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Stieglbrauerei zu Salzburg

Stiegl-Goldbräu
Altes Gasthaus Stieglbräu (Bildmitte links, Eingang ist bei den beiden Torbögen) an der Gstättengasse
Das ursprüngliche Brauhaus "beym Stiegl auf der Gstätten"
historische Aufnahme

Die Stieglbrauerei zu Salzburg in Salzburg-Maxglan wurde 1492 erstmals in der Altstadt erwähnt und gilt somit als die älteste in Betrieb befindliche Brauerei im Bundesland. Stiegl ist gleichzeitig auch die größte Privatbrauerei in Österreich.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Wie die Stieglbrauerei zu ihrem Namen kam

Die Traditionsbrauerei hieß im 15. Jahrhundert noch „Prewhaus bey dem Stieglein“. Daraus entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte der Name „Stieglbrauerei“.

Das Stieglein („kleine Treppe“), das der Brauerei und seinem Produkt den Namen gab, führte damals als öffentliche Stiege von der Brauerei an der zum Almkanal, aus dem man sich das notwendige Brauwasser holte. Die Stieglbrauerei übersiedelte zwar im 19. Jahrhundert aus Kapazitätsgründen an die Peripherie der Stadt, die kleine Treppe wurde irgendwann entfernt und der Almkanal verläuft heute unterirdisch, doch: Die legendäre „rote Stiege“ hat sich als Firmen- und Bierbezeichnung bis zum heutigen Tag erhalten.

Das Haus Bey der Stiegen

Europas modernstes Sudhaus in der Stieglbrauerei.
Luftaufnahme der Stieglbrauerei in Maxglan aus dem Jahr 2005
Stieglbrauerei

Die Geschichte der Stieglbrauerei begann mit der Gründung im Jahr 1492, als Christoph Columbus gerade in die neue Welt segelte. Die kleine Gasthausbrauerei entwickelte sich in den über 500 Jahren zu Österreichs größter und führender Privatbrauerei. Das Gasthaus mit Brauereibetrieb bestand aus zwei Gebäuden an der Gstättengasse, die bis an die Ecke zum heutigen Anton-Neumayr-Platz reichten. Anstelle des Eckhauses zum Platz hatte sich in einem späteren Neubau noch bis 2008 das Gesundheitsamt befunden hatte. Ein Gebäude stand nach Süden hin an der heute ebenfalls nicht mehr bestehenden schmalen Stieglgasse, die nach einer zum Städtischen Arm des Almkanals hinunter führenden kleinen Stiege benannt war. Der dortige Almkanalarm verläuft heute verrohrt im Gehsteigbereich vor dem Haus der Natur zur Salzach.

Anfangs hatte die Brauerei mit Problemen zu kämpfen. Erst unter der Führung von Michael Gapler, der 1638 die verwitwete Braumeisterin Maria Risin heiratete, ging es mit der Brauerei bergauf. Das Ehepaar Rapler erreichte im Jahr 1664 einen Ausstoß von 1 792 Eimern Bier, was etwa eintausend Hektolitern entspricht. 1669 ließ Gapler das zweite große Gebäude an die Ecke zum Platz hin erbauen. Er war es auch, der dann nach der Fertigstellung des neuen Gebäudes 1672 den damals bereits gebräuchlichen Namen der Brauerei in einem Wandarm als Stiege darstellte. Mit der Demolierung des Gebäudes im Jahr 1909 ging der schmiedeeiserne Wandarm verloren.

1705 erwarb Gapler noch das schräg gegenüber der Brauerei befindliche Gebäude Gstättengasse 23. 1740 folgte dem Ehepaar Gapler Michael Knosp, Besitzer des Höllbräus, dem wieder Andrä Grafenhofer folgte und 1765 erwarb Johann Ambros Elixhauser die Stieglbrauerei. Einblicke in das rege Treiben im preuhaus auf der Gstetten geben die beiden Einschreibbücher des Johann Ambros Elixhauser, die die Jahre 1756 (also Ereignisse in früheren von Elixhauser geführten Betrieben) bis zu seinem Tod im Jahr 1793 umfassen und dann noch bis 1809 weitergeführt wurden. Elixhauser erfasste darin sehr genau alle Hochzeiten und Zunftage sowie andere Festivitäten. 1787 kaufte Elixhauser aus dem Konkurs von Knosp noch das Höllbräu dazu.

Um 1800 gab es beim Stieglbräu, das nach wie vor nur Brauerei und Gasthaus war (kein Gasthof!), einen Gastgarten mit einer Kegelbahn. In den Gebäuden gab es eine Reihe von Räumen unterschiedlicher Größe. Hauptraum, Sitz genannte, war der erste Raum im Erdgeschoss, die Wirtsstube.

