Salzburger Jakobsweg

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Auf dem Salzburger Jakobsweg zwischen Unterjettenberg und Schneizlreuth
Der Salzburger Jakobsweg ist eine Marketing-Erfindung des 21. Jahrhunderts.

Verlauf

Der sogenannte Salzburger Jakobsweg verläuft von Osten kommend aus dem Oberösterreichischen Innviertel von der Jakobskirche Lengau über Frankenmarkt südlich von Neumarkt am Wallersee durch Henndorf am Wallersee und Eugendorf in die Stadt Salzburg nach Gois und Großgmain über Bayerisch-Gmain die Saalach entlang durch das Kleine Deutsche Eck nach Unken, Lofer und über den Pass Strub nach Sankt Johann in Tirol.

Der eigentliche Jakobsweg

Als Jakobsweg, Originalbezeichnung im Spanischen Camino de Santiago, wurde der Pilgerweg zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela in Galicien im Nordwesten Spaniens bezeichnet. Jedoch wurde die Bezeichnung in erster Linie ab den französischen Sammelpunkten als Camino Francés verstanden. Südlich der Pyrenäen führte der dann als Jakobsweg bezeichnete Pilgerweg über die Städte Jaca, Pamplona, Estella, Burgos und León nach Santiago de Compostela. Die Entstehung dieser Route fällt in ihrem auch heute begangenen Verlauf in die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts.

Die Sammelpunkte in Frankreich waren (und sind es noch teilweise heute) Vézelay im Burgund, Le Puy-en-Velay in der Auvergne und Arles in der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur. Alle Pilgerwege, die zu diesen Sammelpunkten führten, hießen zu keiner Zeit Jakobswege. Natürlich wurden manche Wege stärker von Pilgern nach Santiago de Compostela benutzt. Aber sie wurden gleichzeitig auch von Pilgern zu anderen Pilgerstätten in Europa begangen.

Es entspricht somit nicht den historischen Gegebenheiten, dass der Salzburger Jakobsweg ausschließlich nur Jakobspilgern gedient hat. Durch die in den 1980er Jahren wieder erstandene Wallfahrt auf dem Jakobsweg begannen bald viele Regionen und Städte, die in Richtung der französischen Sammelpunkte als Stationen von Pilgern galten, diesen Trend kommerziell für sich zu nutzen, in dem sie alte Jakobswege wieder entdeckten. Dass bereits ab dem 11. Jahrhundert Jakobskapellen in ganz Europa entstanden, ist unbestreitbar. Nur, ob sie auch als Pilgerpunkte entlang eines damals schon so bezeichneten Jakobsweges lagen, ist historisch nicht belegt.

Jakobspilger

Jakobspilger ist, wer aus christlichen oder religiösen Gründen zu Fuß oder per Pferd mindestens die letzten 100 km in Spanien zurückgelegt hat. Mit dem Fahrrad müssen es wenigstens die letzten 200 km sein[1].

„2.150 Kilometer bis Santiago de Compostela“

Eine Wanderung auf dem Jakobsweg von Salzburg nach Unken

Von Andreas Hirsch


Der eigentliche Jakobsweg beginnt in den Pyrenäen und führt durch Nordspanien nach Santiago de Compostela, wo sich einer Legende nach das Grab des Apostels Jakobus des Älteren befindet. Seit der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts ist dieser Pilgerweg bekannt. Neben Jerusalem und Rom galt Santiago bald als einer der bedeutendsten Gnadenorte. Einen starken Rückgang erlebte die Wallfahrt zur Zeit der Reformation und in der Folge der Aufklärung und der Napoleonischen Kriege am Anfang des 19. Jahrhunderts ist die Pilgerfahrt beinahe gänzlich erloschen. Nach dem Zweiten Weltkrieg erinnerte man sich in Spanien und Frankreich an diese Tradition und versuchte, sie wiederzubeleben. Seit den 1970er Jahren und verstärkt seit einem Papstbesuch 1982 nahmen die Pilgerströme nach Santiago enorm zu. Der Tiroler Peter Lindenthal befasste sich in den 1990er Jahren mit den Routen, auf denen die Jakobspilger früherer Jahrhunderte gegangen sein könnten und entwickelte ein System von Jakobs-Pilgerwegen in Österreich. Ein erster Wanderführer „Auf dem Jakobsweg durch Österreich“ erschien 1999, nachdem Lindenthal die Stecke mit hölzernen Wegweisern versehen hatte. Zu diesem Wegenetz gehört auch der etwa 100 Kilometer lange „Salzburger Jakobsweg“. Er ist ein Projekt der Tourismuswirtschaft und der Katholischen Kirche und wurde 2005 offiziell ausgeschildert.


