Wasserversorgung der Stadt Salzburg

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Die Versorgung mit Trink-, Brauch- und Nutzwasser in ausreichender Menge und Qualität war und ist für die Stadt Salzburg von großer Bedeutung.

Einleitung

  • Trinkwasser ist ein unverzichtbares Lebensmittel[1] zum Trinken und Kochen für die Bevölkerung, aber auch zur Körperhygiene wie sie in den Salzburger Badehäusern angeboten wurde und zum Wäschewaschen.
  • Brauchwasser dient dem Gebrauch für verschiedene Zwecke, z. B. dem Frischhalten und dem Saubermachen auf Märkten (Fischkalter), zum Bewässern der Gärten, zur Abfallbeseitigung und Straßenreinigung, als Kühlmittel oder Löschwasser(reserve).
  • Nutzwasser dient dem Antrieb von Mühlen, Sägewerken oder Hebemaschinen, es wird als Produktionsmittel von Brauereien, Handwerkern und Gewerben genutzt und es ist ein Transportweg.

Die Versorgung mit Trinkwasser einerseits und Brauch- und Nutzwasser anderseits erfolgte früher oft getrennt. Die Errichtung getrennter Brauch- und Trinkwasserleitungen nach 1900 hatte sich nicht bewährt, der unwirtschaftlich gewordene Betrieb der Versorgung mit Brauchwasser wurde eingestellt. Seit etwa 1930 besteht in der Stadt Salzburg (abgesehen von wenigen Randlagen) ein einziges öffentliches System zur Trinkwasserversorgung bestehend. Zwei Grundwasserwerken (529 l/sec Konsensmenge), acht Quellen (95 l/sec Konsensmenge), 872 Kilometer Wasserleitungen und neun Hochbehälter (Speichervolumen: 50 896 m³) bilden heute jene Infrastruktur, über die in der Stadt Salzburg und einigen benachbarten Gemeinden mehr als 155 000 Kunden mit rund zwölf Millionen Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr versorgt werden, das fast unbehandelt aus den Leitungen kommt.

Geschichte der Wasserversorgung bis 1870

Trinkwasser für Salzburg von der Taugl oder aus dem Fuschlsee (1957)

Die Geschichte der Wasserversorgung in Salzburg beginnt mit römischen Zisternen, geht über mittelalterliche Zieh- und Pumpbrunnen bis hin zum modernen System der Trinkwasserversorgungsnetze. Nachstehend sind die wichtigsten Entwicklungsschritte nach Jahrhunderten gereiht.

Ziehbrunnen

Größere und kleinere (Haus-)Brunnen, in aller Regel Ziehbrunnen, verteilt über die Stadt, stellten über etliche Jahrhunderte die Wasserversorgung sicher. Das Grundwasser in der Stadt und in Zisternen gesammeltes (Regen-)Wasser musste für die Versorgung der Bevölkerung ausreichen. Insgesamt gab es im Spätmittelalter vierzehn Brunnen in der linken Altstadt und vier in der Altstadt am rechten Ufer der Salzach[2].

Altstadt, links der Salzach
Altstadt, rechts der Salzach
Festung Hohensalzburg

Die Wasserversorgung der Festung Hohensalzburg, deren Bauanfänge wohl in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts liegen, war von Anfang an so geplant, dass sie sich autark versorgen konnte. Ein ausgeklügeltes Dach- und Dachrinnensystem sammelte das auch früher reichlich vorhandene Regenwasser in einer oder mehreren Zisternen. Diese reichten für die Versorgung der Festung stets aus.

Diese alten Brunnenanlagen bestehen, von Ausnahmen abgesehen, nicht mehr. Viele Brunnen wurden im Laufe der Zeit aufgegeben, zugeschüttet, versetzt oder durch neue ersetzt. Im 12. Jahrhundert entstanden zusätzlich zu Zisternen erste einfache Rohrleitungen.

