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Salzburgleitung

der Verlauf der Salzburgleitung wie er im Herbst 2012 feststand
380 KV-Leitung in Ursprung
Leitung bei Ursprung in Elixhausen
220 KV-Leitung durch das Ortsgebiet von Eugendorf
380 KV-Leitung in Kaprun


Als Salzburgleitung wird die 380-kV-Freileitung von St. Peter am Hart (Oberösterreich, Innviertel) bis zum Umspannwerk Tauern (Salzburg, Pinzgau) bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Mit der Salzburgleitung wird das letzte offene Teilstück in dem für die Stromversorgung Österreichs nötigen Übertragungsnetz (380-kV-Ring) geschlossen. Die zu geringe Kapazität der bestehenden Leitungen führt beim Stromtransfer zwischen dem Norden und dem Süden des Landes zu erheblichen Problemen. Errichter ist die Verbund-Austrian Power Grid AG (APG), ein Tochterunternehmen des Verbunds. Dieses Unternehmen steht mit 51 Prozent im Eigentum der Republik Österreich.

142 Kilometer Kabel will die Austrian Power Grid zwischen den beiden Gemeinden auf 410 Masten aufhängen. Der ungefähre Trassenkorridor führt direkt vorbei an ein paar Häusern in Fusch an der Großglocknerstraße, durch Kuchl, über ein Natura 2000-Gebiet bei Bad Vigaun, an einer neu errichteten Wohnsiedlung in Elsbethen und über den Gaisberg. 203 Häuser werden weniger als 200 Meter von der 380-kV-Leitung entfernt sein, weitere 300 liegen näher als 400 Meter. Das sind die Abstände, die das Landeselektrizitätsgesetz (LEG) für Häuser bzw. Siedlungen vorschreibt.

Das Projekt zwischen St. Peter am Hart (Oberösterreich) und Elixhausen (Salzburg, Flachgau) wurde im März 2007 nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung von den Behörden der Länder Oberösterreich und Salzburg genehmigt. Gegen diese Entscheidung wurde von Gegnern der Freileitung berufen, eine endgültige Entscheidung muss der Umweltsenat innerhalb von sechs Monaten treffen.

Die Salzburgleitung ist durchgehend als Freileitung und größtenteils auf der bereits bestehenden Trasse geplant. Eine – auch nur teilweise – unterirdische Verkabelung ist laut den Errichtern aus technischen, wirtschaftlichen und ökologischen Gründen nicht sinnvoll.

Die Gegner der Freileitung fordern eine – zumindest teilweise – Verkabelung und berufen sich darauf, dass es weltweit zahlreiche Beispiele für unterirdische Verkabelungen von Leitungen mit 380 kV und mehr gibt. Die Errichter der Salzburgleitung verweisen darauf, dass es sich bei den angeführten Fallbeispielen um Versorgungsleitungen (z. B. großer Städte) handelt, deren Kapazität bei einem Ausfall durch eine Vielzahl paralleler Zuleitungen ersetzt werden kann.

Bei der Salzburgleitung handelt es sich jedoch um eine Übertragungsleitung. Bei einer Panne bestehe die Gefahr eines österreich- oder europaweiten Black-outs. Die Reparatur einer unterirdischen Kabelleitung dauert im Schnitt zwanzig Mal so lange wie die einer Freileitung.

Am 28. Jänner 2008 stellte Dipl.-Ing. Jörg Zillmer dem Salzburger Landtag ein Gutachten über die umstrittene 380-Kilovolt-Leitung vor. Es kommt zum Schluss, dass eine unterirdische Teilverkabelung der Leitung sinnvoll und machbar ist.

Bescheid

Anfang Dezember 2010 verschickte das Wirtschaftsministerium einen Bescheid, der dem Bund das Recht für zwei Jahre ab 13. Dezember 2010 gibt, fremde Grundstücke zu betreten und darauf Vorarbeiten für die Errichtung der 380-kv-Leitung vorzunehmen. Die Vorarbeiten werden mit Begehungen, Vermessungsarbeiten, Kartierungen, Untersuchungen der Bodenbeschaffung, Bohrungen, der Errichtung von temporären Messstellen, Quellenuntersuchungen oder der Festlegung von Maststandorten vor Ort umschrieben.

Am 6. Dezember 2010 wurde bekannt, dass das Land Salzburg den Bescheid beim Verfassungsgerichtshof anfechten will. Man möchte vor der Umweltverträglichkeitsprüfung wissen, ob das Landeselektrizitätsgesetz oder das Starkstromwegerecht des Bundes gelte.

Widerstand

Doris Bernhofer, kaufmännische Angestellte bei der Firma Porsche Salzburg, hatte sich dem Kampf gegen die 380-kv-Salzburgleitung verschrieben.

Aktivierung

Am 27. Jänner 2011 begann nach 16 Monaten Bauzeit der Probebetrieb zwischen St. Peter und Elixhausen (Umspannwerk Salzburg), im März soll dann der Vollbetrieb starten. In den 46 Kilometer langen ersten Abschnitt (davon 15 km in fünf Salzburger Gemeinden) mit 150 Masten hat der Verbund nach eigenen Angaben rund 113 Millionen Euro investiert. Es wurden zirka 320 km Baustraßen und Zufahrten errichtet, 15.000 Kubikmeter Beton für die Fundamente, 3700 Tonnen Bewehrungsstahl sowie 4500 Tonnen Stahl für die Masten, 880 km Leiterseile und 50 km Erdseile verarbeitet.

Im Gegenzug werden 64 km nicht mehr benötigte 220- und 110-kV-Leitungen und 212 Masten abgebaut. Mit der Demontage wurde bereits begonnen. Mehr als 70 Prozent der nicht mehr benötigten Leitungen seien schon abgebaut. Die restlichen Abbau- und Rekultivierungsarbeiten sollen bis zum Sommer 2011 abgeschlossen werden.

Für den Abschnitt II vom Flachgau bis in den Pinzgau will die APG im April 2012 die Umweltverträglichkeitserklärung dem Land vorlegen. Für Anfang März 2011 wurden Informationsveranstaltungen im Tennengau angekündigt, wo der Widerstand von Gemeinden zuletzt besonders massiv war.

Keine Chance fürs Erdkabel

Am Montag, den 14. Dezember 2015 genehmigte das Land Salzburg die umstrittene "Stromautobahn". Der 700 Seiten starke Bescheid im Umweltverfahren fiel für die Freileitung positiv aus. Politisch erteilte die Landesregierung eine Absage an die 380-kV-Erdverkabelung. Die Projektbetreiber haben die 113 Kilometer lange Freileitung von Elixhausen nach Kaprun eingereicht.

Neben Agrar-Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP) und Gutachtern stuft auch die grüne Umweltreferentin LH-Stv. Astrid Rössler die Eingriffe des Erdkabelverlegens als wahrscheinlich noch schwerwiegender ein als jene von Mastenstandorten. Das Kabel würde einige Probleme, etwa mit der Wildbach- und Lawinenverbauung, bringen.

Die Gegner der Freileitung werden den Bescheid des Landes beeinspruchen.

Astrid Rössler zahlt einen sehr hohen politischen Preis. Es fiel ihr sichtbar schwer und sie machte auch keinen Hehl daraus. Die grüne Chefin bewilligte ein Projekt, das sie früher heftig abgelehnt hat.

Bildergalerie

Weblinks und Quellen