Unken (Geschichte)

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Die Geschichte von Unken im nördlichen Saalachtal im Mitterpinzgau wird von Mag. Josef Leitinger, Obmann und Kustos der Unken Museen (Heimatmuseum Kalchofengut und Museum Festung Kniepass für Salzburgwiki aufgearbeitet.

Urgeschichte und Altertum

Aus der Steinzeit, vor 10 000 Jahre v. Chr., 5 000 Jahre nach dem Rückzug der Gletscher des Bühlstadiums vom Raum Pichler Schanz - Steinbach - Mellecker Berg, konnte Mag. Helmut Adler in einer Halbhöhle am Oberrainer Knogel (Abri von Unken) Steinklingen von Jägern finden. Sie sind mit den Zeichen der Schlenken-Durchgangshöhle die ältesten Funde der Humangeschichte des Landes Salzburg und sind im Museum Festung Kniepass zu sehen.

Artefakte aus der Bronzezeit, der Hügelgräber Kultur 1 200 v. Chr., Tonscherben vom Meislknogel, der Hallstattzeit 800 v. Chr. verdanken wir auch H. Adler. Geräte aus der Zeit der Kelten und Römer mit dem Fundort Unken fehlen noch. Im Saalfeldener Becken siedelten nachweislich die Kelten und im Loferer Becken konnte wieder Adler römische Gefäße aus Terra Sigillata finden.

Mittelalter

Um 800 n. Chr. steht in den Salzburger Güterverzeichnis des Erzstifts St. Peter, dass die St. Petrischen Wälder im Saalachtal die Salinen in Reichenhall mit Holz versorgen. Die Wälder sind verlackt (Einkerbungen in Baumstämmen) und durch Wege erschlossen. Die Verbindung Sudhäuser in Reichenhall und Holzschläge im Saalachtal besteht schon im 7. Jahrhundert [1]. Damals riefen die Agilolfinger, als Fürsten der Bajuwaren, Bischof Rupert von Worms ins Land. In von ihm gegründeten Kloster St. Peter waren mit den eingewanderten Bajuwaren auch Romanen, Konventsbrüder.

Erste urkundliche Erwähnung Unkens

979 sind zwei Höfe "in ruite" (in Reith) genannt. 1137 beschenkt Erzbischof Konrad I. von Abenberg das Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg mit einem Sudhaus in Reichenhall und sechs Waldhöfen in Unchen (Unken). Erste urkundliche Nennung Unkens! 1156 das Gut Pfannstatt, wo eine Salzquelle, genannt. 1228 wird die Grafschaft Pinzgau ein Lehen des Fürsterzbistums Salzburg. 1234 einigt sich Erzbischof Eberhard II. von Regensberg mit Ludwig I. der Bayer als Lehensträger der Grafschaft Reichenhall, von Salzburg anerkannt, über die Holzbezugsrechte im Saalachtal. Mehrere Sudhäuser sind noch im Salzburgischen Besitz.

1285 werden vom Erzbischof Rudolf I. von Hoheneggund dem Baiernherzog Heinrich XIII. die Rechte an Holz im Saalachtal erneut festgehalten. Ende des 13. Jahrhunderts sind die Bayernherzöge alleinige Besitzer der Sudrechte in Reichenhall. 70 Pfannen sind im Betrieb, mit Holz aus eigenen Schwarzwäldern im Saalachtal versorgt.

1350 "chniepoz" (Kniepass) genannt.

1353 wird die Kirche der Kreuztracht (des Seelsorgesprengls) Unken dem Kollegialstift der Augustiner Chorherrn St. Zeno inkorporiert. 1380 das Sodergut am Unkenberg und 1400 das Moargut und das Wimmergut in Hintergföll erwähnt.

Nach der Quellenlage und der Lage der Gehöfte und der Flur schließt A. Klaar, dass im 9. Jahrhundert im mittleren Saalachtal die große Rodungstätigkeit, ohne Eigenmächtigkeit der Siedler, einsetzt und im 10. und 11. Jahrhundert, im Hochmittelalter, die Rodungen der Wälder und die Besiedlung der Talschaften ihren Höhepunkt erreicht. Im Raum Unken entwickelt sich nach A. Klaar eine planmäßige Siedlungslandschaft, ein geordnetes Siedlungssystem mit Weilern, Rotten und Einzelhöfen bzw. Einödhöfen, gleicher Hof- und Flurgrößen einer grundherrschaftlicher Kolonisation.

