Giuseppe Forcher

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Sepp Forcher
2012 Anlässlich der Buchpräsentation "Erlebnis Großglockner Hochalpenstraße im ORF Landesstudio Salzburg erzählt Sepp Forcher über Herbert Gschwendtner.
2012 Anlässlich der Buchpräsentation "Erlebnis Großglockner Hochalpenstraße im ORF Landesstudio Salzburg: Helli und Sepp Forcher mit Dr. Johannes Hörl (GROHAG).
Sepp Forcher im Sommer 2019 bei der Eröffnung der Ausstellung Berg, die (Substantiv, feminin) - Frauen im Aufstieg.
Die Parte Sepp Forcher, gestaltet von Johann Weyringer.
Innenseiten der Parte, links das Werk von Johann Weyringer "Sextener Dolomiten und Sepp Forcher. Der Künstler erhöht seinen Freund." Acryl auf Leinwand, 2001, 177 x 223 cm. Die Steine stammen aus den Hohen Tauern, der Bergwelt des Sepp Forcher.

Giuseppe Sepp Forcher (* 17. Dezember 1930 in Rom, Italien; 19. Dezember 2021 in der Stadt Salzburg) war ein bekannter Salzburger Rundfunk- und Fernsehmoderator.

Leben

Sepp Forcher kam im Dezember 1930 als Sohn von Südtiroler Eltern in Rom als Giuseppe Forcher zur Welt. Nach dem Südtirol-Abkommen zwischen Hitler und Mussolini entschieden sich seine Eltern, Italien den Rücken zu kehren und ihren ursprünglichen Heimatort Sexten zu verlassen.

Seine spätere Kindheit und Jugend verbrachte Forcher ab 1940 in Werfenweng im Pongau, wo seine Eltern die Söldenhütte im Tennengebirge bewirtschafteten. Zu Kriegsende lebte Sepp Forcher in einem Schülerheim in der Stadt Salzburg.

Als 19-Jähriger arbeitete er als Träger zum Heinrich-Schwaiger-Haus (2 802 m ü. A.) in Kaprun. "Ich hatte nur sechseinhalb Jahre Volksschule und keine Ausbildung", schrieb er in seinem letzten Buch "Die Berge meines Lebens". Für einen Träger habe es gereicht. 1952 verdingte er sich bei der Oberwalderhütte im Glocknergebiet. 1,20 Schilling bekam er pro Kilo. Teilweise stieg er zwei oder drei Mal am Tag mit 60 Kilo die drei Stunden von der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe hinauf.[1]

Bis 1955 arbeitete Forcher als Träger zu den genannten Hütten aber auch als Höhlenführer in der Eiskogelhöhle.

Seine Frau Helene "Helli"

Seine Frau Helene (* 19. Mai 1930 in Wien; 28. November 2021 in Salzburg) hatte er 1951 kennengelernt, als er im August den Großglockner. In der Erzherzog-Johann-Hütte (oder Oberwalderhütte?) ging die junge Helene dem Hüttenwirt Franz Ebner zur Hand. Der wiederum schwärmte ihr von einem richtigen Bergfex vor, der die Gipfel in Rekordzeit erklomm. In der Fantasie der jungen Frau wuchs der Unbekannte zu einem Luis-Trenker-Typ. Sie servierte ihm Erbensuppe: "Als ich ihn gesehen habe, war ich ganz enttäuscht, weil er so ein Milchgesicht war", erzählt Helli mehr als 60 Jahre später. Der Unbekannte war Sepp Forcher, der damals am Kraftwerksbau in Kaprun arbeitete und auch in seiner Freizeit am liebsten in den Bergen unterwegs war. Die junge Frau auf der Hütte ließ ihn nicht unbeeindruckt. "Sie hat mir gefallen." Als er vom Großglockner nach Kaprun zurückging, begleitete ihn die junge Helene. Sie musste nach Wien. "Ich habe sie angeseilt und bin recht schnell gegangen und das in einer Höhe von 3 000 Metern." Helene beeindruckte ihn nicht nur mit ihrem blonden Haar, sondern auch mit ihrer Kondition. "Von mir aus können Sie schon schneller gehen", forderte sie ihn auf. Als sie die gefährlichen Stellen passiert hatten, nahm er ihr das Seil wieder ab. Die beiden beschlossen, sich künftig zu duzen. "Und wir haben uns ein keusches Busserl gegeben." Todmüde kamen sie in Kaprun an, Sepp nahm Helli mit in seine Unterkunft, wo sie ins Bett sanken und sofort einschliefen. Die beiden sahen sich wieder.