Erste Wasserleitungen, Quellbrunnen und Brunnstuben

Die Qualität der Ziehbrunnen in der Stadt erwies sich gegen Ende des Mittelalters, trotz regelmäßiger Reinigung, als sehr unzureichend. Die zuerst äußerst bescheidenen hygienischen Ansprüche stiegen nach den vielen Seuchen. Deshalb wurden schrittweise große Brunnstuben (öffentliche stets gedeckte Brunnen), von denen Salzburg bald sieben aufweisen konnte, errichtet. Diese ersten öffentlichen Brunnen wurden dem Baustil ihrer Zeit öfter auch entsprechend künstlerisch gestaltet. Das erzbischöfliche Brunnhaus und das städtische Brunnhaus am Gries waren naturgemäß selbst keine Brunnstuben, sie lieferten aber Wasser für Brunnstuben.

Almkanal und Almbrunnleitungen

Hauptartikel Almkanal

Der denkmalgeschützte Almkanal übernahm von Mitte des 12. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts dann eine sehr bedeutende Rolle in der Wasserversorgung der Stadt. In den Jahren 1137 bis 1143 wird der 400 m lange Stiftsarmstollen zwischen Mönchsberg und Festungsberg durchgeschlagen. Das Wasser des Rosittenbachs gelangt ab etwa 1160 direkt in die Stadt. Über fünf Almbrunnleitungen, Holzleitungen aus Lärche, gelangt(e) das Wasser zu etwa 80 Ausläufen an Brunnen, Badehäuser, Waschhäuser und die Pferdeschwemmen.

Allerdings wurden anfangs nur das Domkapitel, das Benediktiner-Erzstift St. Peter und die erzbischöflichen Einrichtungen mit "Fließwasser" versorgt. Die Bürgerstadt hingegen musste sich mit anderem Wasser behelfen. Seuchen waren an der Tagesordnung. Auch bei Bränden fehlte Löschwasser, was mit zu den verheerenden Ausmaßen von Stadtbränden beitrug.

Ab 1286 wurde der Bau eines fünf Kilometer langen Durchstichkanales vom Rosittenbach durch den Wald von Kattenau (Gartenau) zur Königsseeache – auch Alm oder Almfluss genannt – begonnen, der in St. Leonhard in Grödig an der Grenze zu Bayern (Berchtesgadener Land) endet. Seither führt dieses Meisterwerk mittelalterlicher Ingenieurskunst auch das Wasser der Königsseeache in die Stadt Salzburg. Die Wassermenge war für die Salzburger Wirtschaft als Antrieb für die zahlreichen Mühlen und Hammerwerke ebenso bedeutend wie zur Trink- und Abwasserentsorgung.

1335 gestattete Erzbischof Friedrich III. von Leibnitz Wasser vom Müllner Arm des Almkanales bis zum Bürgerspital St. Blasius‎‎ zu leiten. Von 1335 bis 1387 wurde der städtische Arm des Almkanals vom Müllner Arm nach Mülln abzweigend errichtet und der Stiftsarmstollen durch den Mönchsberg geschlagen, der das Wasser von der Riedenburg zum Bürgerspital und weiter in die Salzach brachte.

Gersbergwasserleitung

1485/88 wurde die Gersbergwasserleitung vom Gersberg, einem Vorberg des Gaisbergs, bis zum Florianibrunnen am Alten Markt gelegt. In über 2 000 Lärchenröhren leitete man das Wasser aus Parsch nördlich am Kapuzinerberg entlang in die Stadt. 1639 wurden in der Linzer Gasse und in Parsch Brunnstuben im Verlauf der Gersbergleitung hinzugefügt.

Städtisches Brunnhaus

Hauptartikel Städtisches Brunnhaus

1548 wurde das städtische Brunnhaus gegenüber der Bürgerspitalskirche St. Blasius am Gries als Grundwasserschöpfwerk in Betrieb genommen.

Erzbischöfliches Brunnhaus

Hauptartikel Erzbischöfliches Brunnhaus

Das erzbischöfliche Brunnhaus selbst wurde 1664 am Südhang des Festungsberges in Salzburg-Nonntal errichtet. Das Wasserpumpwerk förderte seit 1679 mit Hilfe des Almkanals Quellwasser aus Hellbrunn auf ein Pumphaus auf dem Festungsberg und von dort im Freispiegel weiter zur Fontäne des Residenzbrunnens und zu höher gelegenen Häusern in Nonntal und im Kaiviertel.

