Heinrich Damisch

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Professor Heinrich Damisch (* 4. Dezember 1872 in Wien; † 8. Juni 1961 in der Stadt Salzburg)[1] war ein Journalist.

Leben

Heinrich Eduard Maria Damisch war der Sohn des k.k. Hauptmanns Heinrich Damisch und seiner Frau Emanuela Maria Julia, geborene Prochaska. Die langjährige Direktorin des Wirtschaftskundlichen Bundesrealgymnasiums Salzburg Dr. Edith Damisch (* 1922; † 2015) ist beider Tochter. Er war einer der Wegbereiter und Mitbegründer der Salzburger Festspiele. Er war 1913 Gründungsvorstand der Akademischen Mozart-Gemeinde Wien, welche 1963 an seinem Wohnhaus in der Aigner Straße 43 eine Gedenktafel enthüllte. Am 1. August 1917 gründete er gemeinsam mit Friedrich Gehmacher den Verein Salzburger Festspielhaus-Gemeinde. Diese war zunächst Forum für Idealisten, die von einem Mozartfestspielhaus in Salzburg träumten, die in Kriegs- und Nachkriegszeit dafür Spenden auftrieben, die eine Zeitschrift herausgaben und erste Subventionen besorgten. Ab 1920 war sie Veranstalterin der Salzburger Festspiele. Das idealistische wie organisatorische Fundament dafür hatten Heinrich Damisch und Friedrich Gehmacher gelegt. Weil ihnen der Glamour der Künstler fehlte, werden sie nie als Gründerväter bezeichnet. Dieser Titel wird Max Reinhardt, Hugo von Hofmannsthal, Franz Schalk und Richard Strauss zuerkannt, obwohl diese erst ein bis drei Jahre nach Gründung der Festspielhausgemeinde in deren Organisation eingebunden wurden, nämlich als Mitglieder des Kunstrats.

In gewisser Hinsicht ist es lindernd, Heinrich Damisch zu vergessen. Denn er hat die Welt nicht nur in Richtung Mozart, Kunst und Festspiele gedreht, sondern er war auch frühes Mitglied der NSDAP, hat für die „Deutsch-österreichische Tageszeitung“ (DÖTZ) geschrieben, die zunächst – sie erschien ab 1920 – deutschnational war, dann immer mehr zum Sprachrohr der österreichischen Nationalsozialisten mutierte und als solches 1933 verboten wurde. Der Historiker Gert Kerschbaumer bezeichnete im Buch Begnadet für das Schöne (verfasst mit Karl Müller, Wien, 1992) Heinrich Damisch als "ideologischen Wegbereiter des Anschlusses und des Judenpogroms, einen Antisemiten". Damisch publizierte ab 1938 Artikel wie "Die Verjudung des österreichischen Musiklebens", er forderte 1938 für Salzburg ein Westfestspielhaus mit Blick auf den Obersalzberg, und Gauhauptmann Albert Reitter soll ihn für "seine nationalsozialistisch kämpferische Einstellung für die Reinhaltung deutscher Kunst" gelobt haben.

Nach dem Verbot der "DÖTZ" war Heinrich Damisch Mitarbeiter des Hetzblattes "Der Weltkampf. Monatsschrift für völkische Kultur und die Judenfrage in aller Welt." Nur ein Auszug aus dem Artikel: "Die Verjudung des österreichischen Musiklebens":

"Zu den stärksten Demütigungen des arischen Geistes nach dem Weltkriege gehörte die Imprägnierung der Musik mit den verschiedenen Formen des Jazz mit seinen negroiden Rhythmen und den dem Judenohr besonders angenehmen Nasalinstrumenten. In dieser Niggermusik konnte sich das artsverwandte Judentum völlig ausleben (...)."[2]

Doch Heinrich Damisch, der am 11. August 1922 Mitbegründer der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik war, in der Geschichte der Salzburger Festspiele verschämt zu verschweigen, wäre unangemessen. Denn mit der Erinnerung an ihn könnte auch das Wissen um einen Zusammenhang schwinden: Die Geschichte der Salzburger Festspiele ist ohne den Nationalsozialismus nicht denkbar – als Widerstand gegen den Nationalsozialismus in den 1930er-Jahren und als Instrument für den Nationalsozialismus von 1938 bis 1945. Und ließe man Heinrich Damisch als Persona non grata außer Acht, müsste man Gleiches mit Wilhelm Furtwängler, Herbert von Karajan, Clemens Krauss und Karl Böhm tun. Und so wie diese vier war auch Heinrich Damisch ein unermüdlicher Wegbereiter dessen, was Salzburg weltberühmt gemacht hat: Mozartstadt und Festspielstadt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde über Damisch kein Beschäftigungsverbot verhängt, im Zuge der Entnazifizierung wurde er als minderbelastet eingestuft. Nach 1945 war er in der Internationalen Stiftung Mozarteum aktiv. Vor allem setzte er sich dafür ein, dass die nach einem Bombenangriff übrig gebliebene Hälfte von Mozarts Wohnhaus nicht abgerissen wurde.

Ehrungen

Die Internationale Stiftung Mozarteum verlieh Heinrich Damisch am 23. März 1950 die Silberne Mozart-Medaille.[3] Am 25. März 1953 ernannte sie ihn zu ihrem Ehrenmitglied.

1956 wurde ihm die Goldene Medaille der Stadt Salzburg verliehen. Am 8. August 1957 erhielt er das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

Die Heinrich-Damisch-Straße im Salzburger Stadtteil Parsch wurde nach ihm benannt.

Literatur

  • Robert Hoffmann: Wer war Heinrich Damisch? Versuch einer biographischen Annäherung. In: Cornelia Szabó-Knotik, Barbara Boisits (Hg.): Musicologica Austriaca 27 (2008). Jahresschrift der Österreichischen Gesellschaft für Musikwissenschaft 2009, S. 181 – 209.

Quellen

Einzelnachweis

  1. Taufbuch des Feldsuperioriats Wien, Band XIX, S. 71.
  2. Unschärfen - Zur Gegenwart von nationalsozialistischer Vergangenheit in Salzburg
  3. Angermüller, Rudolph und Rech, Géza: Hundert Jahre Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg 1880–1980. Eine Chronik. Kassel (Bärenreiter) 1980, Seite 144.