Geschichte der Gemeinde Anif

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Anif, historische Ansichtskarte.
Anif mit Untersbergstock, historische Ansichtskarte.
Wasserschloss Anif, historische Ansichtskarte.
Flüchtlingsfamilien vor einer Lagerbaracke.

Dieser Artikel berichtet über die Geschichte der Flachgauer Gemeinde Anif.

Ur- und Frühgeschichte

Der älteste Fund, der bisher im Gemeindegebiet von Anif gemacht wurde, ist ein sogenannter Schuhleistenkeil. Dieser ist in die frühe Jungsteinzeit zu datieren, also in das fünfte Jahrtausend vor Christus. Gefunden wurde es von Landesarchäologe Martin Hell in der Nähe der ehemaligen Trasse der Salzburger Lokalbahn in Richtung Berchtesgaden. In Niederalm fand man drei Steinäxte aus der Jüngeren Steinzeit im Flussbett der Königsseeache. Sie könnten aber möglicherweise auch angeschwemmt worden sein. Auch Bronzebeile wurden im Mündungsgebiet der Königsseeache in die Salzach gefunden. Aus der Zeit um 1800 v. Chr. gibt es Funde am Hellbrunnerberg, die eine Besiedlung nachweisen.

Römerzeit und Spätantike

Die Römer legten Landgüter an, die vorher bereits von den Kelten bewohnt waren. So auch im Bereich der Keltensiedlung in Hellbrunn. Dieser römische Gutshof wurde im Zuge der Anlage des "Salzburger Landesreliefs" 1906 entdeckt. Martin Hell fand 1945 einen "Römerstein" in der Uferböschung der Königsseeache bei Niederalm.

Man fand ein Grab aus dem 7. Jahrhundert mit Grabbeigaben. Die romanische Bevölkerung ist durch ihre Gräber in Anif nachweisbar. Einen ausgedehnten Friedhofs des Frühmittelalters wurde in der Nähe der Pfarrkirche Anif gefunden.

Mittelalter

Im 6. und 7. Jahrhundert erfolgte die Besiedlung des Flachgaus durch die Bajuwaren, deren Ortsnamen durch die Endsilben -ing (-ingen) und -ham (-heim) gekennzeichnet sind. Südlich der Linie, die durch Gnigl, Parsch und Gois markiert ist, finden man durchwegs romanische oder vorromanische Ortsnamen bis in das Gebiet von Golling an der Salzach.

Entstehung der Ortsnamen Anif und Niederalm
Im Salzachtal bildet nur Puch bei Hallein eine Ausnahme, das auf halben Weg zwischen dem romanisch benannten Dörfen Rif und (Ober)Alm liegt. Anif rechnet man zur Gruppe der vorromanischen Ortsnamen, jedoch ist die Ableitung nicht völlig gesichert. Anif scheint um 788790 unter „Anua“ auf, im 10. Jahhundert ist „Anaua“ belegt, auch in den Formen „Anva“ und „Anava“, die nach gängiger Ableitung von einer keltischen Form von „Anapa“ kommen. In diesem Wort sind gleich zwei Gewässer enthalten: anos, Sumpf und apa, Wasser.

Einfacher ist die Namensherkunft von Niederalm zu erklären. Dieser geht, so wie der Ortsname Oberalm (siehe Oberalm (Gewässer)), auf den Gewässernamen "Alm" zurück, die heutige Königsseeache. Oberalm verdankt seinen Namen dem Almfluss aus dem Wiestal, Niederalm hat seinen Namen von dem Fluss aus dem Berchtesgadener Land. Der Name "Alm" bzw. historisch "Albe" dürfte eine Herleitung vom vordeutschen Begriff "Albina" (vgl. das lateinische „albus“ = weiß), bzw. dem illyrischen "Albhanta" sein und stellt eine Anspielung auf das Weiß des kalkhaltigen Wassers, bzw. des weißen Bachbettes dar.[1]

In der Anifer Chronik schreibt Heinz Dopsch, Seite 57: ... verdankt Niederalm der Königsseeache, die auch als Alm bezeichnet wird, seinen Namen. Dir Form Alm [...] geht auf eine ältere, weit verbreitete indogermanische Gruppe für Gewässernamen mit der Bedeutung "weiß" zurück. [...] Die Alm-Gewässer in der Umgebung von Salzburg tragen vorrömische Namen, die von den Romanen übernommen und an die Bayern weitergegeben wurden. [...] Der Name des benachbarten Ortes Rif [...] geht auf das lateinische Wort "ripa", "Flussufer", zurück. Seite 60: ... Im Gegensatz zu Anif ist die erste Nennung des Ortes Niederalm nicht exakt zu bestimmen. Da sowohl Oberalm als auch Niederalm nach den Flüssen, an denen sie liegen, den Namen Albina führen, muss es in den meisten Fällen offen bleiben, ob sich eine Nennung auf Oberalm oder Niederalm bezieht... [...] Seite 61: Während das erstgenannte Oberalm einfach als Albina erscheint, folgt kurz darauf Niederalm in der Form von Albina inferior.