Die 35 Kilometer lange Etappe von Salzburg nach Unken beginnt am Salzburger Dom und führt zunächst in die Abtei St. Peter, wo sich der Legende nach das Grab des heiligen Rupert befindet. Durch das Sigmundstor, bis vor einigen Jahren Neutor genannt, verlässt man die Salzburger Altstadt in Richtung Westen. In Neu-Maxglan führt der Weg vorbei an den Gebäuden der Stiegl-Brauerei. Viel zu früh für eine Rast! Weiter geht es an der lautlos fließenden Glan entlang. Südlich des Flüsschens erstreckt sich vor dem mächtigen Untersberg das ausgedehnte Leopoldskroner Moos. Irgendwo dort muss die Stadt Juvavia gelegen haben, wie uns eine Sage erzählt: Die Bewohner dieser Stadt hatten alles im Überfluss und schwelgten im Reichtum. Hoffart und Sünde herrschten vor. Doch eines Tages mussten die lasterhaften Einwohner dafür büßen, als die Glan und alle Bäche und Weiher über die Ufer traten und die Gegend überschwemmten. Alle Menschen ertranken und die Stadt versank im Morast. Übrig blieb das große Moor, das auch später noch manchen Wanderer versinken ließ. Darum strammen Schritts weiter über Viehhausen nach Gois. Der Ortsname Gois, eigentlich Gols, hat sich aus lateinisch „Collis“, was Hügel bedeutet, entwickelt. Es handelt sich demnach um ehemals romanisch besiedeltes Land. Manchen Heimatfreunden ist die Römerzeit nicht altehrwürdig genug, weshalb sie den Ortsnamen auf keltisch „gois“ („heilig“) zurückführen. Die Jakobskirche auf dem Hügel gilt als wichtige Station auf dem Pilgerweg. Das erstmals 1242 erwähnte Gotteshaus präsentiert sich heute als spätgotischer Bau aus der Zeit um 1500. Im Schrein des neugotischen Altars stehen die Figuren der Muttergottes, des Kirchenpatrons Jakobus des Älteren und seines Bruders, des Evangelisten Johannes. Außen sind auf einem Fresko über dem Südportal Jesus am Ölberg und die schlafenden Jünger dargestellt. Die Pilger können sich in ein Buch eintragen und einen Pilgerstempel abholen. An einem mit einer Jakobsmuschel verzierten Brunnen kann man seine Vorräte an Getränken auffüllen, bevor man weiterwandert. Eine Säule weist daraufhin, dass es noch 2.150 Kilometer bis nach Santiago de Compostela sind. Nach dem Unterqueren der Autobahn wandert man durch die idyllische Landschaft der Walser Wiesen an Heustadeln und alten Eichen vorbei. Den Verkehrslärm von der nahen Autobahn muss man dabei in Kauf nehmen. Am Fuße des Wartbergs schwenkt der Jakobsweg ein in einen Radweg neben der Großgmainer Landesstraße, die gleichmäßig bergan steigt. In dem auf der Anhöhe gelegenen Gasthaus Wartberg waren Gäste aus dem nahen Bayern immer besonders gern gesehen, weshalb die Wirtin für diese einen eigenen Zugang zum Gastgarten einrichtete, das so genannte „Marzoller Türl“. Da die einstige Pilgerraststätte aber seit Jahren geschlossen ist, wandert man weiter und überquert fast unbemerkt den Schwarzbach. Ausblicke ins Reichenhaller Tal und auf die östlichen Chiemgauer Alpen versüßen das kilometerlange Gehen auf hartem Asphalt. In der Ferne sind bereits der Kirchturm und das Schloss von Marzoll auszumachen. Kurz vor dem Salzburger Freilichtmuseum gemahnt ein Marterl an einen jungen Mann, der dort 1950 beim Schmuggeln von Zollbeamten erschossen wurde. Nach einigen hundert Metern passiert man das fast ganz hinter Bäumen versteckte, ehemals erzbischöfliche Jägerhaus Holzegg, von dem eine schaurige Sage zu berichten weiß. Der Jäger Michael Holzegger war ins Revier am Untersberg aufgestiegen und nicht wieder heimgekehrt. Nach vier Wochen hatte man ihn immer noch nicht gefunden, so dass man annahm, er sei am Untersberg tödlich abgestürzt. Seine Verwandten ließen daraufhin in der Großgmainer Kirche eine Messe für ihn lesen. Während des Gottesdienstes betrat plötzlich der verschollene Jäger die Kirche. Die Leute wollten wissen, was geschehen sei und wo er die ganze Zeit verbracht habe. Der Jäger erzählte nichts weiter, als dass er im Inneren des Untersbergs gewesen sei. Der Salzburger Erzbischof erfuhr von diesem seltsamen Fall und wollte wissen, was der Jäger erlebt hatte. Dieser sagte, er könne es dem Erzbischof nur bei einer Beichte anvertrauen. So geschah es und der Erzbischof wurde fortan ein trauriger Mensch der sich immer mehr in die Einsamkeit zurückzog und ebenso wie der Jäger, bald darauf starb.

