Gemeinde Thumersbach

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Die Gemeinde Thumersbach war ehemals eine selbständige Gemeinde, bevor sie im Juni 1935[1] der damaligen Marktgemeinde Zell am See eingemeindet wurde.

Geschichte

Verkehr zu Wasser, auf dem Land und in der Luft

Der See

Die Thumersbacher Bevölkerung überquerte früher in den eisfreien Jahreszeiten den See mit Booten. Es standen Flachboote und Plätten im Einsatz, die mit einem Stehruder bewegt und gesteuert wurden. Sobald die winterliche Eisdecke fest genug war, wurde der See zu Fuß oder per Fuhrwerk überquert. Noch heute queren Fußgänger und Fußgängerinnen den See, sobald die Eisdecke freigegeben ist. In den Zwischenzeiten war für die Thumersbacher der Weg in die Kirche oder zum Markt mit dem beschwerlichen Umweg über das Nord- oder Südufer verbunden. Später kamen bedingt durch den Fremdenverkehr anstelle der Boote mit Stehruder Zillen mit zwei oder vier Rudern auf. Sowohl im Sommer als auch im Winter hat es auf dem See witterungsbedingt und durch Unachtsamkeit Unfälle gegeben. 1881 wurde das erste Dampfboot in Betrieb genommen. Nach der Schiffstaufe – das Boot erhielt nach der damaligen Kronprinzessin den Namen Stephanie – wurde die Eröffnungsfahrt nach Thumersbach geführt. Nach der brandbedingten Vernichtung der Stephanie borgte die Staatsbahn der Gemeinde Zell am See das propellerbetriebene Schiff namens Caroline, das vom Bodensee zum Zeller See gebracht werden musste. Seit den 1920er-Jahren versorgten verschiedene Motorboote den Verkehr über den See.

Die Straße

1549 wurde von Christoph Perner, der das Schmelzwerk in Thumersbach gekauft hatte, der Saumweg, der von Schloss Fischhorn nach Thumersbach führte, zu einem für Fuhrwerke befahrbaren Weg ausgebaut. Aus diesem Weg wurde später die Thumersbacher Straße (L 247) . 1881 wurde eine Stellwagenverbindung von Thumersbach über Erlberg nach Bruck und Fusch geführt. Diese war früher hochwassergefährdet und oft überflutet, was erst durch den Bau eines Pumpwerkes zur Salzach dauerhaft abgestellt werden konnten. Im Jahr 1890 wurde eine neue Straße durch das Prielaumoos trassiert, wodurch die Verbindung von Thumersbach nach Zell am See verkürzt werden konnte.

Die Bahn

Die Westbahn sollte ursprünglich zwischen Bruck und Maishofen nicht über den Hauptort Zell am See am Westufer des Sees, sondern am Ostufer entlang über den Zeller Ortsteil Thumersbach geführt werden. Diese Trasse wäre die logische, weil kürzere und somit ökonomischere gewesen. Die Zeller Bürgerschaft, allen voran Bürgermeister Josef Salzmann, konnte jedoch bei den Verantwortlichen noch rechtzeitig eine Verlegung an das Westufer erreichen. Die Bahn erleichterte Fremden den Besuch der Region und brachte trotz der Trassenverlegung auch Thumersbach einen wirtschaftlichen Nutzen.

Gemeindeverband für Fremdenverkehr Zell am See-Thumersbach

Mit dem "Gesetz über die Zusammenfassung der Ortsgemeinden Zell am See und Thumersbach im Verwaltungsbezirk Zell am See zu einem Ortsgemeindenverband zur Ausgestaltung des örtlichen Fremdenverkehres."[2] vereinbarten die Gemeinden Zell am See und Thumersbach eine gemeinsame Fremdenverkehrsförderung.

Eingemeindung

Mit der "Verordnung des Landeshauptmanns in Salzburg vom 23. November 1938, betreffend die Zusammenlegung von Gemeinden und die Bildung von Verwaltungsgemeinschaften für Gemeinden."[3] wurde die Gemeinde Thumersbach zum 1. Jänner 1939 zur Gemeinde Zell am See eingemeindet.

Kirche

Die Kirche wurde 1685 erbaut und 1955 erweitert.

Hauptartikel Filialkirche St. Sigismund

Schule

Die Schule in Thumersbach wurde 1812 eingerichtet. 1933 wurde ein Schulhaus errichtet, 1959 ein Schulneubau in Betrieb genommen.

Hauptartikel Volksschule Thumersbach

Wirtschaft

Bergbau

In Thumersbach befand sich im 15. Jahrhundert ein Kupferbergbau und im 16. Jahrhundert wird ein Schmelzwerk urkundlich erwähnt. Im Michelbachgraben wurde einst silberhältiger Bleiglanz abgebaut und am Erlberg Kupferkies. Die Bergwerke wurden mit wechselndem Erfolg betrieben. Seit 1863 sind alle stillgelegt.[4]

Land- und Forstwirtschaft

Land- und Forstwirtschaft spielten vor dem Aufkommen des Fremdenverkehrs lange Zeit auch in Thumersbach wirtschaftlich die größte Rolle. Die landwirtschaftlichen Güter und Hofstätten befanden sich mehrheitlich an den Berghängen. Im Tal standen nur wenige Gebäude.