Ein Blick auf die österreichische Karte 1:25 000, Aufnahme 1950, Bl. 92/1, 92/2, 92/3, 92/4 und die Katastermappen von Unken, Göll und Reith, Erstvermessung 1830, erschließt die Siedlungsräume:

  • A) unterster Gsenghang (mit den Einzelhöfen Reitbauer, Ennsmann, Lummer (?), Schilcher und Pichler)
  • B) der große Schwemmkegel des Unkenbachs und die oberen Saalachterrasse (mit den Einzelhöfen Lohweber, Seidl (Kirchenwirt), Egger, Hölzl, Flatscher, Kaltenbachgut und dem Weiler Percht, Kalchofen, Fritz, Schrempf; dem Einzelhof Seiler (Oberrain), der Rotte Aschl, Falterbauer, Unterhager, Heistl und Fuchs),
  • C) die sanften Hügel am Fuß des Achbergs mit den Einzelhöfen Fellner, Achner, Punz und Möschl (?))
  • D) die milden Hänge des Unkenberges (mit der Rotte bzw. den Einzelhöfen Pfannhaus, Meisl, Hagen, Götz, Grabner, Niederberger, Datzen, Brenner, Hoisn, Haitzmann, Soder und den Einödhöfen Kecht, und Hengstloch),
  • E) die steilen Hänge vom Sonnberg bzw. Vordergföll (mit den Einzelhöfen Kreuzer, Brandner, Beibl, Ebmader, Kühler, Brandl, Angerer, dem Einödhof Bauregger, den Einzelhöfen Lutz und Neuhäus,sowie den Einödhofen Herbst, Schneiderbauer und Angerer und von Hintergföll Einzel- bzw. Einödhöfen Rieger, Geistler, Wimmer, Leitinger, Scheiber, Schmiederer, Hinteregger, Moar und Hochegger),
  • F) die untere Flussterrasse und die Talniederung der Saalach, rechts der Saalach (mit Einödhöfe Kößler und Schwaiger; links der Saalach,die Rotte Mittertaverne (heute Küll), Neuhauser, Post, Harmbauer, Lackner und Eder,)
  • G) Reith Saalsachniederung (mit Einzelhöfe, Wieser und Dietz),
  • H) obere Flussterrasse mit Weiler Reitermüller, Berger, Ulinger, Asinger, Stefflinger und Weber,
  • I) Innersbach und Schoberbachschwemmkegl mit Rotte Heistl, Pichler, Hochmoar und Sichler
  • J) Hänge Donners- und Innersbach mit Foischinger, Walcher und dem Einödhof Hochreit;

Ausgewiesene Güter nach J. Friedl, Das bäuerliche Unken.

Von den Almen, den Nieder- wie von den Hochalmen ist die Quellenlage dürftig. 1346 wird die Kallbrunnalm, Weißbach bei Lofer, genannt, die 1996 ihre 650 Jahrfeier hatte. Verbriefte Almrechte der Zeche Gföll scheinen zu Beginn des 1405 auf.

Frühmittelalter

Im frühen Mittelalter (7. bis 10. Jahrhundert) ruft um 690 der Baiernherzog Theodo II. aus dem Herrschergeschlecht der Agilofinger Bischof Rupert von Worms nach Regensburg zur Missionierung des südöstlichen Alpenraums. Rupert errichtet im verlassenen römischen Opidum Iuvavum am Fuße des Mönchsberges ein Kloster. Der Konvent vereint zu Beginn bayrische und romanischen Mönche. Das Kloster St. Peter wird von den Agilofingern mit Wälder im Salzachtal, im Saalachtal und mit Salinen in Reichenhall beschenkt.

Bonifatius gründet 739 das Bistum Salzburg. Die Äbte des Klosters St. Peter sind auch Bischöfe der Diözese. Unter Bischof Arn wird 798 Salzburg zur Erzdiözese erhoben.