Kurz nach Holzegg heißt es, sich zu entscheiden: Pilger, die noch viele Sünden abzubüßen haben, sollten geradeaus weiter gehen und sich weiterhin auf hartem Asphalt neben der vielbefahrenen Straße über Hinterreit nach Großgmain schleppen. Diejenigen mit lässlichen Sünden werden sich nach rechts wenden und ins nahe Marzoll spazieren. Dort erwartet sie ein schattiger Wirtsgarten und die Kirche des heiligen Valentin. Wie es zu der einst bedeutenden Wallfahrt nach Marzoll gekommen ist, lässt sich aus einer historischen Aufzeichnug erfahren: „Im jahr Christi 1496 hat es sich zuegetragen, dass ein knab von 12 jahren, auß Thallgey gebürttig, der mit der laidigen hinfahlendten sucht elendiglich behafft gewesen. Sen vatter mit nahmen Christian Fischer verlobt ihm auß sonderbarer einsprechung Gottes anhero zu dem heiligen Valentinum mit einen lebendigen opffer, einer schwartzen henn. Was geschicht den jüngling? Wurde nit allein durch vorbitt deß Heiligen also bald von seiner schwaren noth befreyet und erlediget, also dass ihm die zeit seines lebens nit mehr angestossen, sondern was thuet Gott nit zu mehrerer bekräfftigung seiner wunder und miracul, die er durch seinen heiligen würckhe! Weil man vielleicht dißen leuthen nit geglaubt hette, ist die schwarze henn weiß worden. Und das ist in beysein viller zeigen als benantlich deß damahligen herr pfarrer, herrn Pellinger als eben zu selbiger zeit richter in gschloss Plain, der beeden kirchprobsten Martin Pockhel und Sigismund Zeller wie dann auch viller andern frommen Christen bekennet und außgesagt worden.“ Trotz der einträglichen Wallfahrt wird die Entlohnung des Marzoller Mesners für Mesnerdienst, Orgelspiel und Schulunterricht wohl nicht allzu üppig gewesen sein, denn dieser suchte sich weitere Betätigungsfelder, um seine Einkünfte zu erhöhen. Der Siezenheimer Mesner Michael Greppler bat 1743 in einem Brief an das Salzburger Domkapitel, weiterhin seinen Nebentätigkeiten nachgehen zu dürfen. Dabei führte er an, dass sich die Mesner von Marzoll, Salzburghofen und Nonntal ebenfalls mit dem Schneiden von Haaren und Bärten ein Zusatzeinkommen verdienen würden.

