Salzburger Zeitungsgeschichte

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passend zum Artikel: ein Streifzug durch den Blätterwald

Die Salzburger Zeitungsgeschichte bietet einen Überblick über Voraussetzungen und Hintergründe der Entstehung sowie der geschichtlichen Entwicklung der Medien im Bundesland Salzburg.

Geschichte

Bis 1979 konnte man in den zurückliegenden 300 Jahren 19, zumindest zeitweilig erschienene, voll selbstständige „Zeitungen“ im Lande Salzburg erfassen. Aber die Pressevielfalt begann erst 1848. Vorher konnten die Salzburger die ‘‘Kaiserl.-Königl. priviligierte Zeitung“ konsumieren. Bis Ende der 1970er Jahren entstanden aber dann 17 Zeitungen im Land.

Voraussetzungen und Hintergründe

Die Fürsterzbischöfe bestimmten Politik und Leben im Erzbistum Salzburg. Schreibstuben gab es nur in Klöstern, die jedoch von den Erzbischöfen kontrolliert wurden. Auch der Kreis der Lesefähigen beschränkte sich mehr oder weniger auf den Klerus und Adel. Als Mitte des 15. Jahrhunderts Gutenberg der Durchbruch im Druck mit beweglichen Lettern gelang, begannen sich immer mehr Menschen für das Lesen zu interessieren. Postmeister und Buchdrucker wurden zu den „Journalisten“ und Informationsquellen der damaligen Zeit. Von 13 Millionen Menschen in Deutschland konnten im 15. Jahrhundert nur rund 75 000 lesen.

Mit zunehmenden Veröffentlichungen von Schriften setzte die Zensur ein. Nachweislich waren es Bischöfe, der Papst und Universitäten, die diese ausübten (1475 Universität Köln).

Erhaltene gebliebene Briefe zeigen, dass ihnen neben dem eigentlichen, persönlichen Schreiben oft auch Informationen über das Zeitgeschehen beigefügt waren. So wurden politische Nachrichten transportiert, vom Empfänger abgeschrieben, vervielfältigt und wiederum verschickt oder weitergegeben.

Die älteste deutschsprachige bekannte Zeitschrift wurde ab 1609 unter dem Titel „Relation“ wahrscheinlich in Straßburg (Elsass, heute Frankreich) herausgegeben.

In Salzburg

Im Mittelalter erfolgte die Überbringung von Botschaften in erster Linie durch wandernde Mönche. Ab dem Spätmittelalter begannen Fuhrwerker und spezielle Gerichtsboten mit dem Datenaustausch. Die Erzbischöfe hielten sich Sendboten und Postmeister, die für den Landesfürsten die Post unentgeltlich transportieren mussten. Die Salzburger Kaufleute hingegen mussten beispielsweise 1633 für einen Brief nach Venedig sieben Kreuzer bezahlen, Nichtkaufleute 10 Kreuzer. Unter Erzbischof Guidobald Graf von Thun und Hohenstein verkehrten Postboten zwischen der Stadt Salzburg und Hallein, Lofer, Laufen, Abtenau, Mauterndorf, Schloss Hüttenstein und Mattsee.

Vorläufer der ersten Zeitungen in Salzburg waren Kalender. Der älteste bekannte stammt aus 1489 und wurde von Johann Petri in Passau gedruckt. Fürsterzbischof Paris Graf Lodron brachte dann einen „Fürstenkalender“ heraus. „Newe Zeitungen“ gab es in Salzburg vermutlich nur in geringer Zahl. Verbreiteter waren Flugschriften. So wurde in einer solchen 1669 von den Bergstürzen berichtet.

