Rupertiwinkel

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Gebietsabgrenzungskarte Rupertiwinkel
Rupertiwinkel, Teil des Erzstift Salzburg, alte Karte
Landkarte der Burgen und Herrschaftsbereiche im nördlichen Salzburggau im Hochmittelalter
Hier vom Rainbichl in Tyrlaching kann man bei klarer Sicht den gesamten Rupertiwinkel überblicken
Ausblick vom Hochstaufen in den Rupertiwinkel

Als Rupertiwinkel bezeichnet man einen Teil des historischen Fürsterzbistums Salzburg, westlich der Salzach in Bayern. Im Zuge des Anschlusses Salzburgs an die Habsburgermonarchie Österreich 1816 wurde der heutige Rupertiwinkel vom Land Salzburg abgetrennt.

Lage

Der Rupertiwinkel erstreckt sich über die alten Gerichtsbezirke von 1810 und reicht von Piding, entlang der Saalach nach Freilassing nach Norden über Laufen an der Salzach entlang der Salzach bis Tittmoning, weiter über Palling in das Gebiet der Marktgemeinde Waging am See, St. Leonhard am Wonneberg, das Gebiet der Marktgemeinde Teisendorf, genau über das Staufengebirge bis Schloss Staufeneck und wieder zurück nach Piding.

Die hügelige Voralpenlandschaft ist von bäuerlicher Struktur geprägt. Drei Seen sind in sie eingebettet: der Tachinger See, der Waginger See und der Abtsdorfer See.

Geschichte

Ab dem 6. Jahrhundert gehörte das Gebiet des Salzburggaus zum Herzogtum Bayern. Nach dem Sturz des Herzogshauses der Agilolfinger 788, und der Eingliederung Bayerns in das Frankenreich teilte man das Land in Grafschaften ein, die von Grafen geleitet wurden. Im Auftrag des Königs hatten die Grafen vor allem für militärischen Schutz, die Rechtsprechung und die Einhebung der Steuern zu sorgen. Im Salzburggau gab es im Hochmittelalter mehrere Grafschaften: Das Adelsgeschlecht der Grafen von Plain, ihre Stammburg war die Plainburg bei Großgmain, war ab ungefähr 1100 mit der Grafschaft im oberen (südlichen) Salzburggau belehnt. Diese Grafschaft umfasste den südlichen Teil des heutigen Rupertiwinkels, westlich und südlich des Waginger Sees, das Gebiet südlich der Stadt Salzburg und das Salzachtal bis zum Pass Lueg. Nördlich davon, im unteren Salzburggau, hatten die Grafen von Lebenau ab 1104 eine Grafschaft inne. Sie stammten aus dem Geschlecht der mächtigen Spanheimer und nannten sich nach der Burg Lebenau (Laufen) bei Laufen. Ihre Grafschaft erstreckte sich über die nördliche Hälfte des späteren Rupertiwinkels, nördlich und östlich des Waginger Sees und den Nordwesten des heutigen Flachgaus. Daneben gab es im Reichenhaller Tal die nur auf die Stadt bezogene Hallgrafschaft und die ältere Grafschaft Reichenhall, aus der sich später das Pflegegericht Reichenhall entwickelt hat. Südlich des Untersbergs wurde 1102 das Augustiner-Chorherrenstift Berchtesgaden gegründet, das sich im Laufe der Zeit von den Plainer Grafen, welche die Hochgerichtsrechte über das Berchtesgadener Tal besaßen, unabhängig machen konnte.