Am Marzoller Schlossweiher verlässt der Pilgerpfad die Straße, biegt nach links ab und führt von nun an über nicht asphaltierte Wanderwege nach St. Zeno. Den Kohlerbach überquert man am ehemaligen Standort der Haggenmühle, wo einst Getreide und Öl verarbeitet wurden. Nach dieser Mühle war der Wasserlauf Jahrhunderte lang Haggenbach genannt worden, bevor er seinen heutigen Namen vom Kolleranwesen in Türk an seinem Unterlauf erhielt. Seit die Mühlengebäude 1920 abgerissen wurden, sollen an der Haggenmühle Geister umgehen. Meist parallel zur Landesgrenze verläuft der Weg nun auf der Anhöhe des Tumpen bis zur Tumpenkapelle, von der sich ein weiter Bick ins Reichenhaller Tal und zum Sonntagshorn bietet. Durch einen Hohlweg gelangt man zur schmucken Obermühle am Weißbach, die zur Einkehr einlädt. Das 1415 erstmals erwähnte Anwesen war die oberste der drei Weißbacher Mühlen. Lohnend ist ein Blick in die barocke Kapelle St. Leonhard, die in das später erbaute Nebengebäude integriert wurde. An dem von einer steinernen Madonna bewachten Hauseck wendet sich der Jakobsweg nach rechts und führt auf einem Steg über den Weißbach. Pilgerfreundliche Anwohner weisen hier den Wanderern mit echten Jakobsmuscheln den Weg. Auf einer Wiese gabelt sich der Pfad und man tut gut daran, den rechten Weg zu wählen, auch wenn es ein „Privatweg“ ist und seine „Benützung auf eigene Gefahr“ erfolgt. Hinter einer Abzweigung nach links beginnt ein leichter Anstieg auf das Kirchholz. Ein romantischer Weg, der auch unter dem Namen „Königsweg“ bekannt ist, führt dann durch schönsten Mischwald am Westabhang des Kirchholzes entlang. Besonders auffällig ist hier der große Bestand an Eiben, wie er sonst kaum irgendwo anzutreffen ist. Sanft bergab verläuft der Weg bis nach St. Zeno, das als die nächste offizielle Station der Jakobspilger gilt. In einem Reiselesebuch wird davon berichtet, dass die Gebeine des heiligen Zeno in der früheren Stiftskirche ruhen würden. In Wahrheit hütet man hier lediglich eine Reliquie des Bischofs in einer silbernen Büste. Eine Sage erzählt, dass die Stiftskirche früher sogar von den Untersberger Mandln aufgesucht wurde: Einmal ging der Kutscher von St. Zeno erst um Mitternacht zu Bett. Plötzlich sprang die Tür seines Zimmers auf und ein langer Zug von Gestalten mit Umhängen und Kapuzen marschierte schweigend durch den Raum. Da öffnete sich das gegenüber liegende Fenster von selbst, die geheimnisvollen Besucher stiegen hindurch und gingen auf die Stiftskirche zu. Deren Tor stand weit offen und die unheimlichen Gestalten zogen in die Kirche ein.

Eine Einkehr im traditionsreichen Hofwirt zu St. Zeno ist derzeit nicht möglich, da das Gebäude umgebaut wird. Bernhard Rottenwalder, im 17. Jahrhundert Propst von St. Zeno, berichtet in seinen Aufzeichnungen von einem Chorrherrn, der neben anderen Verfehlungen mehrfach den Opferstock in der Stiftskirche aufbrach, um das Geld anschließend beim Hofwirt zu vertrinken. Dort schenkte man den Wein aus den stiftseigenen Weingütern bei Krems in der Wachau aus. Von 1720 bis 1803 brauten die Chorherren für ihren Eigenbedarf Bier, das auch in den unterstellten Pfarreien ausgeschenkt werden durfte. Der unerlaubte Verkauf des Bieres an Reichenhaller Wirte führte zu heftigen Konflikten mit den Reichenhaller Brauern. Diese waren in der Wahl ihrer Mittel nicht zimperlich und verwüsteten 1786 den Brunnen, aus dem das Stift sein Brauwasser bezog. Außerdem schrieben sie dem Kürfürsten, er möge St. Zeno die Braukonzession entziehen. Das Stift stelle eine wirtschaftliche Bedrohung dar und eine Aufhebung desselben würde zum Nutzen der ganzen Stadt und der Bürgerschaft geschehen, sowie zur allgemeinen Wohlfahrt beitragen.