Mit der ersten Genehmigung eines Zeitungsdruckes im Jahr 1668 in Salzburg kann man den Beginn des Zeitungsdruckes im Lande datieren. Es entwickelten sich Salzburger Druckereien (Oberer'sche Druckerei, die des Johann Baptist Mayr (aus der der Verlag Anton Pustet hervorging) und die Zaunrith'sche Buchdruckerei). Doch die Anfänge der Salzburger Zeitungsgeschichte liegen mehr oder weniger im Dunkeln, auch, weil die Mayr’sche Druckerei durch den Felssturz 1669 völlig zerstört wurde. Zwischen 1712 und 1758 ist keine einzige Zeitung in Salzburg bekannt. Eine lückenlose Dokumentation der Salzburger Zeitungsgeschichte beginnt mit Erzbischof Hieronymus Graf Colloredo. Er beauftragt Lorenz Hübner mit einer „Zeitungsreform“.

Die Salzburger Zeitung

Von 1807 bis 1821 erschien sie die „Salzburger Zeitung“ unter diesem Namen, von 1822 bis 1848 unter dem Namen „Kaiserlich-königlich privilegirte Salzburger Zeitung“. Daneben entwickelten sich eine Reihe anderer Zeitungen wie die Salzburger Constitutionelle Zeitung, Die Neue Zeitung, die Salzburger Morgenpost, die Salzburger Wacht, das Salzburger Tagblatt, das Salzburger Volksblatt und die Salzburger Nachrichten.

Zwischen 1800 und 1806 erschien die von Franz Michael Vierthaler herausgegebene „Staats-Zeitung von Salzburg“. Diese zweispaltige, pro Nummer vierseitige Ausgabe war gelegentlich schon mit Annoncen befüllt. Als Vierthaler 1806 nach Wien zog, übernahm Benedikt Pillwein die Redaktion.

Währen der ersten Zugehörigkeit Salzburgs zu Österreich (1806 bis 1809) war Joseph Ernst Ritter von Koch-Sternfeld das Zensoramt übertragen. Wichtig war es in jenen Jahren, dass kein Wort über Napoleon erschien. Unter der folgenden bayerischen Herrschaft war die königlich bayerische Hofkommission für die Zensur zuständig. Dies galt natürlich auch für die „Salzburger Zeitung“. Das bayerische Preßgesetz vom 13. Juni 1803 wurde auf den Salzachkreis ausgedehnt und am 11. Jänner 1811 den Salzburgern kund gemacht.

Im Jahr 1816 kam Salzburg endgültig an Österreich und das Metternichsche Zensursystem wurde eingeführt. Hauptziel dieses Zensursystems war es, alle Veröffentlichungen zu verhindern, die der Religion, den guten Sitten oder dem Staat hätten „schaden“ können. Man durfte selbstverständlich auch keine Kritik am Herrscher, seiner Familie und Mitarbeitern sowie den Gesetzen äußern. Zwischen 1816 und 1848 wurde in Salzburg keine neue Zeitung gegründet.

Die „Salzburger Zeitung“ war die einzige, die erschien. 1819 wurde das Impressum eingeführt und 1822 änderte sie den Namen in „Kaiserlich-königlich privilegirte Salzburger Zeitung“. Ab 1848 gab es kein eigenes Titelblatt mehr und die Preisangabe erschien in jeder Ausgabe im Titelkopf. Noch gab es keine Illustrationen und es begann allmählich der Bildung von Schlagzeilen. Ein bekannter Redakteur war Andrä Wallner, der sich auch als Dichter einen Namen schuf.

Von der Revolution bis zur ersten Republik

Unter dem Druck der Revolution von 1848 erklärte Kaiser Ferdinand I. die Pressezensur für aufgehoben. Am 31. März 1848 erging eine provisorische Vorschrift, die das erste österreichische Pressegesetz darstellt.

Im April 1865 wurde die Salzburger Chronik als Organ der Konservativen aus der Taufe gehoben. Die „Salzburger Zeitung“ wurde 1871 vom „Salzburger Volksblatt“ als Sprachrohr der Liberalen abgelöst (später der Deutschnationalen).