Ablösung von Bayern

Die Salzburger Kirche verfügte seit frühester Zeit überall im Land verstreut über Besitzungen. So erwarb bereits Rupert von Worms kurz nach seiner Ankunft in Salzburg im Jahr 696 Güter im Dorf Piding. Zwischen 713 und 715 wurde das neu gegründete Benediktinenstift Nonnberg unter anderem mit Gütern in Ainring, Tittmoning und Waging am See ausgestattet. Ein größeres zusammenhängendes Gebiet aber besaß die Salzburger Kirche nur im Pongau und östlich der Stadt Salzburg (von den Erzbischöfen vom 8. bis zum 11. Jahrhundert erworben). Die 739 gegründete Diözese Salzburg wurde 798 zum Erzbistum Salzburg erhoben und war damit zum Mittelpunkt der bayerischen Kirchenprovinz geworden. Dem Erzbistum Salzburg unterstanden die Suffraganbistümer Regensburg, Passau, Freising und Säben (Brixen, Südtirol). Die Erzbischöfe waren bestrebt, ein geschlossenes Herrschaftsgebiet zu schaffen, was durch den Erwerb von Grafschaften und Hochgerichtsbezirken geschah. Salzburg hatte unter anderem 1213 alle Rechte im Lungau erworben und den Pinzgau, der zuvor ein an den Baiernherzog vergebenes Lehen war, 1228 erhalten.

Nachdem 1229 die Grafen von Lebenau ausgestorben waren, konnte sich der Salzburger Erzbischof Eberhard II. von Regensberg deren Grafschaft sichern. Mit dem Aussterben der Grafen von Plain im Jahre 1260 fiel ihr Herrschaftsgebiet schließlich an die Nachfolger Eberhards. Damit verfügten die Salzburger Erzbischöfe über ein verhältnismäßig großes geschlossenes Herrschaftsgebiet. Mit der weitgehenden Anerkennung der Salzburger Grenzen durch den Baiernherzog im Jahr 1275 kam die Ablösung Salzburgs von Bayern einen bedeutenden Schritt voran. Als Erzbischof Friedrich III. von Leibnitz dann 1328 eine eigene Landesordnung erließ, war aus Salzburg ein eigenständiges Land innerhalb des Heiligen Römischen Reiches geworden. Dabei war der Besitz der Saline Hallein, die ab etwa 1200 Reichenhall als Marktführer im Salzhandel abgelöst hatte, die wichtigste wirtschaftliche Voraussetzung dafür, dass Salzburg als selbständiger Staat überhaupt existieren konnte. Die ehemaligen Grafschaften Plain und Lebenau, und damit der heutige Rupertiwinkel, waren Teile dieses neuen eigenständigen Landes. Sie gehörten zum salzburgischen „Flachen Land", das auch „Land vor dem Gebirg“ oder „Außergebirg“ genannt wurde. Schon einige Jahre zuvor hatte sich die Fürstpropstei Berchtesgaden von Bayern lösen können, sie wurde 1306 erstmals als „Land“ erwähnt.

Salzburgs Kornkammer

Wegen seines fruchtbaren Bodens und des im Vergleich zu den Gebirgsgauen milden Klimas war das Flache Land die „Kornkammer" Salzburgs. Der Weizen machte nur einen kleinen Teil des angebauten Getreides aus und er gedieh ganz im Norden um Tittmonig am besten. Am weitesten verbreitet war der Roggen, der das wichtigste Brotgetreide bildete. Aber auch der anspruchslosere Hafer wurde sehr viel angebaut. Dieser war nicht nur für die Pferdezucht von Bedeutung, sondern fand auch bei der Brotherstellung Verwendung und diente, etwa zu Haferbrei verkocht, als wichtiges Grundnahrungsmittel. Östlich des Waginger Sees wurde in größerem Umfang Flachs angebaut, der durch viele kleine Leinweber für Verleger (Großhändler) zu Leinen verarbeitet wurde. An den Ufern der Salzach lagen große Hopfengärten. Mit dem hier produzierten Hopfen versorgte man die Brauereien in der Umgebung, von denen jene in Teisendorf und Schönram noch heute bestehen. Im landwirtschaftlich geprägten Rupertiwinkel gab es aber auch ein bedeutendes Bergwerk bei Neukirchen, wo Eisenerz abgebaut wurde. Die Verhüttung erfolgte im Achthal (Bergbaumuseum Achthal) und später auch in Röhrenbach bei Anger. Dazu gehörte außerdem noch die 1537 gegründete Annahütte in Hammerau, wo in erster Linie Drahtseile, Waffen, Werkzeuge, Nägel und Bleche hergestellt wurden. Die Produkte verkaufte man außerhalb Salzburgs bis nach Ober- und Niederbayern, Tirol und Schwaben. Von den beiden Städten im heutigen Rupertiwinkel war Laufen als Zentrum der Salzschifffahrt und Sitz der adeligen Schiffsherren[1] die Bedeutendere. Tittmoning dagegen wurde von zahlreichen Handwerksbetrieben, vor allem von den dort ansässigen Gerbereien geprägt. Daneben war es noch der zentrale Marktort des nördlichen Rupertiwinkels. Die Burg Tittmoning bildete als Grenzfestung das Gegengewicht zum bayerischen Burghausen und diente darüber hinaus auch als Sommerresidenz der Salzburger Erzbischöfe.

