Viktor Kaplan

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Viktor Kaplan

Viktor Kaplan (* 27. November 1876 in Mürzzuschlag, Steiermark; † 23. August 1934 in Unterach am Attersee, Oberösterreich) war Techniker. Kaplan ging in die Technikgeschichte als Erfinder der schnellen Wasserturbine, der nach ihm benannten "Kaplan-Turbine" ein.

Leben

Die Eltern waren Karl Viktor Kaplan (* 1849 in Wiener Neustadt, Niederösterreich; † 1921 in Hetzendorf, heute zu Wien gehörig), Beamter der Südbahngesellschaft und Johanna, geborene Wust (* 1843 in Pettau, heute Ptuj, Slowenien; † 1898 in Hetzendorf). Viktor hatte zwei Geschwister: Karl (* 1871 in Agram) und Anna Luise (* 1873 in Lekenik, Kroatien), welche allerdings vier Wochen nach der Geburt verstarb.

Tabellarische Biographie von Viktor Kaplan

1882–1887 Volksschule in Neuberg an der Mürz.
1887–1888 Volksschule in Hetzendorf, damals noch nicht zu Wien gehörig.
1888–1895 Realschule in Wien IV. Waltergasse 7, die damals bis zur Matura sieben Jahre dauerte.
1895–1900 Maschinenbaustudium an der Technischen Hochschule in Wien.
1901–1902 "Einjährig-Freiwilliger" bei der k.u.k. Kriegsmarine in Pola, damals Kronland "Küstenland", heute Pula, Kroatien.

Von 1902 bis 1903 arbeitete er als Konstrukteur bei der Niederlassung der Budapester Maschinenfabrik GANZ in Leobersdorf, Niederösterreich, Arbeit an Dieselmotoren.

1903 reichte er seine Arbeit über einen neuen Einspritzmotor als Dissertation an der Technischen Hochschule(TH) Wien ein; diese wurde aber von der TH zurückgestellt, mit der Aufforderung, die theoretischen Erkenntnisse durch Versuche zu belegen. Dazu kam es jedoch nicht mehr.

19031931: Tätigkeit an der k.k. deutschen 'Franz Josef Technischen Hochschule' in Brünn, Mähren (heute Tschechien) (ab 1919 „Deutsche Technische Hochschule“, kurz DTH, genannt), 1912 Außerordentlicher Professor, 1918 Ordentlicher Professor für Wasserkraftmaschinen. Zivilingenieur für Maschinenbau.

19051907 Veröffentlichungen: Über mögliche Verwendung hochkomprimierter Gase im Betrieb von Wärmemotoren. Arbeit über die neue Berechnungsmethode und Konstruktion von Francisturbinenschaufeln. Arbeit über die Bestimmung rationeller Schaufelformen bei Schnell-Läufern; Arbeit über die Gestaltung der Laufradbegrenzung von Schnell-Läufern. Weiters noch zwei Veröffentlichungen auf dem Gebiete der Turbinentheorie: "Über die praktische Verwendbarkeit der Lorenzschen Turbinentheorie und Vorschläge zur Klarstellung der Wasserbewegung in Kreiselrädern" und "Nachweis der Richtigkeit der derzeit gebräuchlichen Turbinentheorien auf Grund von Bremsproben an ausgeführten Turbinenanlagen".

1908 Buch: „Bau rationeller Francisturbinen-Laufräder“. Einreichung dieser Arbeit als Dissertation an der TH in Wien.

1909 Promotion an der TH in Wien zum Dr. techn. und Habilitation an der DTH in Brünn in Brünn. Position eines Adjunkten. Heirat mit Margarete Strasser, Tochter eines wohlhabenden Wiener Tuchhändlers.

Kinder: Margarete (* 1910 in Wien), Gertrude (* 1913 in Brünn). Insgesamt dreizehn Enkelkinder, von denen im Jahre 2012 noch zehn am Leben sind, davon sechs in Österreich, drei in der Bundesrepublik Deutschland und ein Enkel in Bolivien.

19091911 Maschinenbaueleve[1] bei der Seewehr im Rahmen der k.u.k. Kriegsmarine (Reserve, kein Dienst in der Linie, d. h. kein Präsenzdienst). Als "Maschinenbau-Eleven" wurden nur Absolventen Technischer Hochschulen rekrutiert.

19091912 Einrichtung eines Turbinenlabors an der DTH in Brünn mit Unterstützung der Fa. Ignaz Storek, Stahlgießerei und Maschinenbauunternehmen in Brünn. Zahlreiche Versuche bis zur Erfindung der Turbine mit verdrehbaren Laufschaufeln. Die Idee drehbarer Laufschaufeln (ohne sie in der Praxis auszuführen) geht auf Carl Ludwig Fink (* 1821; † 1888) zurück, der Professor an der Preußischen Gewerbeakademie in Berlin war und gemeinsam mit dem Engländer James Thomson (* 1822; † 1892) als Erfinder des Leitapparates für Turbinen gilt.

1912 Ernennung zum Außerordentlichen Professor.

1912 Grundlegende Patente für seine Turbine.

1914 Einberufung zum Militär, jedoch wieder zurückgezogen, 1917 vom Landsturmdienst befreit.

1918 Ernennung zum Ordentlichen Professor.

1914–1925: Zahlreiche Patentstreitigkeiten, Kaplan behielt die Oberhand. Endgültiger Schlussstrich zu Gunsten Kaplans durch das Reichsgericht Leipzig 1925. Kaplan machte insgesamt 38 Erfindungen, die zu rund 270 Patentanmeldungen in ca. 25 verschiedenen Staaten führten. 1922 schwere Erkrankung, die ihn jahrelang an ernstlicher Arbeit hinderte.

1919: Erste Kaplan-Turbine der Welt, die von der Fa. Storek in Brünn gebaut wurde, in Velm (NÖ, heute Ortschaft der Gemeinde Himberg) installiert.

Kaplan optierte mit den anderen Professoren der DTH Brünn für die Tschechoslowakei; damit sicherten sie den Bestand der DTH. Ab 1923 größere und große Turbinen in Österreich (Kraftwerk Siebenbrunn, an der Traun, OÖ), Schweden, Deutschland, Russland, Irland. Die Kaplan-Turbine trat ihren „Siegeszug“ um die Welt an.

1926 Ehrendoktor der Technischen Hochschule Prag.

1927 Berufung an die Technische Hochschule Wien, jedoch nicht realisiert (Gesundheitsprobleme, Intrigen?).

1930 Ehrenbürger der Gemeinde Unterach. Bürgermeisterstelle abgelehnt.

1931 Beurlaubung von der DTH bis zur erhofften Genesung. Rückzug auf den 1920 erworbenen Landsitz Rochuspoint in Unterach am Attersee, direkt an der Grenze zur Ortschaft Au gelegen.