An der ehemaligen Stiftsbrauerei - dem heutigen Pfarrhof – vorbei, gelangt man über die Salzburger Straße und die Ludwigstraße zur Alten Saline. Die Salinenkapelle hoch über den Solequellen ist dem heiligen Rupert geweiht. Einer Legende zufolge hat Rupert die verschütteten Reichenhaller Solequellen wieder zum Entspringen gebracht, indem er mit seinem Bischofsstab an die Stelle schlug, an der sie sich seither ergießen. Die obere Stadt durchquerend kommt man zur Luitpoldbrücke, wo ein Trinkwasserbrunnen Labung verspricht. Dann überquert man die Brücke und biegt zur Predigtstuhlbahn ab. Von nun an verläuft der Jakobsweg immer parallel zur Saalach. Nach Kibling, das einen herrlichen Blick in das Saalachtal und auf die Reiteralpe bietet, führt der Weg am Saalachsee entlang bis Fronau. Dabei kommt man tatsächlich zur Besinnung, denn auf dem gleichförmigen Weg lenken keinerlei Eindrücke von außen von den eigenen Gedanken ab. Kurz vor Fronau verlässt man den Wald und steht plötzlich dem mächtigen Gebirgsstock der Reiteralpe gegenüber. Linkerhand marschiert man auf einer Holzbrücke über die Saalach und überquert die Bundesstraße, um nach Unterjettenberg zu gelangen. Idyllisch steht dort die Dorfkapelle auf einer Hangkante vor den Abstürzen der Reiteralpe. Am Ortsrand angekommen, muss man ein kurzes Stück an der Bundesstraße entlanggehen und biegt dann nach rechts in einen Wanderweg ein. Die Stecke bis nach Schneizlreuth führt durch eine romantische Landschaft. Damit die Heuschober am Weg nicht von Unbefugten betreten werden, haben sich die Landwirte etwas Wirksames einfallen lassen: Schilder warnen vor giftigen Kreuzottern im Inneren der Stadel.

An der eisernen Sichlerbrücke bei der Mündung des Weißbachs in die Saalach gabelt sich der Weg. Geradeaus gelangt man auf der etwas kürzeren Route zur Einkehr Haiderhof und vorbei an der Kapelle St. Anna und durch ein Kieswerk nach Unken. Beim Haiderhof kann man einen weiten Ausblick auf die Loferer Alm und das Dietrichshorn genießen. Werktags ist man auf diesem Weg den modernen Gefahren des Pilgerns ausgesetzt, denn schwer mit Kies beladene Lastwagen drängen die Fußgänger und Radler von der engen Straße. Man kann sein Leben jedoch retten, indem man diesen Ungetümen durch Sprünge in die Wiese den Weg frei gibt. Weit weniger gefährlich ist die Route über Schneizlreuth, das man erreicht, wenn man auf der Sichlerbrücke die Saalach überquert und dann sofort nach links abbiegt. In Schneizlreuth kann man einen Blick in die Dorfkirche Maria Hilf von 1949 werfen. Im Vorraum hängt das ehemalige Altarbild aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Darauf ist unter der Muttergottes die Vorgängerkirche von 1851 zu sehen. Der schöne, aus Naturstein erbaute heutige Kirchturm mit seiner originellen Zwiebelhaube scheint sich hinter dem Kirchenschiff verstecken zu wollen. Ganz und gar nicht versteckt präsentiert sich ein Denkmal im Disney-Stil, das unter anderem an das Gefecht von 1809 am nahen Bodenbichl erinnern soll. „Hier kämpfte das tapfere Bergvolk siegreich gegen die Truppen Napoleons“ ist dort in Stein gemeißelt. Da weiter nichts über die damaligen Ereignisse zu erfahren ist, begibt man sich zur Einkehr beim Postwirt. Das Gasthaus aus dem 16. Jahrhundert war eine Poststation an der Reichsstraße von Salzburg nach Innsbruck. Der Wirtsgarten mit Kapelle stellt eine selten ideale Kombination dar, sozusagen ein Dorado für Pilger. Noch eine Besonderheit hat der Ort zu bieten: Die bekannteste Schneizlreutherin stammt gar nicht aus dem Dorf, sondern aus München. Die Volkssängerin Bally Prell (1922-1982) hat dem Ort mit dem satirischen Lied von der „Schönheitskönigin von Schneizlreuth“ in den Fünfzigerjahren bayernweite Bekanntheit beschert. Nur ein einziges Mal trat sie in Schneizlreuth auf.