Fürstenbrunner Quelle

Bereits im 15. Jahrhundert ließen sich die Fürsterzbischöfe das Quellwasser des Untersbergstockes mit Wasserreitern täglich frisch zur fürstlichen Tafel bringen. Wegen seiner Güte und Klarheit des Wassers aus den so genannten Fürstenquellen (Fürstenbrunner Quelle) unternahm 1654 Fürsterzbischof Guidobald Graf von Thun und Hohenstein den ersten Versuch, das Quellwasser unter Druck in die Stadt zu leiten. Gleichzeitig wurde der Residenzbrunnen errichtet, man leitete mit 3 237 lärchenen Röhren, "Deicheln", genannt, das Wasser in die Stadt. 1661 war das Bauvorhaben vollendet, jedoch zerbarsten die Holzröhren bereits bei der Einweihung. Nachdem Fürsterzbischof Maximilian Gandolf Graf von Kuenburg seine geplante Wasserleitung 1679 aus Fürstenbrunn aus technischen Gründen zurücklegen musste, entstand die Hellbrunner Wasserleitung. 1719 wurde ein weiterer Versuch unternommen eine Wasserleitung von Fürstenbrunn zu bauen, noch fünf folgten. 1738 legte Professor Pater Bernhard Stuart dem Domkapitel einen weiteren Plan zum Bau einer Wasserleitung vor. Es dauerte weitere 120 Jahre, bis ein solches Projekt wieder aufgegriffen wurde.

Gaisbergquellen

1649 wurde am Gaisberg eine Quelle gefasst, dessen Wasser zum städtischen Ziegelstadel geleitet wurde. Es folgten weitere Quellfassungen 1714 und 1806 am Kühberg und Gersberg. Die Mirabellleitung vom Neuhauser Berg und vom unteren Judenberg führte zum Linzertor, wo sie sich in eine Leitung zum Mirabellgarten und eine zum Schloss Mirabell teilte. Diese aus Holz bestehende Leitung bestand bis 1919.

Erste Hausanschlüsse der Neuzeit mit Wasserzins

1520 wurde das erste Bürgerhaus mit fließendem Brunnenwasser versorgt. Erst nach dem 1631 mehrere Bürger um Erlaubnis ansuchten, Brunnhauswasser in ihr Haus leiten zu dürfen, beschloss der Salzburger Stadtrat eine Wasserordnung. Die Anschlussgebühr betrug 100 Gulden, ein auch für damalige Zeiten recht beachtlicher Betrag, sowie einen jährlichen Wasserzins von fünf Gulden. Als Maßeinheit galt der Steften, der den Durchmesser des Wasserrohres angab. Durch ein einen Steften starkes Rohr flossen ständig sechs Wiener Maß, das sind 8,491 Liter Wasser pro Minute.

Leitungsnetz um und nach 1800 (Ludwig Grenier)

Als Salzburg 1810 Teil des Königreichs Bayern wurde, präsentierten sich nach den Kriegswirren und der vielfachen militärischen Besetzung der Stadt Gebäude und Infrastruktur desolat und alles andere als zufrieden stellend, so auch das System der Wasserversorgung. In den Rinnen und Abflüssen häuften sich Schmutz und Unrat, Brunnrohre waren verfault und undicht. Die Stadtverwaltung besaß zumindest Aufzeichnungen zur Berechnung des Wasserzinses. Unterlagen für die ärarischen[3] Leitungen fehlten wie auch generell Wasserleitungspläne, Aufzeichnungen über Brunnen und dergleichen.

