Geschichte von Zell am See

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Zell am See von Süden gesehen. Im Hintergrund das Steinerne Meer

Die Geschichte von Zell am See reicht in die Frühgeschichte zurück, die erste Erwähnung der Gründung als Cella in Bisontio erfolgte in der Notitia Arnonis im Jahr 788/790, das Marktrecht (als Pan- bzw. Bannmarkt) reicht in das frühe 14. Jahrhundert zurück, 1928 wurde Zell am See zur Stadt erhoben.

Die Anfänge

Ausblick von der Ebenbergalm auf Zell am See, Zeller See, Thumersbach, Thumersbachtal, Hundsteingruppe und Steinernes Meer

Die noch im 8. Jahrhundert verwendete Ortsbezeichnung „in Bisontio“ im Zusammenhang mit dem keltischen Volksstamm der Ambisonten, bronzezeitliche Keramikfragmente im Schmittengraben und Kupferschmelzplätze (nahe der Ebenbergalm, der Mittelstation und in Thumersbach) weisen auf eine Begehung und vermutlich auch erste Besiedlung des Raumes um den Zeller See schon vor über 3 000 Jahren hin. Auch in der Zeit der Römer und der Völkerwanderung dürfte der verkehrsgeografisch günstig gelegene Ort am Kreuzungspunkt mehrerer Verkehrswege (Saalachtal, Salzachtal, Nord-Süd-Verbindung über den Alpenhauptkamm mit einem keltisch-römischen Passheiligtum Hochtor sicher von Interesse gewesen sein. Manches spricht dafür, dass der Saumhandel und die damit im Zusammenhang stehende Siedlung bis zur bajuwarischen Landnahme im Frühmittelalter nie gänzlich aufgegeben wurden, auch die Gründung eines „Klosters“ als Wirtschaftszelle (vergleichbar einem Hospiz) in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts dürfte damit im Zusammenhang stehen.

Die bayerische Cella in Bisontio

Die „Cella in Bisontio“ wird zwar in dem Salzburger Güterverzeichnis Notitia Arnonis (Aufzeichnungen des Arno) im Jahr 788/790 (frühere Jahresangaben wie 740, 743, 748 oder Zeitangaben wie „unter Bischof Johannes“ sind nicht belegbare Erfindungen) erstmals urkundlich erwähnt, der gesamte Pinzgau gehörte zur damaligen Zeit aber zum Herzogtum Bayern, die territoriale Macht war auf mehrere einflussreiche bayerische Grafschaften verteilt. Die Stifter der Celle müssen daher im adeligen Umkreis des Baiernherzogs Tassilo III. gesucht werden, auch der Herzog selbst kann als Gründer nicht ganz ausgeschlossen werden. Der Name Cella (Czel, Cell, Zell, …) setzte sich jedenfalls bald als Bezeichnung auch für die weltliche Ansiedlung durch, von der (früh-)mittelalterlichen Anlage des Marktplatzes (heute Stadtplatz) blieb die Anordnung der Gebäude und hierbei insbesondere der Vogtturm im Wesentlichen unverändert erhalten. Die Bauherren dieses stattlichen Turmes sind unbekannt, müssen aber jedenfalls auch in einflussreichen Adelsgeschlechtern (Herren von Pinzgowe?) gesucht werden.

Die Kirche zum hl. Hippolyt

Teilansicht der Krypta von St. Hippolyth

Die heutige Stadtpfarrkirche St. Hippolyth mit einer historisch interessanten Krypta reicht in ihren Wurzeln möglicherweise bis in die Gründerzeit der Cella zurück, eine neben dem Eingang zur Sakristei eingemauerte antike Kopfskulptur sowie andere Bauteile aus der Römerzeit (Spolien) könnten möglicherweise sogar als Hinweise auf eine vorchristliche Kultstätte gedeutet werden. Auch die alte Propstei am Stadtplatz (heute Bankhaus Carl Spängler & Co. AG) und Kellergewölbe in der Kirchgasse weisen ein hohes Alter auf. Neben der (vermutlich adeligen Eigen-) Kirche zum hl. Hippolyt stand früher die Volks- und Wallfahrtskirche Maria im Wald (Maria Walt), sie musste 1770 nach einem verheerenden Brand im Ortszentrum abgerissen werden. Auch die Hippolytkirche wurde arg in Mitleidenschaft gezogen, nach den Wünschen der Einwohner hätte sie durch einen Neubau ersetzt werden sollen.