Erzbischof Friedrich I. trennt 987 das Kloster St. Peter von der Kirche Salzburg. Von den gemeinschaftlich genutzten Gütern bleibt dem Kloster ein bescheidener Anteil u. a. zwei Salzpfannen in Reichenhall. Der Großteil der Schenkungen der Herzöge, wie die Wälder im Saalachtal, werden Eigentum der Kirche Salzburg, (des Erzstifts Salzburg?).

Hochmittlealter

Im Hochmittelalter ([[11. Jahrhundert|11. bis 13. Jahrhundert) werden 1228 die Reichslehen Mitter-, Unter- und Oberpinzgau des Herzogtums Bayern dem Erzstift verliehen. Bis 1260 besitzen die Grafen von Plain das Saalach- und den östliche Teil des Salzachgebietes mit den Nebentälern als Afterlehen.

Erst im Spätmittelalter (14. und 15. Jahrhundert) ist ab 1328 der Erzbischof Landesfürst und alleiniger Herrscher des Reichsfürstentums und Erzstiftes Salzburg.

Landnahme, Siedlungseinheiten und Güter, Grundherrschaften

Um 1000 beginnt unter Erzbischof Hartwig die umfangreiche Rodung und Besiedlung im Saalachtal. Die Kolonisierung erfolgt durch die Erzbischöfe als Grundherrn planmäßig, das sichert eine ausgeglichene Zuteilung von Grund und Boden an die Grundholden. Die Vergrößerung des Siedlungsraumes im Erzstift ist durch die starke Bevölkerungszunahmen bedingt. Die Siedler, um die siebzig Familien (?), dürften aus den alpinen Raum der Erzdiözese stammen.

Erster geschlossener Siedlungsraum von Unken

Ein Blick auf die Katastermappe von 1830 (erste kartographische Erfassung der Grundstücke) erschließt die geregelte Zuteilung der Rodungsflächen bzw. die geregelte Verteilung von Hof und Flur in den einzelnen Siedlungsgebieten. Bevorzugt dürfte zu Beginn die große Ebene des Unkenbachschwemmkegels, der “Boden”, gerodet und besiedelt worden sein. Ein Kleinweiler mit den vier Gütern Schrempf, Fritz, Kalchofen und Percht, die anschließende Rotte mit Aschl, Falter, Unterhager, Heistl und Fuchs, die Einzelhöfe am Schemmkegelrand Hölzl und Oberrain und auf der linken oberen Saalachterrasse die Güter Flatscher, Kaltenbach (Forsthaus) bilden möglicher Weise den ersten geschlossenen Siedlungsraum von Unken.

Geeignete Voraussetzungen für eine weitere Siedlungseinheit bieten die Gsenghänge im untersten Bereich und die anschließenden Schwemmkegelreste für die Rotte Egger, Kirchenwirt, Lohweber, Reit, Plaickpoint, Ennsmann, Lummer, und Pichler und am Fuß des Achbergs, die Moränenhügel und die rechtseitige Saalachterrasse für Rotte Fellner, Achner, Punz und Möschl. Weiters die linkseitige untere Saalachterrasse mit der Rotte Neuhauser, Post, und die hochwassergefährtete Saalachniederung mit der Rotte Harm, Lackner, Werfer und Eder, bzw. rechtsseitig mit den Einödhöfen Köstler und Schwaiger.

Im Westen eignen sich die sanften Hänge des Unkenbergs als Siedlungsraum für die Rotte Maisl, Pfannhaus, Hagen, Götz, Graber (?), Datzen(?), Niederberger (?) Brenner (?), Hoisen, Haitzmann, Soder und den Einödhöfen Kecht und Hengstloch. Die Rodung für die Liedersberger Futterhöfe dürfte erst in der Neuzeit erfolgen.

Siedlungen in Extremlage entstehen auf den steilen jedoch nicht felsigen Hängen des Sonnbergs, Vordergfölls und Hintergfölls. Siedlungseinheiten sind am Sonnberg die Rotte Brandner, Beibl, Emater, Brandl, Angerer und die Einödhöfe Gebl, Bauregger und in Vordergföll die Einödhöfe Herbst, Schneiderbauer und Angerer. Ob Hintermühl, Kreuzer, Rausch, Neuhäusl und Lutz auch im Hochmittelalter entstehen bleibe offen.