1813 erhielten Bauinspektor Franz Staiger und der Geometer Ludwig Grenier vom königlichen Lokalbauamt den Auftrag, die Hofbrunnleitungen planlich zu erfassen. Zwei Jahre später, 1815, beauftragte schließlich die Stadtverwaltung Grenier, einen Gesamtplan aller Wasserversorgungseinrichtungen zu erstellen. 1816 wurde die „Mappe über die Brunnen und Canal-Leitungen zu und in der Stadt“ abgeschlossen. Auf insgesamt zehn Blättern erfasste der Plan in einem Maßstab von 1:2 880 alle Quellfänge, Wasserleitungen, Hausanschlüsse und auch das gesamte System des Almkanals mit seinen Strängen und allen Werken und Hämmern, die entlang seines Laufes angesiedelt waren.[4]

Diese erste systematische Erhebung und die planliche Darstellung brachte auch die Tatsache ans Tageslicht, das es in der Stadt Salzburg mehr Hausanschlüsse gab als dafür Wasserentnahmeberechtigungen zugeteilt waren und der Wasserzins dafür entrichtet wurde. Im Zuge der politischen Wirren und dem wirtschaftlichen Niedergang war die Lösung finanzieller Fragen offenbar weniger wichtig.

Wasserspeicher und Versorgung im späten 19. und 20. Jahrhundert

Wasserleitung von Fürstenbrunn nach Salzburg

1866 trat der Gemeinderat der Stadt Salzburg an den Besitzer der Fürstenbrunner Quelle, den König Ludwig II. von Bayern, mit Bitte um Überlassung von 90 österreichischen Kubikfuß Wasser in der Minute, das entspricht 47,4 Liter pro Sekunde oder rund 1,5 Millionen Kubikmeter im Jahr, heran. Mit Entschließung vom 13. März 1866 bewilligte der König als Schenkung die erbetene Wassermenge der Stadt Salzburg auf immerwährende Zeiten.

Danach wurde verschiedene Angebote zum Bau der Wasserleitung eingeholt, besonders auch aus Großstädten wie Paris, Prag und Frankfurt am Main.

Etwa in den Jahren 1872 bis 1875 übernahm die Frankfurter Wasserwerksgesellschaft den Bau einschließlich Fassung der Quelle, der 9,2 km langen Rohrleitung, eines 1 000 m³ fassenden Hochbehälters in der Nähe der Richterhöhe am Mönchsberg und des Stadtrohrnetzes zum Pauschalbetrag von 400 000 Silbergulden. [5] [6] [7]

Am 31. Oktober 1875 wurde die neue Fürstenquellen-Wasserleitung an die Stadtgemeinde Salzburg übergeben.[8] Die jährlichen Betriebskosten wurden, abzüglich der Kosten für die 14 öffentlichen Brunnen, für die Bewässerung der öffentlichen Gärten und für die 111 Hydranten für Gassenbesprengung und die Feuerwehr, als Wasserzins anteilig an die in 416 Häusern mit 2 343 Abnahmestellen befindlichen einzelnen Haushalte weiterverrechnet.[9]

Hauptartikel: Städtisches Wasserwerk

Das Städtische Wasserwerk war zwischen 1875 und 1922 eine Fürsorgeanstalt der Stadtgemeinde Salzburg. Ab 1922 wurde die Wasserversorgung der Stadt Salzburg ein wirtschaftliches Unternehmen der Stadt Salzburg, die 1950 in die Salzburger Stadtwerke eingebracht wurde, welche im Jahr 2000 in der Salzburg AG aufging.

Kapuzinerberg Kavernen

1888/1889 wurde für eine höhere Versorgungssicherheit auf dem Kleinen Linzertor-Kavalier eine erste Kaverne mit 1 000 Kubikmetern Speicherreservoir in den Kapuzinerberg gesprengt und mit Zuleitungen vom Gersberg und Heuberg versorgt. [10]. um 1900 folgte in nächster Nähe ein zweiter etwas größerer Speicher.

Die alten Trinkwasser-Hochbehälter auf dem Mönchsberg

Es begann mit dem ersten Trinkwasser-Hochbehälter auf dem Mönchsberg in den 1870er-Jahren. 1929 wurden neue Behälter geschaffen und schließlich der heutige zwischen 1948 und 1950.

Eine der größten Herausforderungen an die Wasserversorgung der Stadt Salzburg stellte der Winter 1928/1929. Anfang Dezember stellte sich plötzlich eine Frostperiode mit Temperaturen bis zu minus 32 °C ein. Für drei Monaten herrschte eine durchschnittliche Temperatur von minus 26 Grad Celsius und der Frost reichte bis 1,70 m ins Erdreich.