1934 Ehrendoktor der DTH Brünn.

23. August 1934 unerwartet an einem Schlaganfall auf Rochuspoint gestorben; in Unterach am Attersee beerdigt und ein Jahr später in die Grabstätte auf Rochuspoint umgebettet.

1000 Schilling-Schein

Das Portrait Kaplan war auch am Eintausend-Schillingschein, der 1961 erschien, verewigt. Im Jahre 2008 wurde in Unterach am Attersee ein Viktor-Kaplan-Themenweg eröffnet, der an insgesamt zwölf Stationen mit Schautafeln vom Freizeitzentrum des Ortes aus über einen Höhenweg bis zur Ortschaft Au führt und von dort an der Seeache entlang wieder zurück kehrt zum zentralen Informationspavillon im Gelände des Freizeitzentrums. Er vermittelt einerseits das Leben und Lebenswerk des berühmten Erfinders, anderseits werden auch in sehr anschaulicher Weise allgemeine Informationen über die Geschichte der Wasserkraftnutzung, den Wasserkreislauf sowie über die örtliche Geologie, den Bodenaufbau, die Verwitterung und die Schutzwasserwirtschaft geboten.

Über Viktor Kaplan, seine Erfindung und Bedeutung

Martin Gschwandtner hatte unter dem Titel "Vor 75 Jahren starb Viktor Kaplan" nachstehenden Text verfasst:

Vom Wasserrad zu den ersten Turbinen

Von der Antike über das Mittelalter bis in die frühe Neuzeit waren die Wasserräder der Hauptlieferant mechanischer Energie zum Antrieb von Mühlen, Förderanlagen, Hämmern und vielen anderen Einrichtungen. Im 18. Jahrhundert befassten sich noch viele Techniker mit der Verbesserung von Wasserrädern. Diese konnten jedoch den steigenden Anforderungen nicht mehr genügen: Ihre Leistungen und Drehzahlen waren zu gering. Daher stieg der Druck auf die Techniker, leistungsstärkere Maschinen zur Ausnutzung von Wasserkräften zu entwickeln.

Der Begriff Turbine (vom lat. Wort „turbo“ für „Kreisel“ abgeleitet) geht auf den Franzosen Claude Burdin zurück, der ihn 1822 erstmals verwendete. In Frankreich wurde damals ein Preis für die Entwicklung leistungsfähiger „Turbinen“ ausgesetzt. Ein Schüler von Burdin, Benolt Fourneyron (* 1802; † 1867) holte sich diesen Preis. Er baute um das Jahr 1835 in St. Blasien im Schwarzwald eine Turbine von 30 KW Leistung bei einer Höhendifferenz von 108 Metern ein. St. Blasien wurde ein „Wallfahrtsort“ der Techniker und Fourneyron ein berühmter Mann.

Unter den Dutzenden von Forschern, die weiter an der Turbinenentwicklung arbeiteten, seien stellvertretend folgende Persönlichkeiten herausgegriffen: Der deutsche Lokomotivbauer Carl Anton Henschel (* 1780; † 1861) aus Kassel; der Professor für Maschinenbau am Polytechnikum in Karlsruhe, Jacob Ferdinand Redtenbacher aus Steyr in Oberösterreich (* 1809; † 1863), sowie der Hydrauliker Julius Ludwig Weißbach (* 1806; † 1871), aus Annaberg im Erzgebirge.

In Deutschland wurden trotz aller Erfindungsleistungen die Wasserturbinen zunächst äußerst misstrauisch betrachtet. Beispielsweise hielt auch die Regierung des Herzogtumes Braunschweig einen Patentschutz nicht für notwendig, weil sie für Wasserturbinen ohnehin keine Zukunftschancen sah.

Anschließend führte die Entwicklung zu jenen drei Haupttypen von Turbinen, die bis zum heutigen Tage den großen Bereich der Wasserkraftnutzung in wirtschaftlicher Weise ermöglichen. Zuerst zur Francisturbine des Engländers James Francis (* 1815; † 1892) und dann zur Pelton-Turbine des US-Amerikaners Leston Pelton (* 1829; † 1908).

Die Francisturbine, geeignet für mittlere bis große Wassermengen und mittlere Gefälle, wurde vor allem in Deutschland durch die Firma Voith in Heidenheim weiterentwickelt. Peltons Erfindung der Freistrahlturbine wurde 1880 patentiert. Seine Turbine, die für kleine bis größere Wassermengen und bis zu sehr großen Fallhöhen geeignet ist, wurde ebenfalls ein Verkaufsschlager.

Stand der Wasserkraft-Technik zu Beginn des 20. Jahrhunderts

An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert waren die Pelton - und die Francis-Turbine schon sehr ausgereift und weit verbreitet. Es fehlte nur noch eine Turbine, welche die wirtschaftliche Nutzung der Wasserkräfte der Flüsse ermöglichte. Francis-Turbinen waren dazu nur unzulänglich in der Lage, denn sie hatten zu geringe Drehzahlen, man musste daher zwischen Turbine und Generator Getriebe anordnen; sie hatten aber auch einen mit sinkender Wassermenge stark abfallenden Wirkungsgradverlauf. Viktor Kaplan setzte sich die Lösung dieser Aufgabe zum Ziel.

Viktor Kaplans Lebenslauf

Kaplans Leben währte nur 58 Jahre, von 1876 bis 1934. Die Hälfte davon verbrachte er in der mährischen Hauptstadt Brünn. Viktor Kaplan kam am 27. November 1876 im Bahnhofsgebäude von Mürzzuschlag in der Steiermark, heute eine Bezirkshauptstadt mit rund 8 600 Einwohnern, als Sohn des Bahnbeamten Karl Viktor Kaplan und dessen Frau Johanna, geb. Wust, zur Welt. Der Vater war vorher schon an sieben anderen Stationierungsorten der k.k. Südbahn im Einsatz, darunter auch Agram (dem heutigen Zagreb), wo Viktor Kaplans Bruder Karl 1871 geboren wurde, und Lekenik in Kroatien, im Gebiet der ehemaligen k.k. Militärgrenze, wo seine Schwester Anna Luise 1873 das Licht der Welt erblickte, aber schon vier Wochen nach der Geburt verstarb. Im Gegensatz zum Militär, wo man Kinder, die in den jeweiligen Garnisonsorten des Vaters geboren wurden „Tornisterkinder“ nannte, gab es bei der Eisenbahn keine ähnliche Bezeichnung.

