Mozart-Wohnhaus

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Mozarts Wohnhaus am Makartplatz
Mozarts Wohnhaus um 1860
Mozarts Wohnhaus, eine Aufnahme aus dem Jahr 1918
Tanzmeistersaal im Mozart-Wohnhaus
Im Tanzmeistersaal: Dr. Johannes Honsig-Erlenburg, Präsident der Internationalen Stiftung Mozarteum, am Original-Hammerklavier von Wolfgang Amadé Mozart. Über ihm ein Gemälde mit der Familie Mozart, links hinter ihm die Geige von Mozart.

Das Mozart-Wohnhaus, auch "Tanzmeisterhaus" genannt, ist ein denkmalgeschütztes Objekt in der rechtsufrigen Altstadt von Salzburg am Makartplatz.

Geschichte

Tanzmeisterhaus

Das Gebäude ist urkundlich erstmals 1617 erwähnt. Es bestand bis 1685 aus zwei Häusern.

Am 3. August 1711 erhielt Franz Gottlieb Spöckner per Dekret die Erlaubnis, in diesem Haus Tanzstunden für Adelige abzuhalten. Laut "Seelenbeschreibung" (heute heißt es Volkszählung) von 1713 wurde das Haus deshalb damals "Tanzmeisterhaus" genannt. Dem hochfürstlichen Tanzmeister und "ante camera"-Kammerdiener Spöckner, dem Sohn des Lorenz, wurde am 9. September 1739 das Haus übergeben. Damals kam einem Tanzmeister gesellschaftlich eine wichtige Rolle zu: Er lehrte nicht nur Tanz, sondern er bereitete junge Adelige auch auf das Hofleben vor und kannte sich im schwierigen Hofzeremoniell aus.

Am 21. November 1747 war Franz Gottlieb Spöckner einer der Trauzeugen der Eltern von Wolfgang Amadé Mozart.

Wohnhaus der Familie Mozart

Bereits im Dezember 1765 wurde in der Familie Mozart diskutiert, ob man sich nicht nach einer größeren Wohnung umsehen müsste – die Wohnung im 3. Stock des Hagenauerschen Hauses (Mozarts Geburtshaus), das Haus Getreidegasse 9, umfasste eine Küche, ein Kabinett, je ein Wohn-, Schlaf- und Arbeitszimmer. Es waren vier Räume, von denen drei nur ein Fenster hatte.

Leopold Mozart schrieb aus Den Haag (Niederlande) an seinen Hausherrn Johann Lorenz Hagenauer (* 1712; † 1792): Zum Exempel: wo wird dann meine Tochter schlaffen? Wo wird der Wolfgang sein Quartier aufschlagen? Wo werd ich für ihn einen besonderen Platz zum studieren und seiner Arbeit, deren er vielerley haben wird, finden? und wo bleib ich? meine Kinder und ich soll jedes seinen Platz haben, um keines dem anderen hinderlich zu seyn. Können sie denn noch ein paar Zimmer anbauen lassen?"

Am 15. Mai 1767 starb Spöckner im Alter von 62 Jahren. Erbin wurde seine Base Maria Anna Raab (* 1710; † 5. April 1788), die als "Tanzmeister-Mitzerl" in die Mozart-Literatur eingegangen ist. Sie veranstaltete keine Bälle mehr, sondern verlegte sich aufs Vermieten, stellte den geräumigen Saal für Hochzeiten zur Verfügung.

Die große Westeuropa-Reise der Mozarts (1763 bis 1766) ließ den Plan eines Wohnungswechsels vorläufig ruhen. Am 20. Februar 1771 schrieb Leopold seiner Frau aus Venedig, Italien: "(...) zu Hause! allein mir ist beygefallen, daß wir zu Hause nicht wohnen können. du must mir also schreiben, ob wir beym Sailerwird, (Anm.: ehemaliges Gasthaus, Getreidegasse 10) beym Stern, (Anm.: heute Sternbräu, Getreidegasse 34–36) oder beym Saulentzl (Anm.: ehemaliges Gasthaus mit Metzgerei, Goldgasse 13) einlogieren sollen. Ich glaube es wird am besten seyn ich nehme meine Wohnung im Löchl, (Anm.: beim Löchlwirt, heute "Restaurant Eulenspiegel", Hagenauerplatz 2, gegenüber der damaligen Wohnung der Familie) so habe alsdann nicht weit ins Hagenauer Hauß. (Anm.: Leopold brauchte nur über den Platz zu gehen) So, wie wir (wie die Soldaten) unter einander schliefen, können wir nicht mehr seyn; der Wolfgang ist nicht mehr 7 Jahre alt etc."