Auf dem Weg nach Unken fallen einem die mächtigen Felszacken der „Drei Brüder“ ins Auge, die zum Gebirgsstock der Reiteralpe gehören. Eine Sage erzählt, wie diese zu ihrem Namen gekommen sind: Drei Brüder aus dem Dorf Reit zwischen Unken und Lofer hatte einst die Jagdleidenschaft gepackt. Sie nutzten jede freie Stunde um das Gebirge zu durchstreifen und Ausschau nach Wild zu halten. Auch an einem hohen kirchlichen Feiertag gingen sie nicht in die Kirche, sondern machten sich auf den Weg auf die Reiteralm. Dem jüngsten Bruder war es nicht wohl bei dem Gedanken, den Feiertag zu missachten. Die Älteren aber konnten ihn umstimmen und so gingen sie weiter. Als die Glocken im Tal zur Messe riefen, äußerten sie sich abfällig über die langweilige Predigt beim Gottesdienst. Da brach plötzlich ein Gewitter über ihren Köpfen los und Blitze fuhren auf sie herab. Die Brüder waren verschwunden und wurden nie wieder gesehen. An der Stelle, an der sie gestanden hatten, ragen seither drei Felsen in den Himmel, die man die „Drei Brüder“ nennt. Der Weg nach Unken führt unterhalb des Bodenbichl weiter, vorbei am Mußbach-Wasserfall, einem wildromantischen Platz, an dem man sich gut erfrischen kann. Nach anderthalb Kilometern erreicht man den Dachsbauernhof, der idyllisch auf einer Wiese zwischen dem Wendelberg und der Saalach gelegen ist. Bei der Köstlerbrücke über die Saalach vereinigen sich die Route über den Haiderhof und das Kieswerk mit dem oben genannten Weg. Pilger, die zu Fuß unterwegs sind, spazieren linkerhand auf der „Josefsallee“ am Flussufer entlang bis nach Unken. Da die Strecke für Radfahrer gesperrt ist, gelangen diese über einen oberhalb verlaufenden Radweg ans Ziel. Dabei bieten sich schöne Ausblicke auf die Loferer Steinberge. In Unken erinnert ein Bildstock mit der Figur des heiligen Jakob vor dem prächtigen Gebäude des ehemaligen Kramerwirts an den Zweck des Besuches.

Die Jakobskirche steht auf einer Anhöhe über dem Dorf und ihr barockes Inneres überrascht mit einer reichen Stuckierung in Weiß und Gold. Eine derart vornehme Ausstattung würde man in einem ehemaligen Holzfällerdorf nicht erwarten. Ein großer Teil der Bevölkerung lebte nämlich von der Beschaffung von Brennholz für die Reichenhaller Saline in den Saalforsten. Zur Pfarrgemeinde gehörten auch die Einwohner von Ristfeucht und Schneizlreuth in Bayern. Diese wohnten 2 ½ bis 3 Stunden von St. Nikolaus in Reichenhall entfernt. Zur Unkener Kirche hatten sie nur ¾ bis 1 ½ Stunden Fußweg zu bewältigen. Das Vikariat Unken war Teil der Pfarrei St. Martin bei Lofer, die vom Augustiner-Chorherrenstift St. Zeno seelsorglich betreut wurde.