Kaplans Vater und Großvater stammten aus Wiener Neustadt, Mutter Johanna, geb. Wust, aus Pettau in der Untersteiermark, dem heutigen Ptuj in Slowenien. Der Großvater Kaplans mütterlicherseits, Franz Wust, stammte aus Josefstadt in Böhmen (heute ein Stadtteil von Jaromer an der Elbe, nordöstlich von Prag) und war zuletzt, bis zur Revolution 1848/49, Oberpostverwalter in Temesvar im Banat in Südungarn (Siedlungsgebiet der Donauschwaben), heute als Timisoara in Rumänien gelegen.

Man sieht, Orte des ehemaligen alten Österreich sind weit herumgekommen, obwohl sie immer am selben Platz geblieben sind.

Viktor Kaplan besuchte in Neuberg an der Mürz und in Hetzendorf (damals noch nicht zu Wien gehörig) die Volksschule und anschließend die k.k. Staatsrealschule, Wien IV, Waltergasse 7. Schon als kleiner Knabe bastelte Kaplan Wasserräder, später an der Realschule einen Elektrisierapparat, einen Photoapparat und eine Dampfmaschine, die alle funktionierten und seinen Physiklehrer Franz Daurer in großes Staunen versetzten. Nach der Matura studierte er von 1895–1900 mit sehr gutem Erfolg Maschinenbau an der Technischen Hochschule in Wien. Einen Titel gab es damals für die Absolventen noch nicht, erst ab 1917 „Ing.“.

Anschließend leistete er seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger und so genannter „Maschinenbau-Eleve“ bei der k.u.k Kriegsmarine in Pola auf der Halbinsel Istrien, damals Teil des Kronlandes Küstenland, heute Pula in Kroatien. Vom Militärdienst hinterließ Kaplan keine schriftlichen Erinnerungen außer einigen Ansichtskarten. Überliefert ist hingegen, dass Kaplan später seinen Studenten in Brünn den beim Militär herrschenden Geist folgendermaßen vermitteln wollte:

Wenn Sie beim Militär einmal gefragt werden, wer größer gewesen sei, Napoleon oder Bonaparte, dann heißt die richtige Antwort: „ jawohl !!

Im Oktober 1901 trat er bei der Niederlassung der Budapester Maschinenfabrik Ganz in Leobersdorf (30 km südlich von Wien) als Konstrukteur ein. Dieser Betrieb baute damals Dieselmotoren und Francis-Turbinen. Kaplan hatte bald eine Idee für einen verbesserten Motor. Weil er diesen in einem Vortrag ohne Absprache mit seiner Firma bekannt machte, bekam er die Kündigung, die jedoch nach kurzer Zeit zurückgenommen wurde.

Die über diesen Motor eingereichte Dissertation an der Technischen Hochschule Wien wurde mit dem Hinweis zurückgestellt, die Arbeit durch Vornahme von Versuchen zu ergänzen.

Dazu kam es jedoch nicht mehr, weil Kaplan an der Deutschen Technischen Hochschule (DTH) in Brünn[2] die Stelle eines Konstrukteurs am Institut für Maschinenbau bei Professor Alfred Musil (* 1846 in Temesvar; † 1924 in Brünn) bekam. Dieser war der Vater des berühmten Robert Musil (* 1880 in Klagenfurt, Kärnten; † 1942 in Genf, Schweiz), der vor seiner späteren Karriere als Schriftsteller, das Maschinenbaustudium an der DTH absolviert hatte und von 1902–1903 Assistent an der TH in Stuttgart war. Kaplan trat Ende 1903 – gerade 27 Jahre alt geworden – seinen Dienst in Brünn an.

Mit der Hauptstadt der damaligen Markgrafschaft Mähren mit rund 130 000 Einwohnern, davon ⅔ Deutsche, eingebettet in ein landschaftlich schönes Umfeld, lernte Kaplan einen dynamischen Ort kennen, der an dem gewaltigen Aufschwung der Industrie in den letzten Jahrzehnten des neunzehnten Jahrhunderts in hervorragender Weise Anteil genommen hatte. Aus der engen Provinzstadt hatte sich ein Zentrum wirtschaftlichen und geistigen Lebens entwickelt, während die frühere Hauptstadt des Landes, Olmütz, zur kleinen bürgerlichen, teils bäuerlichen Land - und Garnisonsstadt geworden war. In Brünn entstanden Zug um Zug viele Fabriken, wobei die Schafwollindustrie an der Spitze stand. Dann folgte eine Reihe von Maschinenfabriken. Unter diesen genoss die 1861 als Eisengießerei gegründete Stahlhütte Ignaz Storek einen ausgezeichneten Ruf, weit über die Grenzen des Landes hinaus. Ihr sollte später bei der Entwicklung der Kaplan-Turbine eine entscheidende Rolle zufallen. Brünn bot jedoch auch in künstlerischer Hinsicht viel Interessantes, Sehens- und Hörenswertes. Das 1882 eröffnete, prächtige Stadttheater war die „Startrampe“ für fast alle späteren Größen des internationalen Opernhimmels wie z. B. Maria Jeritza (* 1887; † 1982), die eigentlich Maria Jedlitzka hieß und der zu Ehren in Unterach am Attersee, wo Kaplan 1920 seinen Landsitz erwarb, eine Straße benannt wurde.

Der junge Techniker Kaplan, fühlte sich in der neuen Umgebung bald überaus wohl. Er wohnte von 1903 bis 1904 in der Herrengasse Nr. 14 (tschechisch Panská), dann von 1905 bis 1909 in der Talgasse 51 (tschechisch Udolni). Nach der Verehelichung 1909 wohnte er bis 1931 in der Erzherzog Rainerstraße (tschechisch Uvoz), zuerst im Haus Nr. 62 und dann ab 1919 im Haus Nr. 52.

In Brünn befasste sich Kaplan gleich mit seinem Lieblingsgebiet, dem Wasserturbinenbau. Zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen und Vorträge machten ihn in der Fachwelt bekannt. Bereits durch die elektrotechnische Ausstellung in Frankfurt am Main im Jahre 1891 hatte der Wasserturbinenbau einen neuen Impuls erhalten. Hier wurde bekanntlich zum ersten Male durch die Initiative von Oskar von Miller, dem Pionier der Deutschen Wasserkraftwirtschaft, der durch ein Wasserturbinenaggregat erzeugte Strom (das Antriebsaggregat war eine Henschel -Jonval -Turbine mit ca. 300 KW) von Lauffen am Neckar über eine 175 km lange Freileitung mit einer Spannung von rund 15000 Volt nach Frankfurt am Main übertragen.

