Albert Schumacher

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Dr. med. Albert Schumacher Ritter von Tännengau (* 8. November 1844 in Salzburg; † 15. März 1913 ebenda) war ein langjähriger Salzburger Landeshauptmann, Landtagsabgeordneter und Bürgermeister der Stadt Salzburg im ausklingenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert.

Biographie

Herkunft und Familie

Albert Schumacher entstammte der Ehe des an der Medizinisch-Chirugischen Lehranstalt in Salzburg tätigen Professors Dr. Ignaz Schumacher mit dessen Gattin Aloisia, geb. Oser. Er absolvierte das Medizinstudium an der Universität in Wien und praktizierte von 1871 bis 1876 in Hallein. 1872 ehelichte er die Salzburger Fabrikanten- und Kaufmannstochter Emma Zeller und übersiedelte in die Landeshauptstadt.

Politische Laufbahn

1879 wurde er in den Salzburger Gemeinderat gewählt, von 1888 bis 1890 amtierte er, gewählt von der deutsch-freiheitlich dominierten Gemeindevertretung, als Bürgermeister der aufstrebenden Stadt. Ab 1889 gehörte er als Vertreter Salzburgs dem Landtag an, nach der Landtagswahl von 1896 vertrat er die Stadt Hallein.

1890 wurde er als erster Bürgerlicher zum Landeshauptmann des damaligen Kronlandes Salzburg ernannt; das Bürgermeisteramt legte er nun zurück.

Infolge der Niederlage der deutsch-freiheitlichen Partei bei den Landtagswahlen von 1896 löste ihn nach längeren Verhandlungen am 17. Jänner 1897 sein bisheriger Stellvertreter Alois Winkler ab. Bis zum Beginn seiner zweiten Amtsperiode fungierte Schumacher als Stellvertreter seines konservativen Nachfolgers, den er im Dezember 1902 wiederum in seinem Amt beerbte. Auf Grund seines schlechter werdenden Gesundheitszustandes nahm er 1908 von einer neuerlichen Kandidatur für den Landtag Abstand und zog sich, nach 20 Jahren in der Funktion des Landeshauptmanns bzw. des Landeshauptmann-Stellvertreters, nach Auslaufen seiner Amtszeit im Juli 1909 aus der Politik und dem öffentlichen Leben zurück.

Wirken im Umfeld seiner Zeit

In die kurze Amtsperiode Schumachers als Bürgermeister fiel die Auflassung der Frühjahrsdult und die Einstellung der Karolinenbrückenmaut.

Als Landeshauptmann nahm er regen Anteil an den politischen Auseinandersetzungen seiner Zeit (Regierung Badeni). Während seiner beiden Funktionsperioden wurde am 1. Mai 1890 erstmals der Arbeiterfeiertag begangen. Im selben Jahr kam es zur Eröffnung des elektrischen Aufzugs auf den Mönchsberg und zur Gründung der Salzkammergut-Lokalbahn Aktiengesellschaft, des Gewerbeförderungsinstituts (heutiges Wirtschaftsförderungsinstitut) sowie der Halleiner Zellulosefabrik. Er war natürlich auch bei der Eröffnung der Festungsbahn am 30. Juli 1892 dabei.

Für die Stadt Salzburg von nachhaltiger Bedeutsamkeit waren der Bau der Riedenburgkaserne (1890–1892), die Anlage des Jüdischen Friedhofs in Aigen (1893), der Neubau des Stadttheaters, die Regulierung des Hellbrunnerbaches, die Kanalisierung der Riedenburg (19011905) und die Einstellung der Dult, die ihre Wiederbelebung erst nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr.

1896/97 erlebte er die Jahrhundert-Hochwasserkatastrophe, die neben der Landeshauptstadt vor allem Hallein und Oberndorf bei Salzburg stark in Mitleidenschaft zog und zur Beschlussfassung über die Verlegung des Marktes Oberndorf (Ortsteile Alt-Oberndorf und Altach) bzw. zum Bau von Neu-Oberndorf – dem heutigen Ortskern der Stadt Oberndorf – führte.