Neben dem Rückgang des Wasserdurchflusses brachen auch noch zahlreiche Rohr, Hydranten wurden durch den Frost abgesprengt. Die Rohrstränge von St. Josef in Nonntal bis zur Hellbrunner Kaserne, in der Nonnberggasse, der Nutzwasserleitung, die Gersbergleitung über die Karolinenbrücke, des Nonnbergs bis zum Hochbehälter auf dem Mönchsberg, auf dem Kapuzinerberg, und von der Ignaz-Harrer-Straße bis zur Stadtgrenze waren abgefroren.

Trotz dieser Schwierigkeiten hielt die Wasserversorgung bis zum Eintritt des Tauwetters ohne besondere Schäden durch.[11]

Der Brauchwasserspeicher

Nächst der Bürgerwehr wurde 1907 zur Entlastung der Trinkwasserleitung eine eigene Brauchwasserleitung mit einem eigenen Hochbehälter auf dem Mönchsberg mit 1 000 Kubikmetern Inhalt errichtet. [12]

Der Wasserturm auf dem Mönchsberg

Hauptartikel: Amalie-Redlich-Turm

Der Wasserturm auf dem Mönchsberg wurde 18911892 vom Architekten Karl Demel im Auftrag des Bankiers Karl Leitner, der das Schloss Mönchstein erworben hatte, erbaut. Er beherbergt einen kleinen Wasserbehälter, das aus der gleichzeitig neu errichteten Gerbergwasserleitung gespeist wurde. Die Quelle auf dem Gersberg liegt wesentlich höher als jene in Fürstenbrunn, deren Druck nicht ausgereicht hat, um das Wasser in die Häuser am Mönchsberg hinaufzudrücken.

Wasserknappheit und Wasseruhren

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts herrschte in der stetig wachsenden Stadt Salzburg große Wassernot. In vielen Häusern war es damals üblich, das Wasser rinnen zu lassen, denn im Winter konnten dadurch die Wasserleitungen nicht einfrieren und im Sommer wurden die Häuser damit abgekühlt. Auch gab es noch immer zahlreiche Haushalte, die keinen Wasserzins bezahlten.

1903 wurden Wassermesser (Wasseruhren) eingeführt, um Wasserverschwendung entgegen zu treten und um sicherzustellen, dass jeder entsprechend seinem Verbrauch bezahlen muss. Die generelle Wasserknappheit wird erst 1928 durch die Errichtung des Grundwasserwerks in Glanegg beseitigt.

Versorgung in Notzeiten und Desinfizierung mit Chlor

Beim ersten Bombenangriff wurden in der Altstadt auch große Teile des Wasserversorgungsnetzes zerstört und es wurde auch der kleine Hochbehälter am Mönchsberg getroffen. Die Bereiche Griesgasse und Getreidegasse standen lange Zeit im Wasser und die Schadstellen konnten aus Materialmangel nicht ausgebessert werden. Bis Kriegsende war eine Versorgung durch Tankwagen notwendig. Eine weitere Kriegsfolge war, dass zur Aufrechterhaltung der Wasserhygiene und als Prävention gegen Infektionskrankheiten auf Anordnung der amerikanischen Militärregierung das Wasser ab 1945 mit Chlor desinfiziert wurde. Ein unangenehmer Geruch und Geschmack waren die unvermeidliche Folge und die Beschwerden darüber häuften sich im Lauf der Jahre. Die besatzungsseits Chlor-Dosis war allerdings weit übertrieben, sie wurde sofort nach dem Abzug der Besatzung stark herabgesetzt.

Von 1961 bis um 1980 anstelle der Chlorierung eine Ozonanlage betrieben. seit etwa 1980 wird das Wasser mit UV-Licht desinfiziert. Die Ozonanlage war damals nicht mehr zeitgemäß, die Geruchsbelästigung durch das sehr schädliche und gefährliche Gas auf dem Mönchsberg zwar zum Teil erheblich.