Kaplan versuchte zuerst die Francis-Turbine schneller zu machen; er erzielte dabei beträchtliche Drehzahlsteigerungen, die aber für den direkten Antrieb der Drehstromgeneratoren noch immer nicht ausreichten. Nach einer Überarbeitung der Turbinentheorie erschien 1908 sein erstes großes Werk: „Bau rationeller Francisturbinenlaufräder“, mit welchem er 1909 an der Technischen Hochschule in Wien zum Doktor der technischen Wissenschaften promovierte.

Anschließend folgte an der TH Brünn seine Habilitation für Wasserkraftmaschinen. Im gleichen Jahr heiratete er Margarete Strasser, die Tochter eines vermögenden Wiener Kaufmannes. Zwei Töchter, Margarethe und Gertraud, entstammten dieser glücklichen Ehe. Von den 13 Enkelkindern Kaplans leben noch 12, davon eines in Bolivien, drei in Deutschland und acht in Österreich.

In der Folge konnte Kaplan mit der Unterstützung Professor Musils und der Firma Storek die Einrichtung eines Turbinenlaboratoriums erreichen. Die Verbindung Viktor Kaplans mit der Firma Storek kam dabei durch einen glücklichen Zufall über eine junge Frau zustande. Es war im Jahre 1907, als Kaplan von seinem Studenten Edwin Storek – dem ältesten Sohn Heinrich Storeks – erfuhr, dass die von ihm bewunderte Heroine des Stadttheaters Brünn, Ernie Hrubesch, eine entfernte Verwandte der Familie Storek sei, die des öfteren dort zu Besuch wäre. Edwin Storek vermittelte Kaplan eine Einladung, um die junge Künstlerin treffen zu können.

Doch es sprang kein Funke über zwischen der Künstlerin und dem nüchternen Techniker, der mit der leidenschaftlichen Erörterung seiner Idee einer schnell laufenden Turbine verständlicherweise nur beim Firmenchef Heinrich Storek auf reges Interesse stieß. Am Ende dieser Zusammenkunft reifte der Plan, das vorhin schon erwähnte Versuchslaboratorium einzurichten. Die Firma Storek lieferte die wichtigsten Teile und übernahm den Großteil der Kosten. Die DTH stellte einen Kellerraum im eben fertig gestellten Neugebäude, der so genannten „Neuen Technik“ zur Verfügung. Ab 1910 konnte Kaplan im neuen Labor mit seinen Versuchen beginnen.

Kaplan experimentierte unermüdlich mit kleinen Modell-Laufrädern, entwickelte die Turbinentheorien weiter und gelangte durch schätzungsweise mehr als 3 000 Versuche ans Ziel seiner rastlosen Bemühungen, zur Propellerturbine mit verstellbaren Schaufeln. Allerdings hatte der Professor an der preußischen Gewerbeakademie in Berlin, Carl Ludwig Fink, bereits in seinem Buch von 1878 erwähnt, dass drehbare Laufschaufeln den Wirkungsgrad von Turbinen verbessern könnten. Damals bestand aber noch kein Bedarf an einer derart komplizierten Konstruktion. Es gab aber auch schon Patente eines finnischen und zweier österreichischer Erfinder über Turbinen mit drehbaren Laufschaufeln, die aber keinen durchschlagenden Erfolg zeigten.

Kaplan jedoch konnte nach zahlreichen, mit unermüdlicher Zielstrebigkeit durchgeführten Versuchen die Idee drehbarer Schaufeln in eine gelungene Konstruktion und auch mit Hilfe Storeks in die Praxis umsetzen. Nach Anmeldung der grundlegenden Patente 1912 und 1913 brach die schwere Zeit der Patentkämpfe an. 1912 war Kaplan zum außerordentlichen Professor ernannt worden, 1914 erhielt er eine Einberufung zum Kriegsdienst, die aber wieder zurückgezogen wurde. 1917 wurde er auch vom Landsturmdienst befreit. 1918 folgte die Ernennung zum ordentlichen Professor für Wasserkraftmaschinen an der Deutschen Technischen Hochschule in Brünn.

Ein kurzer Überblick über die Patentstreitigkeiten

Die ersten Einsprüche ab 1913 kamen von einigen deutschen und schweizerischen Turbinenbaufirmen, die den Erfolg ihrer in die Weiterentwicklung von Francis-Turbinen getätigten Investitionen gefährdet sahen. Sie schlossen sich zur so genannten Turbinenvereinigung zusammen (von Kaplan „Anti-Kaplan-Syndikat“ genannt), um im gemeinsamen Vorgehen die Standfestigkeit der Patente Kaplans auf die Probe zu stellen. In diesen Auseinandersetzungen hatte Kaplan in seinem Assistenten Ing. Jaroslav Slavik und seinem Freund Dr. Alfred Lechner wertvolle Helfer.

1919, nach dem Erfolg mit der ersten Kaplan-Turbine der Welt, die von Storek gebaut wurde, schwenkten die Turbinenfabriken unter Führung von Voith-Heidenheim um, gründeten den Kaplankonzern, nahmen Lizenzen auf Kaplans Patente und bauten mit großem Erfolg Kaplan-Turbinen. Dazu musste Walter Voith vorher einen „Canossagang“, wie er es selber nannte, zu Kaplan, dem „neuen Turbinenpapst“ nach Brünn antreten. Doch es gab auch streitbare Einzelgänger, die versuchten, die Erfindung einer völlig neuen Turbine in technischer und patentrechtlicher Hinsicht in Frage zu stellen.

Das waren:

1881 in Salzburg geboren, promovierter Maschinenbauer. Er arbeitete bei der Fa. Ganz in Leobersdorf und war anschließend Lehrer an einer Staatsgewerbeschule in Wien. Baudisch meldete 1914 eine so genannte Saugstrahlturbine zum Patent an. Er behauptete, sein Patent würde die Erfindung Kaplans wissenschaftlich vollkommen decken, was Kaplans Patente nicht täten.

  • Oskar Poebing (* 1882; † 1956)

1882 in Starnberg in Bayern geboren, studierte Maschinenbau an der Technischen Hochschule in München, war dann Assistent von Prof. Rudolf Cammerer (von dem u.a. die Kennzahl der „spezifischen Drehzahl“ stammt) und Betriebsleiter des hydraulischen Laboratoriums. In einer Fachzeitschrift behauptete er, dass das hydraulische Institut der TH München die eigentliche Erfinderin der Kaplan-Turbine wäre.

  • Robert Honold (* 1872; † 1953)

1872 geboren in Langenau am Bodensee in Württemberg, studierte Maschinenbau in Stuttgart und Darmstadt. Nach längerer Praxis in der Industrie und als Zivilingenieur war er von 1916–1927 Professor und zeitweise Dekan der Fakultät für Maschinenbau an der Technischen Hochschule in Graz.