Fremdenverkehr

Seit dem Bahnbau wurde der Fremdenverkehr neben der Landwirtschaft immer mehr zum wichtigsten Einkommensfaktor in Thumersbach. Der erste bedeutende Thumersbacher Fremdenverkehrsbetrieb war das heute noch bewirtschaftete Hotel Bellevue.

Geschichtliche Notizen

  • 1916 gab es 400 Einwohner in dieser Gemeinde.[6]
  • Auf der Lohinghofwiese landete am 9. Februar 1926 um 16:30 Uhr ein vom Chefpiloten Johann Guritzer, der Daimler-Motorengesellschaft in Sindelfingen bei Stuttgart, Deutschland, gelenkter Eindecker. Guritzer gab an, am nächsten Tag weiter nach Graz fliegen zu wollen.[7]
  • Im Mai 1927 rissen zwei jagender Hund 28 Schafe. Einige Bauern verloren dabei alle ihre Schafe.[8]
  • Ein Wolkenbruch am 7. August 1927 richtete großen Schaden in der Gemeinde an.[9]
  • Brand des Stablerdörfls an der Schwalbenwand am 11. Oktober 1927: an einem sonnigen Herbstnachmittag konnte man vom Dorf aus zunächst ein brennendes Objekt erkennen. Nach und nach ein zweites und drittes. Die Zuschauer im Tal hofften auf eine baldige Löschung. Doch wie sie später erfuhren, hatte die erst kürzlich angeschaffte Motorspritze aus Zell am See einen Defekt. Und Thumersbach besaß noch keine eigene Feuerwehr. Das aus fünf "Höfen" und zahlreichen Nebengebäude bestandene "Staberldörfl" brannte infolge mangelndem Löschwasser komplett ab. Der nächstgelegene Bach wäre der mindestens 100 Höhenmeter tiefer gelegene Thumersbach gewesen.[10] Am 1. August 1928 fand dann die Einweihung der neu errichteten Gebäude unter Anwesenheit von Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl statt. Das Festessen fand im Gasthof Lohninghof statt.[11]
  • Am 9. März 1934 erteilte die Salzburger Landesregierung die Konzession zum Betrieb einer ständigen Überfuhr mittels Motorbootes auf dem Zeller See. Denn die Einwohner Thumerbach erledigten größtenteils ihre Einkäufe in Zell am See. Gegen diese Konzession hatte sich Zell am See gewehrt. Das Handelsministerium wies den dagegen ergriffenen Rekurs der Stadtgemeinde Zell am See ab. Daraufhin brachte diese eine Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof ein. Die Gemeinde war der Auffassung, dass die Bewilligung zur Motorbootfahrt auf dem Zellersee von der Zustimmung der der Stadtgemeinde Zell am See als Eigentümerin des Sees abhängig sei. In der Gegenschaft der belangten Behörde wurde darauf hingewiesen, dass es sich bei der Konzessionserteilung nur um die Berechtigung vom öffentlich-rechtlichen Standpunkt handle. Durch die Konzessionserteilung werde die Gemeinde Thumersbach nicht von der Verpflichtung des Nachweises der Berechtigung der Eigentümerin des Zeller Sees enthoben. Die Konzessionserteilung durch die politische Behörde sei eine Vorfrage, zu deren Lösung die Behörde nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet sei. Der Verwaltungsgerichtshof wies mit 9. März 1934 die Klage ab.

Bürgermeister der Gemeinde Thumersbach

Hauptartikel Bürgermeister der Gemeinde Thumersbach

Bürgermeister der Gemeinde Wölting

Hauptartikel Bürgermeister der Gemeinde Wölting

Ehrenbürger der Gemeinde Thumersbach

Hauptartikel Ehrenbürger der ehemaligen Gemeinde Thumersbach

Töchter und Söhne der Gemeinde Thumersbach

Hauptartikel Töchter und Söhne der Gemeinde Thumersbach

Quellen

Einzelnachweise

  1. Quelle ANNO, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 17. Juni 1935, Seite 5
  2. Landesgesetzblatt für das Land Salzburg vom 7. April 1936
  3. Verordnungsblatt für den Amtsbereich des Landeshauptmannes für Salzburg vom 24. November 1938
  4. Lahnsteiner, Josef: Unterpinzgau. Zell am See, Taxenbach, Rauris. Hollersbach im Pinzgau 1960.
  5. Quelle ANNO, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 25. November 1907, Seite 3
  6. Quelle ANNO, Salzburger Chronik Ausgabe vom 16. Mai 1916, Seite 7
  7. Quelle ANNO, Salzburger Wacht, Ausgabe vom 11. Februar 1926, Seite 4
  8. Quelle ANNO, Salzburger Volksblatt, Ausgabe vom 17. Mai 1927, Seite8
  9. Quelle ANNO, Salzburger Wacht, Ausgabe vom 11. August 1927, Seite 3
  10. Quelle ANNO, Salzburger Volksblatt, Ausgabe vom 20. Oktober 1927, Seite 10
  11. Quelle ANNO, Salzburger Volksblatt, Ausgabe vom 3. August 1928, Seite 9
  12. Quelle ANNO, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 9. Juni 1938, Seite 5
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