Der Siedlungsraum Hintergföll mit der Rotte Geistler, Moar Wimmer, Leitinger, Hinteregger, Schmiederer, Scheiber und den Einödhöfen Rieger und Hochegger gliedert sich in zwei Flureinheiten. Auf den steilen Hängen der Sonnseite des Unkentals liegen die Fluren in unmittelbarer Nähe zu den Höfen und westlich auf den höher gelegenen Mahder, von den Höfen weit entfernt. Die Frage der Futterhöfe ist offen.

Die Landnahme dürfte im Hochmittelalter großteils zum Abschluss gekommen sein. Siedlungen im Spätmittelalter sind jedoch nicht auszuschließen, gleich die Teilungen von Huben oder Halbhuben.

Die sechs Siedlungsräume in Unken-Reith mit den rund siebzig Gütern bilden im 14. Jahrhundert die Kreuztracht Unken (1353 Kirche St. Jakob), bzw. die Zechen Boden, Niederland, Unkenberg und Gföll, heute die Ortschaften Unken, Niederland, Unkenberg und Gföll.

Durch die Talenge Kniepass (1350 chniepoz) getrennt, liegt südlich davon die Siedlung Reith (979 in ruite). Auf der Schwemmkegelebene des Innersbaches dürften der Weiler Berger, Uhlinger, Asinger, Stefflinger, Weber, Reitermüller und die Rotte Moar, Pichler und Hofmoar das älteste Siedlungsgebiet sein. Darüber in Hanglage stehen die Einzelhöfe Foischinger, Walcher und der Einödhof Hochreit und in der Hochwasser gefährteten Saalachniederung die Einzelhöfe Wieser und Dietz.

Die Erschließung des Heutals und Nutzung von Almen, ob Einzel- und Gemeinschaftsalmen bzw. Mais- und Freialmen bleibt offen. (1405 verbriefte Almrechte der Zeche Gföll). Gegen dreißig Güter, Gütl und Söllhäusler entstehen in der Jahrhunderten der Neuzeit, vor allem in 16. und 17. Jahrhundert.

Im 11. Jahrhundert ist das Erzstift (Hofurbar) alleiniger Grundherr. 1137 wird das Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg (Innviertel) mit sechs Güter in Unchen (erste urkundliche Nennung Unkens), und in den folgenden Jahrzehnten das Stift St. Peter (1156 Pfannstatt wo Salz gefunden wurde) in Unken und Reith mit neun, die Augustiner Chorherrn Stifte San Zeno in Reichenhall mit fünf, Kloster Höglwörth mit sieben, Berchtesgaden mit sieben, die Stiftung Lodronkollegialität mit drei und das herzogliche Urbar ebenfalls mit drei Hofstätten von den Erzbischöfen belehnt. Die rd. siebzig Güter sind im Spätmittelalter Eigentum von sieben Grundherrschaften.

Das heutige ländliche Siedlungsgefüge gleicht letztlich dem des Mittelalters. Die Neubauten des 20. und 21. Jahrhunderts stehen auf den im 11. und 12. Jahrhundert gerodeten Fluren.

Klöster (Stifte, Abteien, Propsteien) und Orden

Die im Früh- und Hochmittelalter gegründeten Klöster sind Stiftungen weltlicher und geistlicher Grundherrn. Dem Konvent der Benediktiner steht der Abt, dem Kollegium der Augustiner-Chorherrn der Propst vor.

Erzbischof Konrad I. gründet das Augustiner-Chorherrnstift Höglwörth (1129) und St. Zeno (1136) Er wandelt mehrere Klöster zu Augustiner-Chorherrnstifte um, dazu zählen in der Erzdiözese das Domkloster in der Stadt Salzburg, die Stifte Reichersberg (Diözese Passau), Herrenchiemsee, Gurk, Seckau u. a.. Das Augustiner-Chorherrenstift Berchtesgaden entsteht schon 1102.

Die Ordenszugehörigkeit der ältesten Klöster, des Benediktinerstifts St. Peter, der Benediktinerinnenabtei Nonnberg und der Benediktinerabtei Michaelbeuern ändert Erzbischof Konrad I.

