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Schloss Sighartstein

Wappen beim Schlossparkeingang
Blick vom Tannberg: Neumarkt, Schloss Sighartstein, Schafberg im Hintergrund
Schloss Sighartstein im Winter, westliche Ansicht
Schloss Sighartstein West-Panorama-Ansicht

Schloss Sighartstein ist ein unter Denkmalschutz stehendes Schloss im gleichnamigen Stadtteil der Flachgauer Stadt Neumarkt am Wallersee.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Schloss wurde 1297 erstmals urkundlich erwähnt, als Eckart von Tann das Gebäude dem Zisterzienserkloster Raitenhaslach übergab. Durch Tausch kamen diese Güter 1340 wieder an die Familie zurück. 1372 erwarb der Salzburger Fürsterzbischof Pilgrim II. den Hof. Ab Mitte des 15. Jahrhunderts war das Schloss an die Innviertler Familie Uiberacker verliehen. Virgil Uiberacker hatte um 1450 „dy Veste gen dem Sigharczstain in dem Grunt des Hofs zu Sigharting new gepawet“. Am 29. Juni 1452 wurde die Schlosskapelle von Georg von Uiberacker, dem damaligen Bischof von Seckau, dem hl. Sigmund und der hl. Helena geweiht.

Am 31. Mai 1541 erneuerte Kaiser Karl V. in Regensburg die Hofmarksrechte (niedere Gerichtsbarkeit) und Freiheiten von Sighartstein. Das damals dreigeschoßige Schloss war über eine Stiege durch die um das Schloss aufgeworfenen Schanzen erreichbar. Die Ringmauer wurde 1585 mit Plattensteinen gedeckt. Gleichzeitig wurde der Hof aufgeschüttet, um 1589 Kirche und Torhaus erbauen zu können. Ein „Gatter“ als Hofmarksgrenze ist seit dem 15. Jahrhundert belegt, und dies war die Voraussetzung für die Erhebung in den Freiherrenstand (1669) und später in den Grafenstand (20. April 1688). Mit der Reichsfreiung war das Recht verbunden, dass der Inhaber der seit 1444 bestehenden Taverne (heute Schlosswirt Sighartstein) „in Österreich nach Wein fahren und denselben unter dem Reifen verkaufen durfte“.

Wolf Max Uiberacker, k.u.k. Generalfeldwachtmeister im Spanischen Erbfolgekrieg, ließ das Schloss 1714 in wesentlichen Teilen erneuern und gab dem Schloss sein heutiges Aussehen. Weitere Baumaßnahmen sind für 1720, 1736/37 und 1792 belegt. Dabei wurde auch das Torwächterhaus überbaut, auch sonst wurde dadurch der spätmittelalterliche Schlossbau wesentlich verändert. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde gegen Osten eine Raumtiefe bis über die bis dahin frei verlaufende Ringmauer eingefügt, die durch eine Terrasse abgeschlossen wird. Ein Brunnen im Vorhof mit der Statue des hl. Sighart stammt aus dem Jahr 1893, eine Steinstatue des hl. Johannes Nepomuk am Burghügel aus dem 18. Jahrhundert.

Die Hofmarksrechte wurden von Fürsterzbischof Sigismund III. Christoph Graf Schrattenbach 1754 erneuert, 1820 aber von der Herrschaft auf- und an die Gemeinde Neumarkt übergeben.

Die Familie Uiberacker besaß das Schloss bis zu ihrem Aussterben im Jahr 1964. Damit waren sie das älteste Landadelsgeschlecht Salzburgs.

Auf Schloss Sighartstein waren im Laufe der Jahre zahlreiche historische Persönlichkeiten wie Königin Maria Theresia, Wolfgang Amadé Mozart, Napoleon Bonaparte, Arturo Toscanini oder die Opernsängerin Maria Callas zu Gast.

Gebäude und Park

Der kastenförmige Bau liegt auf einer kleinen Erhöhung im östlichen Stadtgebiet von Neumarkt nahe der Wiener Bundesstraße (B 1). Die Anlage ist von einem Parkgelände umgeben. Das Hauptgebäude ist dreistöckig und nach außen hin Spätbarock, im Kern jedoch spätgotisch.

Im Erdgeschoss befinden sich u. a. im Westen und Norden fünf Zimmer, deren flache Spiegeldecken alle gleichartige Stuckdekorationen vom Anfang des [[18. Jahrhundert]s (um 1714) aufweisen. Im Speisezimmer im Südwesteck steht ein Kamin in schöner profilierter Umrahmung aus rotem Marmor, um 1714. Über eine steinerne Treppe, die im oberen Verlauf mit schmiedeisernem Geländer, um 1714, versehen ist, gelangt man in den ersten Stock. Im Vorraum findet man alte Waffen und Rüstungen. Weitere Zimmer haben flache Spiegeldecken in gleicher Art mit Band- und Rankenwerkrahmen stukkiert wie die im Erdgeschoß (um 1714), nur reicher ausgestattet. In den beiden Eckzimmern im Südwesten und Nordwesten befinden sich je ein Kamin in roter Marmorumrahmung wie im Erdgeschoß (um 1714). Über eine weitere Stiege gelangt man in den zweiten Stock, dessen kleine flachgedeckte Zimmer nichts Bemerkenswertes aufweisen. Der oberste Stock des Schlosses war früher dem Personal vorbehalten und ist daher schlicht gebaut.

