Herzogtum Salzburg

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Wappen des Herzogtum Salzburg, ca. 1850

Das Herzogtum Salzburg bestand von 1803 bis 1918, mit einer Unterbrechung durch die französische und bayrische Herrschaft von 1809 bis 1816.

Salzburg am Beginn des 19. Jahrhunderts

Schon im zwischen Frankreich und Kaiser Franz II./I. geschlossenen Pariser Vertrag vom 26. Dezember 1802 war vereinbart worden, dass Erzherzog-Großherzog Ferdinand III. von Toskana, Bruder des Kaisers, als Entschädigung für den Verlust der Toskana andere Gebiete erhalten sollte. Die Durchführung der Verträge von Lunéville und Paris erfolgte im „Reichsdeputationshauptschluss“ von 1803. Dabei wurde das Herzogtum Salzburg – das jedoch die Exklave Mühldorf am Inn verlor – mit Passau, Eichstätt und Berchtesgaden Ferdinand zugleich mit der Kurfürstenwürde zugesprochen.

Salzburg, das bis 1803 unter der Herrschaft seiner Erzbischöfe gestanden war, wurde 1803 säkularisiert (also von einem geistlichen in ein weltliches Fürstentum umgewandelt). Am 11. Februar 1803 dankte Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo als Landesfürst ab, vier Tage später trat der nunmehrige Kurfürst Ferdinand die Herrschaft in Salzburg an. Zusammen mit den ebenfalls säkularisierten Fürstentümern Berchtesgaden (vorher Fürstpropstei), (einem Teil von) Passau und Eichstätt (vorher Fürstbistümer) wurde Salzburg unter die Herrschaft des Erzherzogs gestellt. Dessen Bruder, der römisch-deutsche Kaiser Franz II./I., erhob das Fürstentum Salzburg im Juli 1803 darauf zum Herzogtum[1].

Die Regierungszeit des Kurfürsten begann vielversprechend und war z. B. mit der Errichtung einer medizinischen Fakultät in Salzburg verbunden. Doch schon nach 2 ½ Jahren fiel Salzburg an Österreich (als kleine Entschädigung für die Gebietsverluste, die Österreich nach der verlorenen Schlacht von Austerlitz[2], hinnehmen musste). Kurfürst Ferdinand wurde dafür mit dem Großherzogtum Würzburg entschädigt, das er allerdings ebenfalls nur wenige Jahre regieren durfte.

1805/06 (Friede von Pressburg) kam das Herzogtum Salzburg mit dem Fürstentum Berchtesgaden zum Kaisertum Österreich. Durch den Wiener Frieden von 1809 kam Salzburg für ein paar Monate an Frankreich, von dem es 1810 an Bayern abgetreten wurde. Nach dem Wiener Kongress kam Salzburg 1816 endgültig zu Österreich, allerdings ohne die Gebiete am linken Salzachufer, den Rupertiwinkel, der, wie auch Berchtesgaden, bei Bayern blieb. Der Kaiser von Österreich schlug daraufhin die bisher salzburgischen Gebiete des Zillertals und des Brixentals dem Land Tirol zu. Damit erhielt das Land Salzburg seinen noch heute bestehenden Gebietsumfang.

Das Herzogtum Salzburg bildete nun den Salzachkreis des Landes Österreich ob der Enns. 1849 erhielt es den Status eines selbstständigen Kronlandes. Aus dem Herzogtum entstand im November 1918 das Bundesland Salzburg.

Herzogtum - Kronland

Kronland“ war ab 4. August[3] 1849 die Bezeichnung für jedes der historischen Königreiche und Länder (Erzherzogtum, Herzogtümer, Grafschaften usw.), die das Kaisertum Österreich bildeten und denen die für Kronländer vorgesehene verfassungsrechtliche Eigenständigkeit zuerkannt war[4]. Salzburg war daher auch von 1849 bis 1918 Herzogtum. Vorher war der Ausdruck „Erbländer“ („der österreichischen Monarchie“ odgl.) gebräuchlich, da die Habsburger erbliche Herrscher der Königreiche usw. (im Gegensatz, bis 1806, zur durch Wahl erlangten Kaiserwürde) waren[5].

1806 bis 1809: erste österreichische Herrschaft

Kaiser Franz II./I. – zu jener Zeit erst römisch-deutscher Kaiser (Franz II. bis 1806) und dann Kaiser von Österreich (Franz I. ab 1806)) – nahm das Herzogtum Salzburg und das Fürstentum Berchtesgaden durch Patent vom 12. Februar 1806 feierlich in Besitz.

Für Salzburg und Berchtesgaden wurde 1807 eine eigene (gemeinsame) Landesregierung (mit Sitz in Salzburg) aufgestellt und dieser ein mit den übrigen österreichischen Länderstellen gleicher Wirkungskreis eingeräumt[6]. Sie unterstand der vereinigten Hofkanzlei in Wien. Das in Justizsachen für Salzburg zuständige Appellationsgericht hatte seinen Sitz ebenfalls in Wien.