1955 beschloss er, Hüttenwirt im Berglandhaus in Großarl zu werden. "Wir kennen uns schon lange und müssen ernst machen", sagten sich die beiden. Sie beschlossen, gemeinsam die Hütte zu führen und waren realistisch. Bevor sie den Bund fürs Leben eingingen, wollten sie eine Saison zusammenarbeiten. Wenn sie sich dann immer noch vertrugen, würden sie heiraten. Die Saison lief gut, im Juni 1956 gaben sich die beiden auf ihrer Hütte in Großarl das Jawort.

Sie hatten zwei Söhne, der erste Sohn war Peter (* 5. November 1956; † 6. April 1976),[2] 1959 kam Sohn Karl auf die Welt.

Weitere Stationen in seinem Leben führten ihn auf das Zeppezauerhaus auf dem Untersberg (1958), nach Krippenbrunn am Dachstein 1966 bis 1971) und 1971 in den Platzlkeller in der Stadt Salzburg. 1976 markierte ein schwerer Schicksalsschlag das Leben der Familie Forcher: Durch einen Unfall starb Sohn Peter, die Forchers beendeten ihre Wirtstätigkeit. Bei einem unerklärlichen Autounfall ohne Zeugen verunglückte Peter Forcher auf der Straße von Hintersee in Richtung Hof bei Salzburg.[3]

Als er in der Sendung "Autofahrer Unterwegs" die Sage vom Kaiser Karl im Untersberg erzählte, holte der damalige ORF-Landesintendant Rudolf Bayr den Wirt 1972 ins ORF Landesstudio Salzburg. Vorerst war er als Radiomoderator tätig ("Ins Land eini schaun", "Mit'm Sepp ins Wochenende". Als Als schließlich auf Anregung von ORF-Generalintendant Gerd Bacher 1986 die Sendung „Klingendes Österreich“ entstand, wollte man Sepp Forcher als Präsentator. Am 10. Juni 1986 begrüßte Sepp Forcher erstmals die Fernseh-Zuschauer mit den mittlerweile legendären Worten: „Grüß Gott in Österreich“. In 200 Folgen präsentierte Forcher dabei die musikalische Tradition und landschaftliche Schönheit österreichischer und grenznaher Gegenden. Sein spezieller Blick auf die kleinen Dinge des Lebens und seine Kunst, auch diesen große Bedeutung beizumessen, haben Sepp Forcher zu einer herausragenden Persönlichkeit der Volkskultur gemacht.

Die letzte Folge mit der Nummer 200 wurde im Herbst 2019 aufgezeichnet und am 21. März 2020 ausgestrahlt. Mit diesem Datum ging Forcher in Pension. Der Österreichische Rundfunk, das Land Salzburg und die Großglockner Hochalpenstraßen AG hatten für den 12. März 2020 "ein Fest für Sepp Forcher" im Carabinierisaal in der Residenz in der Stadt Salzburg unter dem Motto "Die große Liebe - Mein Klingendes Österreich" anlässlich der Vorpremiere der 200. und letzten Ausgabe geplant. Der sich ausbreitende Coronavirus führte zur Absage der Veranstaltung.

Sepp Forcher war viele Jahre in führenden Positionen im Salzburger Alpenverein tätig.

In seinem Büchlein "Nimm dir Zeit" schrieb Forcher: "Ich persönlich nehme das Sterben nicht so ernst. Solange ich da bin, ist der Tod nicht da, und wenn er da ist, bin ich nicht mehr da."