 
Gemälde im Schloss.

Die vorhandenen Gemälde sind alle Öl auf Leinwand, u. a. Portraits von

  • Kaiserin Maria Theresia, in ganzer Figur thronend, in goldgesticktem, rosafarbigem Kostüm, mit hermelingefüttertem Goldbrokatmantel; um 1750, im ersten Stock;
  • Fürsterzbischof Andreas I. Jakob Graf Dietrichstein in Spitzenchorrock, roter Rochette, mit einem Briefe in der Hand, oben rechts sein Wappen, um 1750, im ersten Stock;
  • Fürsterzbischof Sigismund III. Christoph Graf Schrattenbach in einem Lehnstuhl thronend, im Chorrock, mit Hermelinrochette und großem Pektorale, um 1760, im ersten Stock
  • Alte Dame in Witwentracht und das Wappen der Ritter von Haunsperg, erste Hälfte des 17. Jahrhunderts, im ersten Stock
  • Spitzbärtiger Mann in gelbem Koller, mit Helm und Regiment in den Händen; oben Inschrift: Wolff Caspar von Uberäckher .. Hochfürstl. Saltzburg. Camer Rath, Landtman, bestelter Landtobrister auch Pfleger zu Alt und Liechtenthan dan des Marckhts Neumarkhts ... 1666
  • In gemaltem Oval, Wolfgang Maximilian Graf Uiberacker, älterer Herr mit grauer Allongeperücke, in Harnisch, mit rotem Mantel und Regimentstab. An der Brust an rotem Bande ein Fürstenporträtmedaillon in gekrönter Fassung. Links das Wappen der Grafen Uiberacker. Um 1720.
  • Maria Clara Gräfin Uiberacker, geborene Freiin von Geböck auf Sulzenmoos und Arnbach, ältere Dame in weißem Goldbrokatkostüm mit rotem Mantel. Rechts

das Wappen der Freiherren von Geböck, um 1720.

Weitere Einrichtungsgegenstände sind eine hohe Standuhr mit Holzgehäuse mit Intarsiabandwerk und geschnitzten Verzierungen. Am Zifferblatt die Firma des Uhrmachers: William Jourdain, London. Gute Arbeit, um 1730 sowie eine Waffensammlung mit Rüstungen und Rüstungsteilen, Helmen, Schilden, Stangen- und Feuerwaffen.

Um die West- und Nordseite des Schlosses verläuft eine Ringmauer. In den Zimmern der unteren Geschoße hängen zahlreiche Porträts der Familie Uiberacker und der Salzburger Erzbischöfe.

Sighartstein ist ein eigenwillig umgebautes Schloss mit barocken Elementen, einem Mausoleum sowie einer auffällig jagdorientierten Einrichtung.

Weitere Besitzer

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts gehörte das Schloss dem ehemaligen Besitzer der Messe Salzburg, Arnold Henhapl, der es 1992 aufwändig sanieren ließ und seit Ende der 1990er-Jahre zum Verkauf angeboten hatte. 15 Jahre lang hatte er versucht, den Besitz zu verkaufen. Nach dem Konkurs von Arnold Henapl hätte am 27. Juni 2012 das Schloss am Bezirksgericht Neumarkt zwangsversteigert werden sollen. Doch es fand sich kein Bieter ein, so dass die Versteigerung abgesagt wurde.

Überraschend wurde dann im Oktober 2012 bekannt, dass eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, die im Mehrheitsbesitz eines Sprosses des Adelsgeschlechts Getschmann-Waldwaldeck ist, das Schloss um drei Millionen Euro erworben hat.

Das 72 089 Quadratmeter große Grundstück ist mit dem Schloss samt Kapelle und Mausoleum, Nebentrakt, Ateliershaus, Wirtschafts-, Lager- und Futteraufbewahrungsgebäude bebaut. Das Inventar der Gebäude hat einen Wert von rund 800.000 Euro. Teile davon stehen unter Denkmalschutz, wie die historischen Kachelöfen, zwei Altäre und eine Orgel. Diese sind an das Objekt gebunden und müssen mitversteigert werden. Der Schätzwert des unter Denkmalschutz stehenden Schlosses beträgt 7,5 Millionen Euro. Das geringste Gebot wurde mit 3,75 Mio. Euro und das Vadium mit 750.000 Euro beziffert.

Florianifeier

Alljährlich im Juni findet im Schlosshof die Florianifeier des Löschzugs Sighartein der Freiwilligen Feuerwehr Neumarkt am Wallersee statt.

Wintersonnwendfeuer

Von 2013 bis 2018 veranstalteten die Oldtimerfreunde Neumarkt am Wallersee zur Wintersonnenwende einen Weihnachtsmarkt mit Sonnwendfeuer.

Bilder

  Schloss Sighartstein – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Weblink

Quellen