Nur die exponierte Lage an der Grenze zu Bayern, einem Verbündeten Napoleons, sicherte damals den Fortbestand des Landes.

Zu den bemerkenswerteren Regierungsmaßnahmen dieser wiederum kurzen Epoche gehörte die Einführung eines Ehegesetzes für Salzburg und Berchtesgaden.[7]

1816 bis 1848: Der Salzachkreis als 5. Kreis von Österreich ob der Enns

Staatsrechtlicher Rahmen

Im Vertrag von Ried (1813) war die Grenzziehung zwischen Bayern und Österreich nur vage geregelt worden, nach massivem österreichischem Druck musste sich Bayern zum Vertrag von München (1816) bequemen.

Am 1. Mai 1816 kam Salzburg (mit einigen anderen Gebieten) daher endgültig zu Österreich. Bayern behielt das wirtschaftlich wertvolle Gebiet des Rupertiwinkels am linken Ufer der Salzach und ebenfalls das nur kurz zu Salzburg gehörige Berchtesgadener Land.

Aus der Sicht der damaligen österreichischen Staatsdoktrin war dies im Wesentlichen die Wiederherstellung eines früheren (mit höherer Legitimität versehenen) Zustandes, sodass schon im Vertrag von München die Gebietsabtretung als „Rückgabe“ des 1809 abgetretenen Herzogtums Salzburg bezeichnet wurde.

Allerdings wurden sogleich das Zillertal und das Brixental (Gericht Itter mit dem Markt Hopfgarten), die bisher zu Salzburg gehört hatten, dem Land Tirol zugeschlagen. Damit war der Gebietsstand erreicht, der bis heute (von kleinen Grenzbereinigungen im Gefolge von Flussregulierungen udgl.) unverändert geblieben ist.

Das Land wurde als fünfter Kreis von Österreich ob der Enns (Oberösterreich) und der Landesregierung in Linz unterstellt. Nur dem Namen nach führte dieser Salzachkreis auch den Titel eines Herzogtums Salzburg weiter. Alle Bitten der Bürgerschaft um Gewährung einer eigenen Landesregierung, um die Residenz eines kaiserlichen Prinzen in Salzburg und um Wiedererrichtung der Universität verhallten ungehört, ebenso die Klagen, dass Salzburg "zu einem Betteldorf mit leeren Palästen herabgesunken" sei. Die zentralistische Verwaltung des riesigen Kaiserstaates hatte für ein kleines Gebiet wie Salzburg kein Verständnis.

Aufgeschlossener war der Kaiser gegenüber dem Wunsch nach Wiedererrichtung der Hohe Salzburger Landschaft, zumal die Deutsche Bundesakte die Einführung landständischer Verfassungen in allen Bundesstaaten (der Kaiser von Österreich gehörte dem Deutschen Bund mit allen seinen vormals zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zählenden Besitzungen an) vorsah. Dies wurde aber von der Landesregierung von Österreich ob der Enns hintertrieben. Die Entscheidung, ob Salzburg eigene Landstände erhalten oder ob Vertreter Salzburgs in die Landstände Österreichs ob der Enns aufgenommen – und Salzburg damit seine verfassungsrechtliche Eigenständigkeit verlieren – sollte, blieb bis 1848 in Schwebe.

Salzburg als Betteldorf

Hauptartikel: Salzburg - vom Betteldorf zum reich gesegneten Land

Der Beginn der österreichischen Herrschaft stand für Salzburg unter keinem guten Stern: Mit dem Verlust der Residenzfunktion wanderten die Hofbediensteten und Beamten ab, die Bevölkerung der Stadt ging von 16 000 auf weniger als 12 000 Bewohner zurück. Lustschlösser und Paläste verödeten.

Nach Missernten in den Jahren 1814 bis 1816 forderte eine große Hungersnot zahlreiche Todesopfer unter der Bevölkerung. 1818 legte ein Brand den Stadtteil am rechten Salzachufer samt dem Schloss Mirabell in Schutt und Asche.

Die Armut der Bevölkerung nahm zu und die intensive polizeiliche Überwachung und Bespitzelung in der Zeit des Vormärz (1815 - 1848) unterdrückte alle politischen Regungen. Das Bürgertum zog sich ins biedermeierliche Privatleben zurück und die Bevölkerung in Stadt und Land versank in tiefe Apathie und Hoffnungslosigkeit. "Auf den Straßen und Plätzen der Stadt, deren es viele und schöne gibt, wächst Gras, so wenig werden sie betreten", schrieb Franz Schubert anlässlich seines Besuchs in Salzburg 1825.