Dem Stift St. Zeno der Augustiner Chorherrn obliegt auch die Seelsorge im Saalachtal mit der Mutterkirche St. Martin (1190 ?) und den Filialkirchen in Lofer (1330) und in Unken (1353). 1530 wird das Gotteshaus St. Jakob der Kreuztracht Unken Vikariatskirche, der zwei Chorherrn des Sifts zugeordnet sind. Ab 1812 ist Unken eine sebständige Pfarre der Erzdiözese Salzburg, jedoch weiterhin mit von Augustiner Chorherrn, (Stift 1803 aufgelöst), als Seelsorger.

Salz in Reichenhall, Holz im Saalachtal

Im Frühmittelalter sind die Salzquellen und Sudhäuser auf Grund von Schenkungen zur Hälfte Eigentum der Stifte St. Peter und Nonnberg. Im Hochmittelalter werden das Domkapitel, die Stifte St. Zeno, Berchtesgaden, Höglwörth und Reichersberg weitere Eigentümer. 1228 (?) einigt sich Erzbischof Eberhard II. von Regensberg mit Ludwig I. dem Bayer, als Lehensträger der Grafschaft Reichenhall, über die Holzbezugsrechte im Saalachtal. Mehrere Sudhäuser sind noch in salzburgischem Besitz.

1285 werden vom Erzbischof Rudolf I. von Hohenegg und dem Baiernherzog Heinrich XIII. die Rechte an Holz im Saalachtal erneut festgehalten.

Ende des 13. Jahrhunderts sind die Bayernherzöge, die Wittelsbacher, alleinige Besitzer der Sudrechte in Reichenhall. Siebzig Pfannen sind in etrieb und werden mit Holz aus eigenen Schwarzwäldern im Saalachtal versorgt. 1412 beschwert sich Herzog Heinrich XVI. von Bayern beim Fürsterzbischof Eberhard III. von Neuhaus, dass die Schwarzwälder im Pinzgau durch Einfänge und Schwendungen stark leiden und Herzog Albrecht V. klagt um 1560 wieder gegenüber Fürsterzbischof Johann Jakob Kuen von Belasy über das Brennen und Schwenden der Bauern. Durch den Vertrag von Mühldorf 1525 unter Fürsterzbischof Kardinal Matthäus Lang von Wellenburg und Herzog Ludwig X. sind die Rechte Bayerns über die Schwarzwälder im Saalchtal endgültig verbrieft.

Im Waldbuch 1529 sind die bayrischen Schwarz- und Hochwälder im Unkental namentlich genannt. Es sind dies die Wälder Großweißbach, Vorder- und Hinterödenbach, Zwickl, Schwarzbergwald, Fußtal, Hochrudersbach, Brunnbach, Schliefbach, Scheibelberg, Martinsbüchl, Finstertbach und Thürnbacheck.

Neuzeit

16. Jahrhundert

Nach einer Abschrift der 1522 der Verkaufsurkunde (Original aus Pergament und gesiegelt in Verlust geraten) vom Reichenhaller Salzherrn Adlolf Schweinböck gelangen durch Verkauf drei Güter in Unken das Oberstallergut (Lutz), das Kalchofengut und das Kreppergut (Schmiedrupp) in das Eigentum der Kirche St. Jakob des Apostels Jakob in Unken. Die Kirche St. Jakob ist Besizer der drei Höfe, jedoch nicht deren Wiesen, Felder und Wälder.

Im Vertrag von Mühldorf vom Oktober 1524 zwischen dem Kardinal Lang und dem Herzog von Bayern werden die verlackten Hoch- und Schwarzwälder im Unkental und in Wälder in Reith namentlich festgehalten. 1812, Salzburg ist ein Teil des bayerischen Salzachkreises, sind diese Wälder erstmals in einer Karte des königlichen Landgerichts Lofer festgehalten. Die erste topographische Karte des Landes wird 1805 im kurfürstlichen Mappierzimmer in der Residenzstadt Salzburg erstellt.

17. Jahrhundert

Im Dreißigjährigen Krieg sichert der Landesherr Fürsterzbischof Paris Graf Lodron die Grenzen des Erzstifts auch in Unken. Er baut von 1643 bis 1648 beim Kniepass eine Festungsanlage und Jahre zuvor ein Straßentor beim Steinpass. Die Schweden stoßen nicht über München nach Salzburg bzw. nach Unken vor.

