkreuzsteckung fand am 28. März 1971 statt.

Geschichtliche Notizen

Holztrift in Schwemmbach und Mattig

Städte und Agrargebiete brauchten Holz. Die Wegstrecken dorthin waren oft zu lang und der Transport zu schwierig. Es gab noch keine Eisenbahnen und die Straßen waren zu schlecht. Es gab nur eine Möglichkeit das Holz zu den Absatzgebieten zu transportieren – den Wasserweg. Der Kobernaußerwald liegt weitab schiffbarer Flüsse. So musste ein anderer Weg gefunden werden. Die vielen Täler des Kobernaußerwaldes führen alle kleine Bäche und Rinnsale. Am Südrand vereinen sie sich und fließen der Mattig und schließlich dem Inn zu.

1760 - 1765: Errichtung einer Triftanstalt durch die kurbayerische Regierung; das ermöglichte den Transport von Scheiterholz auf dem Wasserwege. Die österreichische Regierung setzte nach dem Erwerb des Innviertels 1779 das Werk fort.

Es wurden Triftkanäle und Klausen (Wasserspeicher) oder Floßteiche errichtet.

Achbachklause, 1784
Weißenbachklause, 1786
Riedlbachklause, 1802
Schwarzmoosklause, 1882

Triftholzhacker fällten Bäume arbeiteten das Holz auf und schafften es zum Lagerplatz. 1814 wird ihre Zahl mit 60–70 angegeben. Oft erbauten sie sich im Wald am Ufer des Baches kleine Häuser, wo sie mit Frau, Kindern und Vieh lebten. Die Holzhauer bildeten untereinander „Gespannschaften“. Diese besorgten das Einwerfen der Scheiter in den Bach und das Abtriften.

Dei Zeit der Holztrift war im Frühjahr (Waldschneeschmelze), die Schwemmkanäle waren etwa 1,3–1,6 m breit und ca. einen halben Meter tief. Entlang der Kanäle wurde das Holz aufgestapelt. Die Klausen mussten sich stets untereinander verständigen. Sie durften ihre Schleusen nur abwechselnd öffnen. Mit dem Schwemmwasser musste gespart werden. Das Einwerfen musste rasch vor sich gehen. Das eingeworfene Holz konnte man auch nicht sich selbst überlassen. Entlang der gesamten Schwemmstrecke waren Scheitertreiber aufgestellt. Sie regulierten mit einer etwa 3 m langen Stange, an deren Ende ein eiserner Haken (= Griaßbeil) angebracht war die Trift. Bei Dietfurt, unweit Braunau, befand sich in der Mattig ein großer Rechen, der die Scheiter auffing. Hier wurde das Holz aus dem Wasser gezogen und im „Holzgarten“ aufgeschichtet und vermessen.

Reparaturen der Klausen, Wehren und Schwemmkanäle verursachten hohe Kosten. In Spitzenjahren betrug die jährliche Triftmenge bis zu 75nbsp;000 Raummeter Holz.

Das Ende der Holztrift kam 1887 mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Steindorf - Braunau mit Industriebahn nach Schneegattern. Es kam zur Errichtung des Holzplatzes zur Beladung.

Nach der Hochwasserkatastrophe 27. bis 29. Juli 1897 wurde die immer noch ausgeübte lokale Holztrift im Raum Schneegattern aufgegeben. Anstelle wurde eine Waldbahn in das Riedl- und Weißenbachtal gebaut. Heute erinnert nur mehr der Name des Baches an die ursprüngliche Nutzung. Seit jener Zeit heißt er Schwemm-, Scheiter- oder Triftbach.

Industrieort Schneegattern

Besiedlung dieses Teiles der Gemeinde erfolgte verhältnismäßig spät. Der Wald, das nasse Tal und das raue Klima haben dazu beigetragen.

Der ursprüngliche Name „Weißenbach“ kommt erstmals 1363 vor. Namensänderung auf „Schneegattern“ am 29. März 1910 laut Kundmachung der k. k. Statthalterei in Linz wegen der Häufigkeit des Namens in Österreich.

Schneegattern ein alter Industrieort: Schon Ende des 16. Jahrhunderts (ca. 1589) soll es in Höcken eine Farbenfabrik gegeben haben. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts sollte eine kurfürstliche bayrische Rohrschmiede für Musketen und Pistolen geplant gewesen sein, die aber nicht errichtet wurde.

Damals tauchten erste Pläne zur Errichtung einer Glashütte auf.
1732: Vorhaben von Johann Wolfgang Schmauß und zwanzig Jahre später Ing. Oberleutnant Ritter von Groth von Groote.
1760 suchte Jakob Hulz und 1771 Franz von Rauschenfels um Genehmigung zur Errichtung einer Glashütte an.
1870 Errichtung eines Dampfsägewerkes, das bis 1907 von der Firma Brüll geführt wurde. Was während der bayrischen Zeit nicht realisiert wurde, kam bald, nachdem das Innviertel österreichisch wurde zustande.

Anton Hauer, früherer Glashüttenmeister beim Stift Schlägl, war der Erbauer und erster Besitzer der k. k. priv. Glasfabrik in Schneegattern. Im 19. Jahrhundert hatte die Glasfabrik verschiedene Besitzer.

