Josef Steiner (Künstler)

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Akt von hinten
Kastanienblüte, Kreide
Kunstharz
Farbzeichnung "Im Süden"
Kunstharz auf Silberfolie, "Mondlandschaft I und II"
Graue Struktur, Acryl mit verschiedenen Strukturen
Architektur

Prof. Dr. Josef Sepp Steiner (* 28. Februar 1915 in Hallein; † 14. Mai 2008 in Salzburg) war ein bekannter Maler und Wissenschafter in Salzburg.

Leben

1915 geboren in Hallein, absolvierte er in Wien ein Doppelstudium und promovierte 1940 zum Dr. rer. naturarum und Mag. phil. an der Universität sowie an der Akademie der Bildenden Künste zum Mag. artium (bei den Professoren Böckl und Fahringer sowie in der Meisterklasse für Grafik bei Prof. Martin). Als Meteorologe im Zweiten Weltkrieg als Wetterflieger verwendet, hatte er mannigfache Gelegenheit zu Studien über Atmosphäre, Licht, Farbe und Trübung, worauf er später aufbauen sollte. 1946 wurde er zum ersten Kulturreferent der Stadt Salzburg ernannt, setzte sich in dieser Funktion u.a. initiativ für die im Krieg dezimierten Museumsbestände, die Restitution wertvoller Dokumente des Archivs der Paracelsusgesellschaft sowie die verschiedensten Probleme der Altstadtsanierung ein. Nach nur einem Jahr verließ Steiner die Politik und entschied sich für Kunst und Lehre. 1953 berief ihn Oskar Kokoschka als ersten Assistent; im gleichen Jahr begründete Sepp Steiner mit Oskar Kokoschka die Internationale Sommerakademie für bildende Kunst, die „Schule des Sehens“, die er intensiv betreute. Kernpunkt war das Plädoyer, sich künstlerisch von der dunklen Seite der Kriege abzusetzen und eine neue humanitäre Kunst zu entwickeln.

Oskar Kokoschka schrieb wenig später:
Mein lieber Herr Dr. Steiner, die längste Zeit drängt es mich schon, Ihnen meinen herzlichsten Dank zu ihrer aufopfernden und künstlerisch so wertvollen Mitarbeit an dem großen Wagnis meiner Schule des Sehens in Salzburg auszusprechen. Niemand hatte mir in den ersten zwei Jahren so helfen können, dass trotz des Widerstandes von mancher Seite, des Unverständnisses der Öffentlichkeit ..... ein so glänzender Erfolg zu verzeichnen ist. Sie sind nicht nur ein Künstler mit tiefem Gefühl sondern auch ein Lehrer, der sich mit Takt die Autorität in dieser bunt zusammengewürfelten Schar bald zu erwerben wusste ....“.

Sepp Steiner lebte in der Stadt Salzburg. Im Mai 2008 verstarb er, 93-jährig, in Salzburg. Seine Urne ist am Kommunalfriedhof Salzburg beigesetzt.

Künstlerische Tätigkeiten:

Sepp Steiner war als Künstler ungemein vielseitig: von Bleistiftzeichnungen aus 1934, über Aquarelle bis zu den letzten Bildern des Jahres 2007, Öl- und Acrylarbeiten, Mischtechniken, Schüttbilder, kombinierten Techniken sowie Bleistift- und Farbzeichnungen aber auch - vorwiegend für öffentliche Gebäude - Farb- und Wandgestaltungen, Freskos, Scrafitti, Marmorintarsien, Mosaiken, Putzschnitte, Steinätzungen, Beton- und Glasmalerei, Metallplastiken, Kunstharzgüsse. Zeichenblock und Stifte waren stets griffbereit um vor Ort Stimmungen, Landschaften, fremde Kulturen, Menschen, Flora und Fauna festzuhalten, wodurch eine beeindruckende Sammlung aus europäischen Ländern, Nepal, China und Japan entstand.

Während ihn die Aquarelltechnik lebenslang begleitete, lösten in den 1970er Jahren Acrylarbeiten die bisher verwendeten Ölfarben ab, wurden weiterentwickelt und durch verschiedenste Einschlüsse (Sand, Leinen, Gefäße, Metalle u.v.m.) strukturiert. In dieser Phase begann er auf der Basis von langjährigen Forschungen mit der Grundstoffindustrie mit großformatigen Kunstharzgüssen bzw. Kunstharzmalerei auf Folie, gleichsam eine transponierte Renaissance mittelalterlicher Glasmalerei. Mosaike legte er bis in die 1980er Jahre hinein, an Wandgestaltungen aus Marmor arbeitete er noch eine Dekade länger. Die Schüttbilder entstanden erst nach 2000 als Werke des damals bereits 85-jährigen Künstlers.