Hatten die Auseinandersetzungen mit Baudisch und Poebing für Kaplan noch einen gewissen Unterhaltungswert, so waren die Kontroversen mit Honold weit schärfer. Honold stützte sich auf die schon erwähnte Veröffentlichung Prof. Finks über die Vorteile drehbarer Laufschaufeln und behauptete, Kaplan sei das Patent zu Unrecht erteilt worden, denn der eigentliche Erfinder wäre Fink. Honold erhob Nichtigkeitsklage bei den Patentgerichten in Berlin und Wien. Alle Klagen Honolds und auch seine Berufungen wurden abgewiesen. Doch Honold gab nicht auf, er verstieg sich zu ehrenrührigen Äußerungen, für die er am Bezirksgericht in Graz verurteilt wurde. Honold setzte seine Angriffe über den Tod Kaplans hinaus bis 1951 fort. Robert Honold war der Bruder von Gottlob Honold, der ebenfalls ein „Zündler“ war, aber im positiven Sinne; er erfand für Robert Bosch die Hochspannungsmagnetzündung und ermöglichte erst damit den Bau schnell laufender Ottomotoren.

  • Zuletzt kam es noch zu einer sehr ernsten Auseinandersetzung mit Prof. Dr. Ing. Franz Lawaczeck aus Pöcking in Bayern zusammen mit der Maschinenbaufirma Ferdinand Schichau in Elbing in Westpreußen:

Der Angriff mittels Nichtigkeitsklagen richtete sich gegen Kaplans Patent über ein Laufrad mit flügelartigen Schaufeln (DRP 300591). Die Klage stützte sich auf eine Reihe älterer Veröffentlichungen über Schiffspropeller, die eine Ähnlichkeit mit den Propellerlaufrädern von Kaplan hatten. Die Angelegenheit war von großer Tragweite, denn das bekämpfte Patent, war eines der Grundlagen der Lizenzverträge.

In der Verhandlung am Reichsgericht Leipzig 1925 wurden auch diese Klagen abgewiesen, so dass damit für Kaplan die zwölf Jahre dauernden Kämpfe und Aufregungen beendet waren. Er und sein Team waren die fachlichen Sieger, seine Gesundheit jedoch die Verliererin. Denn in die Zeit der Patentkämpfe fiel Kaplans schwere Erkrankung im Februar 1922. Die ärztlichen Diagnosen waren unsicher und reichten von Gehirnschlag und Kopfgrippe bis zum Nervenzusammenbruch. Nach dieser Erkrankung war Kaplan ein anderer geworden, der frühere Schwung fehlte ihm. In dieser Zeit waren seine Frau Margarete, sein Assistent Ing. Jaroslav Slavik, von Kaplan burschikos immer „Slawitschek“ genannt und sein Freund Prof. Dr. Alfred Lechner die wichtigsten Stützen, die im Zuge der Patentauseinandersetzungen die notwendigen Arbeiten im Sinne des Erfinders erledigten. Kaplan hatte sich insgesamt gegen zehn Einsprüche, zehn Beschwerden, drei Nichtigkeitsklagen, bei einer Reichgerichtsverhandlung und bei der Ehrenbeleidigungsklage gegen Robert Honold durchzukämpfen.

Die erste Kaplan-Turbine im Einsatz

1919 wurde bei der Fa. Hofbauer, einer Börtel- und Strickgarnfabrik in Velm in Niederösterreich (heute eine Ortschaft der Gemeinde Himberg, ca. 10 km südlich von Schwechat) die erste Kaplan-Turbine der Welt, von Storek gebaut, in Betrieb genommen. Die praktische Betriebsaufnahme verlief sehr günstig, die im Laboratorium ermittelten Werte von Leistung und Wirkungsgrad wurden auch tatsächlich erreicht. Der Erfolg brachte der Firma Storek 1920 bereits 60 Kaplan-Turbinen auf die Auftragsliste. Die Turbine war in Velm bis 1955 in Betrieb.

Rückschläge und endgültiger Durchbruch

In der Folge traten bei anderen von Storek gefertigten Kaplan-Turbinen große Schwierigkeiten auf, die sich durch laute, explosionsartige Schläge beim Lauf bemerkbar machten, wobei wichtige Teile der Turbine beschädigt wurden. Diese Schwierigkeiten, es handelte sich um die so genannte Kavitation (Hohlraumbildung in Unterdruckzonen) ließen sich nicht verheimlichen und waren „Wasser auf die Turbinen“ der Gegner Kaplans, die an die Messergebnisse nicht glaubten und ihm die Erfolge auch nicht gönnen wollten. Auch die Firmengruppe des Kaplan-Konzerns verzögerte zunächst die Auswertung der Erfindung. Kaplan war krank und verzweifelt und sah zunächst die Zukunftsaussichten seiner Turbine in den düstersten Farben. Niemand wusste, was die Ursache der Störungen sein könnte.

Doch einer ahnte die Herkunft des Übels. Es war Gustav Oplusstil, Absolvent der DTH in Brünn, ehemaliger Fregattenleutnant auf Unterseeboten der k.u.k. Kriegsmarine, Hydrauliker bei der Fa. Storek, der vor dem Krieg in der Werft der Fa. Robert Whitehead in Fiume (heute Rijeka) praktiziert hatte. Aus der Familie Whitehead stammte Agathe Whitehead, die erste Frau des ehemaligen U-Boot-Kommandanten der k.u.k. Kriegsmarine, Georg Ritter von Trapp, des Vaters der singenden Trapp-Familie.

Oplusstil erinnerte sich, dass bei den hoch beanspruchten Antriebspropellern der Kriegsschiffe, ähnliche Erscheinungen mit Anfressungen und faustgroßen Löchern aufgetreten waren. In sofort durchgeführten Versuchen ging man bei Storek den Vermutungen Oplusstils nach und konnte daraus tatsächlich Maßnahmen ableiten, die zur Beseitigung der Probleme bei den zehn von der Kavitation befallenen Turbinen führten. Storek hatte bis dahin bereits rund 40 Kaplan-Turbinen gebaut.

In dieser Situation erwarb sich die Fa. Storek, die dabei große finanzielle Opfer bringen musste, herausragende Verdienste, die von Viktor Kaplan mit großem Lob gewürdigt wurden. Jaroslav Slavik schrieb in seinen Erinnerungen, dass die Firma Storek damals „die Kastanien aus dem Feuer holte“. Er, sowie Walter Voith und Elov Englesson, Chefingenieur der schwedischen Firma KMW (Karlstads Mekaniska Werkstad) in Kristineham, leisteten damals wertvolle Hilfe. Die Verbreitung der Kaplan-Turbine war nun nicht mehr aufzuhalten.