Fünfmal ausgeplündert

Die Napoleonischen Kriege am Anfang des 19. Jahrhunderts brachten für das Land Salzburg nach fast fünfhundertjährigem Bestehen als selbständiger Staat das abrupte Ende und innerhalb von wenigen Jahren einen fünfmaligen Wechsel der Herrschaft. Nach der siegreichen Schlacht gegen die Österreicher auf dem Walserfeld, besetzten französische Truppen am 15. Dezember 1800 für vier Monate die Stadt Salzburg. Bereits einige Tage vorher war der letzte regierende Fürsterzbischof, Hieronymus Graf Colloredo, aus Salzburg geflohen, nachdem er einen Statthalter eingesetzt hatte. Die Besatzer plünderten das Land aus und misshandelten die Bevölkerung. Nach dem Frieden von Lunèville war die Säkularisation des Erzstiftes Salzburg, die heimlich bereits 1797 geplant worden war, Wirklichkeit geworden. Galten doch die geistlichen Fürstentümer in Deutschland schon seit langem als überholte Staatsformen, die keine Existenzberechtigung mehr besaßen. Ein Berater Colloredos ahnte schon 1798 dass Salzburg „entweder Österreich zum Frühstück oder Bayern zum Schmaus anheim fallen“ werde. Colloredo dankte am 11. Februar 1803 ab, allerdings nicht, ohne vorher noch viel Geld für seine Privatschatulle aus dem durch die Kriegswirren verarmten Land zu ziehen. Der frühere Großherzog von Toskana, Ferdinand III. von Toskana, ein Bruder von Kaiser Franz I. von Österreich, trat nun die Regierung in Salzburg an. Zu seinem räumlich gesplitterten Kurfürstentum gehörten neben Salzburg noch weitere säkularisierte Länder wie Berchtesgaden, ein Teil von Passau und Eichstätt, die alle ehedem geistliche Fürstentümer waren. Im Oktober 1805 floh Ferdinand III. unter Mitnahme eines großen Teils des Domschatzes vor den heranrückenden französischen und bayerischen Truppen. Dem ohnehin finanziell ausgebluteten Land wurden hohe Geldsummen abgepresst und die Bevölkerung hatte unter Plünderungen und mutwilligen Zerstörungen zu leiden.

Nach den Bestimmungen des Friedensvertrags von Pressburg fiel Salzburg zusammen mit Berchtesgaden am 17. März 1806 an Österreich. Kaum drei Jahre nach der Übernahme Salzburgs erklärte der österreichische Kaiser Franz I. Frankreich den Krieg, der zu einer schweren Niederlage der Österreicher führte. Im Friedensvertrag von Schönbrunn musste Österreich am 14. Oktober 1809 auf Salzburg verzichten. Das abziehende Regime nahm jene Kunstschätze mit nach Wien, die von den Vorgängern noch übrig gelassen worden waren. Danach stand Salzburg für fast ein Jahr unter französischer Verwaltung, welche die Bevölkerung durch Einquartierungen und Proviantbeschaffung schwer belastete.