Das Aufkommen Salzburgs, Marktprivilegien, Handel und Gericht im Hoch- und Spätmittelalter

Im 12. und 13. Jahrhundert nahm der Einfluss des Salzburger Erzbischofs im Innergebirg kontinuierlich zu, umfangreiche Erbrechte sicherten 1228 den Besitz des Fürsterzbistums im Pinzgau ab, endgültig fielen die einzelnen Grafschaften 1480 unter den Krummstab. Schon lange musste jedenfalls auch das 1217 gegründete und von Salzburg abhängige Suffraganbistum Chiemsee (mit einer Residenz auf Schloss Fischhorn) von der Zeller Pfarre in Form von Mensalabgaben mitversorgt werden.

Die Ursprünge des Zeller Marktrechts reichen in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts zurück, nach einer Reihung auf einer Salzburger Landtafel (anno 1620) dürfte Zell sogar – aufgrund der zentralen Lage wenig verwunderlich – der zeitlich erste Markt im Pinzgau gewesen sein. Unter Erzbischof Ortolf von Weißeneck bekamen die Zeller Bürger 1357 weitere Marktprivilegien, die in den folgenden Jahrhunderten immer wieder erneuert und ausgedehnt wurden, unter anderem deshalb, weil sich der Nord-Süd-Handel immer mehr auf die inzwischen zu einem Karrenweg ausgebaute „Untere Straße“ über den Radstädter Tauern verlagerte.

Dennoch nahmen die Zeller als Beherberger, Säumer und Zwischenhändler immer noch eine bedeutende Rolle ein, man belieferte den Süden vorwiegend mit Salz aus den erzbischöflichen Salinen und kehrte mit Produkten des Mittelmeerraumes (Süßwein, Öl, Südfrüchte, „Venedigerwaren“, …) zurück. Zahlreiche schon im 15. Jahrhundert verbriefte Zeller Gast- und Beherbergungsbetriebe standen vornehmlich in Verbindung zu an den Handel gebundenen „Weinlehen“, für die Saumpferde standen z.T. große Stallungen zur Verfügung. Das ursprüngliche für alle Märkte geltende Panmarktrecht (wobei der Handel in die Marktorte „gezwungen“ wurde) beanspruchte man hierorts sehr lange, allerdings wurden diese Bestimmungen später fälschlich als Gewerbefreiheitsrechte interpretiert und deshalb von der Landesobrigkeit eingezogen.

Im Spätmittelalter kann Zell auch als Gerichtsort belegt werden, kurz vor 1600 vereinte man das hiesige Landgericht mit der Pflege von Kaprun und dem Urbaramt in Fusch, der Markt Zell im Pinzgau wurde somit auch zentraler Ort der Verwaltung und des Gerichtes.

Bergbau und Gewerken

Eine wichtige Rolle spielte über Jahrhunderte hinweg auch der Bergbau, in zahlreichen Stollen in den damals noch selbstständigen Kommunen Bruckberg und Thumersbach wurden Kupfer- und Schwefelkieserze sowie silberhaltiger Bleiglanz und Zinkblende abgebaut. Das „Empfachs- und Freypuech“ des „Perckhgerichts“ Zell am See weist 1542 zahlreiche Stollen im Besitz mehrerer Gewerken am Lienberg und Limberg auf. Obwohl der Bergbau in der Folge, auch bedingt durch eine allgemeine schwere Wirtschaftskrise, rapide abnahm, konnten 1611 immer noch bis zu 400 Tonnen Erze pro Jahr gefördert und daraus in den Pochwerken in der Schütt und in Thumersbach etwa 20 000 Kilogramm Feinkupfer gewonnen werden. Als Gewerken (Bergwerksunternehmer) traten hierorts besonders die Rosenberger in Erscheinung, auf sie geht auch das (ab) 1577 erbaute und seit 1973 als Rathaus genutzte Schloss Rosenberg zurück.

