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Großglockner Skirennen

Zwischen Adlersruh (links) und den beiden Glocknergipfeln (rechts) führte die Abfahrt über das Hofmannskees

Das Großglockner Skirennen war ein Abfahrtslauf im Bereich des Großglockners, das von der Adlersruhe hinunter zur Pasterze führte.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Philosophie

Einer der Gründe, weshalb sich der Salzburger Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl in den 1920er-und 1930er-Jahren so vehement für den Bau der Großglockner Hochalpenstraße eingesetzt hatte, war die Vision der Errichtung eines Skizentrums in der Glocknergruppe. Dieses sollte mit der neuen Straße erschlossen werden[1]. Denn ursprünglich plante der Landeshauptmann nicht, die heutige Straßenführung zu realisieren, sondern eine wesentlich kürzere und direktere Route zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe (siehe Variantenstreit der Großglockner Hochalpenstraße).

Er erkannte, dass in der damaligen Wirtschaftsrezession die Ankurbelung des Fremdenverkehrs (wie schon 1922 mit den ersten Salzburger Festspielen) ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor wäre. Und man kann seinen Intentionen auch entnehmen, dass er ursprünglich auch gar nicht Kärnten daran partizipieren hätte lassen wollen.

Dass es aber dann zwischen 1935 und 1949 zu internationalen Skirennen vom Großglockner herunter gab, war eine Kombination der 1935 eröffneten Großglockner Hochalpenstraße und des Kärntner Skipioniers Albert Bildstein.

Die Rennen

Bildstein hatte schon seit 1930 die Idee eines Skirennens vom Großglockner herunter, genauer gesagt von der Adlersruhe. Der erste Versuch wurde dann aber vom Salzburger Skilehrer Hannes Schroll 1932 realisiert. Schroll lebte in Heiligenblut und veranstaltete vom Hochtor einen Abfahrtslauf bis zur alten Glocknerhausstraße. Für die über 1 000 Höhenmeter und sechs Kilometer lange Rennstrecke benötigte der Sieger 7:16 Minuten.

Zu Pfingsten 1933 waren dann 60 Rennfahrer am Start. Diesmal ging es schon von der Adlersruhe hinunter zur Pasterze: eine 1 200 Höhenmeter überwindende, relative steile Strecke. Danach bemühte sich der Wintersportverein Heiligenblut, dass dieses Rennen in den damals vier Veranstaltungen umfassenden "internationalen Abfahrtsrennen-Sportkalender" aufgenommen wurde.

Pfingsten 1935 war es schließlich soweit: neben dem Lauberhorn-, Hahnenkamm-, Kandahar- und Westenpokal-Rennen gab es einen Großglockner Abfahrtslauf. 120 Skirennläufer standen am Start, der Rundfunk übertrug von drei (!) Positionen aus das Rennen direkt. In Zeitungen war die Rede von der schwierigsten Skirennstrecke der Welt. 2 000 Schlachtenbummler waren angereist. Der Großglockner rückte in den Mittelpunkt des Weltinteresses. Gletscherspalten und gefährliche Abgründe waren mit Seilen abgesperrt, die ursprünglichen Bedenken, dieses Rennen sei ein Wagnis, waren rasch vergessen. Nachdem die Teilnehmer mehrere Stunden bis zum Start hinaufgestiegen waren, ging es gut drei Kilometer bergab, zum Teil über den Hofmannsgletscher, die schwierigste Passage. Bei herrlichem Wetter fuhr Friedl Pfeifer vom SC Arlberg mit 2:51 Minuten die beste Zeit und war neun Sekunden schneller als sein Clubkamerad Rudi Matt. Die Salzburger spielten keine Rolle. Bester wurde Rudolf Hauser als 20. Kleines Trostpflaster: Willy Schweitzer (SC Salzburg) war Schnellster in der Altersklasse. Und Käthe Lettner durfte als Vorläuferin starten – eine Damenklasse war nicht ausgeschrieben, man hatte Angst, die Strecke würde für die Damen zu schwer sein.

1937 fand das dritte Glockner-Rennen statt. Der junge Innsbrucker Hubert Hamerschmidt gewann[2].

Es folgten weitere Rennen in (wetter- und kriegsbedingt) unregelmäßigen Abständen, bevor der Wettbewerb zu Pfingsten 1949 zum letzten Male im Rahmen des internationalen Kalenders stattfand. Vor 8 000 (!) Besuchern feierte Hans Senger aus Heiligenblut mit einem Streckenrekord von 2:46,5 min den Sieg. Das entsprach einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 80 km/h.

Glockner-Rennen gab es nach 1949 noch bis 1967, ehe sie von Langlauf-Rennen auf der Pasterze (1974 bis 1985) abgelöst wurden.[3]

Erwähnenswert

1949 wurde die Rennpiste noch von den Skirennläufern selbst präpariert. Und es fand während ihres eigenen einwöchigen Trainings statt! Auch ihre "Brettln" trugen sie selbst von der Pasterze hinauf zur Adlersruhe – jedes Mal 1 200 Höhenmeter, wofür sie im Schnitt zwei Stunden benötigten. Und ihre Ausrüstung mussten sie auch noch selbst organisieren – wer Glück hatte, bekam mal ein Paar Ski von einem Ausrüster geschenkt.

Quellen

Einzelnachweis

  1. eine weitere ursprünglich von Rehrl stammende Idee war, dass diese Straße zur Errichtung einer riesigen Tauernkraftwerkgruppe von jenen Betreibern gebaut und bezahlt werden sollte; dann hätte sie später vom Land Salzburg ohne Kosten übernommen werden und neben der Ausflugsstraßenfunktion auch für das Skigebiet als Zubringer dienen sollen; aber aus all diesen Ideen wurde nichts; siehe Großglockner Hochalpenstraße Baugeschichte
  2. Quelle Bilder-Welt, 8. Jahrgang 1937, Nr. 12 vom 27. Juni
  3. Joachim Glaser: 1935: Als Buwi Bradl noch "Pradl" hieß, SN 8. Juni 2015