Unter bayerischer Herrschaft

Durch den Frankfurter Vertrag kam das Land Salzburg am 19. September 1810 zusammen mit der ehemaligen Fürstpropstei Berchtesgaden an das Königreich Bayern. Es wurde dem bereits 1808 geschaffenen Salzachkreis mit der Hauptstadt Burghausen angegliedert. Den Verwaltungssitz verlegte man dabei nach Salzburg. Geführt wurde die Verwaltung des Salzachkreises vom Generalgouverneur Kronprinz Ludwig von Bayern, dem späteren König Ludwig I., welcher im Schloss Mirabell residierte. Der Salzachkreis war einer der neun bayerischen Verwaltungsbezirke, der neben altbayerischen Gebieten das Land Salzburg, einen Teil Oberösterreichs (darunter das südliche Innviertel) und das Landgericht Kitzbühel in Tirol umfasste. Die neue Staatszugehörigkeit und die damit verbundenen einschneidenden Veränderungen wurden aber vor allem von der Bevölkerung im Gebirge abgelehnt. Diese projizierte ihren Reichspatriotismus auf den österreichischen Kaiser Franz I., der zuvor als Franz II. Kaiser des 1806 untergegangenen „Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation“ gewesen war. Zudem hatten in der österreichischen Zeit von 1806 bis 1809 die Behörden im Land selbst kaum Veränderungen vorgenommen. Die Beibehaltung des so genannten „alten Herkommens“ war den Bauern weitaus lieber als die Reformflut der bayerischen Verwaltung. In der Stadt Salzburg machten sich die Bayern unter anderem durch die Auflösung der Hohe Salzburger Landschaft und der Universität Salzburg unbeliebt. Dabei dürfte der Anschluss an Bayern anfangs im "Flachen Land" weitgehend akzeptiert und in der Stadt sogar begrüßt worden sein. In der Stadt Salzburg waren nämlich private Transparente mit Aufschriften wie etwa „Retour nach Baiern“ zu lesen und die Salzburger Zeitung erblickte den Tag, „...wo uns der Zeitenlauf wieder zu dem alten Vaterhause bringt, dem wir einst angehörten“. Die rücksichtslose Durchsetzung der Reformen im Sinne des Grafen Montgelas jedoch ließ die Sympathie für den Verbleib bei Bayern drastisch schwinden. Ziel des zentralistischen Staates war es, durch die vollständige Löschung der alten Strukturen und jeglicher Eigenart, ein nur nach verwaltungstechnischen Gesichtspunkten gestaltetes Land zu schaffen. Den Salzburgern drohte damit der Verlust ihrer Identität.

In den folgenden Jahren erfolgten der Ausbau von Straßen, die Einführung der staatlichen Post und Neuerungen in der Landwirtschaft. Das Schul- und Bildungswesen und die medizinische Versorgung wurden verbessert. Als Beweis für die Leistungsfähigkeit der damaligen bayerischen Verwaltung kann folgendes Beispiel gelten: Im Jahr 2009 wurden in der Stadt Salzburg erstmals offiziell die Grenzen der Stadtteile genau festgelegt und die Grundlage für diese Einteilung stammt aus der Zeit der bayerischen Herrschaft. Schwere Belastungen für die Bevölkerung aber stellten die Erhöhung von Steuern und Abgaben sowie die Truppenaushebungen dar. Trotz der kriegerischen Ereignisse kümmerte man sich um kulturelle Angelegenheiten: Die Bayerische Akademie der Wissenschaften begann 1815 mit der Ausgrabung der bekannten römischen Palastvilla in Loig. Die österreichischen Aktivitäten auf diesem Gebiet nach 1816 beschränkten sich auf den Abtransport des berühmten Theseus-Mosaiks nach Wien. Nachdem sich Bayern dem Bündnis von Preußen, Russland und Österreich gegen Napoleon angeschlossen hatte, forderte Österreich das Salzburger Land und seine anderen ehemaligen Gebiete zurück. Nach langwierigen Verhandlungen zwischen Kaiser Franz I. und Kronprinz Ludwig in Wien verzichtete Bayern schließlich auf Salzburg. Vor der Übergabe an Österreich aber wurde das Land noch ausgeplündert. Öffentliche Gebäude und Staatsbesitz verkaufte man und die ohnehin nur noch wenigen vorhandenen Kunstschätze wurden nach München gebracht.