Krisen, Kriege, Epidemien und Naturkatastrophen im Markt Zell im Pinzgau

Dennoch blieb der Marktort Zell im Pinzgau seit der Blütezeit des Handels im Hochmittelalter immer von bescheidener Größe, über Jahrhunderte blieb die Anzahl der Häuser im Burgfrieden (vom Schiedbach [Schüttbach] bis zum Badhaus) mit rund sechzig bis neunzig konstant, die Einwohnerzahl dürfte bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wohl 500 bis 600 nie überschritten haben, auch hatte der Marktflecken zu keiner Zeit eine Stadtmauer.

Krisen und Kriege wie die Bauernerhebungen 1525/1526 (die Verleihung des Ehrentitels „die getreuen Knechte des hl. Rupertus“ ist historisch nicht bewiesen), der Vollzug der Todesstrafe an dem Zeller Pfleger Caspar Vogl im Jahr 1606, die Prozesse und Massenhinrichtungen rund um den mysteriösen Zauberer Jackl im 17. Jahrhundert, die unmenschliche Vertreibung der Protestanten aus Salzburg unter Fürsterzbischof Leopold Anton Freiherr von Firmian 1731 und die Franzosenkriege (Anfang des 19. Jahrhunderts) betrafen den Marktort natürlich wirtschaftlich, hatten für die innere Entwicklung aber genauso eher geringe Auswirkungen wie das Ende der fürsterzbischöflichen Ära und die Eingliederung Salzburgs in den Habsburger-Staat.

Über Auftreten und Folgen der zahlreichen Pestepidemien in Zell wissen wir wenig, der bis 1975 im linken Seitenschiff der Stadtpfarrkirche St. Hippolyth gelegene Sebastiani-Altar (der hl. Sebastian wurde als Schutzpatron gegen die Pest angerufen, heute befindet sich hier das Taufbecken) lässt aber darauf schließen, dass auch (bzw. gerade) in dem Handelsort Zell im Pinzgau die Pest ein ständiger Angst- und Bedrohungsfaktor für die Menschen gewesen sein muss. Dies gilt natürlich auch für andere Seuchen und Epidemien, so starben allein im Jahr 1800 57 Kinder (!!) an den Blattern.

Im Zusammenhang mit der Klimaverschlechterung der sog. „Kleinen Eiszeit“ traten ab dem 16. Jahrhundert vermehrt heftige Unwetter und als Folge weitverbreiteter Holzschlägerungen im gesamten Pinzgau riesige Murgänge und zunehmend verheerende Überschwemmungen auf. Eine dramatische Folge war die Auflandung und Vergrusung des Talbodens, begleitet von Krankheiten wie dem „Pinzgauer Sumpffieber“ und allerlei Hautkrankheiten, auch waren unglaubliche Mückenplagen eine Folge.

Eisenbahn, Pioniere und die Perle des Salzburger Landes

Die ersten urkundlichen Spuren über wasserbauliche Maßnahmen im Pinzgau reichen in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts zurück, aber erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts stellten sich nachhaltigere Erfolge bei der Regulierung des Flussbettes der Salzach ein. Wurde noch 1842 im renommierten deutschen Reiseführer Baedeker vor einem Aufenthalt in Zell am See (die Bezeichnung „am See“ kam ausgehend von der bayerischen Zeit nach den Franzosenkriegen immer mehr in Gebrauch) wegen der ungesunden Sümpfe gewarnt, so bezeichnete 30 Jahre später der Münchner Bergsteiger und Alpinschriftsteller Karl Hofmann den Zeller See schon als „die Perle des Salzburger Landes“.