1805 erwarb der Brauer Josef Auer die gesamte Anlage um 12.550 Gulden. Mit jährlich rund 3 000 Eimern Bier war die Stieglbrauerei um diese Zeit die angesehenste Brauerei in der Stadt Salzburg.[1]

1819 kaufte dann Johann Nepomuk Schreiner, Bräumeister des Hofbräus Kaltenhausen in Pension, die Stieglbrauerei an der Gstättengasse um 19.000 Gulden. 1852 übernahm diese sein Sohn Josef Schreiner. Seine Kinder verkauften diese 1885 an Firma Sylvester Paumgartner & Cie. Das Stieglbräu-Gasthaus am Beginn der Gstättengasse wurde dort noch weiter betrieben[2] und 1909 an die Stadtgemeinde Salzburg veräußert, die das sanierungsbedürftige Gebäude an das Ursulinenkloster weiterverkaufte. Die Ursulinen ließen es abreißen und erbauten hier ein kirchliches Mädchen-Realgymnasium. Das Gebäude wurde nach Übersiedelung der Ursulinenschule in den Jahren nach 1970 bis 2008 vom Gesundheitsamt Salzburg genutzt. Nach dem Umbau (2010) zog die Kinder- und Jugendanwaltschaft ein.

Der Stieglkeller

Hauptartikel Stieglkeller

Knapp vor Übersiedlung des Betriebes in die Gemeinde Maxglan wurden 1820 in der Festungsgasse (am Fuße der Festung Hohensalzburg) mit dem Stieglkeller neue Lagerkapazitäten geschaffen. Der damalige Stieglbrauer Josef Schreiner gestaltete den Keller schließlich um und nutzte den anliegenden Garten zur Ausschank des Kellerbiers während der Sommermonate. Das war die Geburtsstunde des Stieglkellers als Ausflugslokal.

Stiegl in Maxglan

1863 übersiedelte Josef Schreiner die Stiegelbrauerei aus der Gstättengasse in die Gemeinde Maxglan in den von ihm neu errichteten Brauereikomplex, der schon zwölf Jahre später, am 29. Dezember 1875, einem dreitägigen Brand zum Opfer fiel.[3]

Nach Schreiners Tod kam Franz Huemer an die Spitze des damaligen Besitzerkonsortiums. Er und sein Neffe Heinrich Kiener (* 1870 † 1950) schufen die Voraussetzungen, dass die Brauerei schon 20 Jahre später ihren Ausstoß verfünffachen konnte. Das Talent von Heinrich Kiener I. in organisatorischen und geschäftlichen Dingen ließen aus der Brauerei einen Musterbetrieb entstehen, der auch schwierige Zeiten überstand. Kiener erlebte praktisch jeden Zustand des Unternehmens mit: von der „Wiedererweckung“ durch seinen Onkel Franz Huemer und den Aufschwung zur Jahrhundertwende über die Notjahre während und nach dem Ersten Weltkrieg, den Höhenflug der 1920er-Jahre bis zur darauffolgenden Wirtschaftskrise, schließlich wieder Kriegsjahre verbunden mit Beschlagnahme und Ausverkauf. Nach dem Zweiten Weltkrieg durfte Heinrich Kiener noch die ersten Erfolge des neuerlichen Aufbaus des Brauunternehmens miterleben.

Heinrich Kiener I. war bis zu seinem Tod 1950 im Unternehmen tätig. Die Leitung ging dann auf seinen Stiefsohn Ing. Heinrich Kiener (* 1911 † 1990) über, unter dessen Führung die Stieglbrauerei zu Salzburg zur größten Privatbrauerei Österreichs wurde.

In den 40 Jahren, die Heinrich Kiener II. der Stieglbrauerei vorstand, wurde der Betrieb laufend erneuert und modernisiert. Die Investitionen fanden ihren Niederschlag natürlich in der Bierproduktion, die sich in dieser Zeit fast vervierfachte: Waren es 1950 runde 130 000 Hektoliter Stiegl-Bier, die erzeugt wurden, steigerte sich der Ausstoß auf 511 000 Hektoliter im Jahr 1990.

Einen wichtigen Schritt tat Stiegl-Direktor Kiener 1954 mit der Gründung der Salzburger Getränkeindustrie (Coca-Cola-Salzburg), der er ebenfalls als geschäftsführender Gesellschafter vorstand. Der Stiegl-Schwesterbetrieb (heute Stiegl Getränke & Service Gesellschaft) entwickelte sich zur bedeutendsten alkoholfreien Getränkefirma im Land Salzburg.

