Ernst Ritter von Pachmann

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Hofrat Ernst Camillo Theodor Ritter von Pachmann (* 3. Mai 1877 in Frankenmarkt, .; † 19. November 1924) war von 1918 bis 1924 Bezirkshauptmann von Zell am See.[1]

Leben und Wirken

Der Sohn eines Notars studierte im Konvikt St. Peter und im Benediktinerstift Kremsmünster, dann die Rechtswissenschaften in Wien.[1]Sein Bruder Regierungsrat Lothar Ritter von Pachmann war Bezirkshauptmann von St. Johann im Pongau.

Pachmann war zweimal verehelicht, das erste Mal (2. Jänner 1912 in der Mirabellkapelle ) mit Estelle Maria Virginia Zimburg Edle von Reinerz (* 30. Juli 1888 in Weißkirchen), die ihm drei Mädchen gebar.

Am 22. Juli 1922 vermählte er sich in Goldegg mit Wilhelmina Maximiliana Maria Theresia Huberta Gräfin von Galen (* 20. September 1885 in Goldegg; † 20. Dezember 1976 in Silz (Tirol)), die zwei Kindern das Leben schenkte.

Der bekannte Missionar Pater Augustinus von Galen nahm als Großonkel die Taufe des Prinzen Theodor, des ersten Sprösslings des Bezirkshauptmannes Hofrat Pachmann, vor.[2] Augustinus von Galen war der Beichtvater des 1914 ermordeten österreichischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand.[3]

Im Jahr 1900 trat er in den Salzburger Landesdienst ein und war bei mehreren Bezirkshauptmannschaften und bei der Landesregierung tätig.[1]

1918 wurde er vom Kriegsdienst enthoben und zur Leitung der Bezirkshauptmannschaft Zell am See berufen, die er bis zu seinem – durch ein langes Herzleiden herbeigeführten – Tod ausübte.[1]

Pachmann konnte gut mit Menschen umgehen und war bei der Bevölkerung sehr beliebt,[1] „ein überragender Gauvater“[4].

Bald nach seinem Amtsantritt begann er die Abfassung eines Pinzgauer Heimatbuches und bearbeitete vorerst die Gegend von Zell am See bis Krimml. Das Werk erschien erst nach seinem Tod.[1]

Ehrungen

Ernst von Pachmann wurde mit dem Goldenen Verdienstkreuz und der Ehrenbürgerschaft mehrerer Gemeinden geehrt[4], darunter der Gemeinden Wald und Uttendorf.[5]

Gedenkblatt

Gedenkblatt an Hofrat Ernst Ritter von Pachmann

Verfasser Hasenauer, veröffentlicht in der Salzburger Chronik am 7. Dezember 1924

In Zell am See ist am 19. November d. J. der Leiter der dortigen Bezirkshauptmannschaft, Hofrat von Pachmann, um 4 Uhr morgens aus dem Leben geschieden. Er war ein Mann, der es vollauf verdient, dass ihm mit diesen Zeilen ein schriftliches Gedenkblatt gewidmet werde, weil gerade er es war, der mit Bienenfleiß in der Geschichte der engeren Heimat forschte und viele kleine Ereignisse für immer der Vergangenheit entriss. Pachmann wurde am 3. Mai 1877 in Frankenmarkt in Oberösterreich geboren. Sein Vater war dortselbst Notar. Seine Mutter überlebte den Gemahl und führte dem Verstorbenen während seiner Witwerzeit treubesorgt die Hauswirtschaft. Sein Großvater war Kirchenrechtsprofessor an den Universitäten Innsbruck und Graz und wurde ob seiner Verdienste in seinem Fache vom Kaiser in den Adelsstand erhoben. Der einzige Bruder leitet als Regierungsrat die Bezirkshauptmannschaft St. Johann im Pongau. Seine Gymnasialstudien machte Pachmann am Gymnasium in Salzburg (St. Peter) und Kremsmünster. Den uralten bewährten benediktinischen Erziehungsgrundsätzen bewahrte der Verstorbene zeitlebens treue Anhänglichkeit. Mit Begeisterung konnte er von diesen beiden Kulturstätten an der Salzach und Krems reden. Seine juridischen Studien absolvierte er in Wien und in Innsbruck. Im Jahre 1900 trat er bei der Landesregierung in Salzburg in den Staatsdienst. Der Reihe nach war er bei den Bezirkshauptmannschaften Hallein, Zell am See und St. Johann im Pongau tätig, zuletzt wieder bis zur Einrückung zum Kriegsdienste bei der Landesregierung in Salzburg. Als Beamter erfreute sich Pachmann infolge seiner Kenntnisse, seines Entgegenkommens und seiner Dienstbereitschaft bei Vorgesetzten und Bevölkerung allgemeiner Achtung. Als Rittmeister wurde er einberufen und war zuletzt mit der Leitung des Niederalmer Lagers betraut, bis er im März 1918 den Auftrag bekam, die Bezirkshauptmannschaft Zell am See zu übernehmen. Der Reihe nach wurde er zum Landesregierungsrat und zum Hofrat befördert.