Und bald begann mit dem Aufkommen des ersten Massentransportmittels der Menschheitsgeschichte, der Eisenbahn, auch ein neues Kapitel für Stadt und Land Salzburg. Als am 30. Juli 1875 erstmals eine Zugsgarnitur der Salzburg-Tiroler-Bahn am Bahnhof in Zell am See einfuhr, schlug für den Markt gleichsam auch die Geburtsstunde des Fremdenverkehrs, damals wurde eine Entwicklung zu einem zentralen Fremdenverkehrsort eingeleitet, die im Wesentlichen bis heute andauert.

Auswärtige Pioniere, allen voran der aus dem damals preußischen Posen stammende und später in Breslau beheimatete Rudolf Riemann, rüttelten die einheimische Bevölkerung wach und fanden beim „Bürgermeister mit Weitblick“ Josef Salzmann, der auch verhindert hatte, dass die Bahn über Thumersbach geführt und die Bezirkshauptmannschaft nach Saalfelden verlegt wurde, offene Ohren. So waren schon 1871 in Zell am See eine Alpenvereinssektion gegründet und Wanderwege angelegt worden, auf der Schmittenhöhe stand seit 1874 den Gästen ein Unterkunftshaus, das ständig Erweiterungen erfuhr und in den 1880-er Jahren v.a. von Carl und Emilie Haschke zu einem Berghotel mit über 40 Zimmern und 90 Betten ausgebaut wurde, zur Verfügung. Dass man nun zunehmend auch mit Touristen „rechnete“, zeigt die Gründung eines Verschönerungsvereins in Zell am See im Jahr 1877, aus dieser Zeit stammen auch die ersten Faltprospekte mit Wandervorschlägen und -karten. Verdiente Bürgermeister nach Josef Salzmann in der Zeller „Gründerzeit“ waren Josef Fill, Leopold Sterzinger und Dr. Josef Müller.

Die Zeller Gründerzeit von 1875 bis 1914

Als besondere Attraktion galt bei den Gästen des aufstrebenden Fremdenortes insbesondere auch das – vergletscherte – Hochgebirge, Ausflüge nach Kaprun und Ferleiten waren überaus beliebt. Auf Initiative des Zeller Alpenvereins und ausgeführt von Bezirksbauingenieur Nikolaus Gassner, wurden in kurzer Zeit eine Mautstraße ins Kapruner Tal und ein Karrenweg bis zum Mooserboden erbaut. Auf bequeme Art und Weise konnte man ab Jänner 1897 ausgehend vom Bahnhof in Zell am See mit der schmalspurigen Lokalbahn in den Oberpinzgau zu den weitum bekannten Krimmler Wasserfällen reisen.

Parallel zum Ausbau der Verkehrswege entstand auch in Zell am See eine Reihe von neuen Häusern, darunter das Hotel Krone, das Hotel Kaiserin Elisabeth, das Hotel am See (Grand Hotel), die Neue Post, der Pinzgauer Hof (heute Finanzamt), Geisters Seehotel, das Hotel Central, das Hotel Austria, das Hotel Elektra oder das Hotel Bellevue in Thumersbach, mehrfach wurden Zell am See und die Schmittenhöhe auch von den höchsten Repräsentanten des Kaiserhauses besucht.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war auch in die Kunstszene verstärkt Bewegung gekommen, bekannte österreichische Künstler wie Thomas Ender, Friedrich Gauermann, Hubert Sattler und Edmund Höd genauso wie der Engländer Edward Theodore Compton und der in Zell beheimatete Karl Flieher faszinierten der Marktort und die „schaurig-schöne“ Hochgebirgslandschaft. Ihre Gemälde, Illustrationen, Stiche und Prospekte erreichten ein internationales Publikum.

Zell am See war zur damaligen Zeit ein sehr kleiner, bescheidener Markt mit 95 Häusern und geprägt durch Handel, Gewerbe, Fischerei und Landwirtschaft. Thumersbach-Erlberg (bis 1935) und Bruckberg-Schmitten (bis 1939) waren selbstständige Gemeinden. Der Zeller Bürger und Handelsmann Josef Dießbacher war bis 1850 Bürgermeister und trieb die Umgestaltung und Neuorganisation der Gemeindeverwaltung voran.