Salzburg kämpft sich zurück

Erst die Aktivitäten des aus Tirol stammenden Advokaten Dr. Alois Fischer, der später Landespräsident von Oberösterreich wurde, und das Revolutionsjahr 1848 führten zu einem Umschwung. Salzburg wurde zu einem Kronland der Monarchie und erhielt – verzögert durch die Ära des Neoabsolutismus – 1860/61 eigene Landesbehörden und Landstände.

Übergeordnete Behörden wie die Bundesbahndirektion, das Oberlandesgericht und die Post- und Telegraphendirektion für Salzburg, die ihren Sitz in Linz hatten bzw. noch haben, erinnerten lange an die Zeit als fünfter Kreis von Oberösterreich, die von den Salzburgern als tiefe Erniedrigung empfunden wurde. Der Weg nach Österreich war steinig und entbehrungsreich!

1848 bis 1918 (Salzburg als selbstständiges Kronland)

Wappen des Herzogthum Salzburg 1850 - 1867
im Chiemseehof, Stiege I

Die Revolution des Jahres 1848 lenkte die Bestrebungen, die Hohe Salzburger Landschaft wieder zu errichten, in ein Verlangen nach Einrichtung Salzburgs als selbständiges Kronland mit eigenem Landtag und eigener Landesregierung um.

Der Rechtsanwalt Dr. Alois Fischer, der entschiedene Betreiber dieser Entwicklung, wurde Reichstagsabgeordneter und Ende 1848 Statthalter von Oberösterreich (!) und förderte auch in diesen Funktionen die Trennung Salzburgs von Oberösterreich.

Schon im Reichstag wurden durch den Kremsierer Verfassungsentwurf die Weichen in Richtung eines eigenständigen Landes gestellt. Als Kaiser Franz Joseph I. den Reichstag auflöste und am 4. März 1849 die sogenannte oktroyierte Märzverfassung erließ, sah diese das Herzogtum Salzburg als eigenes Kronland vor. Auch diese Verfassung kam bis zu ihrer ersatzlosen Aufhebung (Silvesterpatent von 1851) nicht zur vollen Wirksamkeit, auf ihrer Grundlage wurden aber die Länder neu organisiert.

Mit 1. Jänner 1850 trat die neue Organisation der politischen Verwaltungsbehörden im Kronlande Salzburg in Kraft. An die Spitze der neuen politischen Landesbehörde berief der Kaiser als Statthalter Friedrich Graf Herberstein. Dem Statthalter waren drei Bezirkshauptmannschaften untergeordnet.

Eine eigentliche Landesautonomie mit einem – ständisch zusammengesetzten – Landtag, der an der monarchischen Gesetzgebung teil hatte, und einer gewählten Landesregierung entwickelte sich erst ab 1860.

Gesellschaft und Politik

Das bürgerliche Selbstbewusstsein kam in großen Festen und in zahlreichen Vereinsgründungen, darunter der der Internationalen Stiftung Mozarteum (1880), zum Ausdruck.

Seit 1870 formierten sich die politischen Parteien, unter denen die Konservativen und die Liberalen dominierten. Der Liberalismus alter Prägung wurde jedoch am Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend von einem radikalen Deutschnationalismus und Antisemitismus abgelöst.

Der Wirtschaftsaufschwung der Stadt Salzburg

Die Eröffnung der Kaiserin-Elisabeth-Westbahn im Jahr 1860, die Salzburg mit Wien und München verband, führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Als Kaiser Franz Joseph I. im selben Jahr Salzburg als Festung aufließ und die Bastionen, die bis dahin die Stadt wie ein Korsett eingeschnürt hatten, der Bürgerschaft schenkte, setzte ein wirtschaftlicher Aufschwung ein. Der Eisenbahnunternehmer Karl Freiherr von Schwarz führte die Regulierung der Salzach durch und nahm den Bau der "Neustadt" am rechten Salzachufer in Angriff.

Mit der Elisabeth-Vorstadt und Riedenburg entstanden bevölkerungsstarke neue Stadtteile. Auch die damaligen Umgebungsgemeinden Gnigl-Itzling und Maxglan wuchsen sehr stark an.

Literatur

Karten

Weblinks

Quellen

Fußnoten

  1. „Kurfürst“ war eine reichsrechtliche Funktion, die zu dem Herrschertitel „König“, Herzog“ usw. hinzutrat und protokollarisch zwischen König und Herzog stand; sie ersetzte die Einordnung des Territoriums als Königreich, Herzogtum, Fürstentum usw. nicht.
  2. „Dreikaiserschlacht“; in Mähren, 1805.
  3. Quelle ANNO, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 2. Jänner 1925, Seite 4 ANNO, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 2. Jänner 1925, Seite 4
  4. vgl. die „oktroyierte Märzverfassung von 1849"
  5. Quelle Karl Irresberger
  6. Kaiserliches Patent vom 28. August 1807, PGS 7676.
  7. Kaiserliches Patent vom 13. April 1808, PGS 7994.


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