Seine Aquarelle beweisen den Besitz der Geheimnisse der Linien, der Farben, der Kontraste, des Lichtes und des Schattens der mit epigrammatisch kurzen Linien festgehaltenen Bewegung. Abstrakt oder figural war für Sepp Steiner sekundär, weil er primär Ausdruck, Gehalt und psychologische Assoziation zum Klingen bringen wollte. Damit sollte die „Sehweise“ seiner Bilder zeitlos auf die für alle Menschen kollektiv gesetzten Werte aufbauen, wobei der Farbe oft eine dominierende Bedeutung zugeordnet wurde. Nach seinem künstlerischen Grundsatz sollte die Farbe erst im Verbund mit der Struktur und dem Graphismus jeden optischen Reiz auslösen, der auch im Profanen die große kosmische Ordnung erahnen lässt.

Die Achtung vor der Materialqualität und die Ehrfurcht vor der Seele des Materials - Papier, Farbe, Pinsel, Steine, Mosaike, Kunstharze u.a.m. - waren für ihn Leitmotive seines Schaffens. Sepp Steiner zeigte in den Motiven, Techniken und Ausdrucksformen seiner Bilder eine analog umfassende Bandbreite und gab sich nicht mit Routine, gefälligem Dekor oder Ästhetizismus zufrieden. Er suchte vielmehr das eigene Psychogramm mit der prägnanten Kurzformel seiner Motive zu kombinieren und zu einer allgemein gültigen Aussage zu verschmelzen. Die Betonmalereien in Hochhäusern im In- und Ausland (z. B. die durchgehende Betonmalerei im neunstöckigen Hochhaus der Salzburger Stadtwerke), Mosaiken in Schulen, Krankenhäusern und Industrieanlagen haben nicht nur eine malerisch- ästhetische sondern auch eine wissenschaftlich-medizinische Bedeutung, sollten positiv auf Psyche und Physis wirken und eine positive Erlebnisqualität schaffen. Steiner war im Besitz der Fähigkeit, in einem Bild mehr darzustellen, als die Augen des Betrachters als erstes sehen können, einerseits ein mühevoll erarbeitetes handwerkliches Können, andererseits die Gnade eines großen Talents. Bis wenige Monate vor seinem Tod war er aktiv und malte, in den letzten Lebensmonaten vorwiegend Aquarelle.

Seine Bilder befinden sich in Sammlungen im In- und Ausland, u. a. im Besitz der Städte Wien und Salzburg, von namhaften internationalen Konzernen und in privaten Sammlungen.

Ausstellungen (Auswahl)

München, Städtisches Museum (Gemeinschaftsausstellung) (1937)
Salzburg, Museumspavillon des Mirabellgartens, Kulturamt der Stadt Salzburg (in Zusammenarbeit mit dem Museum Carolino Augusteum), 07. 02.–02. 03. 1975 (anlässlich des 60. Geburtstages des Künstlers)
Kalmar, Schweden, Volvo (15. 10. 1975 ff.)
Hallein, Borregaard
Zell am See, Kulturamt (18. 08. 1977–15. 09. 1977)
Gumpoldskirchen, Galerie Margaret Oegg (01. 02. 1982–28. 02. 1982)
Bad Kleinkirchheim, Kärnten
Salzburg, Museumspavillon des Mirabellgartens, Kulturamt der Stadt Salzburg (in Zusammenarbeit mit dem Museum Carolino Augusteum), 28. 02.1985 ff.(anlässlich des 70. Geburtstages des Künstlers)
Salzburg, Iro & Partners mit Plansee Metall AG (18. 06. 1993–31. 07. 1993)
Gumpoldskirchen, Galerie Margaret Oegg (23. 09.–29. 10. 1994)
Großgmain, Galerie im Schilgenhaus (28. 09. 1997 ff.)
Europäisches Kulturzentrum Galerie Rolandseck, Remagen, Deutschland (06. 0.–15. 06. 2003)
Bonn, Hardtberg, Rathaus, Kulturamt der Stadt Bonn (18. 11. 2003–24. 12. 2003)
Bonn, Theater in der Springmaus (25. 05.–31. 07. 2003)
Bonn, Industrie- und Handelskammer (09. 09.–31. 10. 2003)
Geilenkirchen, Deutschland, (Kultur-)Haus Basten (05. 06.–31. 07. 2004)
Bonn, Colloquium Humanum, 06. 10. 2004
Großgmain, Galerie im Schilgenhaus (19. 11. 2004 ff.)(anlässlich des bevorstehenden 90. Geburtstages des Künstlers)
Salzburg, Raiffeisen-Bank (20. 11. 2005–04. 01. 2006)
Design-Museum Nürnberg, mit Galerie Landskron Schneidzik (21. 11. 2005–23. 12. 2005)
Salzburg, Alt-Salzburg (18. 04. 2007–26. 02. 2008)
Salzburg-München Bank, München (06. 06.–21. 06. 2007)
München, Verband der Bayerischen Wirtschaft, „art meets business“, (18. 10.–21. 10. 2007)
Salzburg, Artport, 31. 01. 2008–15. 03. 2008
Salzburg, Kulturamt der Stadt, "Rückblick - Überblick", Ausstellung anlässlich bevorstehenden 100. Geburtstages, Altes Rathaus, 09. 06.–11. 07 2014