1836: Brand der Fabrik
1874 verlegte man die Betriebsstätte vom heutigen Ortsteil „Alte Hütte“ in den südlichen Ortsteil. Die Öfen wurden auf Gasfeuerung umgestellt.
1891 wurde ein zweites Gebäude gebaut.
1920 waren vier Öfen, davon drei Hafenöfen mit je zwölf Hafen in Betrieb. 800 Beschäftigte fanden Arbeit.
Am 4. Dezenber 1924 wurde der gesamte Betrieb stillgelegt.

Während der Wirtschaftskrise der 1920er-Jahre wurde die Glasfabrik in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1926 wurde ein neuer Anlauf der Glashütte genommen, jedoch mussten nach 20 Arbeitswochen die 400 eingestellten Arbeiter neuerlich entlassen werden. Ein weiterer Versuch dauerte von 1929 bis 1932. Export bis Indien und Balkan.

Ab 1932 herrschte große Arbeitslosigkeit. Fabriksanlagen wurden vernachlässigt, Schneegattern wurde zum Notstandsgebiet.

1938 Anschluss ans Deutsche Reich: Umstellung von Glasfabrikation auf Metallindustrie für die Rüstung. Inbetriebnahme im Herbst 1940 – 600 in- und ausländische Arbeiter stellten Granathülsen her.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging man rasch wieder zur Glasfertigung über. Mehrmalige Rückschläge in der Glasindustrie infolge Absatzkrisen bis heute. In den 1960er und 1970er Jahren gab es ein Wechselbad der Gefühle. Große Geldschwierigkeiten 1966, 1967 und1968. Keine Weihnachts- und Urlaubsgelder. Das Gespenst der Schließung war allgegenwärtig. 1968 konnten die Löhne nicht mehr ausbezahlt werden. Der Aufsichtsrat erklärte den Ausgleich. Dieser wurde abgelehnt. Mit 29. Jänner 1968 standen 430 Arbeiter auf der Straße.

Die oö. Landesregierung verhandelte mit Prokurist Claus Josef Riedel (Tiroler Glashütte). Es kam zu einer neuen Glashütte, deren Grundsteinlegung am 26. Juni 1968 erfolgte. Kurt Wokan gab großes Eröffnungsfest für alle Schneegatterer am 5. Oktober 1968. Die alte Glashütte soll nun Ingrid-Hütte Austria Schneegattern heißen.

Arbeitskämpfe – Einführung der 43-Stunden-Woche. Ein dreimonatiger kostspieliger Arbeitskampf folgt.

1971 errichtet Wokan eine dritte Halle.

1973 – weltweite Ölkrise Wokan baut eine Fabrik in Portugal-billige Arbeitskräfte. Die Auftragslage in Schneegattern wurde immer schlechter. Im Jänner 1976 musste die Ingrid-Hütte ihre Tore schließen und Konkurs anmelden.

Direktor Hantich nahm am 18. Februar 1976 mit einer Pachtgesellschaft den Betrieb wieder auf. 1977 wurde die Kaufabsicht durch Einspruch Wokans zunichte gemacht. Die Pachtfirma resignierte und kaufte in Regen (Bayerischer Wald) eine Glashütte und produzierte auch in Uttendorf. Am 16. Dezember 1977 Glashütte wird wieder an Wokan übergeben. Er kann aber den Betrieb nicht wieder aufnehmen. Er hatte keinen finanziellen Mitteln mehr.

"Die Drehscheibe" als Treffpunkt in der Krise

Schneegattern wurde von der Wirtschaftskrise in den 1930er Jahren besonders schwer getroffen. Waren im Jahr 1920 über 800 Personen in der dortigen Glasindustrie beschäftigt, so wurde bereits zu Weihnachten 1924 der letzte Glaserzeugungsbetrieb eingestellt. Der Ort wurde dadurch im eine große Notlage gestürzt. Nicht wenige mussten Betteln, um überleben zu können. Im Jahr 1925 wanderten 16 Familien deshalb nach Griechenland aus, kehrten allerdings nach einigen Monaten ärmer als zuvor zurück, weil sie vor der Ausreise ihr Hab und Gut für die Reisekosten verkauft hatten. In der Krisenzeit versammelten sich die Arbeitslosen regelmäßig bei der Drehscheibe", einem Platz in der Ortsmitte von Schneeggattern. Hier wurde diskutiert und beraten, man kam aber auch einfach nur zusammen, um die Ausweglosigkeit gemeinsam besser ertragen zu können. Seither wird die "Drehscheibe" als legendärer Platz angesehen.

Die Tradition der Glaserzeugung wird heute wieder von der Firma Riedel Glas fortgeführt.

Besonders vor der Errichtung der Kobernaußerstraße (1980) war Schneegattern in mehrfacher Hinsicht sehr an die Region Salzburg ausgerichtet. Dies betraf die Arbeitsmöglichkeiten, Ausbildung, Krankenhaus- und Facharztversorgung, Einkauf und kulturelle Bereiche.

Bewohner aus Schneegattern für religiöse Überzeugung hingerichtet

In Schneegattern, im hinteren Weißenbachtal wohnte Adolf Zierler (* 16. März 1917). Er arbeitete als Holzknecht und gehörte den Zeugen Jehovas an. Er wurde als Wehrdienstverweigerer in Berlin-Plötzensee am 15. Dezember 1939 wegen Wehrzersetzung hingerichtet.

Salzburgbezug

Salzburger Persönlichkeiten aus Schneegattern

Bilder

  Schneegattern – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Weblinks

Quellen

  • digitale Landesbibliothek Öberösterreich
  • Aufstellung über die Geschichte von Schneegattern von Oberschulrat Adolf Falb, Friedburg