Nur bestimmte Bürger hatten das Wahlrecht. Glasermeister Johann Unterganschnigg wurde in die Zeller „Burgerschaft“ aufgenommen. Seine Nachkommen zählen heute zu den ältesten Zeller Familien, von denen es nur mehr wenige gibt. Riemermeister Josef Salzmann wurde in den Gemeinderat gewählt und kaufte als späterer Bürgermeister im Jahre 1860 den Zeller See. Weniger erfreulich war die Einführung des neuen „stabilen Grundsteuer- und Gebäudekatasters“. Sämtliche Grundstücke wurden vermessen, was dringend erforderlich war, weil ja zu diesem Zeitpunkt die Steuern im Wesentlichen aus dem Grundertrag berechnet wurden. Zehente sowie grund-, berg- und vogtherrliche Rechte wurden abgelöst und die Steuereinhebung allmählich modernisiert.

Der Zeller Pfarrer Mathias Englmayer (1842 – 1850) verfasste 1848 die erste „Chronik der Pfarre Zell am See in Pinzgau“, den Freunden der vaterländischen, besonders der heimatlichen Geschichte gewidmet. Pfarrer Englmayer schrieb sein Werk „Historia est optima magistra hominum“ (Geschichte ist die beste Lehrmeisterin der Menschen). Er hat damals als einer der wenigen Pinzgauer bestimmt auch die „Salzburger Zeitung“ gelesen.

1848 übernahm „Franzl“, Kaiser Franz Joseph I., die Regierungsgeschäfte und heiratete 1854 seine „Sisi“, Kaiserin Elisabeth. Sie besuchte 1885 Zell am See, wohnte im Hotel „Kaiserin Elisabeth am See“ und bestieg zu Fuß zur Nachtzeit mit Begleitern in 2,5 Stunden die Schmittenhöhe. Auch Kaiser Franz Joseph I. besuchte unseren Hausberg und benützte für die Auffahrt ein vom Pferd gezogenes Schmittenhöhe-Wagerl. Der Kaiser übernachtete von 11. auf 12. Juli 1893 im Berghotel und war von der herrlichen Aussicht begeistert. Über die kaiserlichen Besuche berichtete man in Zeitungen im In- und Ausland und das war für die damalige „Zeller Sommerfrische“ eine „unbezahlbare“ Werbung[1].

Der Erste Weltkrieg

Ein jähes Ende des allgemeinen Aufschwungs brachte der Erste Weltkrieg. In Zell am See mussten 270 Männer einrücken, 62 kehrten nicht mehr von den zahlreichen Fronten zurück. Im Hinterland machten sich die Kriegsjahre außer durch die Todesnachrichten von den Schauplätzen des Krieges hauptsächlich durch die drastische Verknappung und die dadurch notwendige Rationierung der Lebensmittel bemerkbar. Erschwerend für die Ernährungssituation war auch, dass schon bald nach Kriegsbeginn die k. k. Militärbehörde die Unterbringung Verwundeter in Zell am See angeordnet hatte. Auch die Schaffung eines TBC-Heimes − bei gleichzeitiger Beibehaltung des Rufes als Kurort − erforderten vom damaligen Bürgermeister Mag. pharm. Josef Wisgrill einen hohen persönlichen Einsatz. So war es nicht verwunderlich, dass Wisgrill unmittelbar nach Kriegsende das Bürgermeisteramt an den bei Bürgermusik und Feuerwehr verdienten „ersten Gemeinderat“, Anton Gaßner (Deutsche Arbeiterpartei > DAP), abgab.