Farbenpsychologie - Institut für Farbenpsychologie und Ökopsychologie

Oskar Kokoschka hatte Steiner in der zweiten Hälfte der 50er Jahre eingeladen, mit ihm in den USA zu lehren, aber dieser lehnte ab, denn er hatte, aufbauend auf den Farberlebnissen als Wetterflieger die Farbenlehre zur Farbpsychologie und Ökopsychologie ausgebaut (das Institut für Farbenpsychologie wurde 1953 gegründet) und als Konsulent bedeutender internationaler Unternehmen, später als Honorarprofessor für die damals noch neue Fachrichtung Ökopsychologie und angewandte Farbpsychologie an der Universität Salzburg weiter vertieft. Die farbliche Gestaltung von Schulen, Altersheimen, Kindergärten, Brücken und Kraftwerksanlagen, der Salzburger Mönchsberggaragen, Farbgestaltungen (Milieu-, Umwelts- und Arbeitsplatzgestaltungen, "Farbe am Arbeitsplatz") in Spitälern und Fabrikshallen, bahnbrechende Neuerungen im Bereich der Sicherheits-, Ordnungs- und Leitfarben auf der Tauernautobahn (bei der als erster Autobahn Europas farbpsychologische Richtlinien für die Erhöhung der Sicherheit eingesetzt wurden) sowie zahlreicher Tunnels (farbpsychologische Gestaltung der Beleuchtung sowie der Innenfarbgebung zur Vermeidung des "Schwarzlocheffekts") waren Resultat dieser Forschungen. Er gestaltete den Flughafen Klagenfurt, das Farbschema eines Kirchenbezirks, die "K" (Komfort) Waggons der ÖBB, das Jugendstrafgefangenenhaus Gerasdorf, die Sparkassen in Salzburg und Wörgl, u.v.m. Er veranstaltete regelmäßig internationale Symposien über Farbe in Verkehr, Werbung, Mode und Wirtschaft, hat aber trotz dieser intensiven Beschäftigung mit der Wissenschaft die künstlerische Seite nie vernachlässigt. Seine Versuche mit polarisiertem Licht - das "Malen mit Licht" - (Colorluxarbeiten) können hier als Brückenschlag gedeutet werden.

Ehrungen

Für seine Leistungen wurde Sepp Steiner u.a.

und sowie anderen hohen Auszeichnungen geehrt.

Werke

Bildergalerie

Quellen:

  • Steiner, Sepp: Farbe meine Lebensphilosophie - 70 Jahre Wissenschaft und Kunst. Eigenverlag, Salzburg 2004
  • Farbe im Leben, in: Heraklit-Rundschau Heft 65 Dezember 1963, Seite 2 - 44. Radentheim 1963
  • IFP Salzburg: Die Problematik der Modefarbe, Protokoll des internationalen Treffens im Zentralinstitut für Farbpsychologie Salzburg, März 1961, mit Beiträgen von H. Frieling, Sepp Steiner u.a.
  • Steiner Sepp: Skriptum der internationalen Farbberaterkurse des IFP Salzburg 1958 - 1962
  • Werner Wolff: Sepp Steiner als Künstler, Begleittext zur Ausstellung des Kulturamtes der Stadt Salzburg 1975
  • Wirkungsvolle Gegenständlichkeit, in: Salzburger Amtsblatt 1. März 1985
  • Czobadi Peter: Einführung zu Ausstellung Sepp Steiner in Galerie Baron von Schilgen, 28. September 1997
  • Rodenstock, Randolph: Einführung zu "Art meets Business", München 2007
  • 73 Jahre passionierte Malerei, in: Salzburger Nachrichten, 31. Jänner 2008