Mit zwei 1 000-PS-Kaplan-Turbinen der Fa. Voith, St. Pölten-Heidenheim im Jahre 1922 für die Papierfabrik Steyrermühl in Oberösterreich und vor allem mit einer schwedischen Kaplan-Turbine mit rund 11 000 PS im Jahre 1925 für das Kraftwerk Lila Edet in Schweden, hatte die Erfindung Kaplans die Probe für ihre Verwendung auch in Großkraftwerken eindrucksvoll bestanden.

Es folgten vor dem Zweiten Weltkrieg weitere große Turbinen für Deutschland, Russland und Irland. Seither hat die Kaplan-Turbine ihren Siegeszug um die Welt angetreten. Das erste rein österreichische. Donaukraftwerk, Ybbs-Persenbeug, welches in den Jahren von 1954–1959 errichtet wurde, hatte bereits Kaplan-Turbinen von je rund 47 000 PS, die damals die größten in Europa waren.

Ehrungen und Ruhestand

1926 wurde Kaplan Ehrendoktor der Deutschen Technischen Hochschule in Prag. 1930 erhielt er die Ehrenbürgerschaft von Unterach. Ab 1931 zog er sich ganz auf sein Landgut Rochuspoint in Unterach am Attersee zurück. Dort beschäftigte er sich mit seinen vielen Hobbys und unternahm auch zahlreiche Ausflüge mit seinem Automobil. Er fuhr immer mit Chauffeur, weil er selber nie einen Führerschein erworben hatte.

Kurz vor seinem Tode wurde er noch Ehrendoktor der Deutschen Technischen Hochschule Brünn. Am 23. August 1934 starb er an einem Schlaganfall auf seinem Landgut, wo er auch seine letzte Ruhestätte fand.

Sein wissenschaftliches Erbe sind zahlreiche technische Abhandlungen und 38 Erfindungen, die zu 267 Patentanmeldungen in 25 Ländern der Erde führten.

Anekdoten

Bekanntlich ranken sich um jede große Persönlichkeit besondere Erinnerungen und Anekdoten, so auch um Kaplan; eine kleine Auslese:

  • Der Bewerbungstest

Kaplan hatte nicht nur die nach ihm benannte Turbine erfunden, sondern auch den vermutlich kürzesten Personal-Einstellungstest. Vielleicht enthält die folgende Geschichte eine kleine Anregung für Personalverantwortliche:

DI. Ernst Meier (* 1896 in Wien) erzählte folgende Geschichte: Kaplan suchte einen Assistenten. Ernst Meier, damals Student des Maschinenbaues interessierte sich dafür. Er meldete sich beim Professor. Kaplan: „Was wollns?“ Meier: „Ich komme wegen des Assistentenpostens.“ Kaplan: „Haben Sie schon einmal etwas verpfuscht?“ Darauf Meier: „Jawohl Herr Professor!“ Antwort Kaplans: „Wann können Sie anfangen?

Kaplan war nach den Aussagen seiner Zeitgenossen persönlich sehr bescheiden. Er war aber auch ein humorvoller Mensch und manchem Schabernack nicht abgeneigt. Er setzte seine technische Fantasie aber auch einmal ganz boshaft ein, um einen unangenehmen Besucher zu ärgern:

  • Der wackelige Suppenteller

Er legte einmal, bevor man zu Tisch ging, unter das Tischtuch hindurch bis unter den Suppenteller eines ihm unsympathischen Besuchers einen am Ende abgebundenen Schlauch, der mit einem Blasballon verbunden war. Während des Essens äußerte Kaplan, dass ihm Leute zuwider wären, denen beim Essen die Suppe über den Tellerrand schwappe. Im gleichen Augenblick drückte er den Ballon zusammen und das Malheur war geschehen. Seine ahnungslose Frau hatte Mühe diesen groben Fauxpas auszubügeln.

  • Hoher Besuch in Unterach

Ein andermal, 1931, als sein Freund Alfred Lechner zum ordentlichen Professor für Mechanik an der TH Wien ernannt worden war, lud er diesen nach Unterach ein. Dem Bürgermeister Josef Wipplinger erzählte Kaplan jedoch, dass er den Besuch des rumänischen Königs erwarte, welcher sich für seine Erfindungen interessiere. Der hochrangige Besucher reise jedoch inkognito, dennoch wäre es angebracht, ihm einen würdigen Empfang zu bereiten. Die Gemeinde bot alles auf, was zu einem ordentlichen Fest gehört: Pfarrer, Bürgermeister und Gemeindevertretung, Musik, Schützen, Trachtengruppen, Beflaggung, Schulkinder mit ihren Lehrern, Begrüßungsansprachen mit Überreichung von Blumen. Es war ein schöner Sommertag, als der falsche König mit dem Raddampfer am Landungssteg in Unterach ankam und feierlich empfangen wurde. Der Professor, ein sympathischer, bescheiden auftretender Mann wusste nicht, wie ihm geschah. Erst später lüftete Kaplan sein Geheimnis und spendete zur Versöhnung der gefoppten Unteracher mehr, als nur ein Fass Bier.

  • Das blaue Bild vom Opa

Auf der Vorderseite der 1 000-Schilling-Banknoten der beiden Auflagen von 1961 war Viktor Kaplan mit dem Laufrad einer Kaplan-Turbine abgebildet. Auf der Rückseite befand sich eine Darstellung des Donaukraftwerkes Ybbs- Persenbeug. Dieser Geldschein wurde im Volksmund wegen seiner Farbe „der Blaue“ genannt. Es wird erzählt, dass die Witwe Kaplans eines Tages von einem Enkelkind, das in Wien studierte, einen Brief erhielt, in dem wieder einmal von Geldnöten die Rede war. So schrieb das Enkelkind: „Liebe Oma, schicke mir doch bitte ein blaues Bild vom Opa“.

  • Die Affengeschichte

Viktor Kaplan war nicht nur ein Menschenfreund sondern auch ein großer Tierliebhaber: Pferd, Kühe, Schafe, Gänse, Hühner, Hund und Katzen, eine zahme Krähe „Jakob“ und zum großen Vergnügen auch zwei Kapuzineraffen „Schnucki“ und „Mucki“ bevölkerten den weitläufigen Landsitz.

Kaplan soll einmal spaßeshalber gesagt haben, dass er durch diese Affen berühmter geworden wäre, als durch seine Turbinen.