Die Zwischenkriegszeit

Ihm folgte von 1919 bis 1922 Anton Werber von den Sozialdemokraten, er wurde krankheitsbedingt von August 1920 bis September 1921 von dem bürgerlichen Vizebürgermeister Leo Gastgeber vertreten. Nach dem Wahlgang des Jahres 1922, der wiederum den Sozialdemokraten die Stimmenmehrheit gebracht hatte, einigte man sich im bürgerlichen und nationalen Lager auf einen gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten, den Nationalen Josef Ernst. Sicher auch beeinflusst durch die deutschen und deutschösterreichischen Pioniere des Fremdenverkehrs war in politischer Hinsicht in Zell am See eine „deutsch“-nationale Einstellung weit verbreitet. So hatte sich nach dem Ersten Weltkrieg eine starke Gruppe der sog. Hitlerbewegung (DAP, später in Österreich DNSAP) etabliert, der auch der Zeller Bürgermeister Josef Ernst angehörte. 1925 kandidierte in Zell eine „Einheitsliste der wirtschaftlich vereinigten christlichsozialen, großdeutschen und nationalsozialistischen Parteien in Zell am See“.[2] Listenführer war Dr. Ludwig Margreiter, ihm folgte an zweiter Stelle und als Bürgermeisterkandidat Josef Ernst.

In der schließlich neunjährigen Amtszeit von Josef Ernst wurde Zell am 24. Jänner 1928 vom Salzburger Landtag zur Stadt erhoben, begründet wurde dies „in Würdigung der hervorragenden Entwicklung des Marktes, die er auf dem Gebiete des Fremdenverkehrs bereits zu Ende des vergangenen Jahrhunderts, insbesondere aber in jüngster Zeit genommen hat“.[3] Wesentlich hatte dazu beigetragen, dass als fünfte Seilbahn Österreichs die Schmittenhöhebahn erbaut und am 30. Dezember 1927 offiziell in Betrieb genommen werden konnte.

Erst die Wahlen von 1931 brachten einen Umschwung, die Koalition von christlichsozialen, großdeutschen und nationalsozialistischen Parteien zerbrach. Streitigkeiten und offensichtliche Meinungsverschiedenheiten innerhalb der nationalen Gruppen führten zu einer Spaltung in ein Großdeutsches Lager und den nationalen Flügel der Hitlerbewegung. Nach drei dramatischen Wahlgängen bekam nach internen Absprachen überraschend der Sozialdemokrat Anton Werber (nach 1919 erneut) eine Mehrheit, Josef Ernst zog sich bald darauf aus der Politik zurück.

In der nun zweiten Amtsperiode von Anton Werber (April 1931 bis Mai 1933) eskalierte indes die seit Jahren angespannte Situation. Die Zeller Gemeindevertretung schaltete sich – vergleichbar mit den Vorgängen im Parlament in Wien – ebenso gleichsam selbst aus. Nach einem Misstrauensvotum gegen Werber entstand ein Zustand „ex lege“, mit Bezirkshauptmann Dr. Rudolf Hanifle musste von der Landesregierung ein Regierungskommissär anstelle eines gewählten Bürgermeisters mit der Führung der Amtsgeschäfte beauftragt werden. Hanifle übergab im Dezember 1933 diese Aufgabe an Regierungsrat Leo Weißengruber, der diese Funktion bis Juni 1934 ausübte. Noch zwei weitere Jahre blieb Zell unter Aufsicht des Landes, Kommissär war Dr. Adalbert Mueller. Zell war in den beginnenden 1930er Jahren zur notleidendsten Gemeinde des ganzen Landes geworden, zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung mussten 1933 sogar Militäreinheiten angefordert und stationiert werden. Erst im Mai 1936 konstituierte sich wieder eine Gemeindevertretung, der über den einzelnen Lagern stehende Gastwirt Sebastian Hörl nahm 1936 nach langem Zögern das Amt an. Mit ihm stand nun – für zwei Jahre - wieder ein (von der Gemeindevertretung) gewählter Bürgermeister an der Spitze der Stadt.

1938 bis 1945

Sebastian Hörl wurde beim Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 abgesetzt, interimistisch übernahm Dr. Georg Lippert (NSDAP) die Amtsgeschäfte. Von 1939 bis 1945 führte der zum Amtsbürgermeister bestellte Nationalsozialist Ing. Erich Janik die Geschäfte der Bergstadt, seine Amtsführung und seine Persönlichkeit werden von Zeitzeugen bis heute sehr unterschiedlich bewertet. Nach Aussagen von Zeitzeugen soll er korrekt gewesen sein und auch Zellern bei Vorwürfen oder Verfolgungen geholfen haben, dennoch war er Mitwisser hinsichtlich aller Verbrechen (unter vielen anderen das Todesurteil gegen Andreas Kronewitter[4] wegen Wehrkraftzersetzung) und somit auch Mittäter wie alle anderen überzeugten Nationalsozialisten in Parteiämtern auch.

