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Geschichte Berchtesgadens

In der Römerzeit umfasste das Salzburger Iuvavum das gesamte Gebiet des Berchtesgadener Landes und wurde vom Zentrum aus, der heutigen Stadt Salzburg, verwaltet. Unter den Baiernherzögen war es Teil des Salzburggaus. Zum unter Rupert von Worms 739 gebildete Bistum Salzburg gehörte das Gebiet bereits nicht mehr. In der Salzburger Kirchenprovinz des Mittelalters bildete das Berchtesgadener Land mit Berchtesgaden eine Enklave und war exemte Fürstpropstei (Exemtion bezeichnet die Begründung einer rechtlichen Sonderstellung).

Noch vier Mal hatte es kurze gemeinsame Geschichte mit Salzburg: Berchtesgaden stand von 1393 bis 1405/1407 unter der Verwaltung von Salzburg. Im Salzkrieg 1611 besetzte der Salzburger Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau für einige Tage den Markt, bevor er vor dem herannahenden bayerischen Heer floh und letztlich gefangengenommen wurde. Und ein drittes Mal in den Jahren 1803 bis 1805 als Teil des Kurfürstentum Salzburg, und von 1806 bis 1809 als es zusammen mit dem Herzogtum Salzburg als Fürstentum Berchtesgaden zum Kaisertum Österreich gehörte.

Weitere geschichtliche Verbindungen ergeben sich im Bereich des Salzabbaus, der einstigen Bahnverbindung mit der Roten Elektrischen und einigen anderen Punkte.

Dieser Artikel gibt eine Einführung zum Markt Berchtesgaden unter weiterführenden Links zu Salzburg-relevanten Beiträgen. Darüber hinausgehende Informationen werden hier nicht angeboten.

Geschichte

Das Waldgebiet um Berchtesgaden gehörte zu den Plainer Grafschaften. Vom Sitz Grafengaden (St. Leonhard in Grödig) aus jagten die jeweiligen Gebietsherrn im wildreichen Forst. Einer von ihnen gab der ersten dorfähnlichen Ansiedlung seinen Namen: "Perthersgaden" = Gaden, Haus des Perther. Gaden entwickelte sich aus dem althochdeutschen „gadum“, wandelte sich im Mittelhochdeutschen zu „gadem“ in der Bedeutung von „Kammer, Haus mit einem Stockwerk“.

Gräfin Irmgard, Tochter des Grafen Cuno von Rott, schenkte 1102 das von ihrem Mann aus erster Ehe, Graf Engelbert, stammende riesige Wald- und Gebirgsland bis hin zum Königssee den Augustiner-Chorherren.

Die Berchtesgadener Augustiner-Chorherren hielten sich bis zur Auflösung des Klosters 1803 an ihre strengen Augustiner-Chorherren-Regeln, während die Salzburger Augustiner-Chorherren sich bereits 1514 säkularisierten. Die meisten Berchtesgadener Pröpste entstammten dem eigenen Kapitel, viele wurden auch zu Pröpsten von Kloster Höglwörth geweiht, sogar ein Salzburger Erzbischof kam aus Berchtesgaden: Propst Heinrich I. war ein auf Betreiben des Kaisers Friedrich Barbarossa von 1174 bis 1177 gewählter Gegenerzbischof von Salzburg und zuletzt bis zu seinem Lebensende als Heinrich III. Bischof von Brixen in Südtirol. Im Berchtesgadener Hof im Kaiviertel in der Altstadt von Salzburg hatten die Fürstpröpste einen Wohnsitz in der Fürstenstadt.

Es gab auch Augustiner Chorfrauen in Berchtesgaden. Über die Gründung gibt es keine Angaben mehr, die ersten Informationen stammen aus der Zeit zwischen 1125 und 1136. Ihr erstes Kloster befand sich im so genannten Nonntal. Um 1400 erfolgte der Umzug ins Frauenkloster am Anger. Etwa 100 Jahre später entstand dann unter Propst Gregor Rainer die Klosterkirche, heute Franziskanerkirche. Unter Propst Wolfgang Griesstätter (15411567) wurde dann das Kloster 1564 mangels Nachwuchses aufgelöst.

1156 bestätigte Kaiser Friedrich I. Barbarossa dem Stift die Forsthoheit, das Jagd-, Fischerei- und Weiderecht. Das in der gleichen Urkunde angeführte Salz- und Bergregal[1] ist eine nachträgliche Berchtesgadener Fälschung.

Von 1393 bis 1405/1407 gehörte Berchtesgaden zum Fürsterzbistum Salzburg. Noch ein zweites Mal kam es zu Salzburg, nämlich von 1803 bis 1810, als Salzburg Kurfürstentum unter Ferdinand III. von Toskana war (bis 1806) und dann ein erstes Mal zum Kaisertum Österreich gehörte.

1517 wurde das Salzbergwerk am Petersberg (heutiges Salzbergwerk) angeschlagen. Und prompt kam es 1611 zum Salzkrieg mit dem Salzburger Erzbischofs Wolf Dietrich von Raitenau, der mit dessen Inhaftierung auf der Festung Hohensalzburg endete. Doch auch noch nachher kam es zu Reibereien, die erst durch die Salinenkonvention von 1829 endgültig ausgeräumt werden konnten.

Die völlige Reichsunabhängigkeit erhielt die Fürstpropstei erst 1667. Wie auch in Salzburg kam es im 18. Jahrhundert zur Auswanderung von etwa 1 000 Berchtesgadener Protestanten nach Preußen, Hannover, Niederlande, Nürnberg und den Vereinigten Staaten von Amerika (siehe auch Protestantenvertreibung).

Nach dem Einmarsch der Franzosen 1800 folgte 1803 die Abdankung des letzten Fürstpropstes, und Berchtesgaden wurde säkularisiert. Nachdem 1807 die Leibeigenschaft aufgehoben wurde, wurde Berchtesgaden 1809 auch in die Pinzgauer Freiheitskämpfe verwickelt[2]. Doch schon 1810 wird Berchtesgaden endgültig bayrisch, wie auch die Orte im Rupertiwinkl, die bis dahin zu Salzburg gehörten.

Weitere Eckpunkte waren dann:

  • 1817: Erbauung der Soleleitung nach Bad Reichenhall
  • 1818: Das Schloss Berchtesgaden wird Sommer- und Jagdresidenz der bayerischen Könige
  • 1840: Gründung einer Zeichenschule (Anfänge der Fachschule für Holzschnitzerei)
  • 1888: Eröffnung der Eisenbahn von Bad Reichenhall nach Berchtesgaden
  • 1928: Die Berchtesgadener Saline stellt den Betrieb ein und wird abgebrochen
  1. Das Bergregal ist das Verfügungsrecht über ungehobene Bodenschätze, siehe auch Wikipedia Bergregal
  2. siehe auch Anton Wallner