Seine Frau Helli (* 19. Mai 1929)[4] war nur wenige Wochen vor ihm, am 28. November 2021, verstorben, nachdem sie bereits nach einem Schlaganfall längere Zeit bettlägerig war.[5] Beide fanden auf dem Salzburger Kommunalfriedhof ihre letzte Ruhestätte.[6]

Peter Gnaiger über Sepp Forcher

Sepp war ein Leuchtturm. Mit seiner wunderbaren ORF-Serie "Klingendes Österreich" bot er unaufgeregt intelligente Lebensentwürfe für alle Altersgruppen. Nicht einmal seine besten Freunde haben ihn jemals beim Jammern erwischt. Im Gegenteil: Er war für alle Menschen eine Art "Ladestation". Wer sich ausgebrannt fühlte und ihn besuchen durfte, der fand einen gütigen Zuhörer vor. Da war zuerst dieses Lächeln und dann die Frage: "Wie geht es dir?" Fragen, wie es ihm gehe, beantwortete er kurz und bündig mit dem Satz: "So wie es einem eben geht mit diesem Alter."

Sepp war ein Gelehrter. "Also sprach Zarathustra" von Friedrich Nietzsche konnte er auswendig. Dieses Wissen eignete er sich schon als junger Mann an. Beim Kraftwerksbau von Kaprun ging er mit einem Gewicht von 70 Kilogramm auf seinem Rücken zur Baustelle. "Wenn du diese anstrengende Arbeit tust, dann wird dein Kopf leer. Und wenn der Kopf leer ist, dann fliegen dir die Träume von allein zu." Oben angekommen hat er dann immer gelesen. Er hatte immer mindestens ein Reclam-Buch eingesteckt. Keine seichte Lektüre. Es mussten schon Nietzsche, Goethe, Proust oder vor allem Musil sein.

Politisch war Sepp ein Verbinder. Als wir ihn einmal gefragt haben, ob er stolz darauf ist, Österreicher zu sein, antwortete er: "Da bin ich wie ein Frosch. Der ist froh, dass er einen Teich hat. Aber stolz ist er nicht drauf. Es gibt auch andere schöne Teiche." Einmal meinte er: "Wenn die Italiener nur ihre Pasta asciutta und keine Repressalien nach Südtirol gebracht hätten - dann wäre ich liebend gern Italiener geblieben."[5]

Auszeichnungen

Werke

  • Ins Herz einig'schaut. Betrachtungen von Tag zu Tag. St. Pölten, Np-Buchverlag, 2005. ISBN-3853263747
  • Einfach glücklich. Was im Leben wirklich zählt. Wien, Christian Brandstätter Verlag, 2012
  • Das Glück liegt so nah. Warum wir auf Österreich stolz sein können. Wien, Christian Brandstätter Verlag, 2014
  • Das Salz in der Suppe. Vom großen Wert der kleinen Dinge. Wien, Christian Brandstätter Verlag, 2018
  • Die Berge meines Lebens, Wien, Christian Brandstätter Verlag, 2021

Bildergalerie

Anlässlich der Vernissage der Austellung Kreuz & Quer auf dass uns das Benzin nicht ausgeht:

weitere Bilder

 Sepp Forcher – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Literatur

  • Edgar Breuss, Wolfgang Weber: Sepp Forcher - I mog die Leut. Vom Hüttenwirt zum Fernsehstar. Np-Buchverlag, 2000, ISBN 3-85326-149-3.

Quellen

Einzelnachweise

  1. www.sn.at, 21. Dezember 2021
  2. www.sn.at, Archiv der "Salzburger Nachrichten", Ausgabe vom 8. April 1976, Seite 16, Parte
  3. www.sn.at, Archiv der "Salzburger Nachrichten", Ausgabe vom 8. April 1976, Seite 5
  4. Quelle Ausschnitt Führerschein, Bild in den "Salzburger Nachrichten" online vom 12. Mai 2012
  5. 5,0 5,1 www.sn.at, 19. Dezember 2021
  6. www.stadt-salzburg.at Gräbersuche