Seit 1991 leitet Dr. Heinrich Dieter Kiener III. die Geschicke der Stieglbrauerei zu Salzburg. Als Großneffe und Adoptivsohn von Heinrich Kiener II. trat er 1985 in die Brauerei ein und wurde bereits in Jugendjahren auf seine zukünftige Aufgabe als Stiegl-Chef vorbereitet. Er studierte an der Universität Innsbruck Rechtswissenschaften sowie Betriebswirtschaft und sammelte Erfahrungen in Brauereien und Banken. Seine fachspezifische Ausbildung erhielt er an der Doemens-Schule, einer Lehr- und Versuchsanstalt für Brauer in Gräfelfing bei München. Im April 1985 trat er in die Brauerei ein, wo er bald als rechte Hand des Chefs agierte. Als Marketing-Stratege war er schon damals offen für Neues. Nach dem Ableben von Heinrich Kiener II. 1990 übernahm er die Position des geschäftsführenden Gesellschafters. Im Mai 2010 heiratete er seine Lebensgefährtin Mag.a[4] Alessandra Kiener, die ebenfalls im Unternehmen tätig ist.

Seit vielen Generationen wird die Brauerei als echtes Familienunternehmen geführt. Die Eigentümerfamilie Kiener lebt Tradition, bekennt sich zu nachhaltigem Wirtschaften und geht außerdem einen kompromisslosen Weg der besten Qualität. Mit einem Bierausstoß von rund einer Million Hektoliter und rund 700 MitarbeiterInnen in ganz Österreich ist Stiegl heute Österreichs größte Privatbrauerei.

Österreichs größte und erfolgreichste Privatbrauerei

Am 16. Dezember 2009 wurde in Maxglan der Millionste Hektoliter Stieglbier gebraut. Die Menge entspricht 200 Millionen Stiegl-Halben.[5]

Stiegl heute

Auch heute liefert die Stieglbrauerei in Salzburg noch mit ihrem traditionellen Tiger-Noriker-Gespann aus.

Stiegl ist die einzige Brauerei in Österreich, die auch heute noch täglich ihre Biere (und andere Getränke aus dem Sortiment) in den Salzburger Stadtteilen Maxglan, Riedenburg und Wals-Siezenheim mit der Pferdekutsche ausliefert. Gebraut werden die Stiegl-Biere mit Untersberger Quellwasser. Außerdem bezieht Stiegl die Gerste von heimischen Bauern in Niederösterreich und den Hopfen von Mühlviertler Bauern. Mit den Lieferanten wurden langfristige Abnahmeverträge geschlossen, die faire Preise garantieren sollen.

Unternehmen

Hauptartikel Stiegl Betriebsholding GmbH
Hauptartikel Stieglbrauerei zu Salzburg GmbH

Seit 1991 leitet der promovierte Jurist und Betriebswirtschaftler Dr. Heinrich Dieter Kiener die Geschicke der Stieglbrauerei.

1994 hatte die Brauerei ein Ausstoß von rund 600 000 Hektoliter Bier. Heute sind es mit rund 700 Mitarbeitern etwa eine Million Hektoliter. Seit 2013 veröffentlicht das Unternehmen keine Umsatzzahlen mehr, die Firmengruppe wird auf mehr als 170 Millionen Euro brutto geschätzt.

Im Unternehmen sind 150 Lkw-Fahrer für insgesamt 120 Lkw beschäftigt. Vertriebsleute werden im Jargon "Bierversilberer" genannt. Das hauseigene Schankservice um rund 30 Mitarbeiter.

Stiegl-Produktionsbereich

Hauptartikel: Stiegl-Produktionsbereich

Die Produktion von Stiegl-Bieren findet auf 78 000 Quadratmetern statt.

Stiegl-Nachhaltigkeitsbericht

Der Stiegl-Nachhaltigkeitsbericht wird von Stiegl seit 1990 alljährlich herausgegeben.

Stiegl Brauwelt

Eingang zur Stiegl-Brauwelt
Im Sommer erwartet die Besucher im Innenhof der Stiegl-Brauwelt ein gemütlicher Biergarten.
Hauptartikel: Stiegl-Brauwelt

In der Stiegl-Brauwelt, Europas größter Biererlebniswelt, erwartet die Besucher auf rund 5000 Quadratmetern mehr als 500 Jahre Salzburger Braukunst zum Anfassen. Das Herzstück des Museums ist die Erlebnisbrauerei,in der unter anderem die saisonalen Stiegl-Bierspezialitäten, wie die Stiegl-Hausbiere, in Handarbeit entstehen.

