Kupelwieserschlössl

Aus Salzburgwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Das Kupelwieserschlössl.
Karte
Das Kupelwieserschlössl.
Das Einfahrtsgebäude zum Kupelwieserschlössl.
Das Kupelwieserschlössl.

Das Kupelwieserschlössl oder Konstantinturm, auch Marienschlössl und Staufenblick genannt, befindet sich auf dem Salzburger Mönchsberg und ist im Besitz der Familie Widrich. Es gehört zu den denkmalgeschützten Objekten in der Stadt Salzburg.

Geschichte

Die bei der Richterhöhe stehenden Türme wurden 1367 als Falkenturm und 1380 als Dompropstei-Turm genannt. Sie dürften kurz vorher von der Salzburger Bürgerschaft erbaut worden sein, blieben aber nicht lange in deren Besitz. Erstmals urkundlich erwähnt wird der Bau, als am 23. April 1364 der Zimmermann Wolfhart zusammen mit seiner Frau Elsbeth und der gleichnamigen Tochter die zunächst des Falkenturms gelegene „Peunt“ (damit ist eine eingezäunte Wiese gemeint) zum Leibgedinge zugunsten des Siechenhauses in Mülln erhält. Der Turm diente offenbar zur Aufbewahrung der Falken für die erzbischöfliche Jagd.

Der Turm gelangte ins Eigentum der des Domkapitels und der Dompropstei. Daher heißt der Turm 1389 Tumherrenturm und 1417 Tumprobsteiturm. Das Domkapitel verpachtet 1612 den Turm dem Domherrn Konstantin Graf Liechtenstein, von dem der Turm den Namen Konstantinturm bekam. Am 10. Dezember 1642 wird das Gebäude mit den umliegenden Liegenschaften der „Hohen Salzburger Landschaft“ zu Befestigungszwecken verkauft.

Am 29. August 1674 erhält das Benediktinerstift St. Peter im Tausch gegen den Riedenburger Berg den Besitz um den Turm und das dazugehörige Stöckl, ohne den Turm selbst, und machte daraus die Konstantinmeierei. Diese bestand aus einem zwei Stock hohen, an den Turm angelehnten gemauerten Haus, einem gesonderten Backofen und weiteren landwirtschaftlichen Gebäuden (Laub- und Holzhütte, Scheune mit Dreschtenne, Keller und Wagenschuppen) und etwa 7 000 m² Grund. Im Jahre 1822 wird auch diese Meierei von St. Peter wegen zu geringer Einkünfte versteigert. Der seit vielen Jahren einsturzgefährdete Turm bricht 1831 in sich zusammen. Der damalige Meiereibesitzer Vogl kauft von der Fortifikationsdirektion den Grund, auf dem der eingestürzte Turm stand (ca. 77 m²). An seiner Stelle erbaute Josef Achleitner 1863 das von ihm so genannte Marienschlössl.

Josef Achleitner war ein damals bekannter Zitherspieler und zugleich königlich-bayerischer Kammervirtuose und Kammermusikus des Königs Otto von Griechenland. Er ließ die bisherigen Gebäude abtragen und erbaute einen neuen Turm mit einer Aussichtswarte und einer dem Geschmack der damaligen Zeit entsprechender neogotischer und historisierender Innenausstattung; die Holzverkleidungen und Butzenscheiben sind teilweise heute noch erhalten. Es wird gesagt, dass er Besucher mit dem Flügelhorn empfangen und dann auf den Söller geführt hat. Nach dem Tode des Erbauers am 5. März 1891 kam der Besitz zuerst an die Witwe und dann (1892) an den Sohn, der ihn an Marie Geisberg verkauften. Das Inventar wurde versteigert und aus dem Haus wurde unter dem Namen „Marienschlösschen“ eine Fremdenpension. 1902 erwarb Marie Fischer das Gebäude.

Der nächste Käufer mit Kaufvertrag vom 2. Dezember 1912 war der Industrielle Franz Kupelwieser, der verschiedene Anbauten und Renovierungen vorgenommen und den Besitz „Stauffenegg“ genannt hat. Diese Bezeichnung hatte aber keinen Bestand. Franz Kupelwieser ließ auch das Torhaus sowie ein Mäuerchen mit einem Löwenkopf-Mauerbrunnen vor dem Torhaus errichten. Sein Sohn Ernst Kupelwieser, ein bedeutender Physiologe und Entwickler eines Verfahrens zur Entbitterung der Sojabohne, übernahm nach dem Tod seines Vaters 1930 den Besitz. Nach seinem Tod 1964 ging das Schlösschen über eine Zwischenstation (zuerst kam ein Teil des Besitzes an die beiden Töchter aus erster Ehe, die nach Kanada ausgewandert waren) an seine Tochter Gerheid Widrich über, die hier ab 1965 mit Hans Widrich wohnte.

Gerheid und Hans Widrich führten durch ihr Schlössl und ließen in die Geschichte des Hauses und ihrer Familie blicken. Sie kannten die Salzburger als ehemalige Ärztin und Landesrätin – übrigens die erste Frau in der Salzburger Landesregierung –, er war über Jahrzehnte Pressechef der Salzburger Festspiele. Der Journalist stand auch dem Salzburger Kunstverein als Präsident vor.