Trinkwasserversorgung heute und Projekte

Nach 1990 wurde die direkte Zuleitung aus der Fürstenquelle aus hygienischen Gründen beendet. Das gesamte Wasser der Fürstenquelle wurde stattdessen im Bereich des Grundwasserwerks Glaneggs in tiefe Unterwasserhorizonte eingebracht, dadurch natürlich im Untergrund gereinigt und nach etwa 60 Tagen im Brunnfeld wieder gewonnen. Das Grundwasserwerk Glanegg befindet sich in der Flachgauer Marktgemeinde Grödig im Ortsteil Glanegg.

Wasserversorgung der Stadt Salzburg, Gesamtschema. Foto im Wassermuseum Mönchsberg durch Herbert Strobl

Aus dem Grundwasser dürfen bis zu 10,3 Mio. m³ Wasser pro Jahr gefördert werden.

Das Wasser kleinerer Quellen wird ebenfalls in das Rohrnetz eingespeist, wobei jeder einzelnen Quelle ein eigenes Versorgungsgebiet zugeordnet ist. Das Trinkwasser kommt dann in das eng vermaschte Verteilungsrohrnetz. In fast jeder Straße liegt eine Wasserleitung und bei jeder Straßenkreuzung sind diese Leitungen zu einem Netz verbunden.

Von den Versorgungsleitungen zweigen die einzelnen Hausanschlussleitungen ab. Die Salzburg AG verfügt derzeit insgesamt über acht Trinkwasserhochbehälter mit einem Gesamtspeichervolumen von rund 50 873 m³. Meist bleibt das Wasser dort nur einen Tag, bis es an den Endverbraucher geht. Vier Pumpstationen fördern das Wasser aus der Hauptversorgungszone in höher gelegenen Siedlungsgebiete.

Sämtliche Trinkwasserspeicher und Pumpstationen werden von einer zentralen Schaltwarte im Lastverteiler Center Wasser in Bergheim aus überwacht und gesteuert. Für alle Grundwasserfelder und Quellen der Salzburg AG sind frühzeitig Wasserschutz- und Wasserschongebiete eingerichtet worden.

Es gibt heute auch 20 Trinkwasserbrunnen in der Stadt Salzburg.

Qualität des Trinkwassers

Das Trinkwasser der Stadt Salzburg hat eine besonders hohe Qualität und es muss nur im Ausnahmefall desinfiziert werden. 90 Prozent des gesamten Trinkwassers für die Stadt Salzburg kommt von den Grundwasserwerken in Glanegg, St. Leonhard und Taugl.

In diesen Gebieten unterliegen alle Maßnahmen einer strengen Überwachung und Regelung durch die Wasserrechtsbehörde. Durch intensive Inanspruchnahme aller im Wasserrechtsgesetz vorgesehenen Möglichkeiten und darüber weit hinausgehende Eigeninitiativen und Aufwendungen sorgt die Salzburg AG – Center Wasser für einen wirkungsvollen, vorbeugenden Schutz.

Das Wasser aus den Grundwasserwerken und der Wasserschiene bedarf keiner Desinfizierung und wird im Naturzustand abgegeben. Aus hygienischen Gründen wird jedoch das Wasser der Quellen entkeimt. Dies erfolgt für die Tiefenbachquelle und für die Quellen am Heu- und Gersberg sowie in der Glasenbachklamm mit UV-Licht.

Für den Notfall sind alle Brunnen und Quellen mit Strom unabhängigen Chlorgasanlagen zur Desinfektion ausgestattet. Die Salzburg AG hat ein eigenes, mit Mitarbeitern und Geräten sehr gut ausgestattetes chemisch-bakteriologisches Labor eingerichtet. 2 000 Wasserproben aus dem eigenen Netz werden pro Jahr bakteriologisch und 400 chemisch untersucht.

Grundwasserwerk St. Leonhard und die Hochbehälter Mönchsberg und Kapuzinerberg

1976 wurde beim Grundwasserwerk St. Leonhard in Grödig ein Horizontal-Filterbrunnen in Betrieb genommen. Mit ihm wird ein unabhängiges Wasservorkommen genutzt, das vom Grundwasser-Begleitstrom der Königsseeache gespeist wird. Zuvor waren die Quellfassungen Untersberg der Hauptwasserspender für die Stadt Salzburg.