Nach ihrer dritten Reise nach Wien (Mitte Juli bis 25. September 1773) bezogen die Mozarts ihr neues, weitaus geräumigeres Wohnhaus am damaligen Hannibalplatz (heute Makartplatz 8). Die größere Wohnung hatte ua. einen Saal mit Galerie und bot ausreichend Platz für Begegnungen mit Freunden und Musikern. Auch der Schauspieler, Theaterdirektor und "Zauberflöten"-Librettist Emanuel Schikaneder (* 1751; † 1812) war oft zu Gast. Wolfgang schrieb in diesem Hause unter anderem von 1773 bis 1780 Symphonien, Divertimenti, Serenaden, Klavier- und Violinkonzerte, ein Fagottkonzert, Arien, Messen und andere kirchenmusikalische Werke. Er komponierte hier "Il Re pastore" KV 208, begann "La Finta giardiniera" KV 196 und "Idomeneo" KV 366.

Von 1773 bis 1787, dem Todesjahr Leopolds, wurden in diesem Haus von der Familie Mozart 232 uns bekannte Briefe geschrieben, insgesamt 215 kamen hier an. Viele Briefe sind verschollen oder nicht mehr vorhanden. Wolfgang hatte mit seiner Hausherrin Mitzerl manchen Spaß getrieben. So schrieb er aus München am 30. Dezember 1774 an seine Schwester: "(...) an die jungfrau Mizerl bitte alles erdenkliches, sie soll an meiner liebe nicht zweifeln, sie ist mir beständig in ihrer reizenden negligée vor augen; ich hab vielle hübsche Mädl hier gesehen, aber eine solche schönheit habe ich nicht gefunden." Dieses Zitat hat viele Mozart-Biographen dazu veranlasst, in der Mitzerl eine Freundin Wolfgangs zu sehen, aber die gute Hausfrau war 46 Jahre älter als der damals 18-jährige Wolfgang ...

1778 starb Mozarts Mutter in Paris, Frankreich, und 1784 heiratete Mozarts Schwester Nannerl nach St. Gilgen. Leopold bewohnte die geräumige Wohnung nun allein und blieb darin bis zu seinem Tod 1787. Am 25. Juli 1785 kam sein Enkel Leopold Alois Pantaleon († 15. Juni 1840 in Innsbruck, Tirol) hier zur Welt, der danach der Obhut des Großvaters anvertraut wurde.

Zwischenzeit

Nach Leopold Mozarts Tod am 28. Mai 1787 hatte das Haus mehrere Besitzer.

Am 5. April 1939 wurde es unter Denkmalschutz gestellt.

Am 16. Oktober 1944 wurde das Haus durch eine Fliegerbombe zu zwei Dritteln zerstört.

Der damalige Besitzer verkaufte den zerbombten Teil an die Versicherungsgesellschaft Assicurazioni Generali, die dort ein Bürohaus errichtete. Dieses konnte die Internationale Stiftung Mozarteum, die bereits am 8. Februar 1955 den erhaltenen Teil des Tanzmeistersaales für Museumszwecke erworben hatte, im Jahr 1989 erstehen. Es wurde am 2. Mai 1994 abgerissen und am 4. Mai begann der Wiederaufbau und die Rekonstruierung nach alten Plänen. Für die Wiederherstellung in den Originalzustand erhielt Salzburg auch eine namhafte Spende des japanischen Versicherungskonzerns Dai-ichi Seimei Hoken[1].

Gegenwart

1996 wurde in den neuen Räumlichkeiten ein Museum eröffnet, in dem das Leben Mozarts mulitmedial dokumentiert wird.

Der Tanzmeistersaal wird heute als Konzertsaal genutzt und kann auch für private Anlässe gemietet werden.

Das Haus steht wie auch Mozarts Geburtshaus seit 1997 unter der Leitung von Dr. Gabriele Ramsauer.

Die 1991 im Mozart-Wohnhaus eröffnete Mozart Ton- und Filmsammlung ist das größte Spezialarchiv für Ton- und Bildaufnahmen zum Leben und Werk Mozarts. Im Untergeschoß des Gebäudes befindet sich der Autographentresor. Die Schatzkammer der Stiftung Mozarteum Salzburg.

Quellen

Einzelnachweis

  1. [Wechselseitige] Lebensversicherung Nummer 1 (englisch: The Dai-Ichi [Mutual] Life Insurance Company, kurz Dai-ichi Life; das Merkmal der Wechselseitigkeit wurde 2010 aufgegeben, die Rechtsform ist nun die einer Aktiengesellschaft, der Name Dai-ichi Seimei Hoken Kabushiki-kaisha;