Teilung des Flachen Landes

Durch den Münchner Vertrag fiel das Land Salzburg am 1. Mai 1816 wieder an Österreich zurück – allerdings nicht zur Gänze: Mit den Ämtern Waging, Tittmoning, Laufen und Teisendorf auf der linken Seite von Salzach und Saalach blieb das Gebiet des heutigen Rupertiwinkels bei Bayern. Die Trennung des über Jahrhunderte zusammengehörenden Gebiets wirkte sich nachteilig auf die wirtschaftliche Situation aus, denn die bayerisch gebliebenen Bewohner hatten mit der Stadt Salzburg unter anderem ihr bisheriges Zentrum für den Verkauf ihrer landwirtschaftlichen Produkte verloren. Von der neuen Grenzziehung war Laufen ganz besonders betroffen. Es war zwischen Bayern und Österreich aufgeteilt worden und die Stadtteile östlich der Salzach - Oberndorf bei Salzburg und Altach - wurden nun „Österreichisch-Laufen“ genannt. Die Errichtung der neuen Grenze leitete aber auch den Niedergang der bis dahin so wichtigen Salzschifffahrt ein.

Zwischen 1816 und 1821/1822 wurden die Diözesangrenzen an die Staatsgrenzen angeglichen. Das südostbayerische Gebiet, welches seit jeher kirchlich zur Erzdiözese Salzburg gehört hatte, fiel nun in die Zuständigkeit des Erzbistums München und Freising.[2]

Einen rasanten Aufschwung erlebte der kleine Ort Salzburghofen (später Freilassing), der nun als Grenzort zum Sitz eines Oberzollamtes wurde. Spätestens seit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke München – Salzburg – Wien (1860) war Freilassing als Grenzbahnhof und Verkehrsknotenpunkt auf dem besten Weg, die Wirtschaftsmetropole des Rupertiwinkels zu werden. Der Begriff „Rupertiwinkel“ für das ehemals salzburgische Gebiet entstand erst am Ende des 19. Jahrhunderts, als man sich verstärkt der Pflege des Geschichts- und Heimatbewusstseins widmete. Damals wurden auch der Salzburggau in Flachgau und Tennengau geteilt und umbenannt - in Anlehnung an die mittelalterlichen Landschaftsbezeichnungen Pinzgau, Pongau und Lungau. Die später aufgekommene Bezeichnung „Rupertiwinkel“ erinnert an die Vorliebe für Neuschöpfungen von Gau-Namen in der Zeit des Faschismus und trägt zusätzlich zur Verwirrung um das Wesen des altsalzburgischen Gebiets bei.

Historische Grenzen

Im 20. Jahrhundert erfolgten mit derTausend-Mark-Sperre, dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich und der Wiedererrichtung der Grenze nach dem Kriegsende 1945 gravierende Umbrüche. Dieses Wechselspiel der Abgrenzung und Annäherung an Österreich erlebte der Rupertiwinkel in gleicher Weise, wie alle anderen Grenzgebiete. Allerdings ließ der damalige Salzburger Landeshauptmann Josef Rehrl (1947 - 1949) mit einer kuriosen Idee aufhorchen. Er forderte von Bayern die Rückgabe des Rupertiwinkels an Salzburg. Und bei dieser Gelegenheit sollte das Salzburger Land gleich bis zur Traun und an die Alz erweitert werden. Eine „historische Traungrenze“, die es in Wahrheit nie gegeben hat, sollte wieder hergestellt werden. Gleichzeitig strebte er die „Rückkehr“ Reichenhalls und des Berchtesgadener Landes an Salzburg an. Denn Rehrl ging fälschlich davon aus, dass Reichenhall und Berchtesgaden von 1254 bis 1810 zu Salzburg gehört hätten.

Als Anfang der 1970er-Jahre die Pläne für die Landkreisreform veröffentlicht wurden, entzündete sich eine leidenschaftliche Diskussion um den zur Zerschlagung vorgesehenen Landkreis Laufen. Der Begriff Rupertiwinkel war nie zuvor so oft in den Zeitungen zu lesen gewesen, wie in jenen Tagen. In der Tat umfasste der Landkreis beinahe das gesamte ehemals salzburgische Gebiet. Die Gegner der Auflösung argumentierten damit, dass dieser historische Landstrich als gewachsene wirtschaftliche und kulturelle Einheit nicht geteilt werden dürfe. Das „Rupertiwinkel-Bewusstsein“ stand im Landkreis Laufen damals auf einem Höhepunkt, den es bis heute nicht wieder erreicht hat. Allerdings hat man dabei außer Acht gelassen, dass auch die heutigen Gemeinden Piding und Anger, sowie Heiligkreuz und Lindach (heute Stadt Trostberg) zum Rupertiwinkel gehören, obwohl sie nicht im Landkreis Laufen lagen.