Zwischen zwei Weltkriegen

Im Beschluss der provisorischen Nationalversammlung vom 25. Oktober 1918 heißt es: „…1. Jede Zensur ist als dem Grundrechte der Staatsbürger widersprechend, als rechtsungültig aufgehoben…“. Dieses Grundrecht hielt bis zum 10. April 1933, als die Vorboten der sich verändernden politischen Landschaft dieses wieder einzuschränken begannen.

Nach dem Ersten Weltkrieg gab es fünf Zeitungen in Salzburg:

die Salzburger Landes-Zeitung (Regierungsorgan)
die Salzburger Chronik (christlichsoziale Tendenz)
das Salzburger Volksblatt (deutschnationale Tendenz)
die Salzburger Wacht (Organ der Sozialdemokraten)
die Neuesten Nachrichten (ein reines Nachrichtenblatt mit deutschnationaler Tendenz)

20 von 63 Zeitschriften überlebten den Ersten Weltkrieg. Darunter waren „Grobian“, „Deutscher Volksruf“, „Salzburger Arbeiterzeitung“, „Reise-Zeitschrift“ und „Hausbesitzer“.

Neubeginn bis heute

Am 1. Oktober 1945 gab der Alliierte Rat eine Presseverordnung heraus, in der es hieß, dass der „demokratischen Presse“ die größtmögliche Freiheit gegeben werde, jedoch mit der Bedingung, dass „sie einen entschlossenen Kampf gegen die nationalsozialistischen, großdeutschen und militaristischen Ideologien und Lehren führe…“. Erst am 7. April 1953 kam es zur offiziellen Wiedereinführung des Preßgesetzes vom April 1922.

Die Salzburger Druckerei kam Anfang Mai 1945 unter amerikanische Kontrolle und wurde erst 1948 wieder an den Salzburger Pressverein zurückgegeben. In dieser Druckerei wurden folgende Zeitungen und Zeitschriften gedruckt: Die „Salzburger Nachrichten“, der Salzburger Bauer, die Salzburger Wirtschaft, der Rupertibote und das Klerus-Blatt, bis 1968 auch der Salzburger Volksbote und bis 1971 die Salzburger Volkszeitung.

Titel ehemaliger Publikationen (Auszug)

Zeitungen Stadt Salzburg

Saltzburgische Ordinari-Zeitungen Auß Wienn, 1689 – 1695, 1697, 1699, 1700, 1702
Saltzburgische Ordinari-Zeitungen, 1708, 1712, 1758
Dienstägige (Donnerstägige/Samstägige) Salzburger Zeitung, ab 1774
Staats-Zeitung von Salzburg, 1800 – 1806
Salzburger Intelligenzblatt, 1784 – 1799
Intelligenzblatt von Salzburg, 1800 – 1810

Zeitschriften Stadt Salzburg

Theaterwochenblatt für Salzburg, November 1775 bis Februar 1776
Physikalisches Tagebuch für Freunde der Natur, 1784 (?) bis 1901
Der oberdeutsche Freund für Wahrheit und Sittlichkeit, 1787 bis 1788
Medicinisch-chirurgische Zeitung, 1790 bis 1820
Annalen der Berg- und Hüttenkunde, 1802 bis 1804

Land Salzburg

Bad Gasteiner Bade-Blatt, 1856 bis 1940, 1948 - ?
Benediktus-Bote Michaelbeuern, 1926, Pause um 1940
Das geistige Reich, Monatsschrift für geistiges Leben, Mattsee, Grödig, 1947 bis 1966
Halleiner Blatt, 1945 bis 1951
Glasenbacher Nachrichten, 1965 bis 1968
Lungauer Kirchenblatt, 1917 bis 1938
Die neuesten Nachrichten aus dem Flachgau und dem Unteren Salzkammergut, 1905 bis 1908
Pinzgauer Heimatblatt, 1956 bis 1958
Salzburger Gebirgsbote, 1877 bis 1909
Tauernpost, illustriertes Wochenblatt für das Tauerngebiet und das obere Murtal, 1908 bis 1939

Quelle