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Schloss Fuschl

Begriffsklärung
Dieser Artikel behandelt die Geschichte des Schlosses Fuschl. Ein Artikel über das Schloss als Hotelbetrieb findet sich unter Hotel Schloss Fuschl.
Schloss Fuschl und Fuschlsee
Schloss Fuschl, Westansicht
Schloss Fuschl im Mai 2013
Eingang zum Schloss Fuschl
Jägerhaus, Schloss Fuschl
Waldhaus, Schloss Fuschl

Das Schloss Fuschl ist ein historisches Jagdschloss auf einer kleinen Halbinsel im Fuschlsee im Gemeindegebiet von Hof bei Salzburg im Flachgau am Rande des Salzkammerguts. ES zählt zu den denkmalgeschützten Objekten in der Gemeinde.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts als Jagdschloss erbaut, diente es einst als Sommerresidenz der Salzburger Erzbischöfe. In den 1950er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde das Schloss weltberühmt: seine romantische Lage am Ufer des Fuschlsees machte es zur idealen Filmkulisse für die „Sissi“-Filme mit Romy Schneider. Heute ist es ein fünf-Sterne-Hotel.

Geschichte

Die Zeit der Fürsterzbischöfe

Im sehr gut und ausführlich gestalteten, reich bebilderten Buch "Hotel Schloss Fuschl"[1] wird die Errichtung des Schlosses auf das Jahr 1461 unter dem Bauherrn Fürsterzbischof Sigmund I. von Volkersdorf datiert. Als Begründung für den Bau wird die Wahrung seiner Rechte (Anm. Jagdrechte) angegeben. Hierzu ist zu bemerken, dass der genaue Errichtungszeitraum des Schlosses innerhalb des 15. Jahrhunderts noch nicht deutlich feststeht. Der Bauherr, welcher Erzbischof es auch gewesen sein mochte, wollte ein Jagdschloss in dieser wildreichen Gegend errichten, ohne damit eine Sicherung seiner ohnehin unbestrittenen Rechte notwendig zu haben. Denn bereits im 14. Jahrhundert wurde die Burg Wartenfels im Egg, die von Konrad von Wartenfels an das Fürsterzbistum gefallen war, zum Sitz des Pflegers für das Pfleggericht Wartenfels, dessen Verwaltungsbereich auch den Fuschlsee umfasste.

Die dendrochronologischen[2] Untersuchungen ergaben bei den Trambalken (eine so genannte "Waldkante", also der letzte Jahresring war vorhanden,[3]) ein jüngstes Fälldatum von 1461. Damit weiß man, wann der Baum geschlägert wurde, nicht aber wann das Schloss gebaut wurde. Berücksichtigt man jedoch die damals notwendige Holztrocknungszeit bei Weichholz von fünf bis zehn Jahren (heute dauert das in den Trockenkammern nur kurze Zeit), dann kommt man schon auf einen Verarbeitungsbeginn von 1466 bis 1471. Sollte jedoch der Balken aus Altholz aus einem abgetragenen anderen Haus stammen (Bauernhaus, Stall, Stadl), dann vergrößert sich die zeitliche Unsicherheit noch mehr. Ein derartiges Schloss errichtete man nicht in einem Jahr; fünf bis zehn Jahre wären plausibel. Der Bau des Schlosses wird wohl in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts irgendwann innerhalb der Zeitspanne der Regierungszeit der Fürsterzbischöfe Burkhard II. von Weißpriach (1461 - 1466), Bernhard von Rohr (1466 - 1487) und Johann III. Beckenschlager (1487 - 1489) stattgefunden haben. Eine genaue Datierung wird erst nach Auffindung entsprechender Urkunden, Rechnungen, Unterlagen über Robotleistungen etc. möglich sein. Soweit bekannt, waren die diesbezüglichen Nachforschungen nicht von Erfolg gekrönt. Auch eigene[4] Recherchen in verschiedenen Archiven brachten keine Klarheit.

Laut einer Urkunde um 1500 war der Amtmann von Thalgau verpflichtet, bei den Aufenthalten des Salzburger Fürstenhofs (des fürsterzbischöfliche Hof) in Schloss Fuschl für die notwendige Möblierung zu sorgen. Üblicherweise verfügten Schlösser, die nur zeitweise genutzt wurden, damals kaum über eine feste Ausstattung.

1545 kommt es dann zur ersten urkundlichen Erwähnung der fürstbischöflichen Jagd in Fuschl. Und 1558 besucht Fürsterzbischof Johann Jakob von Kuen-Belasy das Schloss Fuschl im Rahmen der jährlichen Prunkjagd. Auch Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau hält sich 1593 zur Jagd im Schloss Fuschl auf. Seit dieser Zeit wird das Schloss zunehmend mit Mobiliar ausgestattet, das dort nun auch ständig aufbewahrt wird. 1624 ist Fürsterzbischof Paris Graf Lodron zur Jagd auf Schloss Fuschl.