Der heutige Hochbehälter Mönchsberg in der Nähe der Richterhöhe wurde 1948 bis 1950 errichtet und in den Jahren 1995 bis 1998 generalsaniert. Dieser Behälter fasst 25 000 Kubikmeter (= 25 000 000 Liter) Wasser. Die Wassertiefe beträgt 8,5 Meter. Die Hochbehälter im Mönchs- und im Kapuzinerberg werden mit Mischwasser aus den Grundwasserwerken Glanegg und St. Leonhard sowie gegebenenfalls aus der Wasserschiene gespeist.

Der Wasserverbund und sein Ausbau

1976 wird der Wasserverband Salzburger Becken gegründet, in dem sich 21 Gemeinden und die Stadt Salzburg zusammenschließen, um die Wasserversorgung für alle gemeinsam zu sichern. Auch das Land Salzburg tritt diesem Verband bei.

1984 wurde als Notversorgung die sogenannte „Wasserschiene“, eine Verbindungsleitung zwischen Salzburg und Hallein, errichtet. 2003 wurde die „Wasserschiene" von Hallein bis Kuchl–Jadorf mit einer Länge von 4 157 Metern weiter ausgebaut. Im Anschluss daran wurde der Brunnen Taugl abgeteuft und ging am 1. April 2004, mit einem Konsens von 150 Liter pro Sekunde in Betrieb. Damit wurde eine gegenseitige Wasserlieferung möglich. Über Verbindungsleitungen der Wasserschiene kann Wasser aus dem Grundwasserwerk Gamp in die Versorgungsleitungen der Stadt Salzburg eingespeist und auch alle Verbandsgemeinden verteilt werden.

2004 wurde der Tiefbrunnen Taugl in Betrieb genommen und damit die gemeindeübergreifende Wasserversorgung gesichert. Gleichzeitig wird die Wasserschiene ausgebaut. 2003 wurde Obertrum am See angeschlossen, 2011 Bürmoos und 2013 Seeham.

Zehn Prozent kommt aus kleineren Quellen- und Quellgruppen, das mit UV-Licht desinfiziert wird. Mineralien Kalzium und Magnesium machen den Härtegrad des Wassers aus. Dieser ändert sich im Stadtgebiet je nach Herkunft des Wassers und der Tageszeit geringfügig. Das Salzburger Trinkwasser hat gemäß dem Wasserhärteplan[13] im Durchschnitt 9,5–10 Deutsche Härtegrade. [14]

Projekte Fuschlsee und Taugl

Mitte der 1950er-Jahre gab es das Projekt, das Wasser des Fuschlsees für das Trinkwasser der Stadt Salzburg zu nützen. Zugleich stand damals schon das Grundwasservorkommen der Taugl bei Kuchl zur Diskussion, dessen Nutzung erst einige Jahrzehnte später verwirklicht werden wird.

Wassermuseum Mönchsberg

Hauptartikel: Wassermuseum Mönchsberg

Neben dem großen Hochbehälter Mönchsberg von 1948 liegt der ältere, kleine und stillgelegte Hochbehälter Mönchsberg von 1875. Seit 2008 ist dort das Museum Wasser:Spiegel untergebracht, das 1998 gegründet wurde und sich früher am Sitz der Stadtwerke befand.

Das Wassermuseum zeigt die Entwicklung der Wasserversorgung der Stadt Salzburg von damals bis heute, präsentiert ihre Technik und erklärt anhand von ausgewählten Ausstellungsstücken, Plänen und Skizzen viele Details von historischen und aktuellen Bauwerken, Projekten, Leitungen, Brunnen, Hydranten, ... und informiert über ihre Funktionsweise und Wartung.

Literatur

Bildlink

Quellen

Österreichischer Städteatlas Salzburg → diese Quelle erweist sich allerdings vielfach als wenig verlässlich, siehe dazu Diskussion:Österreichischer Städteatlas Salzburg - Fehlerhaftigkeit des Österreichischen Städteatlas Salzburg

Einzelnachweise