Dahinter verbirgt sich folgende Geschichte:

Einer der beiden Affen räumte einmal die Brieftasche Kaplans aus, deren Inhalt er dann in seinem Käfig verwahrte. Nach einem aufgebauschten Bericht, der sogar am 29. November 1933 in einer italienischen Zeitung in Turin erschienen war, sollen die beiden Affen einige Tausend-Schilling-Scheine genüsslich aufgefressen haben. Weil das aber alles weit übertrieben war, schickte Kaplan eine Berichtigung an das italienische Blatt:

Ich beobachtete Schnucki, als er eben im Begriffe war, meine verschiedenen wissenschaftlichen Notizen zu `studieren`. Er war aber so anständig, sich geistiges Eigentum nicht anzueignen, wie dies von ehrgeizigen `Erfindern` mit Vorliebe getan wird. Ja, er war sogar so ehrlich, keine der Banknoten verschwinden zu lassen, oder sie gar zu verspeisen. Offenbar wollte er die politischen Ereignisse abwarten, um die Noten zu einem günstigen Kurs auf den Markt zu werfen (...). Indem ich Sie bitte, diese Richtigstellung in Ihrem geschätzten Blatte aufnehmen zu wollen, zeichne ich
Hochachtungsvoll, Dr. Viktor Kaplan

Kaplan als Wohltäter seiner Mitmenschen

Kaplan verwendete das durch seine Erfindung erworbene beträchtliche Vermögen nicht nur für seine eigenen Zwecke, sondern zeigte sich auch großzügig gegenüber seinen Mitmenschen. Er half in dringenden Geldnöten durch Darlehen oder Spenden, bezahlte einem kranken Freund, den Kuraufenthalt und spendete dazu auch die Reisekosten. Er widmete zu besonderen Anlässen größere Beträge für die „Gemeindearmen“, spendete an die Ortsvereine und gewährte auch der Gemeinde Unterach einen größeren Kredit von 50 000.- Schilling (heute etwa 135 000 Euro). Er, der in der schweren Zeit seiner langen Krankheit, selber ärztliche Hilfe brauchte und auf die seelische Unterstützung seiner Familie und Freunde angewiesen war, wurde seinerseits zu einem großen Nothelfer seiner Mitmenschen.

Viktor und Margarete Kaplan als großzügige Gastgeber

Großzügige Gastfreundschaft war eine der sympathischen Merkmale des Ehepaares Margarete und Viktor Kaplan. Kaplan hatte das 1920 erworbene Landgut Rochuspoint in Unterach am Attersee durch weitere Zukäufe flächenmäßig auf ca. zwölf Hektar vergrößert, weiter ausgebaut und ausgestattet. Mit Bienenhaus, kleinem Wasserkraftwerk, Werkstätten, Almhütte, Schwimmteich, Kinoraum, mit zahlreichen Tieren und Pflanzen. Vor allem mit einer treuen Schar von Dienstleuten war es ein Erholungsort für die Familie Kaplan, sowie auch für zahlreiche Gäste. Mehrere hundert Eintragungen scheinen in den vier Gästebüchern auf. Darunter namhafte Persönlichkeiten wie z. B: Walter und Hermann Voith, Prof. Dr. Alfred Lechner, Heinz und Herbert Storek, Ernest und Augusta Potoczek -Lindenthal, Prof. Franz Karollus, Hilde Ziegler, Dr. Ing. Hawranek und viele andere. Auch der Hochadel war vertreten mit Josef Ferdinand von Habsburg Lothringen; ebenso namhafte Schriftsteller und Künstler, wie beispielsweise Bruno Brehm, Franz Karl Ginzkey, Robert Hohlbaum und auch der berühmte Schauspieler Werner Kraus.

„Erinnerungsorte“

Die Erinnerung an Viktor Kaplan hat vielfältigen Ausdruck gefunden: Veröffentlichungen, Gedenkveranstaltungen, Denkmäler, Gedenktafeln, Schulen, Geldscheine und Briefmarken, Ehrungen und Auszeichnungen, Urkunden und Dauerausstellungen in Museen. Auch viele persönliche Utensilien und ein umfangreicher Bestand an Briefen des„Vielschreibers“ Kaplan sind noch erhalten. In 70 Gemeinden Österreichs, wie auch in Brünn, sind Straßen, Wege oder Plätze nach Kaplan benannt. Auch in Salzburg erinnert die Kaplanstraße in der Nähe des Bahnhofs an den Erfinder. Die sechs „Kaplanwohnorte“ nach der Abfolge seines Lebens gereiht sind: Mürzzuschlag, Breitenstein am Semmering, Neuberg an der Mürz, Wien, Brünn und Unterach am Attersee.

Das größte Kaplandenkmal in Österreich stellt jedoch die Kette der Donaukraftwerke dar. Kaplan hatte sich bereits 1917 in einem Vortrag über die Zweckmäßigkeit einer Wasserkraftnutzung der Donau ausgesprochen. Es dauerte noch Jahrzehnte, bis man seinen Visionen folgte. Der Verlauf des Zweiten Weltkrieges verhinderte, dass die Donaukraftwerke statt mit Kaplan-Turbinen nach dem unwirtschaftlichen Kraftwerkskonzept von Arno Fischer/Schwede-Coburg gebaut wurden. Im Jahre 2008 wurde in Unterach am Attersee der Kaplan-Themenweg eröffnet, der das Leben und Lebenswerk Viktor Kaplans behandelt, sowie sehr interessante allgemeine Informationen über die elektrische Energieversorgung, den Wasserkreislauf und die regionale Geologie bietet.

Schluss

Der kurze Streifzug durch das Leben Kaplans und die Betrachtung der Entwicklung der Kaplan-Turbine lässt uns nachempfinden, welche Leistung hinter einer großen Innovation steckt. Insbesondere die Durchsetzung von Patenten kann zu einem aufreibenden Kampf werden, der auch die Gesundheit des Erfinders aufs äußerste strapaziert. Kaplan war in dieser Hinsicht aber kein Einzelfall. Von verblüffender Ähnlichkeit waren die Patentkämpfe von Rudolf Diesel (1858-1913). Auch dieser wurde mit Nichtigkeitsklagen verfolgt, die zusammen mit seiner unglücklichen Beteiligung an galizischen Ölfeldern, seine Gesundheit zerrütteten, bis er seinem Leben 1913 durch einen Sprung von einem Schiff in den Ärmelkanal selbst ein Ende setzte. Auch von Thomas Alva Edison sind heftige Patentauseinandersetzungen im Zusammenhang mit der Erfindung der Glühbirne bekannt.

Kaplans Überzeugung und Forderung war, dass Natur und Technik immer im Einklang stehen sollen. Seit Kaplans Tod 1934 hat sich der Energieverbrauch der Erde allerdings auf das Zehnfache erhöht (von rund 11 000 Milliarden KWh auf rund 100 000 Milliarden KWh/Jahr).