Die Euphorie bei den zahlreichen Parteigängern und Sympathisanten des Anschlusses verflachte nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs sehr rasch, auch hier musste schließlich alles den „kriegswirtschaftlichen Erfordernissen“ untergeordnet werden. Rund 1 050 Zeller waren zum Kriegsdienst eingezogen worden, die Gemeinde hatte schlussendlich 183 Tote und Vermisste zu beklagen.

Anlässlich von Bauarbeiten für eine Segelflugschule des Nationalsozialistischen Fliegerkorps (NSFK) wurden auf Gemeindegrund ab 1939 von Zwangsarbeitern aus den besetzten Kriegsgebieten Baracken errichtet, auch wurde seitens der Gauleitung die Erbauung von Behelfsheimen für Bombengeschädigte in Zell am See angeordnet. Aber der Luftkrieg erreichte zunehmend auch das Gebirge, am 25. Februar 1944 attackierten alliierte Verbände im Rahmen eines Großangriffes auf Süddeutschland Eisenbahnziele bei Zell am See, am 29. Dezember 1944 wurde ein zwischen Zell und Bruck stehender und mit Munition beladener Güterzug in Tiefflügen angegriffen und durch Bordwaffenbeschuss zur Explosion gebracht. Bis Kriegsende hatte es schließlich 459 Mal Luftalarm gegeben[5], die Stadt selbst blieb von Bombentreffern verschont.

Die von führenden Nationalsozialisten propagierte Alpenfestung war zwar ein Trugbild, dennoch befanden sich gegen Ende des Krieges Führungsstäbe der Wehrmacht und das Oberkommando der Luftwaffe (OKL) in Zell am See und Thumersbach. Ganz allgemein erlebte die Stadt in der Kriegszeit und in den ersten Monaten danach die größte Invasion ihrer Geschichte. Waren schon seit 1942 Südtiroler (Optanten) und Reichsdeutsche in der „Neuen Heimat“ angesiedelt worden, so kamen in den letzten Kriegsmonaten tausende Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten in Deutschland und Ostösterreich hinzu. In den Hotels und Gasthöfen mussten vielfach Lazarette eingerichtet werden, die Zahl der zivilen Bewohner stieg auf über 11 000 an.

Kriegsende und Nachkriegszeit

Die ersten amerikanischen Soldaten in Zell am See waren die Fallschirmjäger der 101. US-Luftlandedivision (101st Airborne Division), die der 7. Armee unterstellt waren, sie rückten am 8. Mai 1945 in Zell am See ein. Wenig später übernahm die „Rainbow Division“ (42nd Infantry) die Verwaltung, Entnazifizierung und Demokratisierung der befreiten Gebiete im Pinzgau. Bald gelang es den amerikanischen Befehlshabern in Zusammenarbeit mit den Vertretern der Stadtgemeinde (Dr. Erich Schandlbauer, Dr. Roland Weinlich, Erwin Prodinger, Josef Grani (senior)), den weit verbreiteten Mangel an Nahrungsmitteln und anderen Gütern des alltäglichen Bedarfs zu lindern. Bemerkenswert ist auch, dass es damals im Grand Hotel (mit Außenstellen auch beim Metzgerwirt) in Zell am See eine amerikanische Universität (die Rainbow University) gab.