18. Jahrhundert

In der ersten Hälfte des Jahrhunderts wird St. Jakob ein Vikariat des Stifts St. Zeno. Um 1740 erhält St. Jakob für die Geistlichen im Kirschgraben ein Priesterhaus und ein Kaplanstöckel (Unken 1, Grießer und Unken 2, Ortner). Ende der 1750er Jahre brennt mit dem Seidlgut (Niederland 3, Kirchenwirt) die Kirche St. Jakob zu Gänze ab. In wenigen Jahren wird das neue Gotteshaus westlich dem erhalten gebliebenen Kirchenturm angefügt. Die Einweihung vollzieht im Jahr 1760 Fürsterzbischof Sigismund III. Christoph Graf Schrattenbach. Mit der barocken Turmhaube, dem neuem Geläut mit den drei Altären und der im Rokokostil angefertigten Verzierungen des Deckengewölbes zählt noch heute dieser Sakralbau zu den schönsten im Land Salzburg.

19. Jahrhundert

Zur Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert wird die Schönheit der Natur entdeckt. In Salzburg durchwandern und beschreiben Persönlichkeit wie Dr. Franz Michael Vierthaler, Friedrich Graf Spaur, Salzburger Domkapitel, Domherr zu Salzburg, das Land. Vierthaler schildert 1816 seinen Aufstieg auf das Sonntagshorn, die prachtvolle Aussicht von dort zum 'Bayerischen Meer'(Chiemsee). Er beschreibt das Almdorf Hochalm mit seinen dreißig Kasern, und nicht das erste Mal den Staubachfall im Heutal. Die Heilkraft des Wassers beim Schütterbad ist bekannt. Die Schwarzbergklamm ist seit 1776 (?) begehbar (siehe unten).

Im zweiten, dritten und vierten Koalitionskrieg, in den Befreiungskriege, in den Franzosenkriegen 1800, 1805 und 1809 finden im Raum Unken schwere Kämpfe statt. Friedhof, Steinpass, Melleck und Bodenberg sind die Orte, wo die Schützen von Unken, Lofer und Tirol gegen die angreifenden Franzosen bzw. Bayern heftigen Widerstand leisten. Trotz der für die heimischen Verteidiger erfolgreichen Kämpfer, müssen sie in all diesen Jahren die Waffen niederlegen, denn das österreichische Heer unterliegt an anderen Orten stets dem Heer Napoleons.

1803 wird das Erzstift Salzburg das Kurfürstentum Salzburg, 1806 das Herzogtum Salzburg des jungen Kaisertums Österreich. 1810 ist Salzburg ein Teil des Salzachkreises des Königreichs Bayern. Im Pflegegericht Lofer, nun königl. bayr. Landkreis Lofer, wird das Vikariat Unken 1812 ein eigene Pfarre. Für die Seelsorge sorgen weiter die Augustiner Chorherren, wenngleich das Stift St. Zeno seit 1803 aufgelöst ist. 1816 wird Salzburg als Salzburgkreis dem Erzherzogtum Ob der Enns angegliedert. An diese Jahre erinnert die Grabstätte des Freiherrn Skrbensky im Ortsfriedhof.

Die Wälder im Unkental und Reith sind nicht mehr in bayerischem Besitz. Nahezu zwei Jahrzehnte wird kein Holz nach Reichenhall getriftet. Bayern will nachhaltig wieder in den Besitz der Wälder gelangen. 1821 wird der Tausch der Zechen Gföll, Unkenberg, Boden und Niederland gegen Gebiete westlich vom Untersberg angestrebt. Letztlich kommt es 1829 zum Abschluss der Salinenkonvention. 18 000 ha Wald im Saalachtal auf k.u.k. österreichischem Gebiet gelangen in das Eigentum des Königreichs Bayern.

Im Revolutionsjahr 1848 wird Salzburg als Herzogtum ein eigenes Kronland. Die Zechen Boden, Niederland, Unkenberg, Gföll und Reith werden zur Ortsgemeinde Unken zusammengefasst, die 1861 die Gemeindeautonomie erhält. Schon zuvor, 1830 bilden Zechen die Katastralgemeinden Unken, Gföll und Reith. Mit dem Staatsgrundgesetz 1867 findet die Verwaltungsreform ihren Abschluss. Verwaltungseinheiten sind: die Ortsteile (früher Zechen), die Katastralgemeinden, die Ortsgemeinde (zum Teil mit Autonomie), der Gerichtsbezirk (Saalfelden), der polit. Bezirk (Zell am See) und das Kronland Salzburg (mit z. T. eigener Gesetzgebung (heute Landtag) und eigener Verwaltung (heute Landesregierung). Das Pflegegericht (Lofer)und die Zechen (s. o.) waren Verwaltungseinheiten des Erzstifts Salzburg und kurzzeitig des Kronlandes Salzburg.