Die Ache wurde auch als "Niedere Albe" bezeichnet, die in Niederalm am orografisch linken Ufer der Salzach mündet. Dies vielleicht zur Unterscheidung von der "Oberen Albe", die durch Oberalm fließt am orografisch rechten Ufer der Salzach mündet.

Die Bezeichnung Königsseeache oder Königssee-Ache ist erst seit Mitte des 19. Jahrhundert gebräuchlich.

788 wurde auch erstmals urkundlich "die Kirche bei Anif" erwähnt. In einem Verzeichnis des Benediktinerstifts St. Peter wird Anif dann um 1100 wieder erwähnt. Auch die Benediktinerinnenabtei Nonnberg erwähnt in Dokumenten Besitzungen in Anif und Niederalm. Niederalm wurde für die Salzgewinnung der Fürstpropstei Berchtesgaden von Bedeutung.

Vom Mittelalter erhalten steht mitten im Ort gegenüber dem heutigen Hotel Friesacher der Taidingtisch, mit der Inschrift: "Historische Thingstätte (später Landschranne) Anif. Hier wurde im Mittelalter am Montag nach Georgi das Taiding abgehalten, das Landrecht verkündet, Recht gesprochen." Allerdings handelt es sich bei diesem [Anifer] Taidingtisch um kein Original.

Vom 14. Jahrhundert bis 1805 gehörte Anif zum Pfleggericht Glanegg.

Die Entstehung einer eigenständigen Gemeinde Anif

Mit dem Gesetz betreffend die Auseinanderlegung der Ortsgemeinde Grödig im Bezirke Salzburg in die Ortsgemeinden Anif und Grödig vom 17. Juli 1894 wurde die Gemeinde Anif mit den Ortschaften Anif, Hellbrunn und Niederalm von der Ortsgemeinde Grödig abgetrennt und ist seither eine eigenständige Gemeinde.[2] Später entwickelte sich noch der Ortsteil Neu Anif. Der erste Gemeindevorsteher hieß Matthias Schnöll. Auf ihn folgte 1898 Rupert Mayr.

Modernisierungen ab dem 19. Jahrhundert

1896 erhielt Anif ein Postamt mit öffentlicher Sprechstelle, dem ersten Telefonanschluss. Private Telefonanschlüsse kamen erst viel später. So erhielt das Gemeindeamt erst 1928 einen Telefonanschluss.

Im Herbst 1901 errichtete eine Gasbeleuchtungsanstalt die erste künstliche Straßenbeleuchtung. Dieses Gaswerk musste jedoch bereits 1909 wieder stillgelegt werden.

Die erste Hochspannungsleitung mit 3 000 Volt führt durch den Ort auf der Linie der Anifer Kirche Richtung Überackerhof und durch Niederalm. Sie wurde kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs errichtet.

Durch das Aufkommen von Fahrrädern gegen Ende des 19. Jahrhunderts musste manche Gehwege für Fahrräder wegen Häufung von Unfällen gesperrt werden. Die Gemeinde Anif führte 1897 die verpflichtende Nummerierung von Fahrrädern ein. Die jährliche Gebühr dafür betrug zwei Kronen.

Die wohl bedeutendste Modernisierung dieser Zeit war die Errichtung der Strecke für die Dampftramway, die 1886 ihren Betrieb aus der Stadt Salzburg kommend bis St. Leonhard aufnahm. 1910 wurde die Strecke dann bis zur Station Drachenloch elektrifiziert.

Lokalbahnpläne
Die Lokale Agenda 21 Salzburg Ende des 20. Jahrhunderts war nicht die erste gescheiterte Lokalbahn-Planung zwischen der Stadt Salzburg und Hallein. Bereits 1919 fasste man einen Plan zur Errichtung einer Bahnverbindung von Anif nach Hallein. 1920 erhielt die Salzburger Eisenbahn- und Tramwaygesellschaft vom Staatsamt für Verkehrswesen die Bewilligung zur „Vornahme technischer Vorarbeiten für eine Lokalbahn von Anif nach Hallein für die Dauer eines Jahres“. Das Projekt scheiterte letztendlich an der Finanzierung in der damaligen tristen Zwischenkriegszeit.