Dass die Sage von den „Drei Brüdern“ aus „gegebenem Anlass“ entstanden sein könnte, lässt ein Brief des Unkener Vikars Rupert Fux aus dem Jahr 1737 vermuten. Darin berichtet er, dass die Bevölkerung das Sonntagsgebot nicht befolgen würde. Während die einen erst nach der Predigt in die Kirche kämen, verließen die anderen während dieser das Gotteshaus. Der Nachmittag würde nicht mit dem Beten des Rosenkranzes zugebracht, sondern sei einem Besuch des Wirtshauses gewidmet, wo bis tief in die Nacht hinein gefeiert würde. Ein Nachfolger von Fux versuchte diesem Problem aus dem Wege zu gehen, indem er nur noch an hohen Feiertagen predigte. Der Bau der heutigen Unkener Kirche ist einem verheerendem Brand geschuldet: Als man am 5. September 1756 das Unkener Kirchweihfest feierlich begangen hatte und bis spät in die Nacht beim Kirchenwirt feierte, brach in den Stallungen des Wirtshauses um Mitternacht ein Brand aus. Dabei kam ein sechsjähriger Bub ums Leben, das Wirtshaus und die Kirche brannten nieder. Vier Tage darauf kam Erzbischof Sigmund von Schrattenbach auf der Rückfahrt von einer Firmungsreise in das Dorf und besichtigte die Schäden. Die Kirchenruine wurde provisorisch hergerichtet, durch Holzpfeiler abgestützt und mit einem Notdach aus Brettern versehen. Beim Neubau der Kirche hat man die sonst übliche Ausrichtung nach Osten außer Acht gelassen und den Altarraum an der Westseite, sowie den Turm an der Ostseite des Langhauses errichtet.

Auf dem Hochaltar der Unkener Kirche ist Jakobus der Ältere wie üblich als Pilger mit Stab, Trinkflasche und Muschel abgebildet. Dabei war der Apostel gar kein Pilger. Er wurde aber seit dem Mittelalter derart mit dem Gnadenort Santiago de Compostela und den Pilgerströmen dorthin in Verbindung gebracht, dass man ihn hierzulande fast ausschließlich als Pilger dargestellt findet. Merkwürdiger Weise gibt es nur wenige pilgernde Heilige oder heilige Pilger. Noch niemand ist des Pilgerns wegen heiliggesprochen worden. Pilgernde Heilige waren Nikolaus von Myra, der sich ins Heilige Land begab und Birgitta von Schweden, welche nach Santiago reiste. Rochus von Montpellier wallfahrtete nach Rom, wo er sich mit der Pest infizierte und der Legende nach durch die Hilfe eines Engels überlebte. Der heilige Alexius verließ am Tag der Hochzeit seine Braut, um nach Jerusalem zu pilgern, weshalb er später zum Patron der Vagabunden auserkoren wurde. Die tragischste Legende ist vom heiligen Koloman überliefert. Dieser war als Pilger auf dem Weg nach Jerusalem, als man ihn in Stockerau bei Wien wegen seiner fremden Kleidung als Spion verdächtigte und an einem Baum erhängte. Dafür erklärte man ihn später zum ersten Landespatron Österreichs. Überhaupt genossen die Pilger einst oft keinen guten Ruf, vor allem wenn sie mittellos reisten und man nichts an ihnen verdienen konnte. Dies kommt auch in der 1568 gedruckten „Eygentlichen Beschreibung Aller Stände auff Erden“ von Jost Amman zum Ausdruck: „Wir jacobsbrüder mit grossem haufen Im Land sind hin und her gelauffen/ Von Sanct Jacob/ Ach und gen Rom Singen und bettlen one schom/ Gleich anderen presthafften armen/ Offt thut uns der BettelStab erwarmen In Händen/ alsdenn wir es treibn Unser lebtag faul Bettler bleibn.“

Bildergalerie vom Verlauf des Salzburger Jakobsweges

Quellen