Der Regenschirm der Kaiserin

Im März 1848 flieht ein Teil der kaiserlichen Familie zum Hof nach Innsbruck. Bei der frühen Rückfahrt im Mai d. J. beginnt es in Unken, nahe Salzburg, zu regnen. Maria Anna Caroline von Sardinien - Piemont, die Gemahlin Kaisers Ferdinand (Onkel Franz Joseph I.), erbittet sich beim Gasthof Post einen Regenschirm. Gleich nach ihrer Ankunft in Wien geht von dort eine Eilpost nach Unken. Ein rubinroter Glaspokal steht heute wohl verwahrt im Safe des Familien Erlebnis Hotel Post.

Die Erkundungen des Raum Unken zu Beginn des 19. Jahrhunderts machen Unken bekannt. Ansichten als Kupfer- und Steindrucke von der Schwarzbergklamm, von Melleck, vom der Post, vom Dorf zwei verschiedene, von Bad Oberrain und kleine Broschüren laden zur Erholung und zu Wanderungen in Unken ein.

In den 1870er Jahren wird von der Gemeinde ein eigenes Schulhaus mit vier Klassen auf dem Standort von heute gebaut. (Reichsvolksschulgesetz 1869)

Bad Unken

1873 wird Unken zum Kurort erhoben. 1907 verliert Unken das Prädikat "Heilklimatische Curort"

Bäder werden verabreicht im Schütterbad (seit dem 17. Jahrhundert), auf Oberrain (seit dem 18. Jahrhundert) und beim Gasthof Post (ab 1870). Vier Gasthäuser, das Gast- und Badhaus Oberrain (siehe auch Schloss Oberrain), das Gasthaus "Zum weißen Samen" (Kramerwirt), der Gathof Post, und das Schütterbad bieten preiswerte Zimmer mit gesamt über 100 Fremdenbetten an. Nikolaus Rainer und die Familie Mayrgwendtner sind die "Investoren". Bei der Löwenquelle ladet seit 1844 ein „Pavillon“ zum Verweilen ein. Westlich von Oberrain bietet eine Kastanienpromenade[2] Schatten, gleich wie ein Baumbestand im Gastgarten des Gasthofs Post. Ein Spazierweg an des Saalach, der Josephieweg mit Ruhenbänken ermöglicht unmittelbares Naturerlebnis. In der Fellner Au wird ein Law-Tennisplatz angelegt. Mit Fuhrwerken ist die Schwarzenbergklamm (seit 1836 ? begehbar) und mit Trägern zu günstigem Tarif sind die Hochalm und das Sonntagshorn erreichbar.

In den 1880er oder den 1890er Jahren strebt Oberrain die Nutzung der Sole der Maislquelle durch den Bau einer Soleleitung an. Das Vorhaben kommt über die Erstellung eines Projektplans nicht hinaus.

Die Postverbindung nach Unken sind gut in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhundert. Zweimal am Tag von Reichenhall (zwei Stunden), dreimal von Lofer (eine Stunde) und einmal von Saalfelden (drei Stunden) Nach dem Bau der Giselabahn von Bischofshofen nach Wörgel und der Linie Salzburg Reichenhall in den 1870er Jahren ist Unken über Saalfelden und Reichenhall am mitteleuropäischen Eisenbahnnetz gelegen! Das Eisenbahnvorhaben Ende der 1890er Jahre Salzburg - Unken - Lofer - Saalfelden bzw. Lofer - St. Johann i. Tirol wird ab 1914 nicht mehr weiter verfolgt.

Im Gästebuch vom Gasthof Post sind eingetragen: König Maximilian von Bayern (1858), Oberstleutnant Graf Papenheim, Hofprediger Stöcker aus Berlin, weiters Gäste aus Leipzig und Dresden. In den zwei Jahrhunderten zuvor besucht vornehmlich die Landbevölkerung des Mitterpinzgaus das Schütterbad.