Es ist angesichts des damit verbundenen Ausbaues der Kraftwerke (u. a. mit weltweit ca. 420 Atomkraftwerken) die Frage zu stellen, wie weit die Menschen den Einklang von Natur und Technik überhaupt verwirklichen könnten. Selbst bei der Wasserkraft, die den „Adelstitel“ einer „umweltschonenden Energiequelle“ besitzt, sind dennoch beträchtliche Eingriffe in die Natur nicht zu vermeiden. Durch den Einsatz von Kaplan-Rohrturbinen und verschiedenen Umwelt-Begleitmaßnahmen konnten diese allerdings beim Ausbau der Flüsse wesentlich gemildert werden. So kann man das Vermächtnis Kaplans als Mahnung und Aufforderung sehen, den wirtschaftlichen Erfolg, das Gold aus den Gewässern, „AURUM EX AQUIS“, wie die Überschrift über der allegorischen Darstellung der Wasserkraft in der Eingangshalle des Salzburger Hauptbahnhofes lautet, auch zur bestmöglichen Schonung der Natur einzusetzen.

Die Geschichte der Erfindungen lehrt, dass die Väter großer entwicklungsfähiger Ideen selten die Früchte ihrer Arbeit ernteten; ein Hungerleiderleben war das Schicksal vieler Erfinder. Der große Ingenieur und Unternehmer Eugen Langen (1833-1895), unter anderem Gründer der Gasmotorenfabrik Deutz, schrieb einst: „Erfinde stets, doch werde kein Erfinder, in der Arbeit such dein Glück, sonst darben deine Kinder“.

In dieser Hinsicht war Kaplan absolut untypisch: Durch seine Bahn brechenden Erfindungen brachte er es zu großem Wohlstand, Geld - und Liegenschafts- vermögen. Die Früchte seines Erfindergeistes und seines Fleißes konnte er noch nützen und genießen, bis ihn der allzu frühe Tod ereilte.

Salzburgbezug

Kaplan vor dem Cafe Tomaselli,1933, rechts hinter ihm sein Freund Karl Wolf

Viktor Kaplan wurde durch seine Erfindungen (Lizenzzahlungen) sehr wohlhabend und investierte seine finanziellen Mittel vorwiegend in Liegenschaften. Er erwarb neben seinem Landsitz Rochuspoint in Unterach (an der Grenze zur Ortschaft Au) noch ein weiteres Haus in Unterach, die sogenannte "Rosenvilla", sowie weiteren Hausbesitz in Wien. Seine beiden Töchter Margarete und Gertraud erwarben im Jahre 1936 Häuser in der Ignaz-Harrer-Straße in der Stadt Salzburg. Kaplan hatte auch den Plan, in Hallein eine Fabrik für Wasserturbinen zu gründen. Aus diesem Vorhaben wurde allerdings nichts.

Kaplan war auch stolzer Besitzer eines Automobils, was sich damals nur wenige Leute leisten konnten. Ein Bild zeigt Viktor Kaplan mit seinem Wagen, einem Steyr Double Phaeton, am 28. August 1933 auf dem Pass Lueg. Er fuhr immer mit einem Chauffeur, weil er selber nie einen Führerschein erworben hatte. Ein zweites Bild ebenfalls aus dem Jahre 1933 zeigt Kaplan mit seinem Freund Karl Wolf vor dem Café Tomaselli in Salzburg.

In der Stadt Salzburg erinnert seit 1963 die Viktor-Kaplan-Straße in der Nähe des Bahnhofes an den großen Erfinder.

Bildergalerie

weitere Bilder

 Viktor Kaplan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Weiterführend

Für Informationen zu Viktor Kaplan, die über den Bezug zu Salzburg hinausgehen, siehe zum Beispiel den Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum selben Thema

Weblinks

  • Eintrag zu Viktor Kaplan in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online  (im Heimatlexikon)

Quellen und Literatur

  • Gschwandtner, Martin: AURUM EX AQUIS. Viktor Kaplan und die Entwicklung zur schnellen Wasserturbine. Phil. Diss. Salzburg 2006, zwei Bände, zusammen 650 Seiten.
  • Gschwandtner, Martin: Gold aus den Gewässern. Viktor Kaplans Weg zur schnellsten Wasserturbine. 2. Aufl. München, Ravensburg 2011, 383 Seiten.
  • Gschwandtner, Martin: Rochuspoint − der Landsitz des berühmten Erfinders Viktor Kaplan in Unterach. Geschichte und Gäste des "kleinen Paradieses hoch über dem Attersee". München, Ravensburg 2007, 81 Seiten.
  • Gschwandtner, Martin: Viktor Kaplans Leben und Lebenswerk. Festvortrag, gehalten anlässlich der Bundesversammlung der BRUNA am 29.September 2007 im Großen Saal des ehemaligen Dominikanerklosters ("Prediger" genannt) in Schwäbisch Gmünd. München, Ravensburg 2007.
  • Gschwandtner, Martin: Vor 75 Jahren starb der große Erfinder Viktor Kaplan. München Ravensburg 2009.
  • Gschwandtner, Martin: 100 Jahre Kaplan-Turbine. Vor 100 Jahren meldete der große Erfinder das erste Patent auf eine Turbine mit drebaren Laufschaufeln an. München, Norderstedt 2013.
  • Quellen für "Über Viktor Kaplan, seine Erfindung und Bedeutung":
Gschwandtner, Martin: AURUM EX AQUIS. Viktor Kaplan und die Entwicklung zur schnellen Wasserturbine. Phil. Diss. Salzburg 2006.
Gschwandtner, Martin: Gold aus den Gewässern. Viktor Kaplans Weg zur schnellsten Wasserturbine. München, Ravensburg 2007.
Gschwandtner, Martin: Viktor Kaplans Patente und Patentstreitigkeiten. In: Blätter für Technikgeschichte, Band 68/2006, S. 137-179, hrsg. von Gabriele Zuna-Kratky im Auftrag des Technischen Museums Wien und des Österreichischen Forschungsinstituts für Technikgeschichte (ÖFIT), Wien 2006. Vergl.: Gschwandtner, Martin: Viktor Kaplans Patente und Patentstreitigkeiten. (in anderer Gliederung) München, Ravensburg, 2007.

Anmerkungen

  1. Eleve (franz.: élève): Schüler, Kursteilnehmer
  2. die amtliche Bezeichnung war k.k. deutsche Franz Josef Technische Hochschule Brünn, seit dem letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts gab es auch eine Tschechische Technische Hochschule