Seine zweifellose juridische Begabung, die sich besonders auf dem Verwaltungsgebiete zeigt und in seiner Familie erblich zu sein scheint, machte es ihm leicht, sich in die verschiedenen Fragen seines Berufes einzuleben und sie in geradezu erstaunlich kurzer Zeit zu meistern und zu bewältigen. Wie kaum ein Zweiter verstand er sich auf die Abfassung von Protokollen bei den verschiedensten Kommissionen, die in der Nachkriegszeit bei der großen Ausdehnung der Bezirkshauptmannschaft fast zu den Alltäglichkeiten zählten. Bei Elementarereignissen war er unverzüglich zur Stelle und half mit Rat und Tat. Deswegen tat es ihm oft bitter weh, wenn infolge der Unzufriedenheit und Eifersucht der Parteien Undank sein Lohn war. Beim großen Hochwasser im Oberpinzgau erwarb er sich sowohl um die Marktgemeinde Mittersill, wie um die Gemeinden Uttendorf und Wald, die ihn auch zu ihrem Ehrenbürger ernannten, große Verdienste. Auch sonst konnte man sich in allen Angelegenheiten an ihn wenden. So verschaffte er, um nur ein Beispiel anzuführen, der Gemeinde Piesendorf zum Baue ihres neuen geräumigen Armenhauses eine namhafte Anfangsspende seitens des hl. Vaters. Dafür verlieh ihm die dankbare Gemeinde das Ehrenbürgerrecht. Was es heißt, Bezirkshauptmann in der letzten Zeit des Krieges und in den darauffolgenden Umsturzjahren gewesen zu sein, kann nur der verstehen, der es selbst miterlebt hat. Mochte sich der Verstorbene auch oft recht aufregen und ärgern, so tat es ihm umso wohler, als allmählich die Wogen sich glätteten und wiederum ein friedliches Nebeneinanderleben Platz griff. In den heikelsten Lagen wusste er immer wieder einen Ausweg und verstand es, zwischen den streitenden Teilen zu vermitteln, zu versöhnen und auszugleichen. Außerhalb seines Dienstes war die Lieblingsbeschäftigung des Verstorbenen das Studium alter Akten, insbesondere solcher, die sich auf Rechtsverhältnisse und Begebenheiten im alten Erzstifte bezogen. Besonders die Erforschung der Pinzgauer Lokalgeschichte war seine Lieblingsarbeit und er hatte sich kein geringeres Ziel gesetzt, als den alten Dürlinger den modernen Forschungen und Anforderungen entsprechend, neu auflegen zu lassen. Der erste Teil, der sich mit dem Gerichtsbezirke Mittersill und der Pfarre Zell am See befasst, befindet sich bereits im Drucke. Selbst konnte der Dahingegangene die Vollendung desselben nicht mehr sehen. Die Marktgemeinde Zell am See hat den Vertrieb des Werkes übernommen. Hoffentlich zeigt sich einerseits das entsprechende Verständnis dafür und findet sich anderseits eine Persönlichkeit, die das von Herrn Hofrat begonnene Werk fortsetzt und vollendet. Alles, was mit der Heimat zusammenhing, fand beim Verstorbenen liebevolles Verständnis. So das Aufleben der alten Volkstrachten, Sitten und Gebräuche. Besondere Verdienste erwarb sich Pachmann um die beiden Gau-Ausstellungen in St. Johann und Zell am See. Vielleicht wären auch die Vorarbeiten für die Gau-Ausstellung in Zell am See, die im kommenden Herbst stattfinden soll und zu der der Verstorbene immer wieder aufmunterte, weiter fortgeschritten, wenn ihn nicht seine Todeskrankheit verhindert hätte, dabei mitzuwirken. Mit Stolz und Genugtuung erzählte er gerne vom unvergleichlich schönen Festzug anlässlich des sechzigjährigen Kaiserjubiläums im Jahre 1908 in Wien. Einen Glanzpunkt der Salzburger Gruppe bildeten dabei sicher die Pongauer Bauernschützen aus Bischofshofen und St. Johann, deren Führung er in gewohnt militärischer Art inne hatte.