20. Jahrhundert

Kaiserzeit

Unken verliert 1907 das Prädikat Heilklimatischer Curort (siehe Bad Unken). In den Jahren von 1898 bis 1914 bestimmt ein Eisenbahnvorhaben den Raum. Von Salzburg über Unken und Lofer soll eine Linie nach Saalfelden und eine nach St. Johann in Tirol gebaut werden. Nach dem Ersten Weltkrieg wird das Vorhaben nicht mehr verfolgt.

In Unken kehren vom Ersten Weltkrieg sechzig Soldaten nicht mehr heim.

Zwischenkriegszeit und Zweiter Weltkrieg

Schlimm sind die folgende Jahrzehnte. Viele Bauern, vor allem in Gföll, sind vor dem „Aufhausen“ (Konkurs). Unken wird von der Propaganda der Nationalsozialisten, vor allem aus Bayern, bedrängt. Jenseits der Grenze von Melleck schallen aus Lautsprechern Hitlerparolen und Marschmusik. Viele, auch Frauen, sind als "Illegale" aktiv. Familien sind gespalten in Schwarz und Braun wie die des Verfassers. Bei der Volksabstimmung im April 1938 stimmen 99.9 % für den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Adolf Hitler wird Ehrenbürger von Unken (beschlossen bereits im Frühjahr 1933).

Im Zweiten Weltkrieg kämpfen nahezu vierhundert Männer aus Unken in den Ländern vom Nordkap bis zur Mittelmeerküste Afrikas, von Brest in der Bretagne bis Stalingrad an der Wolga. Nahe Hundert kehren von dort nicht mehr heim. Ein Heldenhain, schon 1943 im Dorf angelegt, erinnert an die Gefallenen. In der Friedhofskapelle sind auf fünf Marmortafeln alle Namen bzw. die Länder der gefallenen Helden beider Weltkriege festgehalten.

Symbol der Rainbow Division am Rossbühel nahe der Lamprechtshöhle

In der ersten Maiwoche 1945 endet in Unken der Zweite Weltkrieg. Am 4. Mai kapituliert die Heeresgruppe Süd, unter Feldmarschall A. Kesselring im Saalachtal. Noch schießt die SS von Unken, vom Lukaswirt, mehr als zehn Granaten Richtung Bad Reichenhall, davon schlägt eine in der Küche vom Schneizlreutherwirt ein. In einem Schrank können noch heute Spuren gesehen werden. In Baumgarten, westlich von Bad Reichenhall, stellen die Amerikaner Geschütze auf und schießen gegen Fronau, Jettenberg und Schneizlreuth. Am 5. Mai kommt es dort zu Gefechten zwischen der Wehrmacht bzw. der SS und Franzosen (!) bzw. Amerikanern. Drei deutsche Soldaten finden im Schneizlreuther Friedhof ihre letzte Ruhe. Die gefallenen Franzosen werden später exhumiert und in ihrer Heimat bestattet. Am 5. Mai verliert auch der Bürgermeister von Schneizlreuth sein Leben. Ein Sprengtrichter am Bodenbichl behindert das Vordringen der 101. Fallschirmdivision von Inzell kommend, in das Saalachtal. Am 6. (oder 7.) Mai fahren hunderte US-Trucks Richtung Unken. Achtzig oder mehr parken im mit Getreide bestelltem Eggerfeld in Nachbarschaft zum Friedhof. Im Juni wird die 101. Fallschirmdivision von der Regenbogendivision (Rainbow Division) abgelöst. Ihr beim Rossbühl auf Fels gemalte Divisionszeichen, der rot - gelb – blaue Regenbogen, wird vom Museumsverein Festung Kniepass - Unken als geschichtliches Mal betreut.

Am 8. Mai 1945, 22:00 Uhr, unterzeichnet in Berlin-Karlshorst die Oberste Heeresleitung der Deutschen Wehrmacht bedingungslos die Kapitulation.

Nachkriegszeit

(keine besonderen Vorkommnisse)

Quelle

  • siehe auch Salinenkonvention
  • noch heute sind Teile des Baumbestandes von damals erhalten, gleich wie Spazierwege