Schumachers persönliches Interesse galt dem Ausbau des Schulwesens; dabei förderte er besonders die für die Wirtschaft wichtigen Schulen, etwa die Landwirtschaftsschulen (z. B. Berti-Hof in Kleingmain und Winklhof in Oberalm). Während seiner Amtszeit kam es aber auch zum Bau zahlreicher Volksschulen, darunter die Volks- und Bürgerschule im Städtischen Schulgebäude St. Andrä (1893), in der später Albert Einstein seine Relativitätstheorie vortrug, die evangelische Volksschule an der Schwarzstraße (1906) und die Müllner Volksschule. Ein weiteres Anliegen war ihm der Bau der „Vereinigten Versorgungsanstalten der Stadt Salzburg“ in - damals noch Nonntal (heute Riedenburg), mit deren Errichtung die bisherigen Anstalten Bürgerspital St. Blasius‎‎, Kronhaus (Griesgasse), Bruderhaus St. Sebastian (Linzer Gasse) und Erhardspital (Nonntal) einem anderen Verwendungszweck zugeführt werden konnten.

Die Bedeutung Schumachers für Salzburg und besonders für die Salzburger Wirtschaft liegt vor allem in seinem unermüdlichen Einsatz für den Ausbau des Eisenbahnnetzes, wozu er unter anderem die Erlassung des „Landeseisenbahngesetzes“ zur Förderung der Lokalbahnen veranlasste. 1891 eröffnete er in seiner Funktion als Landeshauptmann den ersten Abschnitt der Salzkammergut-Lokalbahn von Salzburg nach Mondsee. 1894 wurden die Salzkammergut-Lokalbahn bis ins oberösterreichische Bad Ischl und die, vor allem für den Lungau wichtige, Murtalbahn vom steirischen Unzmarkt nach Mauterndorf fertiggestellt und eröffnet. 1896 folgte die Inbetriebnahme der Lokalbahn von Salzburg über Oberndorf nach Lamprechtshausen. Am 20. September 1905 eröffnete Schuhmacher gemeinsam mit Kaiser Franz Joseph I. am Bahnhof in St. Veit im Pongau (heute Schwarzach im Pongau) das erste Teilstück der Tauernbahn bis Bad Gastein. Kurz vor Ende seiner zweiten Amtszeit folgte am 5. Juli 1909 die offizielle Eröffnung der zweiten Teilstrecke von Badgastein durch den Tauerntunnel nach Spittal an der Drau, womit der Bau der Tauernbahn, die sich nachhaltig als wirtschaftlicher Entwicklungsmotor für das ganze Salzburger Land und vor allem für den Pongau erwiesen hat, vollendet war.

Er setzte auch wichtige Impulse für die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Stadt und Land Salzburg. So fällt in die Endphase seiner zweiten Amtszeit im Mai 1909 noch die Gründung der „Salzburger Landes-Hypothekenanstalt“ (heute Salzburger Landes-Hypothekenbank AG).

Gegen sein Lebensende hin verfasste Schumacher eine umfangreiche Autobiographie, die er anlässlich seiner Erhebung in den Adelsstand in in einer Auflage von nur 40 Stück drucken und bis zum Tod all seiner Zeitgenossen unter Sperre halten ließ. Diese 40 Exemplare sind zum Großteil in der Familie (Chronik der Familie Schumacher). Dieses Werk wartet bis heute auf eine Auswertung. Rupert Schumacher, ein Nachkomme, hat die Familiengeschichte bis zum Dreißigjährigen Krieg zurückverfolgt und vervollständigt.

Ehrungen

In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm die Stadt Hallein am 13. Februar 1895 ihre Ehrenbürgerschaft. Auch die Marktgemeinde Oberndorf an der Salzach zählte ihn zu ihren Ehrenbürgern.

1909 (laut Netsch bereits 1908) wurde Schumacher mit dem Prädikat „Ritter von Tännengau“ ausgezeichnet und in den Adelsstand erhoben.

Nach seinem Ableben fand er seine letzte Ruhestätte in der Familiengruft der Kaufmannsfamilie Zeller am Salzburger Kommunalfriedhof. Dem Grabmal Schumachers wurde von der Stadtgemeinde Salzburg der Status eines – mittlerweile aufgehobenen – Ehrengrabes zuerkannt.

Der Salzburger Gemeinderat beschloss 1946 die Benennung der heutigen Schumacherstraße im Stadtteil Lehen nach dem einstigen verdienstvollen Bürgermeister und Landeshauptmann.

Literatur und Quellen

Zeitfolge
Landeshauptleute von Salzburg