Die Straßenbeläge waren bis in die 1930er-Jahre noch aus Sand. Über die Salzach gab es ein Zille, mit der man bis in die späten 1950er-Jahre nach Elsbethen übersetzen konnte. Sie befand sich beim Überfuhrtwirt (in Elsbethen).

Das 20. Jahrhundert

Der Erste Weltkrieg

Anfang 1915 entstand im heutigen Neu-Anif das Lager Niederalm für Flüchtlinge als Teil des Lagers Grödig. Neu-Anif bestand damals noch nicht, es gab nur den Namen Niederalm als Ortsbezeichnung. Ab 1919 wurden Teile des Lagers Niederalm als Lehrlingserholungsheim Niederalm-Grödig genutzt. Nach 1938 war dort eine "Führerschule" für die Hitlerjugend untergebracht. In den Jahren 194445 wurden wiederum Flüchtlinge in den noch bestehenden Baracken untergebracht. In dieser Zeit erhielt die Barackensiedlung den Namen Schwabenlager.

Die Zeit der ersten Republik

Im Wasserschloss Anif nahm der bayerische König Ludwig III. am 7. November 1918 Zuflucht, während in München der Freistaat Bayern ausgerufen wurde. Am 12. November folgte dann seine Anifer Erklärung.

1922 verlor die Gemeinde das Gebiet von Hellbrunn und Teile der Alpenstraße (Porsche Alpenstraße) an die Stadt Salzburg.

1928 wurden bei Aushubarbeiten Gräber aus der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts entdeckt.

21. Jahrhundert

2019 feiert Anif das 125-Jahr-Jubiläum der Gründung der eigenständigen Gemeinde. Die Einwohnerzahl hat sich von 700 Bürgerinnen und Bürgern zu Beginn auf derzeit 4 200 Personen versechsfacht.[3]

Neubau Seniorenwohnhaus Anif auf geschichtsträchtigem Boden

Der von der regierenden ÖVP Anif 2008 beschlossene Neubau des Seniorenheims Anif auf einem 8 000 m² großen Grundstück in Niederalm neben dem Schloss Lasseregg brachte eine kleine Sensation mit sich. Bei Vorgrabungen entdeckte man Reste eines bajuwarischen Dorfes, das man zwischen dem 5. und 8. Jahrhundert n. Chr. datiert. Bekannt war ja, dass die Bajuwaren in Salzburg herrschten. Rupert von Worms, der als Landespatron hl. Rupert in die Geschichte einging, wurde vom Baiernherzog Theodo II. nach Salzburg berufen. Darüber hinaus, so Univ.-Prof. Dr. Heinz Dopsch in der Anifer Chronik, nahm man bisher an, dass die Orte südlich der Linie von Gnigl, Parsch und Gois der romanischen oder der romanokeltischen Namensgebung zuzurechnen waren.

Aus dieser Sicht erscheint der Fund eines bajuwarischen Dorfes, noch dazu besonderer Größe, tatsächlich eine echte Sensation zu sein. Leider sind die bisher gefundenen Reste optisch so gering, dass sie fotografisch nicht darstellbar sind. Aber die Forscher erhoffen sich nun neue Erkenntnisse über die Besiedlung von Anif Niederalm-[4]

Generationendorf Lasseregg

Hauptartikel Generationendorf Lasseregg

Allerdings wurde der ursprünglich Zweck, ein Seniorenheim auf diesem Grundstück zu errichten, nach politischen Streitereien und einer Volksbefragung wieder geändert in eine Wohnanlage für junge Familie, was sich aber Anfang 2011 abermals aus finanziellen Gründen änderte. Das bestehende Seniorenheim soll saniert und modernisiert werden.

Anif 2015: Salzburgs Promi-Ort muss sich neu orientieren

Fremdenverkehr

Noch in den 1910er-Jahren lehnte der Anifer Gemeindeausschuss eine Werbung für eine Englische Reklame Bublikation [sic!] ab, indem ganz wenig Sommerwohnungen in der Gemeinde sind. Um zahlungskräftige Touristen anzulocken begann Anif erst in den 1920er-Jahren mit zaghafter Werbung. Es standen Ansichtskarten, unter anderem eine Ansichtskarte 1932 nach einem Gemälde von Franz Kulstrunk. Doch dazu meinte der Anifer Pfarrer Josef Kapeller 1926Der Fremdenverkehr wächst sich zu einem regelrechten Götzen aus. Die ganze Presse, auch die christliche, weiß er vor sein Joch zu spannen...

Brände

1867: Großbrand in Anif
1985, 4. September: Großbrand beim Madlbauer
1989, 10. September: Großbrand im Zentrum von Anif
1999, 9. August: Großbrand beim Kastnerbauern

Weblink

Quelle

Einzelnachweise