Auch heute noch ist der Rupertiwinkel vor allem kulturell stark mit dem Salzburger Land verbunden. Als Beispiele sind unter anderem zu nennen das Aperschnalzen und weitere Brauchtumsformen, sowie die Bauform des „Salzburger Flachgauhofs". Sprachwissenschaftler orteten außerdem die letzten Reste des alten Salzburger Dialekts im Gebiet des Rupertiwinkels. Der Beitritt Österreichs zur Europäischen Union und das Inkrafttreten des Schengener Abkommens haben die Pflege der Verbindungen zwischen dem Rupertiwinkel und dem Land Salzburg wesentlich erleichtert. Auch EuRegio Salzburg - Berchtesgadener Land - Traunstein leistet in dieser Hinsicht wertvolle Arbeit.

Bekannte Orte und Sehenswürdigkeiten

Historischer Verein Rupertiwinkel e.V.

Der Historische Verein Rupertiwinkel e.V. mit Sitz Laufen an der Salzach wurde 1964 als Nachfolger des von 1918 bis 1936 bestandenen „Verein der Heimatfreunde des Rupertiwinkel“ gegründet.

Bildergalerie

Literatur

  • Chiemgau und Rupertiwinkel
  • Kauer, Wolfgang: Schneewittchen in Schönram. Erzählung des zeitgeschichtlichen Ereignisses vom tragischen Tod der Jugendlichen im Lager Schönramer Forst. In: Kauer, Wolfgang: Geheimnisvoll gewinnbringend. Arovell-Verlag, Wien, 2012, S. 7 - 45

Weblinks

Quellen

Quellen (Geschichte)

  • Dopsch, Heinz: Kleine Geschichte Salzburgs, Salzburg 2001
  • Dopsch, Heinz; Spatenegger, Hans: Geschichte Salzburgs, Band I/1, Salzburg 1999
  • EuRegio Salzburg-Berchtesgadener Land- Traunstein: Heimat mit Geschichte und Zukunft, 2004.
  • Hutter, Clem, Rumschöttel, Hermann (Hg.): Vom Salzachkreis zur EuRegio, Bayern und Salzburg im 19. und 20. Jahrhundert, Generaldirektion der staatlichen Archive Bayerns, Salzburger Landesarchiv 2006
  • Lang, Johannes: Geschichte von Bad Reichenhall, Neustadt an der Aisch 2009
  • Lošek, Fritz: Notitia Arnonis und Breves Notitiae, in: MGSL 130, 1990
  • Reindel-Schedl, Helga: Laufen an der Salzach, Die alt-salzburgischen Pfleggerichte Laufen, Staufeneck, Teisendorf, Tittmoning und Waging, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern Heft 55
  • Roth, Hans: Rupertiwinkel, nicht Rupertiwinkel, in: Das Salzfaß 15, 1981.
  • Scheutz, Hannes (Hg.): Drent und herent, Dialekte im salzburgisch-bayerischen Grenzgebiet, EuRegio Salzburg-Berchtesgadener Land-Traunstein 2007
  • Schreglmann, Bernhard: Eine Stadt und ihre Teile, Salzburger Nachrichten, 13. Juni 2009, S. 33
  • Soika, Christian (Hg.): Heimatbuch des Landkreises Traunstein, Band 5, Der nördliche Rupertiwinkel, Landkreis Traunstein 1990
  • Wieser, Max: Pidinger Heimatbuch, Piding 1985
  • Wieser, Max: Schloß Staufeneck, Piding 1978
  • Wilflinger, Rainer: Grenzverlauf und Grenzsituation zwischen dem Erzstift Salzburg und Bayern im Bereich des nördlichen Rupertiwinkels, in: Das Salzfass, Historischer Verein Rupertiwinkel, 2002/Heft 2
  • Wysocki, Josef: Leben im Berchtesgadener Land 1800 - 1990, Sparkasse BGL 1991
  • Hirsch, Andreas, Bad Reichenhall (Bearbeitung und Textgestaltung)

Einzelnachweise