Die Amtszeit von Bürgermeister Erwin Prodinger und Vizebürgermeister Josef Grani (senior) erwies sich Anfang 1946 mehr als schwierig, denn umfangreiche Aufräum- und Restaurierungsarbeiten standen an. Bald wurde aber alles wiederhergestellt, die Infrastruktur auf der Schmittenhöhe durch neue Lifte und großzügigere Skiabfahrten kontinuierlich verbessert, auch die Schifffahrt konnte durch den Ankauf des Bootes „Libelle“ gefördert werden. Daran schlossen sich kommunale Werke, der Aufbau der Volksschule, die Adaptierung und Einrichtung des Krankenhauses und anderes mehr an. Durch die steigende Konjunktur und den stetig wachsenden Fremdenverkehr rückte Zell am See in kurzer Zeit wieder in die erste Reihe der Salzburger Fremdenorte auf. Auffallend ist, dass dem Winterfremdenverkehr in den „Fünfzigern“ und „Sechzigern“ des 20. Jahrhunderts nun immer mehr Bedeutung zukam, der Skilauf fand zunehmend Anhänger.

Aufschwung bis zur Gegenwart

1955 wurde Richard Glantschnigg zum Bürgermeister gewählt, auf ihn folgte von 1959 bis 1969 Dr.Ernst Höfer. In seiner Amtszeit konnten zahlreiche kommunale (Groß-)Projekte verwirklicht werden. Besonders wertvoll für die Stadtverwaltung erwies sich der Ankauf von Schloss Rosenberg, der Gewerkenbau wurde generalsaniert und in der Folge als Rathaus adaptiert.

Nach dem Ausscheiden Höfers aus der Politik folgte 1969 der Hotelier und Direktor der Volksschule Schüttdorf, Alois Latini, er wurde 1974 und 1979 wiedergewählt. Infolge einer politischen Krise, ausgelöst durch den damaligen Leiter der Finanzverwaltung, und einer allgemeinen Finanzkrise rund um den Krankenhausbau legte Latini im Juni 1982 seine politischen Funktionen nieder. Für ihn übernahm der SPÖ-Stadtparteiobmann Prof. Mag. Walter Thaler das Amt, auch er war schon seit 1974 als Vizebürgermeister sowie Kultur- und Sozialreferent in die Stadtgeschäfte eingebunden gewesen. Thaler übte das Bürgermeisteramt von 1982 bis 1993 aus, er war bis 2004 auch Abgeordneter zum Salzburger Landtag und von 1993 bis 1999 dessen Zweiter Präsident.

Im Juli 1993 wurde der Technische Betriebsleiter der Schmittenhöhebahnen, Ing. Johann Wallner, Bürgermeister, dieser wiederum gab nach fünf Jahren das Ruder der Stadtpolitik an den Vorstandsdirektor der Wohnbaugenossenschaft Bergland, Dr. Georg Maltschnig, weiter.

Nach zehnjähriger Arbeit für die Stadtgemeinde und einer kurzen Amtszeit von Mag. Bernd Kaiser leitete seit den Gemeindevertretungswahlen im Jahr 2009 Ing. Hermann Kaufmann die Geschicke der Bergstadt. Er wurde im Oktober 2013 völlig unerwartet aus dem Leben gerissen, die Amtsgeschäfte gingen auf Peter Padourek über, der bei den Bürgermeisterwahlen 2014 im März 2014 gegen den Herausforderer Ing. Johann Wallner kandidierte und mit 65,7 Prozent das Vertrauen der Bevölkerung als Bürgermeister erhielt.

Im 21. Jahrhundert ist das „Vorwärts ohne Murren“, mit dem der Fremdenverkehrspionier Rudolf Riemann seine Zeitgenossen noch vor 150 Jahren wachrütteln musste, einem zuversichtlichen „Vorwärts in die Zukunft“ gewichen.

Quelle

  • Hochhold, Rainer: Cella in Bisontio – Zell im Pinzgau – Zell am See. Eine historische Zeitreise, Zell am See 2013, 448 Seiten. ISBN: 978-3-200-03385-6

Fußnoten

  1. Salzburger Woche, Ausgabe Pinzgauer Nachrichten, 5. März 2015
  2. Wahlliste; Bezirksarchiv Pinzgau, Zell am See
  3. Stadterhebungsurkunde; Original im Stadt-Museum im Vogt- oder Kastnerturm
  4. Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) E 18.574
  5. Feuerwehrchronik; Horst Scholz; Bezirksarchiv Pinzgau Zell am See