Das Schloss kommt in Privatbesitz

Als Salzburg 1816 zu Österreich kommt, geht das Schloss in österreichischen Staatsbesitz über und wird durch das Salinenamt Hallein verwaltet. Bis 1833 bleibt es fast unbewohnt und verfällt zusehends. Eine Versteigerung im selben Jahr bringt auch kein Ergebnis. So entschließt man sich zur Verpachtung des Schlosses.

1864 erwirbt der Linzer Schiffmeister Michael Fink das Schloss, das damit erstmals in Privatbesitz übergeht. Fink erwirbt auch alle Fischereirechte am Fuschlsee. Das Schloss wird 1873 an Finks Tochter Amelie und ihren Mann, den königlich bayerischen Ober-Auditeur (Militärstaatsanwalt) Michael Erl, verkauft. Die Familie Erl lässt in den folgenden Jahren zahlreiche Erneuerungen, Umbauten und Veränderungen am Schloss vornehmen. Der bayerische Oberst Alfred Erl, Sohn von Michael und Amelie Erl, erben 1894 das „gelbe Schloss“, in dem er bis 1910 in den Sommermonaten lebt.

Nach dem Ersten Weltkrieg

1910 kommen neue Schlossbesitzer: der Hof-Fischmeister Fritz Steinbacher und seine Frau Babette aus München, Bayern. Schließlich kaufen 1918 die Brüder Eduard Mayer, Postwirt in Hof, und Martin Mayer vom Gasthof Baderluck in Hof das Schloss, das 1925 in den alleinigen Besitz des Postwirtes übergeht.

Der Besitzwechsel geht 1929 weiter. Gustav Edler von Remiz und seine Frau Hedwig (eine Enkelin des deutschen Großindustriellen August Thyssen) kaufen das Schloss, um es als angemessenen Wohnsitz auszubauen. In den nächsten Jahren erfolgen umfassende Renovierungen und Ausbauten, die auch das Jägerhaus einschließen, und die Anlage des Parks. Der Schlossbesitzer von Remiz wird nach der deutschen Besetzung Österreichs als Aktivist der ständestaatlich-katholischen „Vaterländischen Front“ verhaftet und im KZ Dachau festgehalten. Sein gesamter Besitz ist beschlagnahmt.

Das Schloss unter Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop

1939 wird Schloss Fuschl von einer Stiftung zugunsten des deutschen Reichsaußenministers Joachim von Ribbentrop übernommen. Von Remiz stirbt in Dachau, sein Besitz ist verloren. Joachim von Ribbentrop richtet Schloss Fuschl als seinen Sommerwohnsitz ein und empfängt hier während der Kriegsjahre häufig Staatschefs und Diplomaten der mit Deutschland verbündeten Länder. In den letzten Kriegsmonaten befindet sich ein Teil der Leitung des Auswärtigen Amtes aus Berlin in Schloss Fuschl. Nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen wird das Schloss besetzt und dient für kurze Zeit als Erholungsheim für amerikanische Offiziere.

Bald nach Kriegsende unternimmt die Familie von Remiz juristische Anstrengungen zur Wiedererlangung ihres Besitzes, die erst 1955 zu einer endgültigen Restitution führen.

Neubeginn 1947

1947 wird erstmals ein Hotelbetrieb aufgenommen, der durch Umbauten 1950 erweitert wird. Harriet Gräfin Walderdorff pachtet 1954 Schloss Fuschl, um hier neben ihrem in Salzburg bereits erfolgreichen „Goldenen Hirschen“ ein weiteres Hotel für ein internationales Publikum zu etablieren.

Romy Schneider: Drehort für "Sissi"-Film

1955 wird das Hotel Schloss Fuschl Schauplatz des ersten Sissi-Films mit Romy Schneider in der Hauptrolle. Es steht für das ähnlich malerisch gelegene Schloss Possenhofen, das sich am Starnberger See in Bayern befindet. Während der Dreharbeiten wohnte Romy Schneider im Schlosshotel, woran die luxuriöse Sissi-Suite mit ihrem atemberaubenden Ausblick auf den Fuschlsee noch heute erinnert. Durch den anhaltenden Erfolg des Films ist das Hotel Schloss Fuschl für ein weltweites Millionenpublikum untrennbar mit dem Sissi-Mythos verbunden, woran noch heute ein kleines Museum erinnert. Heute gibt es im Jägerhaus ein Sissi-Museum.

Sehenswürdigkeiten

Bildergalerie

weitere Bilder

  Schloss Fuschl – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki
  Schloss Fuschl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Quelle

Einzelnachweise

  1. Chronik, Hof bei Salzburg 2006, S. 1,3,8,10,11,16
  2. Datierungsmethode der Archäologie, siehe Wikipedia Dendrochronologie
  3. E-Mail von Dr. Hermann Fuchsberger an Martin Gschwandtner vom 12.12.2013
  4. Anmer. Autor Martin Gschwandtner