Stiegl Braugewölbe

Hauptartikel: Stiegls Braugewölbe

Im 370 qm großen ehemaligen Braugewölbe finden und fanden zahlreichen Veranstaltungen statt, unter anderen auch der Salzburger Jazzherbst.

Stiegl-Terminal

Hauptartikel: Stiegl-Terminal

Der Stiegl-Terminal ist ein im Dezember 2010 eröffnetes Lokal im Eingangsbereich des Salzburg Airport.

Stiegl-Gelände als Veranstaltungsort für Brauchtumsveranstaltungen

Maibaumaufstellen auf der Festwiese der Stieglbrauerei im Jahr 2012
Maibaumaufstellen in der Stieglbrauerei im Jahr 2012

Das alljährliche Aufstellen des Maibaums bei der Stieglbrauerei stellt eine schon zur Tradition gewordene und beliebte Veranstaltung dar. Beim Stiegl-Maibaumfest 2012 wurden 4 000 Besucher gezählt.

Kartellstrafe

Die Brauerei wurde zusammen mit dem Marktführer Brau Union Österreich AG und der Brauerei Ottakringer im Zusammenhang eines seit 1999 geltenden Lieferboykotts für Fassbier für Cash- & Carry-Märkte von der Bundeswettbewerbshörde (BWB) geklagt und vom Kartellgericht im Februar 2012 rechtskräftig verurteilt. Demnach musste Stiegl 170 000 Euro Strafe zahlen, Brau Union 750 000 und Ottakringer 190 000 Euro. Der Brauereiverband hatte 1999 beschlossen, wegen Qualitäts- und Hygienebedenken Großverbrauchermärkte nicht mehr mit Fassbier zu beliefern. Das wurde vom Kartellgericht im Februar 2012 letztlich für nicht zulässig befunden. Das bemängelte Verhalten sei bereits 2011 abgestellt worden[6].

Produktpalette

Alkoholgehalt: 4,9 Vol.% Stammwürze: 12°
Alkoholgehalt: 4,9 Vol.% Stammwürze: 11,4°
Alkoholgehalt: 3,3 Vol.% Stammwürze: 7°
Alkoholgehalt: 5,0 Vol.% Stammwürze: 12°
Alkoholgehalt: 5,2 Vol.% Stammwürze 12,5°
Alkoholgehalt: 2,5 Vol.% 50% Goldbräu 50 % Fruchtlimonade
Alkoholgehalt: 2,5 Vol.% 40% Goldbräu 60 % Fruchtlimonade
Alkoholgehalt: 5,1 Vol.% Stammwürze: 12°
Alkoholgehalt: 2,0 Vol.% 40% Stiegl-Weisse 60% Holunderblütenlimonade
alkoholfrei
alkoholfrei
Brau-Limonade mit Aronia-Beeren

Sonderprodukte

handgemachte saisonale Bio-Bier-Spezialitäten
jährliche limitierte Bier-Edition
Alkoholgehalt: 5,2 Vol.% Stammwürze: 12,5°
Alkoholgehalt: 7 Vol.% Stammwürze: 16,5°
Alkoholgehalt: 5,0 Vol.% Stammwürze: 12°
Alkoholgehalt: 4,9 Vol.% Stammwürze: 12°
Alkoholgehalt: 4,0 Vol.%
Alkoholgehalt: 6,2 Vol.% Stammwürze: 14,6°

Frühere Biere

Alkoholgehalt: 5,1 Vol.% Stammwürze: 12°
Alkoholgehalt: 5,1 Vol.% Stammwürze: 12°
Alkoholgehalt: 2,5 Vol.%

Bilder

 Stieglbrauerei zu Salzburg – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Literatur

Weblinks

Quellen

Fußnoten

  1. Quelle ANNO, Salzburger Volksblatt, Ausgabe vom 27. April 1933, Seite 5: 70 Jahre Stieglbrauerei
  2. Mittheilungen der kaiserl. königl. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale, Seite 234, Fig. 53 Salzburg, Stieglbräu-Gasthaus
  3. Quelle ANNO, Salzburger Zeitung, Ausgabe vom 30. Dezember 1875, Seite 2
  4. Bis 2006 war "Magister" (männlich) bzw. (seit 1993) "Magistra" (weiblich) der übliche akademische Grad für die meisten Studien auf Master-Niveau. "Mag." ist die gesetzliche (§55 Universitätsgesetz 2002) Abkürzung sowohl für "Magister" als auch für "Magistra", wohingegen aber auch (aus gleichstellungspolitischen Motiven) die Abkürzung "Mag.a" für "Magistra" propagiert und verwendet wird.
  5. Stiegl Presseaussendung
  6. Quellen: Salzburger Nachrichten, 6. März 2012 , diepresse.com