Als Erstes fallen Ritterrüstungen, Gewehre und Nachtwächterspieße ins Auge. Ein wahrlich wehrhafter Empfang, der zum Äußeren des Kupelwieserschlössls passt. Herzstück des Gebäudes ist ein alter Stadtturm aus dem Mittelalter, der im Lauf der Zeit ausgebaut worden ist. Die Waffensammlung stammt aus dem Besitz von Franz Kupelwieser, dem Großvater Gerheid Widrichs und Käufer des Hauses auf dem Mönchsberg.

Kupelwieser war Leiter und Teilhaber von Eisenwerken in Böhmen und wurde damit reich. Der Industrielle erwarb das Schlössl in Salzburg mit Kaufvertrag vom 2. Dezember 1912, also vor 100 Jahren. Er investierte kräftig in sein neues Anwesen, das er Schloss Stauffenegg nannte, ließ es um- und ausbauen.

Das Porträt von Franz Kupelwieser hängt im Salon des Hauses – in einem großen, lichtdurchfluteten Zimmer – wie all die anderen Bilder der Ahnen aus der Kupelwieser’schen Sippe. An dem großen, runden Biedermeiertisch sind schon viele Gäste gesessen, allen voran Peter Handke, der in seiner Salzburg-Zeit von 1979 bis 1987 mit Tochter Amina und der damaligen Ehefrau Libgart Schwarz im Nebentrakt des Schlössls gewohnt hat. Hier hatte der Schriftsteller beispielsweise sein Kompendium „Am Felsfenster morgens (und andere Ortszeiten 1982 bis 1987)“ geschrieben. Hans Widrich und Peter Handke sind befreundet, beide stammen aus Griffen in Kärnten.

Nach dem Tod des Vaters von Gerheid Widrich, Ernst Kupelwieser, 1964, wurde der Besitz auf die Erbinnen aufgeteilt. In den 1970er-Jahren kauften Gerheid und Hans Widrich den rückwärtigen Teil von den älteren Halbschwestern zurück, die nach Kanada ausgewandert waren.

Das Gebäude ist schwierig zu erhalten, aber es ist so gut wie schon lang nicht mehr beisammen“, sagt Hans Widrich. Er hat moderne Kunst in das Haus gebracht, eine perfekte Ergänzung zum historischen Inventar.

Der Besitz werde weiter gepflegt, sagt Virgil Widrich, Filmproduzent und Professor an der Universität für Angewandte Kunst Wien. „Das Haus der Kindheit ist immer ein besonders magischer Ort – Räuberhöhle, Ritterburg. Was andere als Playmobil oder Lego haben, haben wir echt.

Ereignisse

Der 1885 geborene Hausmeister Franz Hetteger war in den 1920er-Jahren Bediensteter im Kupelwieserschlössl. Dabei hatte er sich aus dem Besitz seiner Herrschaft bedeutende Sachwerte angeeignet. Er stieg wiederholt in die Villa ein und entwendete Leinwandballen, Anzüge, Wäsche usw. von beträchtlichem Wert.

Am 8. Dezember 1923 musste sich Hetteger vor Gericht verantworten. Er begründete die Diebstähle mit Not. Der Einzelrichter Hofrat Dr. Rudolf Hassak verurteilte ihn zu fünf Monaten schweren Kerker, seine Frau Hilda, die von den Diebstählen gewusst hatte, bekam einen Monat strengen Arrest. Der Friseurgehilfe Johann Lehner, der von Hetteger gestohlene Sache gekauft hatte, erhielt vier Monate schweren Kerker.[1]

Gäste im Haus

Gottfried von Einem war, als er dem Direktorium der Salzburger Festspiele angehörte, hier zu Gast. Kurzfristig hat 1948 hier auch Bertolt Brecht gewohnt und an dem Stück „Salzburger Totentanz“ gearbeitet. Die geplante Mitwirkung Brechts an den Festspielen wurde vor allem von den Salzburger Nachrichten gehässig kommentiert.

Bekannt ist das Kupelwieserschlössl auch, da hier zwischen 1979 und 1988 Peter Handke wohnte. Er beschrieb seine Spaziergänge auf dem Mönchsberg in „Nachmittag eines Schriftstellers“. Auch ein Teil seines Frühwerkes („Die Wiederholung“, „Die Abwesenheit“, „Über die Dörfer“) und zahlreiche Übersetzungen (William Adonis, Aischylos, Jean Genet, Shakespeare oder Sophokles) verfasste Handke hier. Hier entstanden auch Werke wie „Die Lehre der Sainte Victoire“ (1980), „Kindergeschichte“ (1981), „Der Chinese des Schmerzes“ (1983), „Nachmittag eines Schriftstellers“ (1987), „Die Wiederholung“ (1986) und „Die Abwesenheit“ (1987). In dem Band „Am Felsfenster morgens“ (1998) verarbeitete er ebenfalls Erinnerungen an Salzburg. Sein Gastgeber, Jugendfreund und Landsmann Widrich baute eine umfangreiche Handke-Sammlung auf, die er der Österreichischen Nationalbibliothek als Dauerleihgabe überließ. Weitere handgeschriebene Manuskripte einiger Handke-Texte befinden sich im Salzburger Literaturarchiv.

Die an die Mauer zur Richterhöhe angebaute Keramikwerkstätte wurde an den Architekten Koloman Lenk verkauft, der hier eine Atelierwohnung einrichtete.

Sonstiges

An der Außenmauer befindet sich der Löwenkopf-Mauerbrunnen.

Weblinks

Quellen

Einzelnachweis

  1. Quelle ANNO, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 8. November 1923, Seite 5