Pachmann verfügte über ein geradezu erstaunliches Gedächtnis, war in der schönen Literatur wohl bewandert, ein äußerst liebenswürdiger, angenehmer Gesellschafter voll würzigem Humor, mit dem auch nicht selten ein gutes Stück Sarkasmus verbunden war. Er besaß ein nicht unbedeutendes Malertalent und die äußerst geschmackvolle Einrichtung und Anordnung in seinen Privaträumlichkeiten verriet tiefen Kunstsinn, der sich ehrlich entsetzen konnte, wenn es an den Tag kam, dass wiederum ein Stück alter Pinzgauer Kunst die Heimat durch Kauf verlassen sollte. Niemand hätte daran gedacht, dass dieser schöne, starke Mann, der mit allen Fasern am Leben hing, dieses sobald schon verlassen müsste. Pachmann war zweimal verehelicht, das erste Mal mit Estelle Zimburg, Edle von Reinerz, die ihm drei Mädchen gebar. Im Juli 1922 vermählte er sich in Goldegg mit Elma Gräfin von Galen, die zwei Kindern das Leben schenkte. Seine letzte große Familien- und Vaterfreude war es, als ihr vor vier Monaten der so lang ersehnte Stammhalter geboren wurde, der seinen Namen vor dem Erlöschen bewahren soll. Bis in die letzte Zeit herein bewahrte sich der Verstorbene trotz der großen Leiden seinen Humor und sein klares Gedächtnis. Seine Todesanzeige setzte er sich selbst auf. Am 21. November verließ auch die irdische Hülle nach feierlicher Aussegnung die bisherige Stätte der Wirksamkeit, um in der Familiengruft in Wels dem Auferstehungsrufe entgegenzuharren.

Das Salzburger Land und insbesondere der Pongau und Pinzgau werden denjenigen in Dankbarkeit nie vergessen, dem diese gottgesegneten Gaue zur zweiten Heimat geworden, denen er die ganze Liebe seines Herzens schenkte.

Werk

  • Aus dem Pinzgau. Historische Wanderung vom Zeller See nach Krimml. Zell am See, Selbstverlag des Bürgermeisteramtes, 1925.

Quelle

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 F. M.: Nekrolog auf Ernst Ritter von Pachmann, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 65 (1925), S. 219 f.
  2. ANNO, Salzburger Chronik, 13. September 1924, Seite 5
  3. Heinrich Portmann: Kardinal von Galen. Ein Gottesmann seiner Zeit. 18. Aufl. Aschendorff, Münster 1986, S. 58.
  4. 4,0 4,1 Lahnsteiner, Josef: UnterpinzgauZell am See, Taxenbach, Rauris. Selbstverlag, Hollersbach 1960. S. 26; Über Pachmann siehe auch: Hochhold, Rainer: Cella in Bisontio - Zell im Pinzgau - Zell am See. Eine historische Zeitreise. Zell am See; 2013.
  5. Salzburgischer Geschäfts-, Volks- und Amts-Kalender für das Jahr 1913. Wichtige gesetzliche Bestimmungen für den öffentlichen Verkehr. 41. Jg. Salzburg (Mayr) 1913.
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